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Titel der Ausgabe 
Geschichte im Westen 37 (2022)
Weiterer Titel 
Seuchen als gesellschaftliche Herausforderung in landeshistorischer Perspektive

Herausgeber
Herausgegeben im Auftrag des Brauweiler Kreises für Landes- und Zeitgeschichte e.V. von Sabine Mecking in Verbindung mit Alfons Kenkmann, Markus Köster, Georg Mölich und Christoph Nonn
Erschienen
Essen 2022: Klartext Verlag
Anzahl Seiten
246 S.
Preis
Jahresabo € 25,00 zzgl. Versandkosten

 

Kontakt

Institution
Geschichte im Westen – Zeitschrift für Landes- und Zeitgeschichte
Land
Deutschland
c/o
Kontaktadresse der Redaktion: Prof. Dr. Sabine Mecking, Philipps-Universität Marburg, FB Geschichte und Kulturwissenschaften, Wilhelm-Röpke-Str. 6 C, 35032 Marburg
Von
Sabine Mecking, Fachbereich Geschichte und Kulturwissenschaften, Philipps-Universität Marburg

Wer hatte zu Beginn der Corona-Pandemie wohl auch nur annähernd geahnt, wie grundlegend das Virus Covid 19 das gesellschaftliche Zusammenleben mit überlasteten Intensivstationen, Ausgangsregulierungen, Lockdowns und Grenzschließungen verändern würde. Die Ereignisse der letzten drei Jahre führen deutlich vor Augen, dass Seuchen sowohl medizinische als auch wissenschaftliche, wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Herausforderungen bergen. Als vielschichtige Phänomene sind ihre Ursachen, Verläufe und Folgen daher auch multiperspektivisch zu erfassen. Das diesjährige Heft widmet sich dem Thema nun aus landes- und regionalgeschichtlicher Perspektive. Die aktuelle Situation verweist darauf, dass es trotz der weltweiten Betroffenheit starke nationale und vor allem auch regionale Unterschiede im Auftreten und Umgang mit der Corona-Pandemie gibt. Die Berichte des Robert Koch Instituts (RKI), die Statistiken und Karten zur regionalen Verteilung der Fallzahlen belegen die räumlichen Differenzen. Die Bevölkerung litt bzw. leidet nicht nur in den einzelnen Ländern und Regionen, sondern auch innerhalb der Städte unterschiedlich stark unter der Pandemie.

Die Corona-Pandemie führte zu einer Renaissance der Grenzen in Europa und auf der ganzen Welt. Vorauseilend als Schutzmaßnahme oder auch als Reaktion auf eigene Versäumnisse wurden gerade zu Beginn der Pandemie nicht nur nationale Grenzen geschlossen, sondern auch innerdeutsche Grenzen zwischen den Bundesländern hochgezogen, indem mit Verweis auf fehlende medizinische Versorgungskapazitäten dann Registrierungspflichten und Übernachtungsverbote vor allem in touristischen Regionen ausgesprochen wurden. In nachdrücklicher Weise markierte dies den Föderalismus in Deutschland und rief ihn wieder allgemein ins Gedächtnis. Bis dahin schien er im 21. Jahrhundert vielfach aufgrund nationaler, europäischer oder weltweiter Anforderungen und Perspektiven zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung eher in den Hintergrund getreten zu sein. In der öffentlichen Diskussion hatten Schlagworte wie z. B. „Globalisierung“ oder „Klimawandel“ das föderale System der Bundesrepublik überdeckt. Die durch Covid 19 ausgelöste Krise unterstrich dann jedoch einmal mehr die Wirkmächtigkeit der Bundesländer und überhaupt regionaler Einheiten. Ausdruck fand dies nicht zuletzt in den Konferenzen der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen der Länder, in denen das allgemeine Vorgehen und einzelne Maßnahmen gegen die Pandemie abgestimmt werden sollten. Die Länderchefs und Länderchefinnen beriefen sich dabei immer wieder auf ihre Kompetenzen und Zuständigkeiten, bisweilen schienen sie sich dabei gewissermaßen im Wettstreit mit Lockerungen oder Verschärfungen von Schutzmaßnahmen übertreffen zu wollen. Die Bedeutung der Landes- und auch Kommunalpolitik steht damit bei der Bewältigung der Corona-Pandemie außer Frage. Dass regionale Zustände und Entwicklungen dann auch erhebliche Rückwirkungen auf überregionale, nationale und globale Prozesse und Entscheidungen haben können, hat wiederum der österreichische Skiort Ischgl gezeigt, der Anfang 2020 zum Corona-Hotspot für ganz Europa wurde.

Unter dem Thema „Seuchen als gesellschaftliche Herausforderung“ bündelt das diesjährige Heft Beiträge zu sich schnell ausbreitenden, ansteckenden Infektionskrankheiten von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Die ersten drei Beiträge spüren in historischer Perspektive zunächst allgemeiner dem Potenzial von Seuchen und Krankheiten als Ausgangspunkt von Kränkung und Ausgrenzung (Heiner Fangerau, Silke Fehlemann und Maria Griemmert), als Nährboden für Verschwörungsmythen (Ingo Grabowsky) und als Kristallisationskern von Sicherheits- und Solidaritätsdenken am Beispiel des Impfens (Malte Thießen) nach. Hieran schließen sich drei Aufsätze an, die einzelne Krankheiten und Epidemien in den Fokus rücken. Zu nennen sind hier Cholera und Pocken in Köln 1867 und 1870/71 (Mario Kramp), die „Spanische Grippe“ im Ruhrgebiet zum Ende des Ersten Weltkriegs (Matthias Kordes) und die „Hongkong-Grippe“ von 1968 bis 1970 (Wilfried Witte). In den nachfolgenden drei Beiträgen werden dann Strategien und Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung und Prävention betrachtet: Tuberkulose nach dem Zweiten Weltkrieg (Marc von Miquel und Christoph Wehner), AIDS in den 1980er und 1990er Jahren (Sebastian Haus-Rybicki) und Corona seit 2020 (Malte Thießen).

Inhaltsverzeichnis

Editorial
S. 7-8

Heiner Fangerau, Silke Fehlemann und Maria Griemmert
Krankheit und Kränkung. Überlegungen zu Seuchen und Invektivität in historischer Perspektive
S. 9-32

Ingo Grabowsky
„Schwarzer Tod“, AIDS und „China-Virus“. Seuchen als Brutstätten von Verschwörungstheorien
S. 33-47

Malte Thießen
Sicherheit und Solidarität durch die Spritze. Impfen, hoffen und bangen in Nordrhein-Westfalen
S. 49-72

Mario Kramp
Köln 1867 und 1870/71: Cholera, Pocken und französische Kriegsgefangene. Infektionsherde, Impfdebatten, Behandlungen und die soziale Dimension der Seuchen
S. 73-100

Matthias Kordes
Die „Spanische Grippe“ und die Endphase des Ersten Weltkrieges im nördlichen Ruhrgebiet
S. 101-130

Marc von Miquel und Christoph Wehner
Seuchenbekämpfung in der Region. Zum Umgang mit der Tuberkulose in Rheinland und Westfalen nach 1945
S. 131-149

Wilfried Witte
„In dieser oder ähnlicher Form soll auch im Herbst 1970 verfahren werden.“ Die Geschichte der Hongkong-Grippe 1968-1970 in Nordrhein-Westfalen
S. 151-177

Sebastian Haus-Rybicki
AIDS-Prävention in der Bundesrepublik in den 1980er und 1990er Jahren
S. 179-194

Malte Thießen
Seuchengeschichte in Echtzeit. Zur Geschichte der Coronapandemie in Nordrhein-Westfalen
S. 195-211

Freie Beiträge außerhalb des Themenschwerpunktes

Jürgen Brautmeier
Vergessene Helden. Die „Monuments Men“ im Rheinland und in Westfalen zwischen Frühjahr und Herbst 1945
S. 213-240

Tagungsbericht

Katrin Wülfing
„Seuchen als gesellschaftliche Herausforderung in landeshistorischer Perspektive“. Wissenschaftliche Jahrestagung des Brauweiler Kreises für Landes- und Zeitgeschichte e.V. am 3. und 4. März 2022 (Videokonferenz)
S. 241-244

Autorinnen und Autoren
S. 245-246

Weitere Hefte ⇓
Redaktion
Veröffentlicht am
20.11.2022
Beiträger
Klassifikation
Region(en)
Weitere Informationen
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Bestandsnachweise 0930-3286