Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 67 (2019), 3

Titel
Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 67 (2019), 3.


Hrsg. v.
Im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte herausgegeben von Helmut Altrichter, Horst Möller, Margit Szöllösi-Janze und Andreas Wirsching
Heft(e)
3
Erschienen
München 2019: De Gruyter Oldenbourg
Preis
Jahresabo: 59,80€, Stud.abo: 34,80€ Mitgl.abo. hist. u pol. Fachverbände: 49,80€, Online-Zugang: 49€, Print+Online-Abo 72€
Herausgeber d. Zeitschrift
Im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte herausgegeben von Helmut Altrichter, Horst Möller, Margit Szöllösi-Janze und Andreas Wirsching
Erscheinungsweise
vierteljährlich
Kontakt
Redaktion Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte Institut für Zeitgeschichte Leonrodstraße 46b 80636 München

VfZ Abstracts 3/2019

Aufsätze

Yu_liya von Saal, Anonyma: „Eine Frau in Berlin“. Geschichte eines Bestsellers_
Das Buch der anonymen Autorin von „Eine Frau in Berlin. Tagebuchaufzeichnungen vom 20. April bis 22. Juni 1945“ kam 2003 als ein Zeitdokument auf den Markt, wurde millionenfach verkauft, in mehrere Sprachen übersetzt und verfilmt. Die Authentizität der Aufzeichnungen wurde jedoch in Frage gestellt, unter anderem weil bis dato niemand vollen Zugriff auf die handschriftlichen Originalen hatte. 2016 wurde der Nachlass von Anonyma dem Archiv des Instituts für Zeitgeschichte übergeben. Yuliya von Saal hat diesen und die Originale des Tagebuchs zum ersten Mal ausgewertet. Sie zeichnet die Geschichte und die Rezeption des Bestsellers nach und kommt zu dem Schluss, dass das publizierte Tagebuch aus quellenkritischer Perspektive mitnichten ein authentisches Zeitdokument ist. Es ist aber ein sehr persönliches, wenngleich stark literarisiertes Zeugnis einer Frau, die eine scharfe Beobachterin war.

Lucas Hardt, Flüchtlinge, Terroristen, Freiheitskämpfer? Algerische Migranten und die Bundesrepublik Deutschland 1954 bis 1962
Der Aufsatz untersucht die Ursachen und das Ausmaß der algerischen Zuwanderung in die Bundesrepublik zwischen 1954 und 1962 sowie deren Folgen auf institutioneller Ebene. Spätestens seit 1958 ist die algerische Migration in die Bundesrepublik als Fluchtbewegung vor den gewaltsamen Auseinandersetzungen um die algerische Unabhängigkeit in Frankreich zu verstehen. In Europa wurde Westdeutschland zum wichtigsten Zufluchtsland für Algerier, die in Frankreich lebten. Aufgrund des politischen Drucks aus Paris erhielten sie in der Bundesrepublik zwar kein politisches Asyl. Dennoch entwickelten westdeutsche Behörden eine eigene Haltung gegenüber den sogenannten Französischen Muslimen Algeriens.

Christian Rau, Von Gegnern zu Partnern? Der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Medienöffentlichkeit der Bundesrepublik
Die 1980er Jahre waren für die westdeutschen Gewerkschaften ein Krisenjahrzehnt. Skandale und sinkende Organisationsgrade bestimmten ihr Bild in der Öffentlichkeit. Der Deutsche Gewerkschaftsbund sah sich einer als gewerkschaftsfeindlich wahrgenommenen Medienmacht gegenüber. Dabei diskutierte der Dachverband bereits seit den 1950er Jahren sein Verhältnis zu den kommerziellen Medien und deren gesellschaftliche Bedeutung kontrovers. Immer wieder keimten dabei Konflikte zwischen Gewerkschaftsvorständen und Öffentlichkeitsarbeitern auf. Die Wiedervereinigung 1990 eröffnete letzteren ein einmaliges Feld für medienpolitische Experimente, die ihre Intention, die Defizite der bisherigen Medienarbeit aufzuzeigen, aber verfehlten. Der Beitrag untersucht dieses konfliktreiche Verhältnis zwischen Annäherung und Abgrenzung.

Podium

Podium Zeitgeschichte: Rechtspopulismus in westlichen Demokratien – zeithistorische Perspektiven
Die Zukunft der Demokratie sowie ihre Herausforderung durch die Folgen der Globalisierung einerseits und durch die illiberale oder gar autoritäre Versuchung andererseits beschäftigten Politik, Öffentlichkeit und Wissenschaft in vielen Ländern Europas und Amerikas gleichermaßen. Insbesondere die Erfolge (rechts-)populistischer Parteien und Bewegungen mit ihrer oft ebenso nationalistischen wie antimodernen und xenophoben Rhetorik in gefestigten demokratischen Ländern haben die Frage nach Gefährdungspotenzialen und demokratischen Handlungsoptionen aufgeworfen. Das Podium Zeitgeschichte will in diesem Zusammenhang die historische Perspektive stärken und anhand der fünf Fallbeispiele Bundesrepublik Deutschland (Karin Priester), USA (Ursula Prutsch), Frankreich (Ronja Kempin), Niederlande (André Krause) und Italien (Thomas Schlemmer) die Interdependenz von längerfristigen Entwicklungen, sozio-politischen Verwerfungen und aktuellen Krisenphänomenen herausarbeiten. Neue Parteien wie die Alternative für Deutschland kommen dabei ebenso in den Blick wie etablierte – etwa das aus dem Front National hervorgegangene Rassemblement National. Dabei liegt ein wichtiger Akzent auf Führungsfiguren wie Marine Le Pen, Geert Wilders, Donald Trump oder auch dem fast schon vergessenen Silvio Berlusconi, denen als Katalysatoren des Populismus in ihren Ländern besondere Bedeutung zukommt.

Nachruf

Rezensionen
online
Abstracts
Autorinnen und Autoren
Hinweise

VfZ Abstracts 3/2019

Essays

Yuliya von Saal, Anonymous: “A Woman in Berlin”. The History of a Bestseller
The book “A Woman in Berlin”, the publication of a diary written between 20 April and 22 June 1945 by an anonymous female author, was put on the market in Germany as a document of the times in 2003, was sold millions of times, translated into many other languages and made into a film. The authenticity of the diary has, however, been questioned, especially as nobody has had full access to the handwritten original. In 2016 the papers of the anonymous female author were handed over to the Archives of the Leibniz Institute for Contemporary History. Yuliya von Saal has studied the papers and the original diary for the first time. She recounts the history of a bestseller and finds that the published diary cannot be viewed as an authentic source of the time from a source-critical perspective. It is, however, a very personal, albeit literary testimony of a woman who was a keen observer.

Lucas Hardt, Refugees, Terrorists, Freedom Fighters? Algerian Migrants and the Federal Republic of Germany, 1954 to 1962
The article investigates the reasons and the extent of Algerian immigration to the Federal Republic of Germany between 1954 and 1962 as well as the institutional consequences. By 1958 at the latest, Algerian migration to West Germany has to be understood as a form of flight from the violent struggles in France regarding Algerian independence. In Europe, West Germany became the most important country of refuge for Algerians living in France. Due to political pressure from Paris, they did not receive political asylum. Nevertheless, West German authorities developed their own position towards the so-called French Muslims of Algeria.

Christian Rau, From Opponents to Partners? The German Trade Union Confederation and Media Policy in the Federal Republic of Germany
The 1980s were a decade of crisis for the West German trade unions. Scandals and a sinking degree of organisation shaped their public image. The German Trade Union Confederation (Deutscher Gewerkschaftsbund) was faced with what it saw as a media landscape hostile to trade unions. The umbrella organisation had been discussing its relationship to the commercial media controversially since the 1950s. Time and again there were conflicts between trade union leaders and public relations officers. Reunification in 1990 opened a wide field for media policy experiments but these did not succeed in their purpose to reveal the deficits of previous media work. The article investigates this contested relationship between rapprochement and differentiation.

Panel

Contemporary History Podium: Right-Wing Populism in Western Democracies – Historical Perspectives
The future of democracy as well as the challenges arising from globalisation on the one hand as well as the illiberal or even authoritarian temptation on the other hand are keeping politicians, the wider public and research busy in many countries of Europe and America. The successes of (right-wing) populist parties and movements in established democratic countries with their often nationalist and equally anti-modern and xenophobic rhetoric pose the question as to the potential risks and democratic courses of action. The “Contemporary History Podium” wishes to put these phenomena into clearer historical perspective by using five case studies: The Federal Republic of Germany (Karin Priester), the USA (Ursula Prutsch), France (Ronja Kempin), the Netherlands (André Krause), and Italy (Thomas Schlemmer). They reveal the interdependence of long-term developments, socio-political upheaval and current crises. New parties such as the Alternative für Deutschland as well as established parties such as the Rassemblement National (formerly Front National) are examined. An important emphasis is laid on leading figures such as Marine Le Pen, Geert Wilders, Donald Trump or the almost forgotten Silvio Berlusconi, who are especially important as catalysts of populism in their respective countries.

Reviews
online
Abstracts
authors
Hints

Inhalt

Aufsätze

Yuliya von Saal
Anonyma: „Eine Frau in Berlin“
Geschichte eines Bestsellers

Lucas Hardt
Flüchtlinge, Terroristen, Freiheitskämpfer?
Algerische Migranten und die Bundesrepublik Deutschland 1954 bis 1962

Christian Rau
Von Gegnern zu Partnern?
Der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Medienöffentlichkeit der Bundesrepublik

Podium

Podium Zeitgeschichte
Rechtspopulismus in westlichen Demokratien – zeithistorische Perspekti-ven
Karin Priester, Ursula Prutsch, Ronja Kempin, André Krause und Thomas Schlemmer

Nachruf

Nachruf: Jürgen Zarusky (28. April 1958 – 4. März 2019)
Historiker der Diktatur im 20. Jahrhundert

Rezensionen
online
Abstracts
Autorinnen und Autoren
Hinweise

Zitation
Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 67 (2019), 3. in: H-Soz-Kult, 05.07.2019, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-11829>.
Weitere Hefte ⇓