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L'Homme. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft 17 (2006), 1

Titel der Ausgabe 
L'Homme. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft 17 (2006), 1
Weiterer Titel 
Alter(n)

Herausgeber
Caroline Arni (Bern), Gunda Barth-Scalmani (Innsbruck), Ingrid Bauer (Salzburg), Mineke Bosch (Maastricht), Susanna Burghartz (Basel), Ute Gerhard (Frankfurt a. M.), Christa Ehrmann-Hämmerle (Wien), Hanna Hacker (Wien), Karin Hausen (Berlin), Hana Havelkova (Prag), Margareth Lanzinger (Wien), Brigitte Mazohl-Wallnig (Innsbruck), Edith Saurer (Wien), Claudia Ulbrich (Berlin), Regina Schulte (Florenz/Bochum)
Erschienen
Wien 2006: Böhlau Verlag
Erscheint 
Erscheinungsweise: 2x jährlich
ISBN
978-3-412-06406-8
Anzahl Seiten
166 S.
Preis
€ 21,80 (Abo: 2 Ausgaben/Jahr € 30,40)

 

Kontakt

Institution
L'Homme. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft
Land
Austria
c/o
Redaktion: Veronika Siegmund, MA L’HOMME-Redaktion, c/o Institut für Geschichte, Universität Wien, Universitätsring 1, 1010 Wien Österreich Telefon: +43-(0)1-4277-408 13 Fax: +43-(0)1-4277-9408 Verantwortliche Herausgeberin: Christa Hämmerle
Von
Langreiter, Nikola

L’HOMME. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft, Jg. 17, 2006, Heft 1, Alter(n)

Herausgeberinnen: Ingrid Bauer und Christa Hämmerle

Heiß diskutiert – das Alter

Die in den westlichen Industrieländern seit längerem steigende Lebenserwartung und der gleichzeitige Geburtenrückgang haben intensive Diskussionen über das Alter(n) ausgelöst. Politik und Medien erhitzen sich an einer Schreckensvision „überalterter“ Bevölkerungsstrukturen. Alter wird pauschal zum sozialen Negativum erklärt und erscheint vor allem als Problem. Andererseits prägen – nicht zuletzt ausgehend von Wirtschaft und Werbung – Vorstellungen von besserem und erfolgreichem Altern die Debatten. Von neuen Kulturen des Alter(n)s ist die Rede, selbst einer notwendigen Alters- und Altenrevolution.

In deren Diskurs mischen sich, nach der Sozialgeschichte der 1980er und 1990er Jahre, erst neuerdings die Kulturwissenschaften ein, und noch jüngeren Datums – wenigstens im deutschsprachigen Raum – ist die Partizipation der Gender Studies. Sie zeigt sich aktuell in einer ersten Konjunktur von Tagungen, Projekten und Publikationen. Das Forschungsfeld ist damit eröffnet und angesichts der vielfach konstatierten „Feminisierung des Alters“ voller grundlegender Erkenntnismöglichkeiten.

Alter(n) aus frauen- und geschlechtergeschichtlicher Perspektive

Neue Fragen geraten in den Blick: Was ist Alter historisch gesehen? Was machte eine Frau oder einen Mann zu einem alten Menschen? Wie wird Alter gesellschaftlich hergestellt? Wie funktioniert das Attribut „alt“, wie es mit Geschlecht, Ethnizität, Status oder Klasse verknüpft? Wie sehen subjektive Erfahrungen und Definitionen von Alter und Altsein aus? Und waren die Vorstellungen rund um das Alter(n) in der Geschichte genauso konträr wie heute?

Die Beiträge in L’Homme zeigen, dass Alter eine inhomogene Kategorie ist und konterkarieren eine biologistische Sicht. Die Autorinnen und Autoren führen in verschiedene europäische Räume und in verschiedene Zeiten – von der Antike, über die Frühe Neuzeit bis in das 20. Jahrhundert. Alter, das machen sie dabei deutlich, ist immer auch ein kulturelles und soziales Konstrukt.

Kurzinformation zu den Beiträgen

Zunächst zeigt Beate Wagner-Hasel, dass eine allgemeine chronologische Definition des Alters bereits für die Antike scheitert. Sie stellt literarische Altersklagen vor und erläutert, dass diese nicht eine gesellschaftliche Marginalisierung von Alten beweisen können, vielmehr sind sie als Allegorien der politischen und sozialen Ordnung zu lesen.

Auch Angela Groppi schreibt gegen ein naturalistisches Verständnis von Alter an: Im vormodernen Europa hat über Jahrhunderte vor allem die Unfähigkeit des Individuums, sich aus eigener Kraft zu erhalten und von ihm erwartete Aufgaben und Leistungen zu erbringen Alter bedeutet. Ausgehend von einer umfassenden Studie zur Altersfürsorge in Rom vom 16. bis zum 19. Jahrhundert macht sie auf das diffizile Zusammenwirken von Staat und Familie bei der Altersversorgung aufmerksam.

Pat Thanes Beitrag führt in das 20. Jahrhundert und weist unmissverständlich darauf hin, wie variabel die „offiziellen“ – durch Pensionssysteme fixierten – Definitionen von Alter sind. In Europa schwanken sie zwischen 60 und 70 Jahren; mit Selbstzeugnissen belegt die englische Historikerin eindrucksvoll, wie sehr Erfahrungen und Selbstbilder alter Frauen diesen Definitionen und den kursierenden Stereotypen zuwiderlaufen.

In der Rubrik „Im Gespräch“ reflektiert die 85-jährige Historikerin Gerda Lerner über das Alter(n) als einen „Tanz auf unebener Erde“. Unter „Aktuelles und Kommentare“ bringt Barbara Asen mit einer Analyse der Programme der Kabarettistin Marie-Thérés Escribano den Aspekt künstlerisch-kreativer Auseinandersetzung mit dem Thema ein und der Medizinhistoriker Hans-Georg Hofer erklärt, was passiert „Wenn Männer altern“ beziehungsweise geht der Frage nach, warum die Medizin sich heute so für die Wechseljahre des Mannes interessiert.

Heike Hartung schließlich stellt das Greifswalder Postdoc-Kolleg „Alter-Geschlecht-Gesellschaft“ am Interdisziplinären Zentrum für Frauen- und Geschlechterstudien (IZFG) vor. Der in diesem Kontext entstandene Sammelband „Alter und Geschlecht. Repräsentationen, Geschichten und Theorien des Alter(n)s“ wird im Rezensionsteil von Susanne Formanek besprochen.
Eine Reihe weiterer Rezensionen liefert darüber hinaus Material zur Vielfalt von Praktiken und Diskursen des Alters.

In einem „L’Homme Extra“-Beitrag – jenseits des Heftschwerpunktes –, setzt sich Giulia Calvi mit Mutterschaft auseinander; ihr konkretes Beispiel ist die Toskana der Frühen Neuzeit. Während Forschungstraditionen sich bisher auf Schwangerschaft, Geburt und Stillen sowie deren demographische Effekte konzentrierten, plädiert sie für den Fokus auf die vielfältigen Erfahrungen von Müttern in unterschiedlichen historischen Kontexten. Zentral ist für Calvi welche Möglichkeiten sich für Frauen durch Mutterschaft eröffneten und welches Spannungsverhältnis zum gesellschaftlichen Normensystem sich daraus ergab.

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis
L'HOMME. Z. F. G., 17 (2006), 1 Alter(n)

Editorial (S. 7–13)

Beiträge

Beate Wagner-Hasel, Alter, Wissen und Geschlecht. Überlegungen zum Altersdiskurs in der Antike (S. 15–36) [Abstract]

Angela Groppi, Wohlfahrt vor dem Wohlfahrtsstaat: Altersfürsorge im päpstlichen Rom (16.–19. Jahrhundert) (S. 37–58) [Abstract]

Pat Thane, Women and Ageing in the Twentieth Century (S. 59–74) [Abstract]

L’Homme Extra

Giulia Calvi, ‘Cruel’ and ‘Nurturing’ Mothers. The Construction of Motherhood in Tuscany (1500–1800) (S. 75–92) [Abstract]

Im Gespräch

„Das Altern ist ein Tanz auf unebener Erde …” Gerda Lerner im Gespräch mit Ingrid Bauer und Christa Hämmerle (S. 93–100)

Aktuelles und Kommentare

Hans-Georg Hofer, Wenn Männer altern. Ein Projekt zur Geschichte der „männlichen Wechseljahre“ (S. 101–108)

Barbara Asen, „Umso älter, desto ich!“ Alter, Geschlecht und Identität im feministischen Kabarett. Am Beispiel der Texte Marie-Thérèse Escribanos (S. 109–121)

Heike Hartung, Das Postdoc-Kolleg „Alter – Geschlecht – Gesellschaft“ an der Universität Greifswald – ein Bericht (S. 123–125)

Rezensionen

Josef Ehmer
Pat Thane Hg., Das Alter. Eine Kulturgeschichte (S. 127–129)

Susanne Formanek
Heike Hartung Hg., Alter und Geschlecht. Repräsentationen, Geschichten und Theorien des Alter(n)s (S. 129–133)

Maria Gamsjäger
Gabriele Gerngroß-Haas, Anders leben als gewohnt. Wenn verschiedene Frauen unter ein Dach ziehen; Manfred Omahna, Wohnungen und Eigenräume. Über die Pluralität des Wohnens am Beispiel von Einpersonenhaushalten (S. 133–136)

Margit Hauser
Kirsten Plötz, Lesbische ALTERnativen. Alltagsleben, Erwartungen, Wünsche (S. 137–139)

Gudrun Perko
Renate Daimler, Die verschwiegene Lust. Frauen über 60 erzählen von Liebe und Sexualität (S. 139–140)

Maria Diemling
Elisheva Baumgarten, Mothers and Children. Jewish Family Life in Medieval Europe (S. 13–27)

Caroline zum Kolk
Pauline Puppel, Die Regentin. Vormundschaftliche Herrschaft in Hessen 1500–1700 (S. 141–145)

Maria Fritsche
Benjamin Ziemann Hg., Perspektiven der Historischen Friedensforschung; Peter Gleichmann u. Thomas Kühne Hg., Massenhaftes Töten. Kriege und Genozide im 20. Jahrhundert; Christian Jansen Hg., Der Bürger als Soldat. Die Militarisierung europäischer Gesellschaften im langen 19. Jahrhundert: ein internationaler Vergleich (S. 145–152)

Oswald Überegger
Hans-Georg Hofer, Nervenschwäche und Krieg. Modernitätskritik und Krisenbewältigung in der österreichischen Psychiatrie (1880–1920) (S. 152–154)

Anelia Kassabova
Maria Mesner, Margit Niederhuber, Heidi Niederkofler u. Gudrun Wolfgruber, Das Geschlecht der Politik (S. 154–157)

Eva Blimlinger
Monika Bernold, Andrea B. Braidt u. Claudia Preschl Hg., Screenwise: Film, Fernsehen, Feminismus (S. 157–160)

Abstracts (S. 161–163)
Anschriften der AutorInnen (S. 165–166)

Abstracts

Beate Wagner-Hasel, Age, Knowledge, and Gender. Considerations on the Discourse of Age in the Ancient World

What was the place of the elderly in ancient societies? Were they situated at the margins of society as recent studies suggest? Did ancient poets like Horaz or Properz chiefly marginalize old women past child-bearing age? The article refutes an essentialist reading of ancient laments about the loss of sexual attractiveness in the works of Roman elegists as realistic images of the experience of aged men or women.

Instead of reading the ancient texts as sources of individual experience it is proposed to consider them as a way of conceptualizing ideas of the social order which are projected onto the human body. Such metaphorical reading is applied to two mythological figures of endless aging, Tithonos and the Sibylle. Careful close reading makes possible an interpretation of the metamorphosis of their physical appearance from youth to old age and the survival of their voices as indications of the importance of intergenerational knowledge transfer in oral cultures.

The article concludes with some reflections about the part played by aged women in intergenerational transfer of genealogical knowledge in particular.
L’Homme, 17. Jg., 1 (2006), S. 15–36

Angela Groppi, Social Welfare before the Welfare State: Care for the Elderly in Papal Rome (16th –19th century)

This article reflects on the issue of social welfare before the welfare state. The considerations presented here are based on a survey of institutional care for the elderly and inter-generation solidarity in modern times. Papal Rome between the 16th and 19th century frames the study in a geographical and chronological way, whilst the heuristic frame is situated around the question of dialectics between family-oriented and social solidarity; just as well the text is about the particular role of the legal systems and the judiciary apparatus concerning development and organisation of family bonds in the context of old-age-care.

One of the assumptions of the author’s research is that private charity and public relief do not belong to opposite fields of engagement, of which one might have replaced the other in the course of time. On the contrary, both areas display their dependency. They have been intertwined in the past as well as they are in the present, as the initiatives of the state and private charity both belong to the same social and cultural fields. The obligation to support weak and people in need is inscribed in a set of legal and moral commitments. Therefore those measure are rather complementary than contrary.
L’Homme, 17. Jg., 1 (2006), S. 37–58

Pat Thane, Women and Ageing in the Twentieth Century
Over the course of the twentieth century a higher proportion of people than ever before lived to old age. It was a more common experience for women than for men. Also more people remained fit and healthy to later ages. Experiences of ‘old age’, that long period of life between around age 60 to 100 and beyond, remained very diverse, indeed probably became more so as the century progressed. ‘Old people’ included the very rich and powerful and the very poor and excluded, the very active and the sadly decrepit. Many things changed. In particular, by the second half of the century most people retired from paid employment whilst they were still physically fit, with a secure, if not necessarily large, pension which gave them access to a greater range of activities.

These experiences were shared by men and women though not always in identical ways: women were less likely than men to experience retirement from paid employment as a seriously disruptive break in the life-course, partly because their places in the labour market were less secure than those of men, and because they had stronger social and family ties. Women were more likely than men to suffer poverty in old age, as had long been so.

This was only one of many long-term continuities between the twentieth and earlier centuries. Other continuities included resistance to simple chronological definitions of old age and awareness of differences in individual experiences of ageing; the persistence of stereotypes of ‘fit’ behaviour of old women, and the resistance of women to them; and strong feelings of the importance of independence in later life and assertion of the capacity of very many (but sadly not all) people at late ages to control their own lives and to play positive roles in their families and communities rather than being dependent ‘burdens’ as they were often portrayed.
L’Homme, 17. Jg., 1 (2006), S. 59–74

Giulia Calvi, ‘Cruel’ and ‘Nurturing’ Mothers. The Construction of Motherhood in Tuscany (1500–1800)

Working on motherhood in the early modern period entails coming to terms with fragmentary and contradictory evidence: on the one hand, we are faced with a rather static representation in discourse and iconography; on the other hand, with the multiple experience of mothers in history. Working on motherhood means understanding the ways in which the powerfully subjective and intimate experience of giving birth is measured against the public apparatus of legal norms that from classical antiquity until the present control the bodies of women.

Both in Italy and Europe research on motherhood took off in the Nineties, and it has barely touched on the affective qualities of maternity. Scholars have mainly concentrated on demographic data concerning pregnancy and childbirth, breast- feeding, wet-nursing and weaning, pedagogical literature, advice books and medical tracts on midwifery.

Until recently, historical research has neglected the subjective dimensions of motherhood. Motherhood and motherly affection are very difficult to pin down as even religious literature, like family memoirs, does not acknowledge motherly experience as something which extends beyond the physiological process of birth and feeding, and confines its representation within a set of repetitive gestures.
L’Homme, 17. Jg., 1 (2006), S. 75–92

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