Mittelweg 36. Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung 28 (2019), 6

Titel
Mittelweg 36. Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung 28 (2019), 6.
Weitere Titelangaben
Die Gruppe. Zur Geschichte und Theorie eines folgenreichen Konzepts


Hrsg. v.
Hamburger Institut für Sozialforschung; Redaktion: Martin Bauer (geschäftsführend und v. i. S. d. P.), Stephanie Kappacher, Wibke Liebhart, Karsten Malowitz, Hannah Schmidt-Ott, Philipp Tolios (Volontär); Marketing und Vertrieb: Anja Irmschläger
Heft(e)
6
Erschienen
Umfang
216 S.
Preis
22,00
Herausgeber d. Zeitschrift
Hamburger Institut für Sozialforschung; Redaktion: Martin Bauer (geschäftsführend und v. i. S. d. P.), Stephanie Kappacher, Wibke Liebhart, Karsten Malowitz, Hannah Schmidt-Ott, Philipp Tolios (Volontär); Marketing und Vertrieb: Anja Irmschläger
Erscheinungsweise
zweimonatlich
Kontakt
Redaktion Zeitschrift »Mittelweg 36« des Hamburger Instituts für Sozialforschung Mittelweg 36 20148 Hamburg Tel.: 040/414 097 84 Fax.: 040/414 097 11 E-Mail: <zeitschrift@mittelweg36.de>

Im vergangenen Jahrhundert entdeckten die mit der komplizierten Psyche und dem nicht minder schwierigen Verhalten des Menschen befassten Wissenschaften einen Gegenstand, der ihnen zahlreiche neue Forschungsfelder eröffnete: »Die Gruppe«. Ob in deutschen Kindergärten oder in italienischen Autofabriken, ob im britischen Militär oder in der kalifornischen Gegenkultur – über mehrere Jahrzehnte hinweg behauptete sich die Gruppe als eine der einflussreichsten sozialen Formationen des 20. Jahrhunderts. Mindestens ebenso interessiert wie an der Beantwortung theoretischer Fragen waren die Forscherinnen und Forscher dabei an der Lösung praktischer Probleme, die sie sich von der Konzeption und dem Einsatz unterschiedlichster, vom Stuhlkreis bis zur Gesprächstherapie reichender Formate versprachen. Die gleichermaßen vielfältigen wie folgenreichen Ausprägungen des Gruppenkonzepts nachzuzeichnen und die Komplexität der Disziplinen, Diskurse und Kulturen überschreitenden Bezüge zu erhellen, ist das Ziel der hier versammelten Beiträge »Zur Geschichte und Theorie eines folgenreichen Konzepts«.

Zu Beginn des Heftes führen Hanna Engelmeier, David Kuchenbuch und Timo Luks in die »Epistemologie der Gruppe« ein und geben einen Überblick über Themen und Forschungsperspektiven. Anschließend skizziert Thomas Etzemüller anhand ausgewählter Beispiele aus dem deutschen und dem US-amerikanischen Kontext die Bedeutung des Gruppenkonzepts als »Weltbewältigungsinstrument«. Ihm folgt Timo Luks, der den Zusammenhang von »Gruppe und Betrieb« in den Blick nimmt und in einem länder- wie epochenübergreifenden Abriss unterschiedliche »Sozialwissenschaftliche Zugriffe auf industrielle Produktionsweisen« präsentiert. Sodann zeigt Nora Binder unter dem Titel »Künstliche Fälle«, welche konstitutive Bedeutung Gruppenarbeiten und »Inszenierungen in der Sozialpsychologie Kurt Lewins« zukam. Die Geschichte des Tavistock Institute of Human Relations und seine Rolle bei der Implementierung von Werten wie »Flexibilität, Anpassung und Selbstorganisation« in der neuen Arbeitswelt sind das Thema des Beitrags von Daniel Monninger. Anschließend erörtert Johannes Platz den methodischen Stellenwert, den »Das Gruppenexperiment« für »Die empirischen Studien des Frankfurter Instituts für Sozialforschung« besaß, und schildert die (wissenschafts-)politischen Kontroversen, die aus seiner Anwendung resultierten. Die Überzeugung, dass »Das Ich und das Wir« zusammengehören und einander stärken können, war die Grundlage für das überaus erfolgreiche Format der Gruppentherapie, deren Geschichte der Beitrag von Jens Elberfeld erzählt. Unter Anspielung auf das berühmte Zitat, mit dem Großbritanniens frühere Premierministerin Margaret Thatcher seinerzeit die Existenz der Gesellschaft in Abrede stellte, nimmt Heike Delitz in »There Is No Such Thing …« Stellung »Zur Kritik an Kollektivbegriffen in der Soziologie«. Abschließend beschreibt Gregor Harbusch »Entwürfe des Berliner Architekten Ludwig Leo« und zeigt, wie dieser durch »Verdichtete Räume« das soziale Miteinander von deren Bewohnern zu steuern suchte.

Zu guter Letzt gilt es einen Abschied zu verkünden: Nach annähernd 28 Jahren legt Wolfgang Kraushaar das Amt und die Feder des Chronisten nieder. In seiner letzten »Protest-Chronik« erinnert er an die junge Iranerin Sahar Khodayari, die sich am 2. September 2019 selbst in Brand setzte, als sie erfuhr, dass sie wegen des unerlaubten Besuchs eines Männerfußballspiels zu einer mehrmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt werden sollte.

Inhalt

Hanna Engelmeier / David Kuchenbuch / Timo Luks
Epistemologie der Gruppe. Forschungsperspektiven, 1920–2000 (S. 3)

Thomas Etzemüller
Weltbewältigungsinstrument. Die Gruppe zwischen schwerer und kybernetischer Moderne (S. 22)

Timo Luks
Gruppe und Betrieb. Sozialwissenschaftliche Zugriffe auf industrielle Produktionsweisen, 1920–2000 (S. 44)

Nora Binder
Künstliche Fälle. Inszenierungen in der Sozialpsychologie Kurt Lewins (S. 68)

Daniel Monninger
Flexibilität, Anpassung, Selbstorganisation. Das Tavistock Institute of Human Relations und die Gruppe als therapeutisches Objekt (S. 92)

Johannes Platz
Das Gruppenexperiment. Die empirischen Studien des Frankfurter Instituts für Sozialforschung, 1950–1961 (S. 114)

Jens Elberfeld
Das Ich und das Wir. Gruppentherapie zwischen Sozialisierung der Psyche, Gemeinschaftserfahrung und Regierungstechnik (S. 137)

Heike Delitz
»There Is No Such Thing ...«. Zur Kritik an Kollektivbegriffen in der Soziologie (S. 160)

Gregor Harbusch
Verdichtete Räume. Entwürfe des Berliner Architekten Ludwig Leo (S. 184)

Wolfgang Kraushaar
Aus der Protest-Chronik: 2. September 2019, Teheran (S. 204)

Zitation
Mittelweg 36. Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung 28 (2019), 6. in: H-Soz-Kult, 06.02.2020, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-12234>.
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