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L'HOMME. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft 16 (2005), 1

Titel der Ausgabe 
L'HOMME. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft 16 (2005), 1
Weiterer Titel 
Übergänge. Ost-West-Feminismen

Herausgeber
Erna Appelt (Innsbruck), Caroline Arni (Bern), Gunda Barth-Scalmani (Innsbruck), Ingrid Bauer (Salzburg), Mineke Bosch (Maastricht), Susanna Burghartz (Basel), Ute Gerhard (Frankfurt a. M.), Christa Ehrmann-Hämmerle (Wien), Hanna Hacker (Wien), Karin Hausen (Berlin), Hana Havelkova (Prag), Waltraud Heindl (Wien), Margareth Lanzinger (Wien), Brigitte Mazohl-Wallnig (Innsbruck), Edith Saurer (Wien), Claudia Ulbrich (Berlin), Regina Schulte (Florenz/Bochum)
Erschienen
Wien 2005: Böhlau Verlag
Erscheint 
Erscheinungsweise: 2x jährlich
ISBN
3-205-77436-1
Anzahl Seiten
142 S.
Preis
€ 18,80 (im Abo/2 Hefte pro Jahr: € 31,30; fuer StudentInnen € 25,40)

 

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Institution
L'Homme. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft
Land
Austria
c/o
Redaktion: Veronika Siegmund, MA L’HOMME-Redaktion, c/o Institut für Geschichte, Universität Wien, Universitätsring 1, 1010 Wien Österreich Telefon: +43-(0)1-4277-408 13 Fax: +43-(0)1-4277-9408 Verantwortliche Herausgeberin: Christa Hämmerle
Von
Langreiter, Nikola (Redaktion)

Editorial

Dieses Heft soll und kann keine Bestandsaufnahme der Feminismen in Ost-, Mittel- und West-Europa bieten, wohl aber einen Beitrag zum Dialog. Denn der vorangestellte Titel „Uebergaenge“ zeigt an, dass wir uns in und um Europa zurzeit in einem Transformationsprozess befinden, der nicht nur unsere politischen Verhaeltnisse und gesellschaftlichen Strukturen, sondern auch unsere Welt-Anschauungen und unser Lebensgefuehl ergreift. Waehrend die einen vom „Wiederbeginn der Geschichte“ (Ralf Dahrendorf) reden, ist die Verunsicherung der anderen gross, wie die Prozesse der Globalisierung, die Entgrenzung der Maerkte, der Verlust gewohnter Sicherheiten und gleichzeitig die Zunahme unserer Freiheitsraeume und Verantwortlichkeiten auszubalancieren sind. Auch wenn sich insbesondere aus der Geschlechterperspektive die Integration der Einzelstaaten in eine Europaeische Union als Rechtsgemeinschaft durchaus als eine Erfolgsgeschichte darstellen liesse, weil neue Standards fuer die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen am gemeinsamen Arbeitsmarkt geschaffen und durchgesetzt wurden, so beklagen andere zu Recht, dass gerade die einseitige Marktorientierung dieser Gleichstellungspolitik nicht nur eine Folge der zu geringen Repraesentation und Partizipation von Frauen in den europaeischen Institutionen und Entscheidungsgremien ist, sondern auch zur Aussparung und Vernachlaessigung des gesamten frauenpolitischen Bereichs der so genannten sexual politics gefuehrt hat.

Immerhin stellen Beobachterinnen und Beobachter fest, dass der von der Oekonomie geleitete Integrationsprozess spaetestens seit den Vertraegen von Maastricht (1992) und Amsterdam (1997), erst recht mit dem Vertrag ueber eine europaeische Verfassung, ein politisches Projekt geworden ist, in dem es auch um das ‚Sozialmodell Europa’ geht. Dieses beansprucht, ein Gleichgewicht zwischen freiem Markt und solidarischer Gesellschaftsordnung und damit zwischen Freiheit und Gerechtigkeit herstellen zu wollen. Doch der Weg dahin, der mit der Erweiterung der EU seit 2004 auf 25 Staaten und der Oeffnung fuer weitere Beitrittslaender beschritten wurde, ist offen. Seine Dynamik ist nicht abzusehen, und die entscheidende Frage bleibt, inwieweit dieses neue, groessere Europa tatsaechlich auch fuer Frauen und andere bisher unterrepraesentierte Gruppen oder Bevoelkerungsteile jenseits der offiziellen Politik Gestaltungsraeume eroeffnet. Immerhin sind sich Europa-Skeptiker und Europa-Traeumer einig in der Beobachtung, dass das Projekt Europa nur in der Vielfalt seiner Kulturen und der Anerkennung von Unterschieden, ja im Respekt vor dem Anderssein anderer eine Zukunft haben wird.

Die Einbindung der Ost-West-Feminismen in die Europa-Problematik ergibt sich daraus, dass nicht zuletzt seit der weltpolitischen Wende von 1989 fuer den Feminismus in Ost und West eine neue Epoche angebrochen ist. Fuer den westlichen Feminismus als soziale Bewegung und als theoretische Perspektive jedenfalls bedeutete der Fall der Mauer eine Zaesur. Sie zeigte sich vor allem darin, dass die politische Agenda von neuen Prioritaeten bestimmt wurde, in der Geschlechterpolitik keinen Stellenwert hatte. Zugleich wurde deutlich, dass ein Feminismus, der nur westliche Erfahrungen und Zielsetzungen spiegelt, nicht ‚die’ Frauen repraesentieren kann. Schliesslich war die Erwartung falsch, dass die Frauen aus den ehemals sozialistischen Staaten sich dem West-Feminismus nur anzuschliessen braeuchten, um seine politische Relevanz zu erhoehen. Im Gegenteil, die ersten Begegnungen zwischen Ost- und West-Feministinnen haben – dies wurde immer wieder berichtet – eher zu Irritationen und Verstimmungen als zu produktiver Verstaendigung gefuehrt.

Die inzwischen nach Mittel-Ost-Europa erweiterte L’Homme-Herausgeberinnenschaft wollte wissen, inwieweit diese Einschaetzung oder dieses ‚On-dit’ immer noch gilt. Denn seit 1989 ist einige Zeit vergangen, und es interessiert, wie Frauen der juengeren Generation aus Ost und West inzwischen die Bedeutung von Geschlechterfragen beurteilen. Moeglicherweise haben auch wechselseitige Lernprozesse eingesetzt, die nicht zuletzt im europaeischen Einigungsprozess die geruehmte Dialogfaehigkeit staerken. Die im Folgenden veroeffentlichten Beitraege sind beispielhafte Antworten, die sich jeweils aus unterschiedlichen Kontexten und Erfahrungen speisen und fuer die Vielfalt der Perspektiven und Standorte und die Ungleichzeitigkeit politischer Prozesse stehen. Und doch repraesentieren sie im Spektrum der Meinungen jeweils typische und pointierte Stellungnahmen, die die Komplexitaet, aber auch die Unterschiedlichkeit feministischer Annnaeherungen und Analysen erahnen lassen und neugierig machen.

Anja Weckwert, die als eine in Westdeutschland ausgebildete junge Akademikerin schon die Fruechte einer institutionalisierten Frauen- und Geschlechterforschung geniessen konnte, analysiert die Diskurse und Kontroversen feministischer Theorie, insbesondere die Rede vom „Relevanzverlust der Kategorie Geschlecht“, vor dem Hintergrund veraenderter gesellschaftlicher Geschlechterverhaeltnisse. In ihrer Gegenwartsdiagnose stellt sie eine Reihe von Widerspruechlichkeiten und Ungleichzeitigkeiten fest, insbesondere zwischen einer kulturellen Modernisierung der Geschlechterverhaeltnisse und den Beharrungstendenzen sozialer Ungleichheit. Geschlechtsbezogene Ungleichheiten finden sich noch immer in allen Bereichen gesellschaftlicher Organisation, vor allem in Arbeitsmarkt und Beruf, auch in der Alltagspraxis von Paarbeziehungen. In der Theorie werden diese soziokulturellen Phaenomene von einer De-Thematisierung der Geschlechterdifferenz begleitet. Im Rekurs auf die Ergebnisse neuerer feministischer Forschungen vermag Weckwert aufzuzeigen, wie die Ungleichheitsverhaeltnisse durch Individualisierungsprozesse scheinbar zum Verschwinden gebracht werden. Das heute nicht unproblematische Verhaeltnis junger Frauen zum Feminismus wird anhand einer eigenen empirischen Studie ueber die ‚Haecksen’, einer Frauengruppe des Chaos Computer Clubs, illustriert, die sich einerseits von dem Feminismus als kaempferischer sozialer Bewegung distanzieren, andererseits mit ihren Frauen foerdernden Aktivitaeten durchaus frauenpolitische Ziele verfolgen. Das Fallbeispiel zeigt, dass Frauenbewegung und Feminismus, ebenso wie Frauenforschung und Frauenpolitik heute getrennt voneinander auftreten koennen, das heisst personell nicht durch bestimmte Erfahrungen verbunden sein muessen. Frau kann zur Feministin werden, ohne je einer Frauenbewegung angehoert zu haben, sie kann ebenso – schon der Terminus steht weniger unter Ideologieverdacht – Geschlechterforschung betreiben, ohne sich feministischen Perspektiven oder Politiken verpflichtet zu fuehlen. Dieser Befund eroeffnet gleichwohl Perspektiven sowohl fuer eine an den Universitaeten institutionalisierte Geschlechterforschung als auch fuer feministisches Theoretisieren, denn es bedeutet, dass auch die intellektuelle Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifischer Ungleichheit moeglicherweise zu kritischer Theorie und Praxis befaehigt.

Der Beitrag von Ralitsa Muharska belegt beispielhaft die Bedeutung und Moeglichkeit intellektueller Subversion. Als Philosophin und Literaturwissenschaftlerin aus Bulgarien versteht sie es, die Kommunikationsstoerungen im feministischen Ost-West-Dialog in feministisch poststrukturalistischer Manier als Machtverhaeltnisse zu identifizieren und gleichzeitig zu parodieren. Wenn angesichts der schwierigen Bedingungen und des Negativbildes, dem der als westlich identifizierte Feminismus im eigenen Land begegnet, Spott und Bitterkeit mitschwingen, so ist diese Form der Distanzierung doch zugleich ein Weg, das Schweigen beziehungsweise das Unverstaendnis im Ost-West-Dialog zu durchbrechen. Denn es werden viele Fragen an uns gestellt, die bisher nicht beantwortet wurden. Dabei scheinen zwischen den Bruchstellen und Uebersetzungsschwierigkeiten eines bisher nur „geborgten“ Feminismus Antworten durch – zum Beispiel die, dass die Fremdheit osteuropaeischer Feministinnen ueberwunden werden koennte, falls es in feministischen Diskursen gelingt, sich auf der Grundlage von Vielfalt und Unterschiedlichkeit zu verstaendigen.

Ganz anders lesen sich die „Erfahrungen mit Feminismus“, die Nadejda Alexandrova in ihrem Bericht reflektiert und den wir in der Rubrik „Forum“ abdrucken. Hier spricht eine junge bulgarische Wissenschaftlerin, die ihr feministisches Bewusstsein im internationalen und intellektuellen Austauschprogramm der Gender Studies an der Central European University von Budapest geschult hat und sich nun befaehigt fuehlt, sowohl ihre persoenliche Familiengeschichte als auch ihre berufliche Laufbahn als Feministin zu organisieren.

Die grundsaetzliche Frage, welche Effekte die Foerderung von Frauenprojekten und Frauen- beziehungsweise Geschlechterstudien vor dem Hintergrund postsozialistischer Verhaeltnisse haben, hat Susan Zimmermann in ihrem Beitrag „Frauen- und Geschlechterstudien im hoeheren Bildungswesen in Zentralosteuropa und im postsowjetischen Raum“ untersucht. Ihr Augenmerk gilt den beteiligten Akteurinnen und Akteuren sowie den vielfaeltigen Interessen, die sie mit ihrem Engagement verfolgen. Susan Zimmermann gibt Einblick in die regional unterschiedlich ablaufenden Prozesse von Internationalisierung, die teilweise mit der Privatisierung von Bildung verknuepft sind, und beleuchtet, welche strategischen Funktionen Gender Studies dabei zugeschrieben werden. Die Autorin schliesst ihre differenzierte Dokumentation der juengsten Geschichte der Frauen- und Geschlechterstudien im zentralosteuropaeischen/postsowjetischen Raum vorsichtig optimistisch – gerade dort koennte Frauen- und Geschlechterforschung ein doppelt kritisches Potential entfalten, indem naemlich ueber Geschlecht hinaus der Kontext internationaler Ungleichheit explizit gemacht und reflektiert wird.

Eine anschauliche und beeindruckende Ergaenzung hierzu bietet das Interview, das die Autorin mit Svetlana Shakirova, einer Philosophin und Aktivistin aus Kasachstan gefuehrt hat und das in der Rubrik „Im Gespraech“ nachzulesen ist.

Der Beitrag von Andrea Zink war nicht ausdruecklich fuer den Schwerpunkt „Ost-West-Feminismen“ eingeplant. Dass er dennoch vorzueglich passt, verdankt er einer feministischen Perspektive, die selbst die Parodien und Spielereien um die Konstruktion der Geschlechterverhaeltnisse in einem sich als postmodern verstehenden Bestseller als dennoch restaurativ und konservativ entlarvt. Es handelt sich um den 1984 erschienenen Lexikonroman „Das chasarische Woerterbuch“ des serbischen Schriftstellers Milorad Pavic, in dem die Geschichte des untergegangenen Volkes der Chasaren, das vom 7. bis zum10. Jahrhundert nach Christus am Kaspischen Meer gelebt haben soll und eine Rolle im serbischen Volksmythos spielt, in zweigeschlechtlicher Version in einer maennlichen und weiblichen Fassung lustvoll, beliebig und verrueckt nacherzaehlt, parodiert und fingiert wird. Ein wichtiges Moment der postmodernen Gestaltung des Romans ist die scheinbare, ironisch bis spoettische Beliebigkeit in der Geschlechtergestaltung, die jedoch, wie Andrea Zink in ihrer Kritik belegt, erneut den Geschlechterdualismus in einer heterosexuellen Matrix festschreibt. „Eine feministische Kritik,“ so die Autorin, „verstanden als Kritik am Geschlechterdualismus und den damit verbundenen Machtverhaeltnissen, unterstuetzt dieser postmoderne Text zumindest nicht.“
Zusammen mit den Konferenzberichten, Rezensionen und vielfaeltigen Informationen, die dieses Heft im Anschluss an die erwaehnten Beitraege anbietet, wird der Facettenreichtum feministischen Argumentierens und Recherchierens deutlich, auch wenn damit im Ost-West-Dialog allenfalls ein neuer Anfang gemacht ist. Moeglicherweise aber ist die Sensibilitaet fuer die Geschlechterdifferenz und die mit ihr immer noch verbundenen Ungerechtigkeiten, die das Ziel der Rechtsgleichheit trotz Verschiedenheiten nicht aus dem Auge verliert, eine gute Vorbereitung fuer ein europaeisches Projekt, das der Vielfalt der Kulturen und der Ermoeglichung unterschiedlicher Individualitaeten – nicht unbedingt Identitaeten – verpflichtet bleibt.

Was mit diesem Heft nicht geleistet werden konnte, ist das urspruengliche Vorhaben, auch die Wurzeln europaeischer Feminismen und internationaler Kooperationen, die in das 19. Jahrhundert zurueckreichen, als gemeinsame historische Erfahrungen und Plattform heutiger Diskurse in Erinnerung zu rufen. In der Einleitung zu einem fruehen Sammelband ueber „The Woman Question in Europe“ aus dem Jahr 1884, herausgegeben von Theodore Stanton, dem Sohn der amerikanischen Frauenrechtlerin Elizabeth Cady Stanton, vergleicht die irische Schriftstellerin und Aktivistin, Frances Power Cobbe, die Frauenbewegungen mit den Wechselspiel der Gezeiten – ein Bild, das uns auch heute noch von den verschiedenen ‚Wellen’ des Feminismus sprechen laesst. Sie schrieb, und dies mag unsere Skepsis auch in Bezug auf die Zukunft des Feminismus als geistige Stroemung oder als soziale Bewegung ein wenig mindern:

„Of all movements, political, social and religious, of past ages there is; I think, not one so unmistakably tide-like in its extension and the uniformity of its impulse …This movement has stirred the entire sex, even half of the human race. Like the incoming tide, also, it has rolled in separate waves, and each one has obeyed the same law, and has done its part in carrying forward all the rest …“
(Theodore Stanton Hg., The Woman Question in Europe, London 1884, XIIIf.)

Ute Gerhard

Inhaltsverzeichnis

Editorial
(S. 7–11)

Anja Weckwert
Widersprueche – Kontroversen um Geschlechterverhaeltnisse, Frauenbewegung und Feminismus in der BRD (S. 13–35) [Abstract]

Ralitsa Muharska
Silences and Parodies in the East-West Feminist Dialogue (S. 36–47) [Abstract]

Andrea Zink
Milorad Pavics „Chasarisches Woerterbuch“: postmodern und klassisch maennlich (S. 48–62) [Abstract]

Susan Zimmermann
Frauen- und Geschlechterstudien im hoeheren Bildungswesen in Zentralosteuropa und im postsowjetischen Raum. Teil 2: AkteurInnen und Interessen im Prozess der Institutionalisierung (S. 63–88) [Abstract]

Im Gespraech

Nicht der letzte Waggon des Zuges. Frauenbewegung und Geschlechterstudien in Kasachstan. Ein Interview von Susan Zimmermann mit Svetlana Shakirova (S. 89–96)

Aktuelles und Kommentare

Eva Saenger
Interdisciplinary Conference: „Civil Society and Gender Justice. Historical and Comparative Perspectives”. Wissenschaftszentrum Berlin fuer Sozialforschung (WZB), 9. bis 11. Juli 2004 (S. 97–100)

Bea Lundt
Offener Brief in fachinternen Arbeitszusammenhaengen der mediaevistischen Genderforschung. Betrifft: Der Mythos von einer Misogynie-These innerhalb der deutschsprachigen Genderforschung (S. 101–103)

Forum

Nadejda Alexandrova
Experiencing Feminism (S. 105–112)

Rezensionen

Gert Dressel
Ingrid Miethe, Claudia Kajatin u. Jana Pohl Hg., Geschlechterkonstruktionen in Ost und West. Biografische Perspektiven (S. 113–115)

Anelia Kassabova
Carola Sachse, Der Hausarbeitstag. Gerechtigkeit und Gleichberechtigung in Ost und West 1939–1994 (S. 116–119)

Maria Freithofnig
Alice Pechriggl u. Marlen Bidwell-Steiner Hg., Brueche. Geschlecht.
Gesellschaft. Gender Studies zwischen Ost und West (S. 119–122)

Kirsten Heinsohn
Wolfgang Schmale, Geschichte der Maennlichkeit in Europa (S. 122–125)

Margareth Lanzinger
Peter Klammer, In Unehren beschlaffen. Unzucht vor kirchlicher und weltlicher Gerichtsbarkeit im fruehneuzeitlichen Salzburger Lungau (S. 126–128)

Sabine Schmolinsky
Daniela Hacke Hg., Frauen in der Stadt. Selbstzeugnisse des 16.–18. Jahrhunderts. 39. Arbeitstagung in Heidelberg, 17.–19. November 2000 (S. 128–130)

Elisabeth Joris
Caroline Bland u. Máire Cross Hg., Gender and Politics in the Age of Letter-Writing, 1750–2000 (S. 131–134)

Birgit Beck-Heppner
Helga Amesberger, Katrin Auer u. Brigitte Halbmayr, Sexualisierte Gewalt. Weibliche Erfahrungen in NS-Konzentrationslagern (S. 135–137)

Abstracts

Anja Weckwert, Oppositions – Controversies About Gender Relations, Women’s Movements and Feminism in the BRD
Taking the controversial diagnoses of gender relations, women’s movements and feminism in Germany as a starting point, the article seeks to tackle some of the current contradictions that characterize both academic discourse and societal development. The article asks how to conceive the relationship between change and persistence that mark current gender relations. Following the thesis of a “rhetorical modernisation” (Angelika Wetterer) it is suggested that the rhetoric of gender equality has become dominant in media and everyday discourse, but tends to contradict and conceal ongoing gender inequalities. The question is if and how “rhetorical modernisation” shapes young women’s conceptions of gender and influences their attitudes towards gender politics, women’s movements and feminism. The article is based on interviews with women of the German hacker community who pursue a gender agenda for the advancement of women in this male dominated field, but who at the same time remain sceptical towards feminism. I will argue that the historically close relationship between gender politics, women’s movements and feminism has become fragile in several regards. Leaving behind mere crisis diagnosis it will be important to comprehend these developments in the context of social change.

Ralitsa Muharska, Silences and Parodies in the East – West Feminist Dialogue
The text argues that in the dialogue taking place in the international feminist community since the 1990ies between its established part in the West and its (relatively) new membership in Eastern Europe there are silences, gaps in communication that are to a considerable extent determined by the uneven distribution of power in that community.
These gaps – the missing links, the misunderstandings, the cultural differences and the respective assumptions, the insufficient or distorted knowledge etc. – allow for the appearance of ambiguities, for the doubling, or multiplication, of meanings. It is argued that such effects which can be likened to parodic practices, albeit unintentional in the majority of cases, are more likely to appear on the East European side of the dialogue, as that side has little access to power, both at home and internationally.
The subversive effect of such practices on the East-West dialogue can be said to act as a stimulus for development of the feminist discursive community.

Andrea Zink, Milorad Pavics „Dictionary of the Khazars“: Postmodern and Classical Masculine
Milorad Pavic’s “Dictionary of the Khazars“ (1986) can be considered as the most famous postmodern book written in Serbian. Even abroad it was celebrated as the first ‘novel’ (the genre is uncertain) of the 21st century. In various ways Pavic uses postmodern techniques to confuse and dissociate identities most prominently being sex and gender. Pavic opposes his readers to a male and a female edition of his “dictionary“ thus indicating the importance of the main theme: even books are gendered. This difference, however, seems to be ridiculous as only one short passage proves the manliness or womanliness of the text which we – without the narrator’s help – would not even be able to find. Pavic plays with the biological concept of woman and man, the so-called ‘nature’, with a gendered grammar (i. e. the Khazar language has special categories for those who have lost their sex), with the juridical concepts of bequeathing to sons. However, on closer examination this play is limited. Pavic restricts his manoeuvres to the well-known dualism, to male and female parts (of bodies, books, winds, directions, grammatical categories), which in spite of all confusion are attracted to each other. There is no third gender and the possibility of homosexuality is missing entirely. Despite (and because of) its attractive playfulness the „dictionary“ illustrates the conflict between postmodernism and feminism (as shown in the disputes between Seyla Benhabib, Nancy Frazer and Judith Butler), it illustrates the – possible while not necessary – conservative implications of postmodern texts and the problem of a feminist critique based on them.

Susan Zimmermann, Women’s and Gender Studies in Higher Education in Central Eastern Europe and the Post-Soviet Space. Part 2: Actors and Interests in the Process of Institutionalization
In exploring the history of the institutionalisation of Women’s and Gender Studies in higher education in Central Eastern Europe and the Post-Soviet Space since the late 1980s this study seeks to contribute to our understanding of the role of Women’s and Gender Studies in the context of larger changes in higher education worldwide. The history of this institutionalisation – while always potentially endangered, and not to be overestimated in its overall scope and impact – should be considered a success story. Women’s and Gender Studies in higher education in this region have developed in a complex triangle between the impact and interests of a whole variety of transnational actors, the changing politics of higher education on national and university levels, and the interests and aspirations of academics on the ground, rooted in academic and non-academic contexts. The study explores these constellations as they changed over time, and varied between the major sub-regions within the Central Eastern European and Post-Soviet Space. It highlights the often-unequal processes of internationalisation, the partial privatisation of higher education, the strategic function ascribed to Gender Studies in the process of transforming higher education on local, national, and international levels, and the crucial role played by the often genuine dedication of academics spreading the word and the institution, as the major factors explaining the success story of the women’s and gender studies trade in the “other half of Europe” and the non-European territories of former “state-socialism”.

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Veröffentlicht am
12.07.2005