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L'HOMME. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft 17 (2006), 2

Titel der Ausgabe 
L'HOMME. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft 17 (2006), 2
Weiterer Titel 
Mediterrane Märkte

Herausgeber
Caroline Arni (Bern), Gunda Barth-Scalmani (Innsbruck), Ingrid Bauer (Salzburg), Mineke Bosch (Maastricht), Susanna Burghartz (Basel), Ute Gerhard (Frankfurt a. M.), Christa Ehrmann-Hämmerle (Wien), Hanna Hacker (Wien), Karin Hausen (Berlin), Hana Havelkova (Prag), Margareth Lanzinger (Wien), Edith Saurer (Wien), Claudia Ulbrich (Berlin), Regina Schulte (Florenz/Bochum)
Erschienen
Köln 2006: Böhlau Verlag
Erscheint 
Erscheinungsweise: 2x jährlich
ISBN
978-3-412-06506-5
Anzahl Seiten
188 S.
Preis
€ 21,80

 

Kontakt

Institution
L'Homme. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft
Land
Austria
c/o
Redaktion: Veronika Siegmund, MA L’HOMME-Redaktion, c/o Institut für Geschichte, Universität Wien, Universitätsring 1, 1010 Wien Österreich Telefon: +43-(0)1-4277-408 13 Fax: +43-(0)1-4277-9408 Verantwortliche Herausgeberin: Christa Hämmerle
Von
Langreiter, Nikola

L'HOMME. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft, 17, 2 (2006), Mediterrane Märkte

Herausgegeben von Margareth Lanzinger und Edith Saurer

Märkte
Erste Assoziationen mögen zu globalen Märkten führen oder zum Gemüsemarkt um die Ecke – sie evozieren ein breites Bild des internationalen Handels mit Industriegütern, landwirtschaftlichen Produkten, Aktien oder auch mit Arbeitskräften. Andererseits lässt „Märkte“ an simple Geschäftsabwicklungen denken. „Markt“ kann einen konkreten Ort bezeichnen oder Institutionen, Regelwerke und Mechanismen im Zusammenhang mit Angebot und Nachfrage.
Ob abstrakt oder konkret –hinter Märkten stecken immer soziale Praktiken und Beziehungen.

Mediterranée
An der Konstituierung des mediterranen Raums als Forschungsobjekt sind zahlreiche Wissenschaften beteiligt. Beim Versuch kulturelle Räume zu erfassen, wurde nach „großen sozialen Fakten“ gesucht. Als solches Faktum betrachtete man etwa „Taoussa“, ein Ritual von Geschenk und Gegengeschenk das strengen Regeln folgte. Diese einzuhalten, war eine Frage der Ehre, die ihrerseits „großes mediterranes Faktum“ galt.
Ehre und Scham wurden lange als Kern einer spezifischen – eben mediterranen – Geschlechterordnung verstanden. Für die Frauen- und Geschlechtergeschichte ist gegenwärtig Desiderat die Rechts- und Arbeitsverhältnisse in diesem Raum zu erforschen und zu erkunden, inwieweit es in der Mediterranée Normen und Praktiken gegeben hat, die auf Gemeinsamkeiten, Differenzen oder Vermischungen verweisen

Kurzinformation zu den Beiträgen

Anne Montenach lotet entlang biographischer Schnitte die Handlungsräume von Frauen im Lyoner Lebensmittelkleinhandel im 17. Jahrhundert aus. Gerichtsakten öffnen der Autorin Schattenbereiche der städtischen Wirtschaft. Frauen sind von Berufsvereinigungen ausgeschlossen und vielen Beschränkungen unterworfen, sie werden deshalb in Nischen tätig und ziehen Parallelmärkte auf.

Ökonomisches Denken ist Bestandteil sozialer Beziehungen: Marktförmige Praktiken strukturieren das Beziehungsgefüge selbst zwischen nahen Angehörigen und durchdringen damit ‚private‘ Gefilde. Vor allem zivilrechtliche Dokumente verdeutlichen, welch komplexe Geflechte dabei entstehen. Von „ungehobenen Schätzen“ spricht Aglaia Kasdagli deshalb in Zusammenhang mit Notariatsakten von griechischen Inseln in der Rubrik „Aus den Archiven“.

Der Beitrag von Amira Sonbol über das „Aushandeln und Streiten“ im frühneuzeitlichen Ägypten und Palästina kreist diesen Komplex weiter ein. Zunächst klärt die Autorin Rechte der Frauen unter islamischer Gesetzgebung und zeigt dann ihre beachtlichen Handlungsräume: Frauen agierten auf dem Immobilien- wie auf dem Kreditmarkt, sie verkauften Olivenöl oder kauften Sklaven, sie führten Werkstätten und gehörten Zünften an, standen manchen sogar vor.

In die Welt von Baumwollfabrikanten und Bankiers führt Daniela Luigia Caglioti – sie schreibt über protestantische schweizerisch-deutsche Wirtschaftseliten in Neapel im 19. Jahrhundert und über deren Heiratspraktiken, die in mehrerlei Hinsicht endogam waren: in Bezug auf Religion, soziale Schicht und Ethnizität. Ehen mit NeapolitanerInnen kamen kaum vor.

Migrationskontexte der Gegenwart greift Raffaella Sarti in „Aktuelles und Kommentare“ auf: Südeuropäische Länder, vornehmlich Italien und Spanien, sind seit einigen Jahren bevorzugte Destinationen von MigrantInnen. Die Autorin analysiert in diesem Kontext das Phänomen der neuen DienstbotInnen, das Ausdruck einer Globalisierung der Arbeitsmärkte ist und zugleich mit dem Modell des mediterranen welfare zusammen bringt.

In einer Reihe weiterer Beiträge jenseits des Mittelmeeres sind Märkte Thema: Anette Baldauf hat in „L’Homme extra“ die Geschichte der Shopping Mall und eines ihrer Begründer, Viktor Gruen, recherchiert und in den politisch-gesellschaftlichen Kontext der USA in den 1940er und 50er Jahren gestellt. Bauen für die Frauen in der Öde der Vorstädte, war eines der treibenden Motive, das Ergebnis in seinen frauenpolitischen Konsequenzen letztlich nicht im Sinne des Erfinders.

Querverbindungen dazu finden sich bei Nikola Langreiter, die sich mit der Vermarktung von Tupperware und den Handlungsfeldern der verschiedenen AkteurInnen auseinandersetzt. Verkaufspartys als moderne Version des Hausierens setzen auf die Freundinnen- und Nachbarschaftsnetze von Frauen. Der Markt kommt ins Haus und profitiert auf mehreren Ebenen von ‚weiblichen Ressourcen‘ und Geschlechterrollen – umgekehrt wissen Frauen, ihn für eigene Interessen zu nutzen.

Sabina Auckenthaler hat die Wiener Kinderstadt „Minopolis“ unter die Lupe genommen und zieht eine sehr kritische Bilanz: Sie entspricht weder dem Stand des pädagogischen Wissens noch den von den Betreibern selbst verkündeten Zielen. Primär geht es um rasches Konsumieren, nicht um das Erproben von Stadtleben, auch jede Gendersensibilität bleibt auf der Strecke.

„Im Gespräch“ gibt Mercedes Barquet Montané Einblick in die Geschichte der feministischen Bewegungen in Mexiko seit den 1970er Jahren. Am Schluss kommt sie auf die Gewalt- und Mordserie in Ciudad Juárez zu sprechen, die mit den dortigen Fertigungsbetrieben, den Maquilas, zu tun haben dürfte.

Schließlich wird noch auf den Wissenschaftsmarkt verwiesen: Salon 21 <http://www.univie.ac.at/Geschichte/Neuverortung-Geschlechtergeschichte/Salon21> ist ein neues Internet-Forum, um Veranstaltungen, Workshops und Seminare zur europäischen Frauen- und Geschlechterforschung anzukündigen, sowie Berichte, Calls for Papers und Kommentare zu veröffentlichen.

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Editorial, 7–13

Beiträge

Anne Montenach
„Schattenarbeiterinnen“. Frauen im Lebensmittelkleinhandel im Lyon des 17. Jahrhunderts: Ressourcen und Strategien, 15–36 [Abstract]

Amira Sonbol
Negotiating and Disputing Marriage and Business in Early Modern Egypt and Palestine, 37–60 [Abstract]

Daniela Luigia Caglioti
Eine Welt für sich. Endogamie und Nicht-Integration einer schweizerisch-deutschen Wirtschaftselite in Süditalien im 19. Jahrhundert, 61–80 [Abstract]

L’Homme extra

Anette Baldauf
Shopping Town USA. Victor Gruen, der Kalte Krieg und die Shopping Mall, 81–98 [Abstract]

Im Gespräch

Über feministische Bewegungen in Mexiko. Ein Gespräch mit Mercedes Barquet Montané geführt von Teresa Frisch-Soto, 99–105

Aktuelles und Kommentare

Raffaella Sarti
„Die meisten von uns haben sogar eine höhere Bildung …“. Neue DienstbotInnen in Südeuropa im Zeitalter der Globalisierung, 107–117

Nikola Langreiter
Party-Verkauf. Über modernes Hausieren am Beispiel von Tupperware, 119–133 [Abstract]

Sabina Auckenthaler
Früh übt sich. Einige Überlegungen zur Kinderstadt „Minopolis“ in Wien, 135–139

Aus den Archiven

Aglaia Kasdagli
Notarial Archives Relating to the Greek World: A Chaotic and Vastly Unexplored Wealth, 141–144

Rezensionen

Mark Häberlein
Sheilagh C. Ogilvie, A Bitter Living. Women, Markets, and Social Capital in Early Modern Germany, 145–147

Susanne Schötz
Michaela Fenske, Marktkultur in der Frühen Neuzeit. Wirtschaft, Macht und Unterhaltung auf einem städtischen Jahr- und Viehmarkt, 147–151

Katharina Simon-Muscheid
Susanne Schötz, Handelsfrauen in Leipzig. Zur Geschichte von Arbeit und Geschlecht in der Neuzeit, 152–154

Maria Diemling
Roni Weinstein, Marriage Rituals Italian Style. A Historical Anthropological Perspective on Early Modern Italian Jews, 155–157

Klara Löffler
Sibylle Brändli Blumenbach, Beatrice Schumacher, Sébastien Guex Hg., Einzelhandel, kulturhistorisch, Traverse. Zeitschrift für Geschichte/Revue d’Histoire, 157–160

Astrid von Schlachta
Christina Lutter, Geschlecht & Wissen, Norm & Praxis, Lesen & Schreiben. Monastische Reformgemeinschaften im 12. Jahrhundert, 160–163

Birthe Kundrus
Ela Hornung, Warten und Heimkehren. Eine Ehe während und nach dem zweiten Weltkrieg, 163–165

Ingrid Bauer
Dagmar Herzog, Die Politisierung der Lust. Sexualität in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts, 165–170

Christina Antenhofer
Maura Palazzi u. Ilaria Porciani Hg., Storiche di ieri e di oggi. Dalle autrici dell’Ottocento alle riviste di storia delle donne, 170–173

Cristina Ivanovici
Mihaela Frunza u. Theodora-Eliza Vacarescu Hg., Gender and the (Post)„East“/„West“ Divide, 173–176

Bettina Brockmeyer
Frank Stahnisch u. Florian Steger Hg., Medizin, Geschichte und Geschlecht. Körperhistorische Rekonstruktionen von Identitäten und Differenzen, 176–179

Maria Mesner
Ute Gerhard, Trudie Knijn u. Anja Weckwert Hg., Erwerbstätige Mütter. Ein europäischer Vergleich, 179–182

Abstracts, 183–184

Ankündigung – Salon 21, 185

Call for Papers – Gender in Trans-it: Transkulturelle und transnationale Perspektiven, 185–186

Anschriften der AutorInnen, 187–188

Abstracts

Anette Baldauf, Shopping Town USA. Victor Gruen, the Cold War and the Shopping Mall

Victor Gruen has been cited as one of the most influential urban planners of Western cities. In the course of his life, the Jewish émigré from Austria completed major urban interventions in the US and Western Europe that fundamentally altered the course of city development. Gruen’s fame mostly refers to the insertion of excessive commercial machines into decentered US-American suburbscapes, where the so-called shopping towns were supposed to strengthen civic life and structure the amorphous, mono-functional agglomerations of suburban sprawl. As distinct manifestations of the post war area shopping malls now offer insights into cold war anxieties and consumer utopias – and the distinct ideas about gender and race that underline the American Dream.

Daniela Luigia Caglioti, A World Apart: Endogamy and Refusal of Integration in a Group of Elite Migrants in 19th-Century Southern Italy

This article explores the marriage strategies and behaviour of three generations of Protestant and German-speaking migrants, mainly coming from Switzerland and the German Confederation, who settled in Naples (Italy) during the 19th century. These migrants, who were entrepreneurs and businessmen, once in Southern Italy founded cotton firms and operated in banks and trade importing technologies, machines, modern patterns of management and frequently also technicians and workers They also built a religious community, schools, a cemetery, clubs, philanthropic societies and a church. Resourceful, drawing on considerable social capital and sharing a high level of training and culture they developed a specific pattern of settlement avoiding contacts and formal relationships with the local elite and refusing integration and assimilation in the host society. The article shows how a high level of marriage endogamy (at the same time national, religious and social), growing in second and third generations, helped protecting and perpetuating this Protestant enclave and examines the role plaid by gender, friendship, kinship, origins, education and religion in orienting marriage strategies.

Nikola Langreiter, Party Selling. On Modern Hawking by the Example of Tupperware

If authors write about Tupperware, they usually deal with design, with plastic as leading material of the 1950ies or with US-American life style. Since a comprehensive research by Alison J. Clarke also the history of the company is – almost – no secret anymore. Here attention primarily is drawn to the special way of selling these plastic bowls, tumblers, and storage containers. The survey on literature about Tupperware focuses on party selling; gender aspects are of particular interest.

Anne Montenach, „Hidden Workers“. Women in the Food Trade in 17th-Century Lyon: Resources and Strategies

The purpose of this article is to discuss the economic role of women in the food trade of Lyon during the seventeenth century. Recent research has demonstrated that in the early modern European cities a high percentage of economic activity took place outside the normative structure of the guilds. The role of women in the craft and retail trade has therefore to be reconsidered. It is necessary to look beyond their varied legal and professional status and try to unveil their actual involvment, for example through judicial sources, in the early modern economy, within or outside the guilds. Using both official and repressive accounts, it is possible to reposition their activity within a larger set of household strategies for survival. The hypothesis is that what takes place on the margins of the law should not only be considered as an epiphenomenon but also as an essential component of exchange. The progressive emergence and institutionalization of guilds undoubtedly but paradoxically led to the exclusion of women. However, this emergence must not hide the connections that are actually preserved between the ‘informal’ and ‘official’ economy.

Amira Sonbol, Negotiating and Disputing Marriage and Business in Early Modern Egypt and Palestine

Using a methodology that looks at text as the product of a living community, as evidence of social interaction involving issues, conflicts and accommodations experienced by people in their everyday life, it is possible to construct a social history based on the concrete realities of a people’s historical experience. This can be the case in regards to the history of Muslim women; while theological discourses see and seek to define women within submissive roles no matter their social, intellectual or financial conditions, reading historical records like chronicles and Shari’a court records, and a closer scrutiny of fiqh, show clear disparities between what discourses of submission establish as the ‘Islamic’ way for women and the actual demeanor of women in their daily life and negotiation with other members of their families and societies whether men or women.

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Veröffentlicht am
29.01.2007