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L`Homme. Z.F.G. Heft2/2002

Titel der Ausgabe 
L`Homme. Z.F.G. Heft2/2002
Weiterer Titel 
Geschlechterdebatten

Herausgeber
Erna Appelt (Innsbruck/Wien), Ingrid Bauer (Salzburg), Mineke Bosch (Maastricht), Susanna Burghartz (Basel), Ute Gerhard (Frankfurt), Hanna Hacker (Wien), Christa Ehrmann-Hämmerle (Wien), Waltraud Heindl Wien), Karin Hausen (Berlin), Brigitte Mazohl-Wallnig (Innsbruck/Salzburg), Herta Nagl-Docekal (Wien), Edith Saurer Wien), Regina Schulte (Bochum/Florenz), Claudia Ulbrich (Berlin).
Erschienen
Wien 2002: Böhlau Verlag
Erscheint 
Erscheinungsweise: 2x jährlich
ISBN
3-205-77100-1
Anzahl Seiten
167 S.
Preis
Einzelpreis € 22,50; Abonnement € 31,30 - für StudentInnen € 25,40;

 

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Institution
L'Homme. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft
Land
Austria
c/o
Redaktion: Veronika Siegmund, MA L’HOMME-Redaktion, c/o Institut für Geschichte, Universität Wien, Universitätsring 1, 1010 Wien Österreich Telefon: +43-(0)1-4277-408 13 Fax: +43-(0)1-4277-9408 Verantwortliche Herausgeberin: Christa Hämmerle
Von
Elisabeth Frysak

Editorial

Im Jahr 2000 hatte die Redaktion von L'Homme Z.F.G. Leserinnen und Leser eingeladen, zehn Jahre nach der Gründung von L'Homme Bilanz zu ziehen. Zu den wichtigsten Anregungen der damit ausgelösten Debatten gehörte die Forderung, der Vielfalt der europäischen Wissenschaftskulturen durch eine weitere Öffnung des Horizontes Rechnung zu tragen und sich im Bereich der Frauen- und Geschlechtergeschichte um eine historiographische Integration zu bemühen. L'Homme hat in vielfältiger Weise auf diese Forderungen reagiert. 2001 wurde erstmalig der Vorschlag von Ayse Durakbasa und Negla Akgöce aufgegriffen, und ein "Forum" eingerichtet, in dem Forscherinnen aus Ost- und Südosteuropa Raum geboten wurde, feministische Politik und Forschungsschwerpunkte im Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung vorzustellen. Nach Berichten über die Türkei, Bulgarien und der Tschechischen Republik kommt nunmehr ein Beitrag aus Kroatien. Mit Biljana Kašics Überlegungen zu Gender aus einer postsozialistischen Perspektive, möchten wir dem Blick "von außen" noch mehr Gewicht geben als bisher und ihn zum Ausgangspunkt für theoretisch-methodologische Reflexionen machen.

Eine Horizonterweiterung ist aber nicht nur in Bezug auf Ost- und Südosteuropa angezeigt, auch in West- und Nordeuropa ist die wechselseitige Wahrnehmung und der Austausch von Wissen verbesserungsbedürftig, zumal sich die Rezeption hier nicht selten auf wenige bekannte Namen und eine überschaubare Zahl wegweisender Arbeiten beschränkt. Wie wenig wir eigentlich über die französische Frauen- und Geschlechterforschung und die Etablierung von Frauenstudien als interdisziplinärem Forschungsfeld in Frankreich wissen, wird bei der Lektüre des Interviews deutlich, das Caroline zum Kolk mit Elliane Viennot geführt hat. Dies ist umso erstaunlicher, als für die Protagonistinnen der Frauen- und Geschlechterforschung wie Louise Tilly, Joan Scott und Natalie Zemon Davis Frankreich den Ausgangspunkt oder zumindest einen wichtigen Bezugspunkt für ihre Forschungen bildete. Daran erinnern Olwen Hufton, die im Gespräch mit Lotte van de Pol Einblicke in ihr Forscherinnenleben gibt ebenso wie die Laudatio, die anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde an Natalie Zemon Davis an der Philosophisch-Historischen Fakultät der Universität Basel gehalten wurde.

Ein Weg zum besseren Kennenlernen der Fragestellungen und Forschungskontroversen ist zweifellos die sorgfältige Lektüre der einschlägigen Fachzeitschriften. Die Vorstellung von "Clio. Historire, femmes et sociétés" steht am Anfang einer geplanten, regelmäßigen Berichterstattung. Eine Konsequenz der Horizonterweiterung ist die Zunahme englischsprachiger Beiträge in L'Homme, mit der wir auf die veränderte und sich verändernde Wissenschaftslandschaft reagieren möchten. Sie fiel umso leichter, als das L'Homme-Herausgeberinnenteam sich 2001 auch in personeller Hinsicht geöffnet und mit Mineke Bosch vom "Zentrum für Gender und Diversität", Universität Maastricht, eine Kollegin aus den Niederlanden ins Team aufgenommen hat. Für dieses Heft wurde außerdem nach langer Zeit mit Francisca de Haan vom "Department of Gender Studies" der Central European University in Budapest erstmals wieder eine Gastherausgeberin eingeladen.

Eigentlich sollte dieses Heft ein "offenes" Heft werden, und in vieler Hinsicht ist es dies auch. Dennoch zeichnete sich in der Entstehungsphase ab, dass die Beiträge durch ein Thema verbunden sind: Es geht um alte und neue Geschlechterdebatten

Zu den alten Debatten über Geschlecht zählt die "Querelles des femmes" oder "des sexes". Sie war ein europäisches Phänomen und hatte ihren Höhepunkt im 16./17. Jahrhundert. Darüber, ob ein Querelle-Text oder sein Autor frauenfreundlich oder frauenfeindlich - philogyn oder misogyn - sei, wurde und wird immer wieder kontrovers diskutiert. An diesem Punkt setzt Marion Kintzinger mit ihren Überlegungen zu Johann Ignatius Schütz "Ehren-Preiß" (1663) an und betont, dass die Frage, ob Schütz als Frauenfreund oder Weiberfeind einzuordnen sei, falsch gestellt ist. Weiterführender sei es, die Diskurszusammenhänge zu untersuchen, in denen ein Text Bedeutung erhält. Sorgfältig analysiert sie den "Ehren-Preiß" sowie mit ihm in Verbindung stehende Schriften in Hinblick auf Entstehungskontexte, Schreib- und Kommunikationssituationen, Formen (Bild, Traum, Dialog) sowie AdressatInnen und trägt Hinweise auf die Rezeption der Texte durch Frauen zusammen. Im Vergleich zwischen Schütz und seinem Streitgegner Gorgias werden unterschiedliche Konstruktionen von Weiblichkeitstypen sichtbar, die auf unterschiedliche soziale Milieus - höfische Frauenverehrung vs. Nahbereich alltäglicher Erfahrung im städtischen Raum - verweisen.

Dass die Geschlechterordnung nicht nur im Spannungsfeld von bürgerlichem und höfisch-adligem Lebensstil umstritten war, sondern auch als Indikator genommen wurde, "zivilisierte" von "wilden" Gesellschaften abzugrenzen, ist Thema des Beitrags von Naoke Yuge, die sich den anthropologischen Debatten um 1800 zuwendet. Sie zeigt, wie Rasse und Geschlecht in den teleologischen Geschichtswentwürfen europäischer Gelehrter um 1800 zu wichtigen Kriterien für anthropologische Typisierungen wurden. Nach der Analyse einschlägiger Passagen von Christoph Meiners und Carl Friedrich Pockels kommt sie zu dem Schluss, dass die aufgeklärten Gelehrten sich ihren Gegenpol, "die Wilden", selbst schufen. Die Muster, nach denen sie sich richteten, waren die gleichen wie die, mit denen die bürgerliche Geschlechterordnung und die Biologisierung der Differenz begründet wurden. Die Polygamie, die starke Frau, der unvernünftige Mann, männliche Eifersucht und weibliche Schamlosigkeit wurden zum Kennzeichen einer als Gegenbild zur Zivilisation konstruierten Wildheit.

Längst sind unsere Vorstellungen davon, was ein Mann oder eine Frau sei, in Bewegung geraten. Schlagworte von multiplen Geschlechtern bestimmen die aktuellen Debatten. Damit kommen auch Formen der Überschreitung geschlechtlicher und gesellschaftlicher Begrenzungen in den Blick. Das Transgressive wird zu einem der zentralen Referenzbegriffe. Hanna Hacker fragt in ihrem Beitrag nach den Anfängen der Idee des Transgressiven. Sie verfolgt den Begriff "Transgression" erstens (wissenschafts)historisch, zweitens als analytische Kategorie in der Verknüpfung von Geschlecher-, Sexualitäts- und Gewaltdefinitionen und drittens in einer konkreten Geschichte. Der Fall der Schwestern Papin, die 1933 in Frankreich ihre Dienstgeberin und deren Tochter ermordeten, gibt ihr die Möglichkeit, die Bedeutung trangressiver Subjekte für die Wissensproduktion der Moderne exemplarisch herauszuarbeiten. Ihre Konstruktion und die damit verbundene Verquickung von Gewalt, geschlechtlicher Übertretung und sexueller Dissidenz ist nicht zuletzt deswegen bedeutend, weil sie vielfach die Voraussetzung für geistes- und sozialwissenschaftliche Konzepte bildet.

In den neuen Debatten über Geschlecht hat die von Joan Scott aufgeworfene Frage nach der Bedeutung von Gender als Kategorie der historischen Analyse einen zentralen Stellenwert.(1) In den USA wurde Scotts Vorschlag begeistert aufgenommen, stieß aber auch auf energischen Widerspruch. Kritisiert wurde vor allem die Anlehnung an die postrukturalistische Theoriebildung und die damit verbundene Betonung des instabilen Charakters von Bedeutung. Manche glaubten, die Erfahrung von Frauen würde durch die Suche nach Bedeutung verdrängt. Andere befürchteten, dass Gender als ein vermeintlich neutraler Begriff die Frauengeschichte beziehungsweise Women's Studies entpolitisieren würde. Ein weiterer Einwand bezog sich darauf, dass das Genderkonzept auf Heterosexualität bezogen bliebe. Trotz aller Vorbehalte hat sich der Begriff gender seit den 80er Jahren schnell verbreitet. Doch gibt es inzwischen auch wieder kritische Stimmen. Zu ihnen gehört Joan Scott selbst, die 1999 in einer Rede anlässlich der Verleihung des Hans-Sigrist-Preises an der Universität Bern zu bedenken gab, "gender sei vielleicht nicht mehr die nützliche Katgeorie, die sie einmal war - nicht, weil der Feind die Oberhand gewonnen hätte, sondern weil diese Kategorie die jetzt anstehende Arbeit nicht zu leisten vermag".(2) Im gleichen Zusammenhang bemerkt sie: "Selbst wenn Studienprogramme in 'Gender studies' vielerorts und namentlich in den Ländern des ehemaligen Sowjetblockes florieren, möchte ich behaupten, dass nicht mehr der Begriff gender, sondern der Feminismus Anlaß zu internationalen Kontroversen gibt."(3) Wir baten Biljana Kašic, Historikerin und Koordinatorin des "Women's Studies Center" in Zagreb, auf Joan Scotts Artikel zu reagieren und dabei besonders auf die Bedeutung(en) von gender in Mittel- und Osteuropa einzugehen. In ihrem Artikel "Is Gender - Women's Destiny? A Postsocialist Perspective" formuliert sie Bedenken gegen das Gender-Konzept, die noch weitreichender sind als die von Scott. "Können wir", so fragt sie, "wirklich männlich-dominierte Machtstrukturen zerstören, wenn wir mit dem Begriff gender arbeiten?" Die Einführung des Begriffs und die Bedeutung(en) von gender in Mittel- und Osteuropa gehören ihrer Auffassung nach in den Kontext der Postkolonialismusdebatten.

Der Artikel von Biljana Kašic gibt Anstoß, darüber nachzudenken, was passiert, wenn Konzepte "wandern", d.h. wenn sie in anderen Ländern oder in inter- oder transnationalen Institutionen auftauchen und dort in neue Kontexte gestellt werden. Dabei ist auch zu fragen, auf wessen Initiative dies geschieht. Vor allem darf nicht vergessen werden, dass auch hier immer Macht im Spiel ist. Die ungleiche Machtverteilung - in Bezug auf materielle und institutionelle Voraussetzungen, Prestige u.a.m. - zwischen Regionen, Ländern oder auch Kontinenten, die sich auf die gleichen Begriffe und Konzepte berufen, muß kritisch analysiert werden. Die Stellungnahme von Biljana Kašic zu Joan Scott zeigt, dass es an der Zeit ist, neue Geschlechterdebatten zu eröffnen. Wir möchten unsere LeserInnen auffordern, sich daran zu beteiligen.
__________

(1) Joan W. Scott, Gender: A Useful Category of Historical Analysis, in: American Historical Review, 91 (December 1996), 1053-1075, 1067.
(2) Joan W. Scott, Millenial Fantasies - The Future of 'Gender' in the 21st Century/Die Zukunft von gender. Fantasien zur Jahrtausendwende, in: Claudia Honegger und Caroline Arni Hg., Gender - die Tücken einer Kategorie. Joan W. Scott, Geschichte und Politik. Beiträge zum Symposium anlässlich der Verleihung des Hans-Sigrist-Preises 1999 der Universität Bern an Joan W. Scott, Zürich 2001, 42.
(3) Scott. Fantasiese, in: Honegger/Arni, Gender, wie Anm. 2, 55

Inhaltsverzeichnis

13. Jg. (2002) Heft 2

Geschlechterdebatten

Herausgegeben von Mineke Bosch, Claudia Ulbrich und Francisca de Haan (Gastherausgeberin)

Inhalt

Editorial

Marion Kintzinger
Ein "Weiber-Freund?"
Entstehung und Rezeption von Wilhelm Ignatius Schütz "Ehren=Preiß des hochlöblichen Frauen=Zimmers" (1663), einem Beitrag zur Querelle des femmes

Naoko Yuge
Das "wilde" und das "zivilisierte" Geschlechterverhältnis ? Die neue Blickrichtung in der anthropologischen Diskussion um 1800

Hanna Hacker
Zum Begriff der Transgression. Historische Ansätze und Überschreitung

Im Gespräch

"The development of the gendered eye"
Lotte van de Pol interviews Olwen Hufton

Caroline zum Kolk im Gespräch mit Eliane Viennot über die "Société Internationale pour l'Etude des Femmes de l'Ancien Régime" (SIEFAR)

Aktuelles und Kommentare

Kaspar von Greyerz
Laudatio auf Natalie Zemon Davis, gehalten an der Universität Basel, Wildtsches Haus, 29. April 2002

Andrea Sieber, Annett Volmer
"Wi(e)der die Frau. Zu Geschichte und Funktion misogyner Rede."
Bericht über die Konferenz, veranstaltet von Andrea Geier (Universität Tübingen) und Ursula Kocher (Freie Universität Berlin), in Zusammenarbeit mit dem Tübinger Forum für interdisziplinäre FrühneuzeitForschung (IFF) in Berlin, 18. bis 20. Juli 2002

Caroline Arni
"Liebe und Widerstand. Ambivalenzen historischer Geschlechterbeziehungen." Tagungsbericht anlässlich des 60. Geburtstages von Edith Saurer in Wien, 3. bis 4. Oktober 2002

Forum

Biljana Kašic
Is Gender - Women's Destiny? A Postsocialist Perspective
In response to Joan W. Scott's article: "Millenial Fantasies - The Future of 'Gender' in the 21st Century"

Ulrike Krampl
"CLIO, Histoire, femmes et sociétés": Ein Einblick in die französische Frauen- und Geschlechtergeschichte

Rezensionen

Gabriele Jancke
Bausteine einer feministischen politischen Theorie
- Andrea Günter, Weibliche Autorität, Freiheit und Geschlechterdifferenz. Bausteine einer feministischen politischen Theorie
- Andrea Günter, Literatur und Kultur als Geschlechterpolitik. Feministisch literaturwissenschaftliche Begriffswelten und ihre Denk(t)räume
- Andrea Günter, Politische Theorie und sexuelle Differenz. Feministische Praxis und die symbolische Ordnung der Mutter
- Andrea Günter, Die weibliche Seite der Politik. Ordnung der Seele, Gerechtigkeit der Welt
- Andrea Günter u. Verena Wodtke-Werner Hg., Frauen, Mystik, Politik in Europa. Beiträge aus Italien, Spanien und Deutschland
- Andrea Günter, Dorothee Markert u. Antje Schrupp Hg., Diotima und andere: Die Welt zur Welt bringen. Politik, Geschlechterdifferenz und die Arbeit am Symbolischen

Marion Kintzinger
Frauenleben in der Frühen Neuzeit
- Irmgard Osols-Wehden Hg., Frauen der italienischen Renaissance: Dichterinnen, Malerinnen, Mäzeninnen
- Margarete Zimmermann u. Roswitha Böhm Hg., Französische Frauen der Frühen Neuzeit: Dichterinnen, Malerinnen, Mäzeninnen
- Kerstin Merkel u. Heide Wunder Hg., Deutsche Frauen der Frühen Neuzeit. Dichterinnen, Malerinnen, Mäzeninnen
- Gesa Stedman Hg., Englische Frauen der Frühen Neuzeit. Dichterinnen, Malerinnen, Mäzeninnen
- Dirk Hoeges Hg., Frauen der italienischen Renaissance: Dichterin - Malerin - Komponistin - Herrscherin - Mäzenatin - Ordensgründerin - Kurtisane
- Ulrike Gaebel u. Erika Kartschoke Hg., Böse Frauen - Gute Frauen. Darstellungskonventionen in Texten und Bildern des Mittelalters und der Frühen Neuzeit

Claudia Ulbrich
Querelle-Texte

- Elisabeth Gössmann, Das Wohlgelahrte Frauenzimmer
- Elisabeth Gössmann, Eva - Gottes Meisterwerk
- Elisabeth Gössmann, Johann Caspar Eberti: Eröffnetes Cabinet Deß Gelehrten Frauen=Zimmers (1706) - Schlesiens Hoch- und Wohlgelehrtes Frauenzimmer (1727)
- Elisabeth Gössmann, Ob die Weiber Menschen seyn, oder nicht? Moderata Fonte, Das Verdienst der Frauen. Warum Frauen würdiger und vollkommener sind als Männer
- Claudia Honegger u. Caroline Arni Hg., Gender. Die Tücken einer Kategorie. Joan W.Scott, Geschichte und Politik. Beiträge zum Symposium anläßlich der Verleihung des Hans-Sigrist-Preises 1999 der Universität Bern an Joan W. Scott

Christina Benninghaus
Julie Berebitsky, Like Our Very Own. Adoption and the Changing Culture of Motherhood, 185-1950 (3 Seiten)

Martin Dinges
Peter Döge, u. Michael Meuser Hg., Männlichkeit und soziale Ordnung. Neuere Beiträge zur Geschlechterforschung

Gabriele Jancke,
Richard van Dülmen Hg., Entdeckung des Ich. Die Geschichte der Individualisierung vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Christina Lutter
Gabriele Jancke, Autobiographie als soziale Praxis. Beziehungskonzepte in Selbstzeugnissen des 15. und 16. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum

Verena Pawlowsky
Barbara Duden, Jürgen Schlumbohm u. Patrice Veit Hg., Geschichte des Ungeborenen. Zur Erfahrungs- und Wissenschaftsgeschichte der Schwangerschaft, 17.-20. Jahrhundert

Annemarie Steidl
Christine Werkstetter, Frauen im Augsburger Zunfthandwerk. Arbeit, Arbeitsbeziehungen und Geschlechterverhältnisse im 18. Jahrhundert

Veronica Vasterling
Rosi Braidotti, Metamorphoses. Towards a Materialist Theory of Becoming

Tagungsankündigungen

Abstracts

Anschriften der AutorInnen

* reference missing for where this article was published

Abstracts:

Hanna Hacker, On transgressive terms. Historical approaches to transgression
Taking a critical feminist perspective as point of departure and reference, the article reflects upon the unfolding of the concept “transgression” in modernist and postmodern thought as well as in gender/race politics.
First, the text presents an overview on the initial inscription of the term “transgression” in the history of surrealism, existentialism and structuralism mainly in French intellectual circles of the mid-20th century. Subsequently, the term experienced a decisive widening and shift due to the historical rise of a (self-)theorizing of “othered” subjects at the margins of societal normality, an articulation by the non-White, the non-males, the non-heterosexuals. Eventually, a certain “transgressive chic” seems to denote the use of the term in 1990’s Western popular culture.
Second, the article focuses on selected recurrent elements of the term “transgression”, namely prohibition, violence, masquerade, literary production, and aestheticism, and re-queries their gendered and racialized meanings in a historical framework.
Last, the text discusses a concrete historical example, namely an often quoted and commented picture of the Léa and Christine Papin, two sisters who committed an “unspeakable” murder in France in 1933 and ever since enjoy a lively reception among artists, writers and philosoph.ers, and feminists studying women and violence. Using this example, the author argues in favor of using the term transgression as a hermeneutic means, potentially apt to understand a typical “modern” equation of gender-benders, “sexually deviant” wo/men, and (not-feminine) offenders.

Biljana Kašić, Is Gender – Women’s Destiny? A Postsocialist Perspective
In response to Joan W. Scott’s article: “Millenial Fantasies - The Future of ‘Gender’ in the 21st Century”
In the paper the author explores the concept of “gender” within the post Yugoslavian context, namely Croatia, both in academic and grassroots circles. Keeping in mind that “gender” as a notion became accepted in these respective countries in the nineties with certain dilemmas and an unresolved theoretical “status” from a feminist perspective, she discusses certain obstacles and aspects of its “mis/use” within specific discursive, ideological, and academic frameworks.
She also challenges the main questions around “gender” within West/East scholarly, theoretical, and exchange networking, including the questions of dependency, influential concepts, acknowledgement, and authenticity. The emphasis is on the importance of context, self-knowing and negotiating meaning, rather than perpetuating the patterns of imposing subjects and concepts.

Marion Kintzinger, An advocate of women? The intention of Wilhelm Ignatius Schütz`s “Ehren=Preiß des hochlöblichen Frauen=Zimmers” (1663) and its reception. A commentary on the Querelle des Femmes.
Within the Querelle des femmes the catholic lawyer, Wilhelm Ignatius Schütz (um 1625 -1695) is highly regarded as an advocate of a pro-woman position, based on his text “Ehrenpreis des hochlöbigen Frauenzimmers”. However, the same author gave also an opposite comment on the political activities of women in another publication, which suggests that this “advocate of women” should be seen from a different point of view. It turns out that Schütz had various intentions in writing the “Ehrenpreis”. Schütz’s opponent, the young writer Johann Gorgias (1640-1684) also wrote about powerful women, though in a devaluing, partly satiric way. Schütz and Gorgias both seemed to have known various politically active women, for example women who officially represented their husbands or women who were members of a “Sprachgesellschaft”, acting as commentators in (public) conversation. It seems that both men had their own (opposite) ways of establishing their masculine power to define what a woman should be like.
Important in establishing this interpretation is the contemporary female reaction on Schütz’ defense and praise of the female gender. The first listeners to the lawyer’s statement may have been the female participants of a banquet. Anna Maria Stockfleth, seems to have given a more critical meaning to the text, which probably differed from the understanding of the widowed empress Eleonora to whom the “Ehrenpreis” was dedicated, or the members of the “Damenorden” at her court. The women were a catalyst for the publication of the text. This discourse of women is crucial for understanding the changing functions of the text. It is of even more interest than the intentions of the opportunist Schütz. In different contexts an erudite joke could be converted into a serious statement and the other way round. Listening and reading women become visible, who decide about the significance of an attempt to defend female superiority.

Naoko Yuge, “Savage” and “civilized” Gender relations. New perspectives in anthroplology around 1800.
Around 1800, anthropologists in Europe such as the Göttingen scholar, Christoph Meiners (1747-1810), and of the popular philosopher, Carl Friedrich Pockels (1757-1814), began to use contemporary travel literature as a source to sustain the thesis of the superiority of European “civilization” over the cultures of “savage” peoples. As these European scholars gazed on the world outside of Europe, they focused on gender relations among exotic peoples, comparing them unfavorably to the bourgeois gender relations they sought to propagate in opposition to the customs of the nobility and the coarse practices of the lower classes. Thus they condemned polygamous systems of marriage with its unequal male female relationship; they assessed rituals and customs around the purity and impurity of women’s bodily functions as signs of superstition of ‘unreasonable’ men; they saw ‘strong’ women who hardly went into labor when delivering a baby as the result of endured hardship; and finally they rejected women’s imprisonment in confined spaces as harems, which was due to men’s jalousie of men as well as women’s shamelessness.
In casting these shadows over ‘other’ races, they enlightened their own contemporary gender relations, but they also ran into a serious paradox: not only did ‘savage’ women contradict ‘female nature’ by being strong instead of weak, also men’s capability of reason had no foundation in savage nature. Moreover, women readers could think of themselves as the comrades rather than slaves of her husband.

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Redaktion
Veröffentlicht am
09.03.2003