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Invertito 19 (2017)

Titel der Ausgabe 
Invertito 19 (2017)
Weiterer Titel 
Americana. Aus der Geschichte der "Neuen Welt"

Erschienen
Hamburg 2017: Männerschwarm Verlag
Erscheint 
ISBN
978-3-86300-262-6
Anzahl Seiten
220
Preis
19 € print, 13 € E-Book
ISSN

 

Kontakt

Institution
Invertito. Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten
Land
Deutschland
c/o
Invertito c/o Centrum Schwule Geschichte Köln Postfach 270308 50509 Köln Telefon: 0221 / 98558348
Von
Stefan Micheler

Liebe Leserinnen und Leser,

Für diese Ausgabe konnten wir seit längerer Zeit wieder einmal einen Schwerpunkt benennen: Americana. Aus der Geschichte der Neuen Welt. Wir haben die dazu passenden vier Aufsätze nicht gesucht, sondern sie wurden zufällig eingereicht. Sie decken zeitlich, geographisch und thematisch ein weites Spektrum ab:
Florian Wieser berichtet über „Neuspanien“, das heutige Mexiko, errichtet im 16. und frühen 17. Jahrhundert als Kolonie auf dem Gebiet des sogenannten Aztekenreichs. Die Denkweisen der autochthonen und der erobernden Gruppen divergierten so sehr, dass aus den vorhandenen Quellen kaum zu erfahren ist, welche Sexualpraktiken dort geübt wurden. Die mannmännlichen Ereignisse wurden von den Eroberern umstandslos dem Sodomiekonzept zugeordnet und zur Abqualifikation der indigenen Gesellschaften benutzt; eine kriminalrechtliche Verfolgung und religiöse Verdammung schloss sich daran an. Leitend war ein Konzept vom idealen Mann.
Die folgenden drei Aufsätze blicken auf unterschiedliche Aspekte des schwulen Lebens in den USA der 1960er bis 1980er Jahre: Ben Miller zeigt in seinem Beitrag, wie Harry Hay (1912–2002), ein wichtiger Wegbereiter der US-amerikanischen Homophilen- und Homosexuellen-Bewegungen durch marxistische Theorie beeinflusst wurde, insbesondere durch Friedrich Engels’ Konzept des matriachalen, primitiven Kommunismus. Von besonderer Bedeutung für Hays Theoriebildung war der „Berdache“ der Native Americans.
Ulrich Linke untersucht die zeitgenössische Auseinandersetzung mit Al Carmines’ Musical The Faggot von 1973, dem ersten homo-emanzipatorisch gedachten Musical. Er stellt damit ein Werk vor, das sowohl von der Geschichtswissenschaft als auch von der Musik- und Theaterwissenschaft bisher kaum beachtet worden ist. Reinaldo Arenas verließ unter Schwierigkeiten das von Fidel Castro geprägte Kuba, wie er in einem vielgelesenen und verfilmten Buch beschrieben hat. Wie es ihm in den Vereinigten Staaten erging, schildert Kevin Breu.
Ergänzt werden die Schwerpunktbeiträge durch drei weitere Beiträge zur Verfolgung Homosexueller in der NS-Zeit und in der frühen BRD: Matthias Gemählich beleuchtet die bisher nicht untersuchte Verfolgung homosexueller Männer in Nürnberg und zeigt, dass die Verfolgung einerseits ähnlich verlief wie in anderen Städten des Reiches, andererseits aber eine besondere Radikalität der Verfolgung in einer der Führerstädte zu konstatieren ist, da Sondergerichte besonders harte Strafen aussprachen. Einen Blick auf Polen wirft Georg Gostomczyk und schildert kritisch, wie sich dieses Land mit der NS-Verfolgung der Homosexuellen schwertut. Invertito wollte Bohdan Piętkas Aufsatz aus dem Jahr 2014 über die „Häftlinge mit dem rosa Winkel im KZ Auschwitz“ abdrucken, aber Georg Gostomczyk sträubten sich die Haare, als er an die Übersetzung ging. In seinem persönlich gehaltenen Beitrag erklärt er warum. Karl-Heinz Steinle berichtet über eines der neuen Forschungsprojekte zur Homosexuellenverfolgung in Nachkriegsdeutschland zwischen 1949 bis 1969. Gefördert von jeweils einem Bundesland, auf dessen Region die Recherchen sich beziehen, werden hier endlich die Verhältnisse ‚auf der Fläche’ statt bloß in den Metropolen geklärt. In seinem Artikel geht es um Baden-Württemberg.
Zum Tode von Wolfgang Popp sichtet Gerhard Härle dessen Lebensleistung. Popp hatte in den 1980er und 1990er Jahren die kleine Universität Siegen zu einem Schwerpunkt literarhistorischer Forschung und Publizistik über gleichgeschlechtliches Begehren gemacht. Bis heute gibt es dafür keinen Ersatz und vielen Jüngeren sagt nicht einmal der Name Wolfgang Popp etwas. Die Geschichtsschreibung der Homo- und LSBT*I-Studien wird ihn nicht vergessen.
Auch diese Ausgabe enthält selbstverständlich Rezensionen neuerer Publikationen. Wie immer freuen wir uns über informative und orientierende Rezensionen und Forschungsbeiträge. Die Erweiterung der Redaktion hat zum Teil zu einer Entlastung geführt. Ab dieser Ausgabe nennen wir jeweils nur diejenigen, die an der Ausgabe mitgewirkt haben. Wir hoffen mit Invertito 20 wieder in den zeitlichen Rhythmus zurückzufinden.

Die Redaktion

Inhaltsverzeichnis

EDITORIAL

HAUPTBEITRÄGE

Florian Wieser
„… und ich weiß, dass sie alle Sodomiten sind.“
Diskurse von Macht, Männlichkeit und Homosexualitäten in
Darstellungen des frühkolonialen Neuspanien (Mexiko)

Ben Miller
Wozu sind wir da?
Harry Hay, die Homosexuellenfrage und das Erbe des Marxismus

Ulrich Linke
Politisch oder privat?
Die Debatte um Al Carmines’ Musical The Faggot (1973)

Kevin-Niklas Breu
Making a difference.
Reinaldo Arenas, die Mariel-Flüchtlingskrise und
der schwule Aktivismus im Exil

KLEINERE BEITRÄGE

Matthias Gemählich
„Zum Schutz der Volksgemeinschaft“ –
Die nationalsozialistische Homosexuellen­verfolgung in Nürnberg

Georg Gostomczyk
Den homosexuellen Opfern des Nationalsozialismus nicht angemessen.
Ein Lesebericht zu Bohdan Piętkas Aufsatz „Häftlinge mit dem rosa Winkel im KZ Auschwitz“

Karl-Heinz Steinle
Erforschung und Aufarbeitung der LSBTTIQ-Geschichte
in Baden-Württemberg

Gerhard Härle
Im Spannungsfeld von Wissenschaft, Politik und Aktion.
Zur Erinnerung an Prof. Dr. Wolfgang Popp (3. Juni 1935 – 5. Mai 2017)

REZENSIONEN

Queering German History
German History. The Journal of the German History Society 34 (2016), no. 3
(Samuel Clowes Huneke)

Kenneth J. Dover:
Greek Homosexuality
(Rafał Matuszewski)

Andreas Kraß:
Ein Herz und eine Seele. Geschichte der Männerfreundschaft
(Christian Mühling)

Homosexuality in Italian Literature, Society, and Culture, 1789–1919.
Hg. v. Lorenzo Benadusi, Paolo L. Bernardini, Elisa Bianco, Paola Guazzo
(Manfred Herzer)

Angela Steidele:
Anne Lister. Eine erotische Biographie
(Birgit Bosold)

Manfred Herzer:
Magnus Hirschfeld und seine Zeit
(Wolfgang Burgdorf)

Homosexuellenverfolgung in Österreich.
Geschichte und Nachgeschichte, zeitgeschichte 43 (2016), H. 2
(Hans-Peter Weingand)

ENGLISH ABSTRACTS

AUTORINNEN UND AUTOREN

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Redaktion
Veröffentlicht am
05.04.2019