Chilufim 22 (2017)

Titel
Chilufim 22 (2017).
Weitere Titelangaben
PER SAECULA: Jerusalem-Bilder und -Rezeption in Literatur, Musik und Kunst


Hrsg. v.
Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg
Heft(e)
1
Erschienen
Wien 2017: Phoibos-Verlag
Umfang
179 Seiten
Preis
Abonnement für 2 Hefte im Jahr € 19,90 (zzgl. Versand); Einzelheft: € 11,00 (zzgl. Versand)
Herausgeber d. Zeitschrift
Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg
Erscheinungsweise
zweimal jährlich
Kontakt
Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg Residenzplatz 1/ Stiege 3 5010 Salzburg Österreich/Austria

INHALT

EDITORIAL(S. 1–4)

BIANCA KÜHNEL
Jerusalem: himmlische Visionen – irdische Grundlagen
S. 5–32

RENATE PROCHNO-SCHINKEL
Das himmlische Jerusalem und der Unipark Nonntal in Salzburg
S. 33–50

MARIA E. DORNINGER
Spuren Jerusalems in Salzburg? Anmerkungen zum sakralen Park des Schlosses Hellbrunn
S. 51–104

STEFAN ENGELS
Das himmlische Jerusalem in den Gesängen der römischen Liturgie
S. 105–128

JASMINE DUM-TRAGUT
Hinter den Mauern des armenischen Viertels – Jerusalemer Armenisch?
S. 129–156

Rezensionen

Ensel, Remco / Gans, Evelien (Hg.): The Holocaust, Israel and ‘the Jew’. Histories of Antisemitism in Postwar Dutch Society. Amsterdam 2017
BERNADETTE EDTMAIER
S. 157–159

Bar, Doron: Landscape and Ideology. Reinternment of Renowned Jews in the Land of Israel (1904–1967). Berlin/Boston 2016
EVELYN ADUNKA
S. 160–163

Deme, Katalin: Jüdische Museen in Ostmitteleuropa. Kontinuitäten – Brüche – Neuanfänge. Prag, Budapest, Bratislava (1993–2012). Göttingen 2016
EVELYN ADUNKA
S. 163–165

Kraft, Christian: Aschkenas in Jerusalem. Die religiösen Institutionen der Einwanderer aus Deutschland im Jerusalemer Stadtviertel Rechavia (1933–2004). Transfer und Transformation. Göttingen u.a. 2014
DAVID JÜNGER
S. 165–168

Greif, Gideon / Siebers, Peter: Todesfabrik – Death Factory – Fabryka Šmierci Auschwitz. Topographie und Alltag in einem Konzentrations- und Vernichtungslager / Topografia I Życie Codzienne W Obozie Koncentracyjnym I Zagłady / Topography and Everyday Life in a Concentration and Extermination Camp. Köln 2016
ALBERT LICHTBLAU
S. 168–170

Abstracts
S. 171–175

Autorinnen und Autoren / Rezensentinnen und Rezensenten
S.177–179

ABSTRACTS

BIANCA KÜHNEL
Jerusalem: himmlische Visionen – irdische Grundlagen
Der Artikel untersucht die visuellen Ausdrucksformen der gegenseitigen Beziehungen von realem und imaginärem Jerusalem. Er zeigt, wie gegenseitige Verweise immer politischen oder religiösen Intentionen gedient haben. Die Beispiele, die diese These illustrieren, zeigen, wie ideale Vorstellungen von Jerusalem, basierend auf der Schrift, für zeitgenössische Ambitionen manipuliert wurden. Diese Illustrationen erstrecken sich geographisch über einen weiten Raum und beziehen sich zeitlich auf mittelalterliche und frühneuzeitliche europäische Denkmäler. Der weite geographische und historische Rahmen für die Präsenz Jerusalems in der europäischen Kunst und Architektur demonstriert die Lebendigkeit und Aktualität Jerusalems im jüdischen, christlichen und islamischen Denken.

Abstract:
The article examines visual expressions of the interdependence between the real and the envisioned Jerusalem. It shows that mutual references always served political or religious purposes. The examples that illustrate this thesis show how ideal visions of Jerusalem, based on the Scripture, were manipulated to serve contemporaneous ambitions. These illustrations cover a large geographical area and are taken from medieval and early modern European monuments. The broad geographical and historical span of Jerusalem’s presence in European art and architecture demonstrate the vitality and actuality Jerusalem maintains in Jewish, Christian, and Islamic thought.

RENATE PROCHNO-SCHINKEL
Das himmlische Jerusalem und der Unipark Nonntal in Salzburg
Der Neubau des Uniparks Nonntal in Salzburg weist einige architektoni-sche Merkmale auf, die es nahelegen, sie als Anspielungen auf das himmlische Jerusalem zu deuten. Damit ist der Unipark eines der seltenen Beispiele für einen Profanbau, der auf die Vision und Verheißung der Offenbarung des Johannes zurückgreift. Der Aufsatz erprobt, welche Bedeutungsfacetten der theologischen Ausdeutung auf die Universität angewendet werden können, welche Identität sie präsentieren sollen, und wo ihre Grenzen sind.

Abstract
The university building in Unipark Nonntal, Salzburg, bears some architectonic traits typical for the celestial or heavenly Jerusalem. They allow interpreting the so-called Unipark as a rare example of contemporary, non-ecclesiastical architecture, referring to the description in St. John´s Apocalypse. The paper examines the meaning of these allusions with regard to the university and its self-representation, but also shows their limits.

MARIA E. DORNINGER
Spuren Jerusalems in Salzburg? Anmerkungen zum sakralen Park des Schlosses Hellbrunn
Fürsterzbischof Markus Sittikus von Hohenem ließ Schloss Hellbrunn zwischen 1613–1615 erbauen. Der bemerkenswerte Bau war konzipiert als zweipolige Anlage, einem weltlichen Schloss mit Lustgarten und einem kleineren Schloss mit einem sakralen Park. Obwohl beinahe nichts von dem Letzteren erhalten ist, gibt die Beschreibung des fürst-erz¬bischöflichen Sekretärs, Johann Stainhauser, einen Eindruck davon. Robert Bigler beschreibt den sakralen Park als „Sonderfall“, beeinflusst von den norditalienischen heiligen Bergen. Der Artikel untersucht neben Beziehungen zur Sacri Monti-Tradition und zu Jerusalem-Translationen weitere mögliche Einflüsse auf Hellbrunn, wie Konzeptionen von dem ehemaligen Herrenhaus Schleißheim nahe München oder dem Kloster Montserrat und seinen umliegenden Einsiedleien. Bei der Betrachtung der unterschiedlichen Einflüsse wird der innovative Charakter, die Einzigartigkeit des sakralen Parks in Hellbrunn und seine besondere Funktion zu seiner Zeit deutlich.

Abstract
Hellbrunn Palace was built by Prince-Archbishop Markus Sittikus of Hohenems from 1613 to 1615. The remarkable building was designed as a two–part conception, a secular palace with a garden and a second smaller palace with a sacred park. Although nearly nothing has been preserved of the latter the description of Johann Stainhauser, the Prince-Archbishop’s secretary, gives an impression of the concept. Robert Bigler describes the sacred park as a "Sonderfall", a special case. He emphasises the influence of Northern Italy's sacred mountains on Hellbrunn. Besides the references to the Sacri Monti tradition and the Jerusalem translations, the article analyses further possible influences on Hellbrunn, such as the conceptions of the former Schleißheim country house close to Munich or the monastery of Montserrat and its surrounding hermitages to which sometimes is scholarly alluded. Thereby, showing the different and intriguing influences, the article tries to emphasise the innovative character and uniqueness of the sacred park Hellbrunn and its special function in its time.

STEFAN ENGELS
Das himmlische Jerusalem in den Gesängen der römi-schen Liturgie
Der Begriff „Jerusalem“ kommt in den liturgischen Gesängen der abend-ländischen Liturgie auf verschiedenen Ebenen vor: zunächst als realer geographischer Ort im Heiligen Land, dann aber auch als Synonym für die christliche Gemeinde, deren Mitglieder sich als die Heiligen Gottes ver-stehen. Dies lässt sich am Beispiel der Gesänge der Eucharistiefeier für den zweiten Adventsonntag und den vierten Fastensonntag gut zeigen. Schließlich steht Jerusalem für das neue, himmlische Jerusalem als trans-zendenter Zielpunkt für alle Christen, als von Gott her kommende Stadt, die am Ende der Welt für alle Gläubigen Heimat werden soll, weil Gott selber darin wohnt.

Abstract
The term „Jerusalem“ comprehends different meanings in liturgical chants of western liturgy. First, it signifies a real geographical site in the Holy Land and second, it is used as a synonym for the Christian church, whose members regard themselves as the holy ones of God. This may be proved by the example of the liturgical chants for the second Sunday in Advent and the fourth Sunday in Lent. Finally, Jerusalem represents the new heavenly Jerusalem as transcendental final aim for all Christians and as a city deriving from God. Since God lives in there, it will become the home for all believers at the end of time.

JASMINE DUM-TRAGUT
Hinter den Mauern des armenischen Viertels – Jerusalemer Armenisch?
Wenig ist über das Leben im armenischen Viertel in Jerusalem und die Armenier in Jerusalem aufgrund der Abgeschlossenheit v.a. des armeni-schen Patriarchats und des Jakobsklosters bekannt. Blickt man hinter die Mauern, entdeckt man eine ungeahnte Vielschichtigkeit sozio-kulturell und linguistisch unterschiedlicher Armenier. Diese Diversifikation der nach außen hin einheitlich, aber nach innen uneinheitlich erscheinenden Gemeinschaft ist nicht zuletzt durch das Zusammenwirken von Geschichte, Politik und Veränderungen der Mehrsprachigkeit in der Jerusalemer Altstadt determiniert. Die armenische Bevölkerung des armenischen Viertels und ihr sprachliches und kulturelles Verhalten dienen quasi als Spiegelbild der wechselvollen Geschichte des mehrsprachigen, multikulturellen Jerusalems.

Abstract
Little is known about the life in the Armenian quarter of Jerusalem and about the Armenians in Jerusalem because of the isolating walls of the Armenian patriarchate and the St. James convent compound. Looking behind the walls, one discovers an unprecedented complexity of sociocultural and linguistic diversity of Armenians. This diversification of the outwardly uniform, but inwardly varied community is also a result of the interaction of history, politics and multilingualism in the Old City of Jerusalem. The Armenians living in the Armenian quarter and their linguistic and cultural behavior may serve as a mirror of the changing history of the multilingual and multicultural Jerusalem.

Zitation
Chilufim 22 (2017). in: H-Soz-Kult, 14.11.2017, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-10698>.
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