Mittelweg 36. Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung 27 (2018), 3–4

Titel
Mittelweg 36. Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung 27 (2018), 3–4.
Weitere Titelangaben
Perspektiven der Geldsoziologie


Hrsg. v.
Hamburger Institut für Sozialforschung; Redaktion:Martin Bauer (geschäftsführend und v. i. S. d. P.); Stephanie Kappacher, Karsten Malowitz, Dr. Clemens Reichold, Hannah Schmidt-Ott; Marketing und Vertrieb: Anja Irmschläger
Heft(e)
3–4
Erschienen
Umfang
232 S.
Preis
22,00
Herausgeber d. Zeitschrift
Hamburger Institut für Sozialforschung; Redaktion:Martin Bauer (geschäftsführend und v. i. S. d. P.); Stephanie Kappacher, Karsten Malowitz, Dr. Clemens Reichold, Hannah Schmidt-Ott; Marketing und Vertrieb: Anja Irmschläger
Erscheinungsweise
zweimonatlich
Kontakt
Redaktion Zeitschrift »Mittelweg 36« des Hamburger Instituts für Sozialforschung Mittelweg 36 20148 Hamburg Tel.: 040/414 097 84 Fax.: 040/414 097 11 E-Mail: <zeitschrift@mittelweg36.de>

Viele Dinge unseres Alltagslebens sind uns so vertraut, dass wir sie gebrauchen, ohne uns zu fragen, wie sie eigentlich funktionieren. Eines dieser Dinge, von deren Ursprung und Funktion wir uns allenfalls naive Vorstellungen machen, ist das Geld, das für uns erst dann zu einem theoretischen Problem wird, wenn seine Funktionsbedingungen ins Wanken geraten, wie etwa im Zuge der Finanzkrise. Erst dann wird ersichtlich, dass sich die gesellschaftliche Bedeutung des Geldes nicht in seiner Rolle als ubiquitäres Tauschmittel erschöpft. Folgen wir dem Geld auf seinen verwickelten Wegen rund um den Globus und verabschieden wir uns von gewohnten Sichtweisen, eröffnen sich neue »Perspektiven der Geldsoziologie«, in deren Sichtachsen das Geld seine vermeintlich festgeprägte Form verliert und sich ebenso in Bilanzen und Zahlenkolonnen verwandelt wie in Versprechen und soziale Beziehungen.

In ihrer ausführlichen Einleitung erörtern die beiden Gastherausgeber Philipp Degens und Aaron Sahr die Gründe für »Die Rückkehr des Geldes« auf die Agenda der Soziologie und machen die Leserinnen und Leser mit den wichtigsten theoretischen Positionen und Kontroversen vertraut. Ausgehend von den Ergebnissen einer empirischen Studie thematisiert Klaus Kraemer anschließend die soziale Bedeutung von »Geld als Institution« und erläutert die alltagspraktische Differenz von Vertrauen und Gewissheit. Den Hype um die Kryptowährung Bitcoin nimmt Nigel Dodd zum Anlass, die Versprechen ihrer Schöpfer und die Erwartungen ihrer Anhänger, der sogenannten »Bitcoiners«, mit der tatsächlichen Funktionsweise und den paradoxen bis kontraproduktiven Effekten des alternativen Zahlungsmittels zu kontrastieren. Im Anschluss denkt Christine Desan »Über die Verfasstheit des Geldes« nach und zeigt auf, wie die rechtlichen, institutionellen und materialen Bedingungen der Gelderzeugung zusammen mit dessen Wert und Funktionsweise auch die Formen des gesellschaftlichen Austauschs einschließlich der Zuschreibung von Rollen und der Verteilung von Profiten beeinflussen. Andreas Langenohl macht »Das Öffentliche finanzialisierten Geldes« zum Thema und untersucht die konstitutive Rolle spezifischer Öffentlichkeiten für verschiedene Praktiken, bei denen, wie etwa im professionellen Finanzmarkthandel oder im Zuge der Erzeugung von Kreditgeld durch Geschäftsbanken, Geld in seiner Eigenschaft als Zahlungsmittel selbst zur Quelle von Wertschöpfung wird. Unter dem Titel »Familiale Geldströme« erörtert Supriya Singh, wie wichtig Heimatüberweisungen von Verwandten im Ausland für die Menschen in vielen Ländern des globalen Südens sind und vor welche technischen und logistischen Herausforderungen sich die Regierungen der betreffenden Staaten durch die Aufgabe der flächendeckenden Gewährleistung des Zugangs zu finanziellen Dienstleistungen gestellt sehen. Vom »Zählen und Zahlen« und der Bedeutung des Geldes für die Entstehung der modernen Naturwissenschaften berichtet abschließend Axel T. Paul.

In der »Protest-Chronik« erinnert Wolfgang Kraushaar an die Demonstrationen, mit denen sich Studenten der Belgrader Universität im Sommer 1968 gegen staatliche Bevormundung und Polizeigewalt in Titos Jugoslawien zur Wehr setzten.

Inhalt

Philipp Degens und Aaron Sahr
Die Rückkehr des Geldes (S.3)

Klaus Kraemer
Geld als Institution. Eine Kritik der Vertrauenshypothese (S.50)

Nigel Dodd
Bitcoiners. Das soziale Leben einer Kryptowährung (S.75)

Christine Desan
Über die Verfasstheit des Geldes. Die Produktion der modernen Welt und die Gestaltung von Geld (S.103)

Andreas Langenohl
Das Öffentliche finanzialisierten Geldes (S.131)

Supriya Singh
Familiale Geldströme. Die Zukunft des Geldes wird im globalen Süden geprägt (S.154)

Axel T. Paul
Vom Zählen und Zahlen. Über die mittelalterlich-monetären Ursprünge der mathematischen Naturwissenschaften (S.186)

Wolfgang Kraushaar
Aus der Protest-Chronik: 2. Juni 1968, Belgrad (S.227)

Zitation
Mittelweg 36. Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung 27 (2018), 3–4. in: H-Soz-Kult, 14.06.2019, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-11784>.
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