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L'HOMME. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft 20 (2009), 1

Titel der Ausgabe 
L'HOMME. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft 20 (2009), 1
Weiterer Titel 
Namen + "20 Jahre L'HOMME. Register 1990-2009"

Herausgeber
Caroline Arni (Zürich), Gunda Barth-Scalmani (Innsbruck), Ingrid Bauer (Salzburg), Mineke Bosch (Maastricht), Sybille Brändli (Basel), Susanna Burghartz (Basel), Bozena Choluj (Warschau), Krassimira Daskalova (Sofia), Ute Gerhard (Frankfurt a. M.), Hanna Hacker (Wien), Christa Ehrmann-Hämmerle (Wien), Karin Hausen (Berlin), Hana Havelková (Prag), Ulrike Krampl (Tours), Margareth Lanzinger (Wien), Sandra Maß (Bielefeld), Edith Saurer (Wien), Regina Schulte (Bochum), Gabriela Signori (Konstanz), Claudia Ulbrich (Berlin)
Erschienen
Köln-Weimar 2009: Böhlau Verlag
Erscheint 
Erscheinungsweise: 2x jährlich
ISBN
978-3-412-29327-3
Anzahl Seiten
170 S.
Preis
€ 21,80 [D] / € 22,50 [A] / SFr 38,60

 

Kontakt

Institution
L'Homme. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft
Land
Austria
c/o
Redaktion: Veronika Siegmund, MA L’HOMME-Redaktion, c/o Institut für Geschichte, Universität Wien, Universitätsring 1, 1010 Wien Österreich Telefon: +43-(0)1-4277-408 13 Fax: +43-(0)1-4277-9408 Verantwortliche Herausgeberin: Christa Hämmerle
Von
Langreiter, Nikola (Redaktion)

Namen
Hg. von Ulrike Krampl u. Gabriela Signori

Namen und kulturelle Regeln

Wie Namen gegeben, genommen oder gewechselt werden, folgte über die Jahrhunderte hinweg kulturell unterschiedlichen Spielregeln. Ein eigenes Namensrecht entwickelte sich in Europa erst an der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert im Zuge der Entstehung moderner Staatlichkeit.

Namen und die Ordnung der Geschlechter

Von der Schöpfungsgeschichte (Genesis 3, 20) bis heute spiegelt sich in der Namensfrage aber auch stets die sich wandelnde Ordnung der Geschlechter wider. Diesem Geben und Nehmen, das Mann und Frau je unterschiedliche Entfaltungsmöglichkeiten gewährte, ist dieses Themenheft von „L’HOMME. Z. F. G.“ gewidmet, an dem Vertreter und Vertreterinnen aus der Ethnologie, der Geschichtswissenschaft, der Judaistik und den Rechtswissenschaften mitgewirkt haben.

Im Vordergrund steht dabei der Nachname, denn ihm hat die Forschung bislang weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Kontrastiv werden Vormoderne und Moderne aufeinander bezogen, und dem Vergleich zwischen Juden und Christen wird eine systematische Rolle zugewiesen, um sowohl die Grundlagen als auch die Handlungsspielräume des europäischen Namensrechts zu beleuchten.

Der Name als kritisches Instrument der Forschung

Der Name dient gerade der Mikrogeschichte als Ausgangspunkt, die Menschen der Vergangenheit zu identifizieren, um sie als Akteure und Akteurinnen mit – beschränkten – Handlungsoptionen darzustellen. Der Name fungiert damit als kritisches Instrument und nicht als eines der Herrschaft, dies gegenüber einer quantitativen Wirtschafts- und Sozialgeschichte, auch gegenüber einer politischen Geschichte, die zu oft die Unterscheidung zwischen großen und kleinen Namen, zwischen den ‚Namen’ und den ‚Namenlosen’ unreflektiert aus dem Quellenmaterial übernommen hatte: Namen sind somit ein grundlegendes Anliegen der Frauen- und Geschlechtergeschichte.

Die Beiträge

Die drei Hauptbeiträge wählen gänzlich unterschiedliche Zugänge zum Thema: Christof Rolker untersucht die individuelle Handhabung im Rahmen von Namensmehrheit im Spätmittelalter. Mit derselben Zeit und aschkenasischen Juden im österreichischen Raum setzt sich Martha Keil auseinander, der es dabei vor allem darum geht wie von der Namensführung auf Handlungsoptionen geschlossen werden kann. Gérard Delille hingegen führt ins frühneuzeitliche Königreich Neapel, in dem er eine spezifische – besonders in den Oberschichten praktizierte – Namenstradierung herausarbeitet. Sein historisch-demographisch familiengeschichtlicher Ansatz fokussiert auf langfristige, überindividuelle Handlungslogiken.

Intensiver Forschung bedarf es für die Zeit vom 18. bis zum 20. Jahrhundert als Namensrecht mit deutlich patriarchalen Zügen vereinheitlicht und schriftlich fixiert wurde. Dass dies nicht ohne Widerstände von statten ging und geht, zeigt Ute Sacksofsky eindringlich am deutschen Beispiel. Agnès Fine bespricht die französische Situation im Vergleich mit dem kanadischen Quebec. Sie betont unter anderem den erstaunlichen Kontrast zwischen der anthropologischen und politischen Bedeutung der neuen Gesetzgebung und der sehr zurückhaltenden öffentlichen Diskussion. Vielleicht kann man diese gewisse Selbstverständlichkeit, mit der die neuen liberalen Namensregelungen aufgenommen worden sind, dadurch verstehen, dass die Motivationen der Namenswahl letztlich so vielfältig sind, dass keine kollektive Meinungsbildung greifen konnte. Darauf lässt der Beitrag der Anthropologin Valérie Feschet indirekt schließen, die nach einem prägnanten europäischen Vergleich erste Überlegungen zur Inanspruchnahme der neuen Möglichkeiten bei der Namenswahl anstellt.

In den Osten Europas beziehungsweise weit darüber hinaus führen die Beiträge zu den Rubriken „Forum“ und „Aus den Archiven“. Die brasilianische Soziologin Walquiria Domingues Leão Rego präsentiert einen hochaktuellen Beitrag zur citizenship-Debatte, indem sie der Frage nachgeht, inwieweit das von der brasilianischen Regierung unter dem Präsidenten Lula da Silva gestartete Programm zur Armutsbekämpfung (Fome Zero) weiterreichende, politisch emanzipatorische Auswirkungen für Frauen zeitigen könnte.
Julia Herzberg führt in russische Archive und problematisiert aus geschlechterhistorischer Perspektive den Vorgang des Sammelns und Archivierens von bäuerlichen Autobiographien aus der Zeit des späten Zarenreichs bis zur Oktoberrevolution.

Rezensionen zum Themenschwerpunkt und darüber hinaus ergänzen diese Ausgabe, der außerdem der Registerband „20 Jahre L’HOMME. 1990–2009“ beiliegt.

Inhaltsverzeichnis

INHALTSANGABE

Ulrike Krampl u. Gabriela Signori
Editorial (7–16)

Beiträge

Christof Rolker
„Ich, Anna Hartzerin, genannt von Maegelsperg ...“ Namensführung und weibliche Identität in der spätmittelalterlichen Stadt (17–34)

Martha Keil
Hendl, Suessel, Putzlein – Name und Geschlecht am Beispiel des österreichischen Judentums im Spätmittelalter (35–52)

Gérard Delille
Namen und Linien. Ein süditalienisches Dorf und seine Genealogen (1572–1730) (53–62)

Aktuelles und Kommentare

Valérie Feschet
The Surname in Western Europe. Liberty, Equality and Paternity in Legal Systems in the Twenty-First Century (63–73)

Ute Sacksofsky
Eheliches Namensrecht im Zeichen der Gleichberechtigung (75–89)

Agnès Fine
Das neue französische Namensrecht: eine Revolution? (91–96)

Forum

Walquiria Domingues Leão Rego
Staatlicher Einkommenstransfer und Bürgerrechte in Brasilien. Das Programa Bolsa Família der Regierung Lula da Silva (97–110)

Aus den Archiven

Julia Herzberg
Russische Trojaner. Über das Eindringen bäuerlicher Autobiographik in das Archiv (111–123)

Rezensionen zum Themenschwerpunkt

Gabriela Signori
Gabriele vom Bruck u. Barbara Bodenhorn Hg., The Anthropology of Names and Naming (125–126)

Ulrike Krampl
Cécile Leguy u. Micheline Lebarbier Hg., Des noms et des personnes (126–130)

Sylvie Steinberg
Jean-Pierre Bardet u. Guy Brunet Hg., Noms et destins des Sans Famille (130–132)

Wolfram Aichinger
Nicole Lapierre, Changer de nom (133–137)

Gabriela Signori
Agnès Fine u. Françoise-Romaine Quellette Hg., Le nom dans les sociétés occidentales contemporaines (137–138)

Anna Schober
Rudolfine Lackner Hg., Names Are Shaping Up Nicely! Gendered Nomenclature in Art, Language, Law, and Philosophy (139–142)

Weitere Rezensionen

Margareth Lanzinger
David Warren Sabean, Simon Teuscher u. Jon Mathieu Hg., Kinship in Europe. Approaches to Long-Term Development (1300–1900) (143–146)

Elisabeth Joris
Margareth Lanzinger u. Edith Saurer Hg., Politiken der Verwandtschaft. Beziehungsnetze, Geschlecht und Recht (146–149)

Christof Rolker
Barbara A. Hanawalt, The Wealth of Wives. Women, Law, and Economy in Late Medieval London (149–152)

Xenia von Tippelskirch
Sandra Cavallo, Artisans of the Body in Early Modern Italy. Identities, Families and Masculinities (152–156)

Andreas Schneider
Martin Dinges Hg., Männlichkeiten und Gesundheit im historischen Wandel ca. 1800–ca. 2000 (156–158)

Waltraud Heindl
Eveline List, Mutterliebe und Geburtenkontrolle – Zwischen Psychoanalyse und Sozialismus. Die Geschichte der Margarethe Hilferding-Hönigsberg (159–161)

Silke Fengler
Annette Vogt, Vom Hintereingang zum Hauptportal? Lise Meitner und ihre Kolleginnen an der Berliner Universität und in der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (161–163)

Abstracts (165–167)

Anschriften der AutorInnen (169–170)

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