Mitteilungen zur Kirchlichen Zeitgeschichte 14 (2020)

Titel
Mitteilungen zur Kirchlichen Zeitgeschichte 14 (2020).


Hrsg. v.
Forschungsstelle für Kirchliche Zeitgeschichte
Heft(e)
14
Erschienen
Umfang
212 S.
Preis
12 Euro zgl. Porto
Herausgeber d. Zeitschrift
Forschungsstelle für Kirchliche Zeitgeschichte
Erscheinungsweise
jährlich
Kontakt
Forschungsstelle für Kirchliche Zeitgeschichte Evangelisch-Theologische Fakultät Geschwister-Scholl-Platz 1 80539 München Tel. 089-2180-2828, -5340 E-Mail: <sekretariat-kiz@evtheol.uni-muenchen.de>; <ccl@evtheol.uni-muenchen.de>

Das vorliegende Heft gibt einen Einblick in die aktuelle Vielfalt der Akteur/innen, Themen und Methoden der Kirchlichen Zeitgeschichte. Es startet mit einem interdisziplinären Beitrag zu einem Thema der 1980er Jahre, ein Jahrzehnt, das nun zunehmend in den Forschungsfokus rückt. Der Historiker Jonathan Spanos und der Jurist Malte Hakemann analysieren gemeinsam die kirchliche und die juristische Debatte um die Asylrelevanz von Folter. Anhand von Quellen zeigen sie die Differenzen in der Wahrnehmung, Bewertung und Argumentation und entwickeln Thesen zu den Ursachen des gescheiterten Dialogs. Dass auch der ostdeutsche Protestantismus nach wie vor ein aktueller Gegenstand der kirchlichen Zeitgeschichtsforschung ist, zeigt der Beitrag von Martin Naumann. Er untersucht das konfliktreiche Staat-Kirche-Verhältnis in der DDR am Beispiel der Auseinandersetzungen im Kontext der EKD-Synode von 1958. Im Mittelpunkt seines Beitrages steht der theologische Oberkonsistorialrat Hans-Joachim Fränkel und die schlesische Landeskirche. Mit der kirchlichen Erinnerungskultur beschäftigt sich die Kirchenhistorikerin Gisa Bauer. Sie beklagt das Fehlen einer deutschen Gedenkkultur im Hinblick auf die „baltischen Märtyrer“ und fragt nach den Gründen hierfür. Im dreißigsten Jahr der Wiedervereinigung thematisiert ein Forum die Rolle der evangelischen Kirche und ihrer Glieder im politischen Umbruch der Jahre 1989/90. Hierzu wurden drei Fragen an acht Vertreterinnen und Vertreter der Theologie und Geschichtswissenschaft gestellt, die selbst diese Ereignisse aus der Nähe oder Ferne erlebt und sich wissenschaftlich mit dem Protestantismus in der DDR beschäftigt haben. Die Variationsbreite der Antworten ist evident – eine spannende Lektüre!

Im Anschluss an den Aufsatzteil werden drei thematisch und methodisch sehr unterschiedliche Forschungsprojekte vorgestellt. Roland Lehmann informiert über Forschungen an der Universität Jena. Dort werden im Projekt „Diskriminierung von Christen in der DDR“ von einem Forschungsteam die Unterdrückungsmechanismen und Repressionsmaßnahmen untersucht, die während der 1960er Jahre gegen Bausoldaten, Totalverweigerer und Jugendliche im Widerstand gegen die Wehrerziehung im Thüringer Raum angewendet wurden. Britta Schröder untersucht anhand archivalischer Quellen und Oral-History-Dokumente in ihrer Dissertation die kirchenpolitischen Positionierungen in den Siegerländer Kirchengemeinden während des Nationalsozialismus und den Umgang damit nach 1945. Sarah Thieme beschäftigt sich in ihrem Habilitationsprojekt mit der „gestaltenden Kraft kirchlicher Akteure in der Deutung und Bewältigung der sozialen und politischen Herausforderungen des urbanen Strukturwandels“ zwischen 1955 und 1995. Für ihren synchronen, transnationalen Vergleich hat sie sich die Städte Manchester und Essen ausgesucht. Den Forschungsberichten folgen Informationen über vier zeithistorische Tagungen. Carlotta Israel berichtet von der bereits eingangs erwähnten Tagung über „Bilanz – Fragen – Perspektiven“ der Kirchlichen Zeitgeschichte und formuliert Nachfragen. Über eine unter großer Beteiligung und mit viel öffentlicher Resonanz auf der Wartburg durchgeführte Tagung zum Eisenacher ‚Entjudungsinstitut‘ und seiner Nachgeschichte schreibt Daniel H. Meyer. Felix Stütz berichtet von der Auftaktveranstaltung einer für drei Jahre am Lehrstuhl für Praktische Theologie an der Universität Leipzig eingerichteten Forschungsstelle zur „Kirchliche[n] Praxis in der DDR. Kirche (sein) in Diktatur und Minderheit“. Dem Agieren des Gustav-Adolf-Vereins während der NS-Herrschaft widmete sich eine Tagung im November 2019 in Leipzig, deren Verlauf Filip Lipiński skizziert.

Den Abschluss des Heftes bilden Nachrichten über zeithistorische Publikationen und Tagungen verschiedener Einrichtungen. Damit soll der Informationsfluss über Aktivitäten auf regionaler und nationaler Ebene gewährleistet und zu Kooperationen angeregt werden.

INHALT

Aufsätze

Der Protestantismus und die Debatte um die Asylrelevanz von Folter in den 1980er Jahren
Jonathan Spanos / Malte Hakemann

„Das ist Terror, der auf uns Synodale ausgeübt wird.“ Die Synode der EKD von 1958 und ihre Wirkung auf die Schlesische Landeskirche
Martin Naumann

Prinzipien und Funktionsweise von Erinnerungskulturen: 100 Jahre (Nicht-)Gedenken an die „baltischen Märtyrer“
Gisa Bauer

Forum: Die Rolle der Kirchen im Umbruch von 1989/90 in Forschung und Erinnerung

Zur Einführung
Claudia Lepp

Mit Beiträgen von
Hagen Findeis, Klaus Fitschen, Christian Halbrock, Michael Haspel, Katharina Kunter, Gerhard Lindemann, Andreas Stegmann, Ellen Ueberschär

Forschungsberichte

Diskriminierung von Christen in der DDR. Dargestellt am Beispiel von Bausoldaten, Totalverweigerern und Jugendlichen im Widerstand gegen die Wehrerziehung in den 1960er Jahren mit Schwerpunkt Thüringer Raum
Roland M. Lehmann

Evangelische Kirche im Nationalsozialismus. Eine Studie zu Siegerländer Kirchengemeinden anhand archivalischer Quellen und Oral-history-Dokumenten
Britta Schröder

Kirchliche Akteure vor den Herausforderungen des urbanen Strukturwandels 1955–1995: Manchester und Essen im Vergleich
Sarah Thieme

Tagungsberichte

Kirchliche Zeitgeschichte. Bilanz – Fragen – Perspektiven
Carlotta Israel

Das Eisenacher ‚Entjudungsinstitut‘. Kirche und Antisemitismus in der NS-Zeit
Daniel H. Meyer

Kirchliche Praxis in der DDR. Kirche (sein) in Diktatur und Minderheit
Felix Stütz

Der Gustav-Adolf-Verein (GAV) im Nationalsozialismus
Filip Lipiński

Nachrichten

Nachrichten aus der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kirchliche Zeitgeschichte
Nachrichten aus Kirchengeschichtlichen Vereinigungen

Zitation
Mitteilungen zur Kirchlichen Zeitgeschichte 14 (2020). in: H-Soz-Kult, 25.06.2020, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-12464>.
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