test L'HOMME. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft 19 (2008), 1 | H-Soz-Kult. Kommunikation und Fachinformation für die Geschichtswissenschaften | Geschichte im Netz | History in the web

L'HOMME. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft 19 (2008), 1

Titel der Ausgabe 
L'HOMME. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft 19 (2008), 1
Weiterer Titel 
Sich Sorgen - Care

Herausgeber
Caroline Arni (Bern), Gunda Barth-Scalmani (Innsbruck), Ingrid Bauer (Salzburg), Mineke Bosch (Maastricht), Susanna Burghartz (Basel), Ute Gerhard (Frankfurt a. M.), Christa Ehrmann-Hämmerle (Wien), Hanna Hacker (Wien), Karin Hausen (Berlin), Hana Havelkova (Prag), Margareth Lanzinger (Wien), Brigitte Mazohl-Wallnig (Innsbruck), Edith Saurer (Wien), Claudia Ulbrich (Berlin), Regina Schulte (Florenz/Bochum)
Erschienen
Wien 2008: Böhlau Verlag
Erscheint 
Erscheinungsweise: 2x jährlich
ISBN
978-3-412-20124-1
Anzahl Seiten
188 S.
Preis
€ 21,90/ 22,50 (A) Einzelheft; € 34,90/35,90 (A) Abo (Studierende: € 24,70/25,40 [A])

 

Kontakt

Institution
L'Homme. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft
Land
Austria
c/o
Redaktion: Veronika Siegmund, MA L’HOMME-Redaktion, c/o Institut für Geschichte, Universität Wien, Universitätsring 1, 1010 Wien Österreich Telefon: +43-(0)1-4277-408 13 Fax: +43-(0)1-4277-9408 Verantwortliche Herausgeberin: Christa Hämmerle
Von
Langreiter, Nikola

L’HOMME. Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft, 19, 1 (2008)
Sich Sorgen – Care
Hg. von Ute Gerhard u. Karin Hausen

Care

Die Aufgaben und Probleme der Pflege und Betreuung von alten Menschen, Kranken und der Hilfe Bedürftigen sind zurzeit Gegenstand heftiger politischer Auseinandersetzungen. Die Sorge für andere wird als alarmierender Notstand und immenser Kostenfaktor ebenso diskutiert wie als unterbezahlte Berufsarbeit und unbezahlbare Familienarbeit. Care ist umfassender als der verwaltungstechnische Terminus Fürsorge. Care ist auch im Deutschen so sehr zum Schlüsselbegriff geworden, dass Bibliotheken an dieses Schlagwort weiter verweisen, wenn unter „Pflege“ gesucht wird.

Sich Sorgen

Der Heft-Titel spielt mit der doppelten Wortbedeutung von Sorge:
Sorge meint einerseits quälende Gedanken, Unruhe, Kummer und andererseits das tätige Bemühen, Abhilfe zu schaffen. Daran zu erinnern, mag in der heutigen Zeit ebenso von Nutzen sein, wie die Betonung, dass es zwischen denen, die pflegen und sich kümmern, und denen, die der Pflege bedürfen, persönliche Beziehungen gibt und geben muss. In der Pflege ist Empathie kaum kalkulierbar, aber mit Sicherheit unverzichtbar.

Auch der Begriff Care verweist nicht zuletzt auf das lateinische ‚Caritas’, auf Liebe und Nächstenliebe. Zugleich ist damit ein Dilemma angesprochen: Wie kann es möglich sein, Mitgefühl als die Sorge für und um andere gesellschaftlich zu organisieren, wenn doch persönliche Zuwendung letztlich unverfügbar und nicht verrechenbar ist?

Die Beiträge

Diese grundsätzliche Problematik greifen Eva Senghaas-Knobloch und Christel Kumbruck auf. Anhand 30 narrativer Interviews mit Diakonieschwestern zeigen die beiden, wie schwierig es ist, heute in der Alten- und Krankenpflege Fürsorglichkeit zu praktizieren. Den Interviewten ist Zuwendung als Sinnstiftung und Wert ihrer Berufsarbeit wichtig. Die Autorinnen sind skeptisch, ob dieser Anspruch auf Dauer gegen die Rationalität der Tauschökonomie verteidigt werden kann.

Zwei historische Beiträge beschäftigen sich am Beispiel Deutschlands mit konfessioneller Pflegearbeit und liefern anregende Einblicke in die geschichtlichen Rahmenbedingungen und Möglichkeiten der Pflegearbeit religiös gebundener Frauen.

Relinde Meiwes argumentiert, dass die Kongregationen im 19. Jahrhundert für katholische Frauen ein attraktives alternatives Lebensmodell zur Familie anboten. Die Ordensfrauen nutzten vielfach ihre Handlungsmöglichkeiten, um christliche Liebestätigkeit zur öffentlichen Krankenpflege auszugestalten und zu institutionalisieren.

Susanne Kreutzer skizziert anhand schriftlicher und mündlicher Quellen für die Zeit nach 1945 die Arbeits- und Lebenssituation von Diakonissen, die in der Gemeindepflege tätig waren. Zentral ist, wie das normativ verbindliche Programm des Liebesdienstes in soziale Praxis übersetzt wurde.

Wie in den skandinavischen Wohlfahrtsstaaten die Verantwortlichkeit für Kindererziehung und -betreuung seit den 1970er Jahren neu verteilt wurde untersucht Arnlaug Leira. Den Hintergrund bilden die politische Kultur und die Geschichte dieser Wohlfahrtsstaaten. Dass die nördlichen Vorbilder nicht nur glänzen, zeigen die aktuellen Debatten um die Wahlfreiheit der Eltern, die immer wieder gegen die Gleichheit der Geschlechter ins Feld geführt werden.

Eine seit vielen Jahren in der ambulanten Altenpflege Berlins tätige Frau berichtet im Gespräch mit Karin Hausen über ihre Arbeit. Überdeutlich wird, wie stark die verwaltungsmäßige Organisation, Kontrolle, Zeit- und Kostenkalkulation Einfluss auf die Pflegetätigkeit nehmen und wie sehr diese Rahmenbedingungen die Interaktion erschweren. Die Sorge für Andere wie für sich selbst wird nahezu unmöglich gemacht.

Kontrapunkte zum Hauptthema setzen „L’Homme extra“ und „Aktuelles und Kommentare“: Barbara N. Wiesinger berichtet über Frauen, die sich zwischen 1941 und 1945 zu Tausenden der von der Kommunisten Partei geführten Volksbefreiungsbewegung anschlossen, um im besetzten Jugoslawien die deutschen Invasoren zu bekämpfen.

Unter „Aktuelles und Kommentare“ reagiert Doris Bachmann-Medick auf die L’HOMME-Debatte (siehe Ausgabe 18, 2 [2007]!) zu ihrem Buch „Cultural Turns. Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften“. Sie greift dabei insbesondere Kritikpunkte rund um die Kategorie Gender auf und erläutert, warum Geschlechtertheorien mehr sind als ein turn.

Der Themenschwerpunkt „Sich Sorgen – Care“ wird durch Rezensionen ergänzt und durch Besprechungen von Neuerscheinungen sowie der Präsentation von Ariadne, der Servicestelle für Frauen- und Geschlechterforschung an der Österreichischen Nationalbibliothek, erweitert.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Ute Gerhard und Karin Hausen
Editorial (7–14)

Hauptbeiträge

Eva Senghaas-Knobloch und Christel Kumbruck
Zum Ethos fürsorglicher (Pflege-)Praxis – Dilemmata in der modernen Dienstleistungsgesellschaft (15–37) > Abstract

Relinde Meiwes
Katholische Frauenkongregationen und die Krankenpflege im 19. Jahrhundert (39–60) > Abstract

Susanne Kreutzer
Fürsorglich-Sein. Zur Praxis evangelischer Gemeindepflege nach 1945 (61–79) > Abstract

Arnlaug Leira
Childcare in Scandinavia: Parental Responsibility and Social Right (81–103) > Abstract

Im Gespräch

Eine Berliner Hauspflegerin berichtet. Ein Gespräch mit Karin Hausen (105–113)

L’Homme extra

Barbara N. Wiesinger
Das Geschlecht der Partisanin: Gewalt und Geschlechterkonstruktionen am Beispiel des jugoslawischen Widerstands 1941–1945 (115–129) > Abstract

Aktuelles und Kommentare

Doris Bachmann-Medick
„Diebin der Nacht“ – Gender diesseits oder jenseits kulturwissenschaftlicher turns? Fragen und Antworten in einer kontroversen Debatte (131–142)

Aus den Archiven

Christa Bittermann-Wille und Helga Hofmann-Weinberger
Ariadne – ein Ort für Frauen und ihre Informationsbedürfnisse. Die Servicestelle für Frauen- und Geschlechterforschung an der Österreichischen Nationalbibliothek (143–147)

Rezensionen

Anelia Kasabova
Kurt Schilde u. Dagmar Schulte Hg., Need and Care – Glimpses into the Beginnings of Eastern Europe’s Professional Welfare (149–152)

Milena Angelova
Sabine Hering and Berteke Waaldijk, with Kurt Schilde and Dagmar Schulte, Guardians of the Poor – Custodians of the Public. Welfare History in Eastern Europe 1900–1960/Helfer der Armen – Hüter der Öffentlichkeit. Die Wohlfahrtsgeschichte Osteuropas 1900–1960 (152–154)

Bettina Hitzer
Sabine Braunschweig Hg., Pflege – Räume, Macht und Alltag. Beiträge zur Geschichte der Pflege
Ute Gause u. Cordula Lissner Hg., Kosmos Diakonissenmutterhaus. Geschichte und Gedächtnis einer protestantischen Frauengemeinschaft (155–159)

Gerhard Melinz
Annette Kniephoff-Knebel, Internationalisierung in der Sozialen Arbeit. Eine verlorene Dimension der weiblich geprägten Berufs- und Ideengeschichte (159–162)

Edith Specht
Elke Hartmann, Udo Hartmann u. Katrin Pietzner Hg., Geschlechterdefinitionen und Geschlechtergrenzen in der Antike (162–165)

Martin Scheutz
Alexandra Lutz, Geschlechterbeziehungen in der Neuzeit. Studien aus dem Norddeutschen Raum (165–167)

Ellinor Forster
Siegrid Westphal Hg., In eigener Sache. Frauen vor den höchsten Gerichten des Alten Reiches (167–171)

Maria Ecker
Gerhard Botz Hg., Schweigen und Reden einer Generation. Erinnerungsgespräche mit Opfern, Tätern und Mitläufern des Nationalsozialismus (171–174)

Elke Frietsch
Gabriella Hauch Hg., Frauen im Reichsgau Oberdonau. Geschlechtsspezifische Bruchlinien im Nationalsozialismus (174–178)

Helga Schultz
Eva Sänger, Begrenzte Teilhabe. Ostdeutsche Frauenbewegung und Zentraler Runder Tisch in der DDR (178–182)

Abstracts (183–185)
Anschriften der AutorInnen (187–188)

Weitere Hefte ⇓
Redaktion
Veröffentlicht am
05.06.2008