Religion und Gesellschaft in Ost und West (2017), 10

Titel
Religion und Gesellschaft in Ost und West (2017), 10.


Hrsg. v.
Institut G2W. Ökumenisches Forum für Glauben, Religion und Gesellschaft in Ost und West
Heft(e)
10
Erschienen
Zürich 2017: Selbstverlag
Umfang
32 S.
Preis
CHF 10.- / EUR 8.- zzgl. Versandkosten
Herausgeber d. Zeitschrift
Institut G2W. Ökumenisches Forum für Glauben, Religion und Gesellschaft in Ost und West
Erscheinungsweise
monatlich
Kontakt
Institut G2W Birmensdorferstr. 52 Postfach 9329 CH-8036 Zürich

Was tun eigentlich orthodoxe Prieser den ganzen Tag? Dies erforscht eine religionssoziologische Forschergruppe der St. Tichon-Universität in Moskau. Über den weitgehend unbekannten Alltag in orthodoxen Klöstern hat Xenia Loutchenko mit ehemaligen Klosterbewohnern gesprochen. Zudem erhalten wir Einblick in die Aktivitäten orthodoxer Jugendgruppen in der Eparchie Saratov und den Umgang der ROK mit der Aids-Epidemie in Russland.

Neben diesen Formen kirchlicher Praxis nehmen wir theologische Entwicklungen in Russland in den Blick. Dabei ermöglicht die Integration des Theologiestudiums in staatliche Universitäten zwar unabhängigere Forschung, dennoch sind "kriegstheologische" Tendenzen sowie die Gefahr einer Politisierung von Kirche und Theologie verbreitet. Diesen Trends diametral entgegengesetzt ist das Ausstellungsprojekt "Heilige vor der Kirchenspaltung", das an das gemeinsame christliche Erbe in Ost und West erinnert.

INHALT

IM FOKUS

Alexander Kynev
Die russischen Regionalwahlen 2017 – Bedürfnis nach Wandel?

RUSSISCHE KIRCHE

Regina Elsner
Politisierte Theologie? Neue theologische Entwicklungen in der ROK
Die theologische Forschung in Russland befindet sich nach wie vor im Aufbau. Sie hat mit dem Erbe der kommunistischen Zeit und Personalproblemen zu kämpfen. Eine weitere Herausforderung stellt das politische Engagement der Kirchenleitung dar, das einer Politisierung der Theologie Vorschub leistet. In allen theologischen Disziplinen lassen sich jedoch auch kreative und zukunftsweisende Neuaufbrüche ausmachen.

Andrei Desnitsky
Anforderungen an eine orthodoxe Bibelübersetzung
Aus orthodoxer Sicht gilt es bei Bibelübersetzungen vor allem das patristische Verständnis von Sprache zu berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund sind heutige, auf Allgemeinverständlichkeit zielende Übersetzungen kritisch zu reflektieren.

Tatjana Krichtova
Der Alltag orthodoxer Priester in Russland
Eine religionssoziologische Studie der St. Tichon-Universität untersucht den Alltag von Priestern der Russischen Orthodoxen Kirche in Russland. Auffällig sind vor allem die Diskrepanzen zwischen Lehrbuch und Praxis. Rolle und Identität eines Priesters hängen sehr stark von den lokalen Bedingungen seines Einsatzbereiches ab.

Xenia Loutchenko
Klosteralltag in der Russischen Orthodoxen Kirche
Über die Zustände in den russischen orthodoxen Klöstern gibt es wenig offizielle oder statistische Angaben, und auch ihre Bewohner äußern sich kaum dazu. Die Berichte ehemaliger Novizinnen und Novizen geben interessante Einblicke in das Leben in den russischen Klöstern, den Weg dorthin und die Gründe für das Verlassen des Klosters.

Ekaterina Ufimceva
Orthodoxe Jugendgruppen am Beispiel der Eparchie Saratov
In der Eparchie Saratov entstand 2006 eine der ersten orthodoxen Jugendgruppen landesweit. In der Anfangszeit schlossen sich den neu gegründeten Jugendgruppen vor allem Menschen an, die nach einem Kontakt zur Kirche und Antworten auf religiöse Fragen suchten. Inzwischen beschäftigen sich die Gruppen nicht mehr nur mit Katechese, sondern sind in einem weiten Feld von sozialen Tätigkeiten aktiv.

Ulla Pape
Russlands Aids-Epidemie und die Russische Orthodoxe Kirche
Die Russische Orthodoxe spielt eine ambivalente Rolle bei der Bekämpfung der AIDS-Epidemie in Russland. Einerseits trägt sie mit ihrer Sozialarbeit zur praktischen Bekämpfung der Krankheit bei, andererseits widersetzt sie sich Präventionsprogrammen und Sexualkundeunterricht an den Schulen. In Zukunft muss mit einem weiteren Anstieg der HIV-Infektionen in Russland gerechnet werden.

Boris Knorre
„Kriegstheologie“ als neues Phänomen der postsowjetischen Orthodoxie
Analogien zwischen geistigem Kampf und realem Krieg haben bei gewissen Vertretern der russischen Orthodoxie seit 2014 zugenommen. Diese „politische Orthodoxie“ rechtfertigt den Krieg, betrachtet Geistliche als Sondereinheit der Armee und sieht Russland in einem gerechten Kampf gegen finstere Mächte (des Westens). Im Südosten der Ukraine liegt diese Ideologie einer Freischärlertruppe namens „Russische Orthodoxe Armee“ zugrunde.

Sergej Tschapnin
Heilige vor der Kirchenspaltung – eine Brücke zwischen Ost und West
Ein Interview mit Sergej Tschapnin, Vorsitzender der Gemeinschaft „Artos“ und Kurator der Ausstellung moderner Ikonen „Heilige vor der Kirchenspaltung“, die eine Brücke zwischen Ost- und Westkirche schlagen soll.

BUCHANZEIGEN

George E. Demacopoulos, Aristotle Papanikolaou (eds.): Christianity, Democracy, and the Shadow of Constantine. New York: Fordham University Press 2017

Greg Simons, David Westerlund (eds.): Religion, Politics and Nation-Building in Post-Communist Countries. Farnham: Ashgate 2015

Martin Illert: Dialog – Narration – Transformation. Die Dialoge der Evangelischen Kirche in Deutschland und des Bundes der evangelischen Kirchen in der DDR mit den orthodoxen Kirchen seit 1959 (= Beihefte zur Ökumenischen Rundschau, Bd.106). Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2016

Misha Cherniak, Olga Gerassimenko, Michael Brinkschröder (eds.): „For I Am Wonderfully Made“. Texts on Eastern Orthodoxy and LGBT Inclusion European Forum of Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender Christian Groups 2016

Zitation
Religion und Gesellschaft in Ost und West (2017), 10. in: H-Soz-Kult, 25.10.2017, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-10655>.
Weitere Hefte ⇓