Chilufim 19 (2015)

Titel
Chilufim 19 (2015).


Hrsg. v.
Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg
Heft(e)
1
Erschienen
Wien 2015: Phoibos-Verlag
Umfang
185 S.
Preis
Abonnement für 2 Hefte im Jahr € 19,90 (zzgl. Versand); Einzelheft: € 11,00 (zzgl. Versand)
Herausgeber d. Zeitschrift
Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg
Erscheinungsweise
zweimal jährlich
Kontakt
Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg Residenzplatz 1/ Stiege 3 5010 Salzburg Österreich/Austria

INHALTSVERZEICHNIS

EDITORIAL
S.1–2

TINNE CLAES
Mehr als ein Klavier. Kultur als Metapher in Nachkriegs-Autobiographien jüdischer Frauen aus Wien
S. 3–36

KARL MÜLLER
Stefan Zweigs Montaigne. Fragment (1941/42)
S. 37–85

AGNES AMMINGER
Sibir. Zu Marc Chagalls Illustrationen von Abraham Sutzkevers Gedichtzyklus
S. 87–124

DIETER J. HECHT
Bewegte Geschichte. Bergungen, Raub und Rückbergungen von Kunstgegenständen im Historischen Museum der Stadt Wien 1938–1947
S. 125–154

Rezensionen
S. 155–175

Claudia Erdheim: In der Judenstadt. Erzählung. Wien 2015
(GERHARD LANGER)
S.155–157

Irene Aue-Ben-David / Gerhard Lauer / Jürgen Stenzel (Hg.): Constantin Brunner im Kontext. Ein Intellektueller zwischen Kaiserreich und Exil. Berlin / München / Boston 2014
(HANS–JOACHIM HAHN)
S.157–160

Gustav Meyrink: Der Golem. Ein Roman. Hamburg 2015
(ARMIN EIDHERR)
S. 160–163

Sarah Panter: Jüdische Erfahrungen und Loyalitätskonflikte im Ersten Weltkrieg. Göttingen 2014
(EVELYN ADUNKA)
S.163–164

Romy Langeheine: Von Prag nach New York. Hans Kohn. Eine intellektuelle Biographie. Göttingen 2014
(EVELYN ADUNKA)
S. 164–166

Laura Jokusch / Gabriel N. Finder (Hg.): Jewish Honor Courts. Revenge, Retribution and Reconciliation in Europe and Israel after the Holocaust. Detroit 2015
(JAN RYBAK)
S. 166–169

Dario Miccoli: Histories of the Jews of Egypt. An imagined bourgeoisie, 1880s–1950s. London / New York 2015
(JAN RYBAK)
S. 169–172

Eva Atlan / Raphael Gross / Julia Voss (Hg.): 1938 – Kunst, Künstler, Politik. Begleitbuch zur Ausstellung des Jüdischen Museums Frankfurt in Kooperation mit dem Fritz Bauer Institut, 28.11.2013–23.2.2014. Göttingen 2013
(BARBARA WOLF-WICHA)
S. 172–175

ABSTRACTS
S. 177–181

TINNE CLAES
Mehr als ein Klavier. Kultur als Metapher in Nachkriegs-Autobiographien jüdischer Frauen aus Wien
Anhand von etwa 40 Autobiographien analysiert dieser Artikel die metaphorischen Bedeutungen der Kultur und der Rolle der Kultur in der Identitätsbildung jüdischer Frauen aus Wien. Die Studie dieser Sinngebungsprozesse stellt die starke Präsenz von Jüdinnen und Juden im kulturellen Leben Wiens der vorletzten Jahrhundertwende in eine andere Perspektive. Jüdische Frauen verweisen wiederholt auf kulturelle Alltagsbeschäftigungen, um sich eine beständige, positive Identität aufzubauen, als Gegengewicht zu ihrer aus Misogynie und Antisemitismus stereotyp zugeschriebenen Identität. In ihrer Erinnerung wird die Teilnahme an der deutsch-österreichischen Kultur zu einem Symbol für Integration, Staatszugehörigkeit, Emanzipation und die Unrechtmäßigkeit des Antisemitismus.

More Than a Piano. Culture as Metaphor in Postwar Autobiographies of Viennese Jewish Women
Focusing on some 40 autobiographies, this article analyses the relevance of culture and its metaphorical significance within the formation of identity of Jewish women from Vienna. It will show the significance of the strong presence of Jewish women and men in the cultural life of Vienna around the end of the 19th century in a different perspective. Jewish women refer to their cultural activities of every day life to create a positive identity – as a balance to their given stereotype identity by misogyny and antisemitism. Looking back, their participation within German-Austrian culture is a symbol for integration, nationality, emancipation and for the injustice of antisemitism.

KARL MÜLLER
Stefan Zweigs Montaigne. Fragment (1941/42)
In den letzten Monaten seines Lebens 1941/42 arbeitete Stefan Zweig in Petrópolis nicht nur an seiner Balzac- und Amerigo-Biographie, der Schachnovelle, an seiner Welt von Gestern, an dem Roman Clarissa, sondern auch an seinem Montaigne. Wie vieles davon in diesen letzten Arbeitsphasen sollte auch dieser Text leider Fragment bleiben. Der Aufsatz versucht, Zweigs de facto lebenslange Beschäftigung mit den Essais des Michel Eyquem Seigneur de Montaigne (1533–1592) als Selbsterkundung zu verstehen und Zweigs Porträt als eine Art geistiges Vermächtnis zu lesen.

Stefan Zweig spent the last months before his death in Petrópolis 1942, where he was working not only on the two biographies Balzac and Amerigo, but also on the Schachnovelle, Die Welt von Gestern, and the novels Clarissa and last but not least Montaigne. Just like others texts Zweig was working on at that time, Montaigne remained unfinished. In this essay it will be shown that Zweigs portrait of Michel Eyquem Seigneur de Montaigne (1533–1592) in fact is a self-exploration by Zweig and the spiritual legacy of his lifelong pursuit with Montaigne’s Essais.

AGNES AMMINGER
Sibir. Zu Marc Chagalls Illustrationen von Abraham Sutzkevers Gedichtzyklus
Der Aufsatz ist Marc Chagalls Illustrationen zum teilweise autobiographischen Sibir-Gedichtzyklus (1953) des jiddischen Dichters Abraham Sutzkever gewidmet. Von der Annahme metaphorischer Inhalte in Chagalls Illustrationen ausgehend wird deren Verhältnis zu den in Sutzkevers Text enthaltenen Metaphern beleuchtet. Briefquellen zur Entstehung der Zeichnungen sowie eine vergleichende Lektüre von Dichtung und Illustrationen, die den Kern der Analyse bildet, erweisen Chagalls bildliche Metaphern als weitgehend unabhängig von Sutzkevers textuellen. Chagalls Illustrationen und die Metaphern in ihnen erschließen sich vielmehr, indem sie als Kommentare zu Sutzkevers Poetik der Erinnerung gelesen werden.

Sibir. About Marc Chagall’s Illustrations of Abraham Sutzkever’s Poem
The essay deals with Marc Chagall’s illustrations of Yiddish poet Abraham Sutzkever’s partially autobiographical poem Sibir (1953). The assumption that visual content can be metaphorical leads to a discussion of the interrelations between the metaphors in Chagall’s pictures and Sutzkever’s text. Letters documenting the creational process of the drawings, as well as a comparative reading of the images and the text reveal Chagall’s painted metaphors to be largely independent of Sutzkever’s textual ones. Chagall’s illustrations and their metaphorical content can in fact be read as comments on Sutzkever’s poetics of remembrance.

DIETER J. HECHT
Bewegte Geschichte. Bergungen, Raub und Rückbergungen von Kunstgegenständen im Historischen Museum der Stadt Wien 1938–1947
Die Bergungen der Kunstobjekte – auch „arisierter“ Kunst – während des Zweiten Weltkriegs sollte diese vor etwaigen Kriegseinwirkungen schützen; dennoch wurden viele Objekte durch Bombenangriffe oder Brandlegungen durch SS-Einheiten zerstört, wie z.B. im Schloss Immendorf (Niederösterreich). Die Rückbergungen hätten die Kunstobjekte nach Kriegsende wieder nach Wien bringen sollen. Raub und Plünderungen, aber auch schlechte Lagerungsbedingungen führten zu weiteren so genannten Kriegsverlusten. Im vorliegenden Beitrag sollen Dokumente über die Bergungen und Rückbergungen von Kunstgegenständen aus den Sammlungen des Historischen Museums (heute Wien Museum) unter Berücksichtigung „arisierter“ Objekte systematisch dargestellt werden. Die Bearbeitung dieser Quellen ermöglicht auch einen Einblick in das Selbstverständnis der MitarbeiterInnen und ihren Umgang mit diesen Kunstgegenständen.

Salvaging of art objects – including aryanized art – during World War II should protect the collections from the effects of the war. Nevertheless, many objects were destroyed through air raids and arson by the SS-troupes, as for instance at the castle Immendorf (lower Austria). Rescue missions after the war were supposed returning the art objects to Vienna. However, looting by the local population and allied soldiers as well as bad storage conditions caused additional “war losses”. This paper analyses different aspects of the sheltering and rescue operations of the collections of the Historical Museum of Vienna, nowadays called Wien Museum, with special emphasis on “aryanized” objects. The evaluation of documents from various sources furthermore allows exploring the involvement of the museum staff in these operations.

Zitation
Chilufim 19 (2015). in: H-Soz-Kult, 23.03.2017, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-10276>.
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