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Invertito 10 (2008)

Titel der Ausgabe 
Invertito 10 (2008)
Weiterer Titel 

Erschienen
Hamburg 2008: Männerschwarm Verlag
Erscheint 
ISBN
978-3-93954233-9
Preis
€ 14,00 pro Band
ISSN

 

Kontakt

Institution
Invertito. Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten
Land
Deutschland
c/o
Invertito c/o Centrum Schwule Geschichte Köln Postfach 270308 50509 Köln Telefon: 0221 / 98558348
Von
Micheler, Stefan

Liebe Leserinnen und Leser,

vor 10 Jahren fand in Berlin im Schwulen Museum eines der ersten Jahrestreffen des Fachverbandes Homosexualität und Geschichte (FHG) statt. Auf jenem Treffen ging es unter anderem darum, ein wissenschaftliches Publikationsorgan zu begründen, in dem die Mitglieder des FHG und darüber hinaus alle, die sich mit der Erforschung der Geschichte der Homosexualitäten beschäftig(t)en, ihre Arbeits- und Forschungsergebnisse einer interessierten Öffentlichkeit unterbreiten könnten. Es gab damals schon Capri, herausgegeben von Manfred Herzer, in dem in unregelmäßiger Folge Ergebnisse der homosexuellen Geschichtsforschung publiziert wurden. Bemühungen, ein gemeinsames neues wissenschaftliches Organ oder ein erweitertes Capri zu initiieren, scheiterten an konzeptionellen Differenzen und personellen Unvereinbarkeiten. In der Konsequenz ist Invertito. Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten entstanden, erstmals erschienen im Herbst 1999. Der vorliegende Band trägt die Nummer 10 – ein Anlass für Rückblick und Ausblick.

Soweit wir sehen, ist Invertito weltweit die einzige wissenschaftliche Zeitschrift, die sich auf die Erforschung der Geschichte der gleichgeschlechtlichen weiblichen und männlichen Liebe, Erotik und Sexualität konzentriert. Allenfalls Capri und – mit engerem thematischen Schwerpunkt – die Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft haben und realisieren ähnliche Zielsetzungen. In zehn Jahrgängen sind mehr als sechzig größere und kleinere Artikel zu allen Bereichen der Geschichte der Homosexualitäten erschienen, mit geografischem Schwerpunkt Deutschland, Österreich und Schweiz. Der zeitliche Schwerpunkt liegt im 19. und 20. Jahrhundert, mehrere Texte gehen jedoch in die Frühe Neuzeit und andere bis ins Mittelalter zurück. Allein die Antike blieb bisher unberücksichtigt. Darüber hinaus erschienen mehr als siebzig Rezensionen, mit ähnlichen inhaltlichen Schwerpunkten. Der Anspruch, lesbische Geschichte gleichgewichtig mit der Geschichte der männlichen Homosexualitäten darzustellen, konnte – wie schon mehrfach an dieser Stelle angesprochen und bedauert – nicht realisiert werden, weil Beiträge über gleichgeschlechtliches Begehren von Frauen nur in geringer Zahl eingereicht werden. Über die Gründe hierfür kann nur spekuliert werden. Die Redaktion strebt das Ziel der Ausgeglichenheit weiterhin an und bittet nach wie vor um Unterstützung in dieser Hinsicht.

Haben wir nun mit Invertito erreicht, was wir erreichen wollten? Allein die Tatsache, dass Invertito seit 10 Jahren erscheint und sich ohne Sponsoren oder Werbeeinnahmen selbst finanziert, ist schon ein beachtlicher Erfolg. Invertito eröffnet Publikationsmöglichkeiten für Forschungsergebnisse zu Themen, die im üblichen akademischen Betrieb zu kurz kamen und noch immer nicht genügend Beachtung finden. Die Möglichkeit, in Invertito zu publizieren, war mehr als einmal Voraussetzung für wissenschaftliche Anstrengungen, die sonst nicht unternommen worden wären. Auch ist es Invertito gelungen, eine Plattform für wissenschaftliche und geschichtspolitische Kontroversen zu bieten, Initiativen, Archive und erfolgreich realisierte Projekte vorzustellen und so vielleicht auch zum eigenen Forschen und zur eigenen Initiative anzuregen. Diese Möglichkeit offen zu halten, lohnt die Anstrengungen, die AutorInnen, Redaktion, Verlag und Vertrieb jedes Jahr erneut auf sich nehmen. Oft werden mehr Beiträge eingereicht, als wir abdrucken können, obwohl der Umfang unserer Zeitschrift im Laufe der Jahre gewachsen ist.

Heute ist Invertito in zahlreichen deutschen Universitätsbibliotheken und auch in verschiedenen Nationalbibliotheken erhältlich. Invertito wird in den Forschungsfeldern Sexualitätsgeschichte und Gender Studies im deutschsprachigen Raum und international beachtet und durchaus häufig werden in unserer Zeitschrift erschienene Artikel angeführt, trotzdem könnte Invertito im allgemeinen universitären Wissenschaftsbetrieb und gerade in den Publikationen von und für homosexuelle LeserInnen stärker wahrgenommen werden. Die Auflage von 600 Exemplaren ist für eine wissenschaftliche Zeitschrift nicht gering, die Anzahl der Abonnenten stagniert jedoch auf dem Stand von vor acht oder zehn Jahren. Wir halten deshalb eine systematische Werbung und Vertriebsförderung für nötig, die allerdings von der Redaktion nicht zusätzlich zur inhaltlichen Arbeit übernommen werden kann. Insofern wären wir glücklich, wenn sich Personen bereit erklären würden, ihre Ideen und Arbeitskraft in diesen für die Zeitschrift überlebensnotwendigen Bereich einzubringen und damit das Erscheinen von Invertito für mindestens die nächsten zehn Jahre sicherzustellen. Gleiches gilt auch für die Betreuung der Website des FHG < http://www.invertito.de/>, um diese zu einem Forum für Menschen auszubauen, die an der Geschichte gleichgeschlechtlichen Lebens interessiert sind.

Wenden wir nun unseren Blick auf den vorliegenden Band von Invertito, der wieder lesenswerte Texte und Rezensionen zu verschiedenen Aspekten der Geschichte der Homosexualitäten bietet. Zwei Artikel beschäftigen sich mit der Weimarer Zeit: Stefan Micheler gibt einen Überblick über die zum Teil nach wie vor schwer durchschaubare Geschichte der Organisationen homosexueller Männer und Frauen im Deutschland der 20er und 30er Jahre; die Männlichkeitskonzepte zweier wichtiger Repräsentanten der Homosexuellenbewegung und Vertreter unterschiedlicher Strömungen in dieser Zeit untersucht Martin Lücke (Stefan Micheler: Freundschaftsverbände und Martin Lücke: Die Konstruktion homosexueller Männlichkeiten bei den Homosexuellen-Aktivisten Friedrich Radszuweit und Richard Linsert). Mirko Nottscheid legt eine biografische Skizze zu Joachim S. Hohmann vor, einem Pionier der Erforschung nicht nur der homosexuellen Geschichte, ergänzt durch eine nach heutigem Stand umfassende erste Bibliografie der Schriften Hohmanns. Den Skandal um den Film Anders als Du und ich von Veit Harlan, der 1957 in die Kinos kam, analysiert Frank Ahland auf Grundlage neu veröffentlichter Quellen. Régis Schlagdenhauffen beschäftigt sich schließlich mit der Berücksichtigung des Gedenkens an homosexuelle Opfer in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem. Berichte, eine Archivvorstellung und Rezensionen runden den Inhalt ab.

Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern eine anregende Lektüre und bedanken uns für zehn Jahre Treue zu unserem und Ihrem Projekt Invertito.

Die Redaktion

Inhaltsverzeichnis

INHALTSVERZEICHNIS

Hauptbeiträge

Stefan Micheler
Zeitschriften und Verbände gleichgeschlechtlich begehrender Menschen in der Weimarer Republik. Ansätze einer Organisationsgeschichte, in: Invertito 10 (2008), S. 10–56

Martin Lücke
Männerbilder zwischen Konsum und Kommunismus. Die Konstruktion homosexueller Männlichkeit bei den Homosexuellen-Aktivisten Friedrich Radszuweit und Richard Linsert, in: Invertito 10 (2008), S. 57–78

Frank Ahland
„Da wird geändert, und du weißt nicht wie“. Der Skandal um den Film _Anders als du und ich _von Veit Harlan aus dem Jahr 1957, in: Invertito 10 (2008), S. 79–103

Mirko Nottscheid
„Eines allein ist für mich langweilig“. Der Pädagoge, Sozialwissenschaftler und Schriftsteller Joachim Hohmann (1953–1999). Ein bio-bibliographischer Überblick. Mit einer Bibliographie seiner belletristischen und wissenschaftlichen Buchveröffentlichungen aus den Jahren 1970 bis 2000, in: Invertito 10 (2008), S. 104–149

Kleinere Beiträge – Gedenken an NS-Opfer

Régis Schlagdenhauffen
Das Gedenken an die homosexuellen NS-Opfer in Israel und ihre Darstellung im neuen Holocaust-Museum von Yad Vashem, in: Invertito 10 (2008), S. 150–164

Herbert Potthoff
Wiener „Rosa Platz“ wird nicht in der geplanten Form verwirklicht, in: Invertito 10 (2008), S. 165–166

Archive und Sammlungen

QWIEN. Zentrum für schwul/lesbische Kultur und Geschichte, in: Invertito 10 (2008), S. 167–168

Rezensionen

Sodomites and Urnings. Homosexual Representations in Classic German Journals. Edited and translated by Michael A. Lombardi-Nash
(Herbert Potthoff), in: Invertito 10 (2008), S. 169–170

Gabriele Dennert, Christiane Leidinger, Franziska Rauchut (Hg.): In Bewegung bleiben. 100 Jahre Politik, Kultur und Geschichte von Lesben
(Sabine Puhlfürst), in: Invertito 10 (2008), S. 170–171

Samanta Maria Schmidt: Lesbenlust und Kinoliebe Ingeborg Boxhammer: Das Begehren im Blick. Streifzüge durch 100 Jahre Lesbenfilmgeschichte
(Sabine Puhlfürst), in: Invertito 10 (2008), S. 171–175

Rainer Herrn: Schnittmuster des Geschlecht Transvestitismus und Transsexualität in der frühen Sexualwissenschaft
(Heike Schader), in: Invertito 10 (2008), S. 176–178

Sabine Grenz / Martin Lücke (Hg.): Verhandlungen im Zwielicht. Momente der Prostitution in Geschichte und Gegenwart
(Stefan Micheler), in: Invertito 10 (2008), S. 178–184

Jens Rydström und Kati Mustola (Hg.): Criminally Queer. Homosexuality and Criminal Law in Scandinavia 1842–1999
(Raimund Wolfert), in: Invertito 10 (2008), S. 184–188

Der Gala Verlag in Hamburg, 1959–1985. Eine Bibliographie. Bearbeitet von Franz Bayer
(Mirko Nottscheid) in: Invertito 10 (2008), S. 188–192

Hollow Skai: Das alles und noch viel mehr. Rio Reiser – das kurze Leben des Königs von Deutschland
(Stefan Micheler), in: Invertito 10 (2008), S. 193–195

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Veröffentlicht am
02.09.2014