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Religion und Gesellschaft in Ost und West (2021), 4–5

Titel der Ausgabe 
Religion und Gesellschaft in Ost und West (2021), 4–5
Weiterer Titel 
Belarus. Historische und kulturelle Erkundungen

Herausgeber
Institut G2W. Ökumenisches Forum für Glauben, Religion und Gesellschaft in Ost und West
Erschienen
Zürich 2021: Selbstverlag
Erscheint 
monatlich
Anzahl Seiten
32 S.
Preis
EUR 10.- / CHF 12.- zzgl. Versandkosten

 

Kontakt

Institution
Religion und Gesellschaft in Ost und West (RGOW)
Land
Switzerland
c/o
Institut G2W Bederstr. 76 CH-8002 Zürich
Von
Zwahlen, Regula

Seit Beginn der Wahlkampagne zur Präsidentschaftswahl in Belarus im vergangenen August 2020 sind zehntausende Belarusinnen und Belarusen Opfer von Gewalt und Repression geworden, weil sie an friedlichen Demonstrationen gegen die Wahlfälschungen teilgenommen haben. Präsident Lukaschenka setzt für seinen Machterhalt auf seinen Sicherheitsapparat.

In dieser Ausgabe bieten wir vertiefte Einblicke in Geschichte und Kultur des Landes an der „Grenzzone der Imperien“. Die komplexe Religionsgeschichte erklärt, weshalb Religion bei der Herausbildung einer kollektiven belarusischen Identität keine starke Rolle spielt (vgl. RGOW 12/2020). Zu dieser Identität trug eher die Geschichte der Belarusischen Sowjetrepublik im 20. Jahrhundert bei. Heute bedrohen die Repressionen das kreative belarusische Kunst-, Musik- und Literaturschaffen.

Inhaltsverzeichnis

IM FOKUS

Jens Siegert: Navalnyj und wie weiter?
Ende Januar hat Russland eine nie dagewesene Protestwelle erlebt, die mit einem massiven Aufgebot der Sicherheitskräfte zurückgedrängt wurde. Grund war die Verhaftung des oppositionellen Politikers Alexej Navalnyj nach seiner Rückkehr aus Deutschland, wo er aufgrund der in Novosibirsk versuchten Vergiftung behandelt worden war. Während das Regime zunehmend an Legitimität einbüßt, erreichten die Proteste auch dank des von Navalnyj aufgebauten Netzwerks eine neue Qualität.

BELARUS

Alfons Brüning: Nicht das Ende Europas – Zur Religionsgeschichte von Belarus
Belarus lag jahrhundertelang an einer „Grenzzone der Imperien“, was die Kultur- und Religionsgeschichte des Landes entscheidend prägte. Heute nur noch eine kleine Minderheit waren die Griechisch-Katholischen bis weit ins 19. Jahrhundert eine der dominierenden Konfessionen im Land. Für das Entstehen einer belarusischen nationalen Bewegung spielten die Konfessionen keine tragende Rolle.

Thomas M. Bohn: Von Hiesigen zu Sowjetmenschen – Belarus im 20. Jahrhundert
Erst mit der Gründung der Belarusischen Sozialistischen Sowjetrepublik konnte sich die belarusische Staats- und Nationsbildung entfalten. In der Zwischenkriegszeit wurden die Landesgrenzen fixiert und eine kulturelle Belarusifizierung betrieben. Die nach dem Zweiten Weltkrieg in Gang gesetzte Urbanisierung führte zu einer weitgehenden Russifizierung, so dass die Unabhängigkeit der Republik Belarus 1991 trotz der sich formierenden Nationalbewegung eher beiläufig erfolgte.

Maryia Rohava: Politische Krise und vertagte Verfassungsreform in Belarus
Auf die Protestbewegung hat das Lukaschenka-Regime mit massiven Repressionen reagiert, so dass öffentliche Reformforderungen weitgehend verstummt sind. Auch die seit Jahren angekündigte, den Protestierenden im Herbst in Aussicht gestellte Verfassungsreform ist auf 2022 verschoben worden. Lukaschenka vertraut zur Machterhaltung allein dem Sicherheitsapparat.

Nelly Bekus: Religion für die Nation? Kirchen und Staat in Belarus
Bei der Nationsbildung nach der Unabhängigkeit von Belarus spielten die orthodoxe und katholische Kirche keine tragende Rolle. Die katholische Kirche verfolgte allerdings seit den 1990er Jahren eine Belarusifizierung des religiösen Lebens. Bis zu den Massenprotesten 2020 hielten sich die Kirchen von Politik weitgehend fern, erst die Gewalt gegen die Protestierenden löste klarere Positionierungen aus.

Kristiina Silvan: Jugendpolitik in Lukaschenkas Belarus
Die Protestwelle in Belarus hat Lukaschenka u. a. als Versagen der Jugendpolitik interpretiert, deren Vehikel die „Belarusische Republikanische Jugendunion“ ist. Hauptaufgabe der Jugendorganisation ist die Förderung des offiziellen Patriotismus. Seit den Massenprotesten steht die regierungstreue Organisation zunehmend in der Kritik. Derzeit werden Austritte erschwert und die Leitung zur Intensivierung der patriotischen Erziehung aufgefordert.

Nina Weller: Die belarusische Literatur zwischen Aufbruch und Repression
In Belarus hat sich seit den 1990er Jahren eine lebendige Literaturlandschaft entfaltet. Doch die nicht-staatlichen Verlage und Literaturschaffenden befinden sich in einer prekären Situation: Sie sind kulturpolitischen und administrativen Einschränkungen und dem Druck der staatlichen Behörden ausgesetzt. Gleichwohl werden ihre Stimmen über die Landesgrenzen hinaus wahrgenommen.

Vitali Alekseenok: Zwischen Aktivismus und Repression: Kunstszene in Belarus
Die Präsidentschaftswahl im Sommer 2020 bedeutete für die Kunst- und Musikszene in Belarus einen Einschnitt. Schon zuvor war der Rahmen des Möglichen für Kunstschaffende eng und Grenzüberschreitungen wurden geahndet. Seit der Wahl haben sich neue Formen künstlerischen Protests entwickelt, was aber auch verstärkte Repressionen mit sich gebracht und eine Bewegung ins Exil ausgelöst hat.

BUCHANZEIGEN

Thomas M. Bohn, Marion Rutz (Hg.): Belarus-Reisen. Empfehlungen aus der deutschen Wissenschaft. Wiesbaden 2020

Andreas Rostek, Nina Weller, u.a. (Hg.): Belarus! Das weibliche Gesicht der Revolution, Berlin 2020

Melanie Arndt: Tschernobylkinder. Die transnationale Geschichte einer nuklearen Katastrophe. Göttingen 2020

Tatsiana Astrouskaya: Cultural Dissent in Soviet Belarus (1968–1988), Wiesbaden 2019

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