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Religion und Gesellschaft in Ost und West (2021), 7-8

Titel der Ausgabe 
Religion und Gesellschaft in Ost und West (2021), 7-8
Weiterer Titel 
Grenzregionen im östlichen Europa

Herausgeber
Institut G2W. Ökumenisches Forum für Glauben, Religion und Gesellschaft in Ost und West
Erschienen
Zürich 2021: Selbstverlag
Erscheint 
monatlich
Anzahl Seiten
48 S.
Preis
EUR 10.- / CHF 12.- zzgl. Versandkosten

 

Kontakt

Institution
Religion und Gesellschaft in Ost und West (RGOW)
Land
Switzerland
c/o
Institut G2W Bederstr. 76 CH-8002 Zürich
Von
Zwahlen, Regula

Polesien, Transkarpatien, Sandžak oder Dobrudscha – wissen Sie, wofür diese Bezeichnungen stehen, oder sind es böhmische Dörfer für Sie? Grenzregionen wie diese im östlichen Europa stehen selten im Fokus des internationalen Interesses, weswegen wir in dieser Sommer-Doppelnummer den Blick auf elf eher unbekannte Regionen von Karelien im Norden bis Thrakien im Süden richten. Manche dieser Begegnungs-, Transfer- und Konfliktzonen lagen nicht immer an der Peripherie und als grenzüberschreitende Gebiete führen sie uns vor Augen, dass Raumbegriffe dem zeitlichen Wandel unterliegen und mitnichten fixe geographische Größen sind. Das gilt auch für staatenübergreifende, supranationale Raumeinteilungen wie Ost-, Ostmittel- oder Südosteuropa, die von vielgestaltigen Beziehungen und Interaktionen geprägt wurden und werden.

Inhaltsverzeichnis

IM FOKUS

Ingo Petz: Am Ende der Information? – Medien in Belarus
Die belarusischen Machthaber gehen mit massiven Repressionen gegen unabhängige Medien und Journalisten vor. Jüngste Beispiele sind die Blockierung des unabhängigen Mediums tut.by und die Verhaftung des Bloggers Raman Pratasevitsch. Das Vertrauen in die staatsnahen Medien erodiert zusehends.

GRENZREGIONEN

Diana Mishkova: Vom Nutzen und Nachteil von (supranationalen) Regionen
Raumbegriffe wie Osteuropa, Ostmitteleuropa und Südosteuropa haben sich im Sprachgebrauch fest eingebürgert und erwecken die Vorstellung von klar abgegrenzten Regionen mit feststehenden Merkmalen. Raumbezeichnungen sind jedoch Resultat menschlicher Wahrnehmungen und Deutungen und haben im Laufe der Geschichte mehrfach ihre Bedeutung verändert. Sinnvoll ist daher die Rede von historischen Regionen als „Verdichtung“ von Beziehungen und Interaktion.

Ekaterina Melnikova: Wunderland – Ladoga-Karelien nach dem Zweiten Weltkrieg
Im Zuge des Zweiten Weltkriegs mussten die finnischen Einwohner Ladoga-Karelien verlassen, und Familien aus unterschiedlichen Gebieten der Sowjetunion wurden hier angesiedelt. Nach dem Ende der Sowjetunion konnten die Finnen ihre frühere Heimat erstmals wieder besuchen. Daraus entstanden vielfältige Projekte und Freundschaften zwischen alten und neuen Einwohnern sowie eine Wiederentdeckung der finnischen Kultur in Karelien.

Evgenija Kogaj: Das Modernisierungspotential des Zentralen Schwarzerdegebiets
Das fruchtbare und gut erschlossene Zentrale Schwarzerdegebiet im Südwesten Russlands verfügt über günstige Voraussetzungen für eine Modernisierung, doch geht sie nur langsam voran. Auch wenn zivilgesellschaftliche Initiativen zunehmen, ist Partizipation an politischen Prozessen noch immer tief und wird von den Regierenden weitgehend blockiert.

Krzysztof Czyżewski: Das Grenzland als „pädagogische Provinz“
Die Weiße Synagoge in der nordostpolnischen Kleinstadt Sejny an der Grenze zu Litauen ist heute ein Begegnungsraum für ein neues multiethnisches Miteinander. Das Kulturzentrum „Grenzland“ realisiert hier seit 30 Jahren kreative Kulturprojekte, die nicht nur nationale und religiöse, sondern auch Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Jung und Alt überwinden.

Katarzyna Ceklarz: Goralen-Folklore an der polnisch-slowakischen Grenze
Wild, frei, ursprünglich – so versucht die Tourismus-Industrie für die Tatra-Bergkette zwischen Polen und der Slowakei zu werben. Dabei bedient sie sich vor allem der Traditionen und Ornamente der Hochlandbewohner, der Goralen. Diese stereotypisierte Aneignung hat auch zum Entstehen eines Pseudo-Dialekts beigetragen.

Svetlana Boltovska: Das Atomprojekt in den Sümpfen Polesiens
Von einer Sumpflandschaft mit schwacher Infrastruktur entwickelte sich Polesien im 20. Jahrhundert im Rahmen des sowjetischen Atomprojekts zu einer Energielandschaft, die zahlreichen Menschen Arbeit und urbane Lebensqualität bot. Trotz der Tschernobyl-Katastrophe wuchsen die beiden anderen ukrainischen Atomstädte Varasch und Netischyn, wo in der postsowjetischen Zeit zunehmend religiöse und ukrainische Identitäten wahrnehmbar sind.

Agnieszka Halemba: Marienerscheinungen und der Platz Transkarpatiens in der Ukraine
Transkarpatien, im äußersten Westen der heutigen Ukraine gelegen, sticht durch seine multinationale Bevölkerung hervor. 2002 berichteten zwei Mädchen erstmals von Marienerscheinungen in Dzhublyk. Die Marienerscheinungen sind dabei nicht nur ein religiöses Phänomen, sondern auch eine starke Stimme in den lokalen Debatten über den Platz Transkarpatiens in der heutigen Ukraine.

Michael Portmann: Die Vojvodina – Multikulturalität und Regionalbewusstsein
2022 ist Novi Sad, die Hauptstadt der Vojvodina, Europäische Kulturhauptstadt. Die multiethnische Bevölkerungsstruktur der autonomen Provinz unterscheidet sich deutlich vom Rest Serbiens und hat zur Entstehung eines eigenen Regionalbewusstseins beigetragen. Zudem wird die Region immer wieder als Brücke nach Europa beschworen.

Kenneth Morrison, Aleksander Zdravkovski: Der Sandžak – eine turbulente Grenzregion
Der Sandžak ist eine Grenzregion zwischen Serbien und Montenegro, die auf eine osmanische Verwaltungseinheit zurückgeht. Die mehrheitlich slawischsprachigen Muslime im serbischen Teil des Sandžak fühlen sich von der Zentralregierung in Belgrad im Stich gelassen. Im montenegrinischen Teil stellt sich die Lage etwas besser dar, doch auch dort fürchtet die muslimische Bevölkerung Marginalisierung.

Nicole Immig: Thrakien – eine „bewegte“ Region im Südosten Europas
Prägend für die Region Thrakien war über Jahrhunderte die Nähe zum Zentrum politischer Macht: Konstantinopel, Byzanz bzw. Istanbul. Dies ließ die Region zu einem Drehpunkt internationalen Handels, aber auch zu einem militärischen Durchmarschgebiet werden. Mit der Entstehung von Nationalstaaten in Südosteuropa wurde die Region geteilt, doch hat sie bis heute ihre ethnische und religiöse Vielfalt bewahrt.

Thede Kahl: Dobrudscha – Das Land am Unterlauf der Donau
Die Landschaft zwischen Donau und Schwarzem Meer ist von einer reichen Natur und kultureller Vielfalt geprägt. Zahlreiche Volksgruppen und Machtzentren hinterließen in der Dobrudscha ihre Spuren. Trotz aller Nationalisierungsversuche konnte das Grenzgebiet zwischen Rumänien und Bulgarien einen Teil seiner Multiethnizität bewahren.

Alexandr Voronovici: Multinational und prorussisch – Machtlegitimation in Transnistrien
Transnistrien spaltete sich 1990/92 von der Republik Moldova ab. Die bis heute international nicht anerkannte Pridnestrovische Moldauische Republik setzt bei ihrer Legitimation vor allem auf einen polyethnischen und prorussischen Diskurs. Bei der Wahl ihrer ideologischen Konzepte sind die transnistrischen Eliten jedoch flexibel und richten sie an ihrem eigenen Machterhalt aus.

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