Blätter für deutsche und internationale Politik 65 (2020), 10

Titel
Blätter für deutsche und internationale Politik 65 (2020), 10.


Hrsg. v.
Blätter Verlagsgesellschaft mbH Herausgeberkreis: Katajun Amirpur, Seyla Benhabib, Norman Birnbaum, Peter Bofinger, Ulrich Brand, Micha Brumlik, Dan Diner, Jürgen Habermas, Detlef Hensche, Rudolf Hickel, Claus Leggewie, Ingeborg Maus, Klaus Naumann, Jens G. Reich, Rainer Rilling, Irene Runge, Saskia Sassen, Karen Schönwälder, Friedrich Schorlemmer, Gerhard Stuby, Hans-Jürgen Urban und Rosemarie Will
Heft(e)
10
Erschienen
Berlin 2020: Blätter Verlag
Umfang
128 S.
Preis
Jahresabo 84,60 Euro, ermäßigt 67,20 Euro, Auslandszuschläge auf Anfrage, Einzelheft 10 Euro (zzgl. Versand)
Herausgeber d. Zeitschrift
Blätter Verlagsgesellschaft mbH Herausgeberkreis: Katajun Amirpur, Seyla Benhabib, Norman Birnbaum, Peter Bofinger, Ulrich Brand, Micha Brumlik, Dan Diner, Jürgen Habermas, Detlef Hensche, Rudolf Hickel, Claus Leggewie, Ingeborg Maus, Klaus Naumann, Jens G. Reich, Rainer Rilling, Irene Runge, Saskia Sassen, Karen Schönwälder, Friedrich Schorlemmer, Gerhard Stuby, Hans-Jürgen Urban und Rosemarie Will
Erscheinungsweise
monatlich
Kontakt
Blätter-Redaktion Berlin Albrecht von Lucke, Annett Mängel, Dr. Albert Scharenberg Torstraße 178 10115 Berlin Tel. 030/3088 3640 Fax 030/3088 3645

Liebe Leserinnen und Leser,

Die Oktober-Ausgabe der „Blätter für deutsche und internationale Politik“ erscheint am 30. September 2020.

In ihr zeigt der Anthropologe Wade Davis, wie die Corona-Pandemie die inneren Widersprüche der USA schonungslos offenlegt – und ihren Niedergang als Weltmacht beschleunigt. Der Historiker Bernd Greiner porträtiert den einstigen US-Chefstrategen Henry Kissinger: als Exempel für einen skrupellosen Intellekt im Dienst absoluter Macht. Der Schriftsteller Zafer Senocak fordert nichts Weniger als einen Richtungswechsel in der deutschen Außenpolitik – hin zu einer Politik, die endlich Verantwortung für den Kolonialismus übernimmt. Die Schriftstellerin Dina Nayeri beschreibt, wie ihre Fluchterfahrung ihre Identität bis heute prägt und sie sich als Migrantin täglich aufs Neue beweisen muss. Und der »Blätter«-Mitherausgeber Rudolf Hickel plädiert für soziale Gerechtigkeit bei der Begleichung der Corona-Schulden.

Weitere Themen im Oktober: 30 Jahre Einheit: Die entzweite Republik, Corona-Impfstoff: Speed schlägt Sicherheit, Dominanzkultur und Gewalt: Das strukturelle Problem der Polizei, Belarus: Aufstand gegen den »Batka«, Russland: Opposition unter Störfeuer, Mali: Putschisten als Hoffnungsträger?, 50 Jahre nach Allende: Aufbruch in ein neues Chile?, Die Klimabewegung nach Corona, Kant versus »Tianxia«: Der Kampf der Weltanschauungen u.v.m.

Mit herzlichen Grüßen

Ihre „Blätter“-Redaktion

www.blaetter.de/aktuelle-ausgabe

Kurzgefasst

Wade Davis: Corona oder: Das klägliche Ende des amerikanischen Traums, S. 53–62
Dank einer kollektiven Anstrengung gelang den USA in den 1940er Jahren eine rasante Modernisierung, die entscheidend zum Sieg über Nazi-Deutschland beitrug. Davon jedoch ist das Land heute weiter entfernt denn je, so der Anthropologe Wade Davis. Das Coronavirus zwingt die Weltmacht nicht nur in die Knie, sondern deckt schonungslos deren Schwächen auf. Diese sind so grundlegend, dass es mit der Abwahl Donald Trumps allein nicht getan ist: Das Ende der US-Hegemonie wirkt unausweichlich.

Bernd Greiner: Gewalt. Macht. Hegemonie. Zur Aktualität von Henry Kissinger, S. 63–71

Donald Trump steht für den totalen Ausfall der USA als globaler Ordnungsmacht. Allerdings war Ende der 1960er Jahre die Lage durchaus vergleichbar. Der Historiker Bernd Greiner analysiert, wie der damalige US-Chefstratege Henry Kissinger alles seinen und den neoimperialen Ambitionen Präsident Nixons unterordnete und damit bis heute zur Verkörperung eines skrupellosen Intellekts im Dienste möglichst absoluter Macht avancierte.

Zafer Şenocak: Wir und die Anderen. Kolonialismus, Rassismus und die deutsche Außenpolitik, S. 72–80
In den letzten Monaten ist eine hitzige Debatte über Rassismus und Kolonialismus entbrannt. Weit weniger wird jedoch diskutiert, was dies für die deutsche Außenpolitik bedeutet. Der Schriftsteller Zafer Şenocak analysiert die langen Linien des europäischen Rassismus und fordert ein weit stärkeres deutsches Engagement im Dienste einer universalistischen Idealen verpflichteten Friedens-, Sicherheits- und Migrationspolitik.

Micha Brumlik: Der Kampf der Weltanschauungen. China gegen den Westen: Von Kant über »Habeimasi« zu »Tianxia«, S. 81–90
Die Konfrontation der Weltmächte USA und China ist auch eine Konfrontation zweier Philosophien, so der „Blätter“-Mitherausgeber Micha Brumlik. Ein westlicher, die Menschenrechte ins Zentrum stellender Universalismus wird dabei von einem Universalismus der friedlichen Koexistenz unterschiedlicher Systeme herausgefordert. Dessen Kulturrelativismus ist jedoch alles andere als eine vernünftige politische Option – so sehr die aufstrebende Macht China auch darauf drängt.

Dina Nayeri: Flüchtling für immer, S. 91–97
Europa schottet sich gegen Flüchtlinge ab – diese Politik steht selbst nach dem verheerenden Brand im hoffnungslos überfüllten Lager Moria auf Lesbos nicht zur Disposition. Stattdessen wird weiter minutiös geprüft, wer überhaupt Schutz „verdient“. Doch was ist furchtbar genug, damit der Westen sich verantwortlich fühlt, fragt die Schriftstellerin Dina Nayeri, die als Kind aus dem Iran in die USA migrierte. Gerade die Rede vom „Wirtschaftsflüchtling“ diene dazu, das Geburtsrecht der Privilegierten zu schützen.

Ewgeniy Kasakow: Opposition unter Störfeuer. Alexej Nawalny und der zähe Kampf mit dem Kreml, S. 99–104

Die Vergiftung Alexej Nawalnys hat die russische Opposition ins Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit gerückt. Bei den jüngsten Regionalwahlen reichte es jedoch nur für Achtungserfolge. Das resultiert einerseits aus der notorischen Zersplitterung der Putin-Gegner, analysiert der Politikwissenschaftler Ewgeniy Kasakow. Andererseits lässt der Kreml kaum etwas unversucht, um die Opposition zu schwächen. Die Aussichten für die Duma-Wahl im kommenden Jahr sind daher düster.

Rudolf Hickel: Die Kosten der Coronakrise: Wer begleicht die Rechnung?, S. 105–112
Die Corona-Pandemie hat quasi über Nacht einen fundamentalen Paradigmenwechsel in der öffentlichen Haushaltspolitik erzwungen: die Abkehr vom Dogma eines Staats ohne Neuverschuldung. Genau das aber war hochgradig rational und sollte mittelfristig beibehalten werden, so der Ökonom und „Blätter“-Mitherausgeber Rudolf Hickel. Statt schnell zur Schwarzen Null zurückzukehren, komme es nun darauf an, die Begleichung der Corona-Rechnung sozial gerecht zu gestalten.

Ulrich Brand: Freiheit statt Egoismus: Die Klimabewegung nach Corona, S. 113–120
Coronavirus und Lockdowns haben die Klimabewegung vorerst ausgebremst. Gleichzeitig aber bietet die jüngste Krise auch den Aktivisten eine Gelegenheit für die nötigen Zukunftsdebatten. Entscheidend dabei ist, so der Politikwissenschaftler und „Blätter“-Mitherausgeber Ulrich Brand, ein anderes Verständnis von Freiheit zu stärken: An die Stelle einer bloßen Freiheit der Konsumenten müsse eine Freiheit in gesellschaftlicher Verantwortung treten – im Sinne des Klimas und einer solidarischen Gesellschaft.

Inhaltsverzeichnis

KOMMENTARE

30 Jahre Einheit: Die entzweite Republik von Albrecht von Lucke, S. 5

Corona-Impfstoff: Speed schlägt Sicherheit von Ulrike Baureithel, S. 9

Dominanzkultur und Gewalt: Das strukturelle Problem der Polizei von Rafael Behr, S. 13

Belarus: Aufstand gegen den »Batka« von Silvia Stöber, S. 17

Sinn Féin: Von der Guerilla in die Regierung von Dieter Reinisch, S. 21

Shinzo Abes langer Schatten von Siegfried Knittel, S. 25

Libanon: Proporzdemokratie am Ende? von Mayssoun Zein Al Din, S. 29

Mali: Putschisten als Hoffnungsträger? von Charlotte Wiedemann, S. 33

50 Jahre nach Allende: Aufbruch in ein neues Chile? von Sophia Boddenberg, S. 37

Nach Morales: Bolivianische Restauration? von Jonas Wolff, S. 41

DEBATTE

75 Jahre UNO: »Gegen den Wind des Wahnsinns in der Welt« von Jürgen Reifenberger, S. 45

IN MEMORIAM

Ein großer Freund und mehr als ein Jurist von Norman Paech, S. 49

ANALYSEN UND ALTERNATIVEN

Corona oder: Das klägliche Ende des amerikanischen Traums von Wade Davis, S. 53

Gewalt. Macht. Hegemonie. Zur Aktualität von Henry Kissinger von Bernd Greiner, S. 63

Wir und die Anderen. Kolonialismus, Rassismus und die deutsche Außenpolitik von Zafer Şenocak, S. 72

Der Kampf der Weltanschauungen. China gegen den Westen: Von Kant über »Habeimasi« zu »Tianxia« von Micha Brumlik, S. 81

Flüchtling für immer von Dina Nayeri, S. 91

Opposition unter Störfeuer. Alexej Nawalny und der zähe Kampf mit dem Kreml von Ewgeniy Kasakow, S. 99

Die Kosten der Coronakrise: Wer begleicht die Rechnung? Von Rudolf Hickel, S. 105

Freiheit statt Egoismus: Die Klimabewegung nach Corona von Ulrich Brand, S. 113

AUFGESPIESST

Preußens rote Socken von Sebastian Blottner, S. 98

BUCH DES MONATS

Die schäbigste Waffe von allen von Antje Schrupp, S. 121

EXTRAS

Kurzgefasst, S. 51

Dokumente, S. 124

Chronik des Monats August 2020, S. 125

Zurückgeblättert, S. 128

Impressum und Autoren, S. 128

Zitation
Blätter für deutsche und internationale Politik 65 (2020), 10. in: H-Soz-Kult, 29.09.2020, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-12650>.
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Veröffentlicht am
29.09.2020
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