Comparativ, Heft 4/1996

Titel
Comparativ, Heft 4/1996.
Weitere Titelangaben
Gesellschaft nach der Vollbeschäftigung


Hrsg. v.
Frank Geißler und Georg Vobruba
Heft(e)
4
Erschienen
Herausgeber d. Zeitschrift
herausgegeben von Matthias Middell (Global and European Studies Institute, Universität Leipzig) und Hannes Siegrist (Institut für Kulturwissenschaften, Universität Leipzig) im Auftrag der Karl-Lamprecht-Gesellschaft e.V./ European Network in Universal and Global History
Erscheinungsweise
Erscheint fünfmal jährlich (mit einem Doppelheft) im Umfang von je ~140 Seiten.
Kontakt
Redaktion Comparativ Adresse: Universität Leipzig, Global and European Studies Institute Emil-Fuchs-Straße 1 D - 04105 Leipzig Telefon: +49 341 97 37 860 Fax: +49 341 960 52 61

Inhaltsverzeichnis

Editorial (Frank Geissler) (S. VIII-XII)

Aufsaetze

Erst die Arbeit - und dann? Widersprueche der gesellschaftlichen Organisation von Arbeit in autoritaeren und totalitaeren Regimen (Stephan Lessenich) (S. 1-24)

Income Mixes. Eine Spekulation ueber die langfristige Entwicklung materieller Existenzsicherheit (Georg Vobruba) (S. 25-37)

Von der Geschichtsteleologie zur Teleologie der Wohlfahrtspolitik. Kritik einer gesellschaftspolitischen Konzeption (Hajo Riese) (S. 38-49)

Garantiertes Grundeinkommen: Sozialpolitik nach der Vollbeschaeftigung (Roswitha Pioch) (S. 50-72)

Geschlechterordnungen auf dem Arbeitsmarkt. Erwerbstaetigkeit als Regulierungsform des Geschlechterverhaeltnisses (Sabine Lang) (S. 73-96)

Informalitaet als Normalitaet - Anmerkungen zu einem vernachlaessigten Thema (Robert Kappel) (S. 97-119)

Umweltpolitik im Transformationsprozess. Interessenkonflikte und politische Chancenstruktur bei der Gestaltung und Umsetzung der polnischen Umweltpolitik (Kerstin Tews) (S. 120-145)

Forum

"Demokratien und totalitaere Systeme" - das Zeitalter der Weltkriege aus christentumsgeschichtlicher Perspektive (Markus Huttner) (S. 146-201)

Buchbesprechungen (S. 202-229)

Diether Doering/Frank Nullmeier, Roswitha Pioch und Georg Vobruba (Hrsg.), Gerechtigkeit im Wohlfahrtsstaat, Marburg 1995 (Peter Bleses)

Bruno Kaltenborn, Modelle der Grundsicherung. Ein systematischer Vergleich, Baden-Baden 1995 (Britta Matthes)

Jeremy Rifkin, Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft, Frankfurt a. M. 1995 (Simone Klotzbach)

Winfried Schmaehl/Herbert Rische (Hrsg.), Internationalisierung von Wirtschaft und Politik - Handlungsspielraeume nationaler Sozialpolitik, Baden-Baden 1995 (Georg Vobraba)

Werner Meissner, China zwischen nationalem "Sonderweg" und universaler Modernisierung. Zur Rezeption westlichen Denkens in China, Muenchen 1994 (Roland Felber)

Vincent Duclert, Die Dreyfus-Affaere. Militaerwahn, Republikfeindschaft, Judenhass, Berlin 1994 (Eckhardt Fuchs/Guenther Fuchs)

Eckhardt Fuchs/Guenther Fuchs, "J'accuse!". Zur Affaere Dreyfus, Mainz 1994 (Hans-Martin Moderow)

Kim Voss, The Making of American Exceptionalism. The Knights of Labor and Class Formation in the Nineteenth Century. Ithaca 1993 (Joerg Roessel)

Etienne Francois/Hannes Siegrist/Jakob Vogel (Hrsg.), Nation und Emotion. Deutschland und Frankreich im Vergleich. 19. und 20. Jahrhundert, Goettingen 1995 (Hans-Juergen Luesebrink)

Wulf Wuelfing/Karin Bruns/Rolf Parr, Historische Mythologie der Deutschen. 1798- 1918, Muenchen 1991 (Hans-Juergen Luesebrink)

Michael Dreyer/Oliver Lembcke, Die deutsche Diskussion um die Kriegsschuldfrage 1918/19, Berlin 1993 (Werner Bramke)

Leonore Siegele-Wenschkewitz/Carsten Nicolaisen (Hrsg.), Theologische Fakultaeten im Nationalsozialismus, Goettingen 1993 (Joachim Bleyl)

Verzeichnis der Autorinnen und Autoren (S. 233-234)

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Editorial

Eine daenische Fachzeitschrift fuer Gefaengniswaerter berichtete unlaengst, dass ein in Kopenhagen gefasster Dieb mit seiner Verurteilung nicht einverstanden war. Der osteuropaeische Asylbewerber forderte vor Gericht eine hoehere Strafe. Statt der 40 Tage, zu denen ihn das Gericht verurteilte, wollte er mindestens 60 Tage hinter Gitter bleiben. Zur Begruendung gab er an, dass ihn in seiner Zelle eine Menge Arbeit erwarte, schliesslich wolle er die Haftstrafe bei freier Kost und Logis nutzen, um woechentlich bis zu umgerechnet 250 Mark zu verdienen. (1) Neuere Zahlen aus dem Arbeitsmarktbericht 1996/97 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) scheinen dem mit bislang ungewoehnlichen Mitteln Arbeitssuchenden Recht zu geben: Nahezu eine Milliarde Menschen, also ein Drittel der gesamten erwerbsfaehigen Weltbevoelkerung, sind ohne Erwerbsarbeit. Selbst in den reichsten Industriestaaten der Welt, den OECD-Laendern, sind dabei nicht weniger als 34 Millionen Menschen ohne Job. Nur in der Erwerbsarbeit verwirkliche sich der Mensch, so lautet eine weithin geteilte Vorstellung, fuer die Vollbeschaeftigung bzw. die Verwirklichung eines Rechts auf Arbeit nach wie vor der letzte Sinn von Politik bleibt, die es gegen die "Gier des Marktes"(2) und "Das Ende der Arbeit" (3) zu verteidigen gelte. Dabei scheinen sich diese und andere Entwuerfe an der Vorstellung auszurichten, dass es ausserhalb der Arbeitsgesellschaft keine Gesellschaft gebe. Insbesondere das soziale Ordnungsmodell westlicher Industriegesellschaften, und nicht nur die Idee einer sozialen Marktwirtschaft in Gestalt der Bundesrepublik, inkorporierte diese Vorstellung eines auf Vollbeschaeftigung beruhenden Modells und machte sie zur tragenden Saeule des Moralhaushalts des Systems: Wer arm ist, kann oder will nicht arbeiten. Wer hingegen arbeiten will und kann, findet Arbeit und kann an den Fruechten oekonomischer Entwicklung teilhaben. Dementsprechend wird die Teilhabe an den verschieden ausgepraegten sozialen Sicherungssystemen mehr oder weniger eng an den Arbeitsmarkt gebunden: Wer am System sozialer Sicherung teilhaben will, kann und muss deren Hoehe von seinem vormaligen Erwerbseinkommen ableiten. Wer also vorsorgen will, Erwerbsarbeit jedoch nicht in Aussicht hat, muss, so scheint es in der Logik des oben geschilderten Falls zu liegen, seine Ansprueche eben im Gefaengnis erwerben. Was hier als fixe Idee erscheint, stiftete jedoch im "rheinischen" Kapitalismus (4) einen erstaunlich stabilen Korpsgeist: Arbeitgebende und Arbeitnehmende verhandelten - in relativer Eintracht - die Regelung der Arbeitsbedingungen, wobei sie das alte Konfliktmodell von Arbeit und Kapital korporatistisch verwaesserten. Konfliktmodell? Das Ende dieses Modells schien gekommen, zumindest wenn man der deutschen Sozialwissenschaft Glauben schenkte, die das Ende der traditionellen Konfliktparteien und -linien in jenen Jahren durch wohlstandssteigernde Fahrstuhleffekte gekommen sah, in deren Folge sich die atomisierten Individuen statt in den alten sozialen Grossgruppen nunmehr in Erlebnismilieus zu tummeln begannen. Wie schallend wurde ueber diese Thesen gelacht, als in der Standort-Deutschland-Debatte das alles dann doch nicht half, die Raffgier der Reichen und die Ohnmacht der Armen in einem Buendnis fuer Arbeit zu kaschieren. Vergleicht man die deutsche Entwicklung mit Taiwan oder Singapur (mehr Fleiss), mit Somalia (mehr Bescheidenheit) oder gar Liechtenstein (mehr steuerliche Selbstverwirklichung fuer Besserverdienende), dann scheinen fuer deutsche Arbeitsbedingungen tatsaechlich harte und von einem Arbeitsbuendnis nur schwerlich abzufedernde Zeiten angebrochen zu sein. Wenn die Moeglichkeit der Vollbeschaeftigung dabei aufgrund technologischer Innovationen, flexibler Spezialisierung und nationale Handlungsspielraeume einengender Globalisierung in eine noch weitere Ferne verschwindet, als dies ohnehin der Fall gewesen waere, mithin Armut als Problem nicht mehr durch Erwerbsarbeit geloest werden kann, geraet die Erwerbsarbeitsgesellschaft ins Wanken. Damit loesen sich die lange Zeit fuer unabdingbar gehaltenen Saeulen des Kapitalismus - Wachstum und Vollbeschaeftigung - auf, ohne neue Gewissheiten an ihre Stelle treten zu lassen. Wurden frueher in einem Wirtschaftssektor Arbeitskraefte durch technologisch-industrielle Innovationen freigesetzt, fanden sich stets andere Sektoren, in denen die Betroffenen neue Arbeitsplaetze fanden. Inzwischen verschwinden Millionen von Arbeitsplaetzen jedoch in allen Wirtschaftsbereichen. Ausgenommen davon sind lediglich die kosmopolitischen "Symbolanalytiker" (Robert Reich), die die Entwicklung neuer Technologien und Produktionskonzepte betreiben - eine verschwindend kleine Elite in einer Wirtschaft, in der die Ungleichgewichte schnell anwachsen. Inzwischen wird in ernstzunehmenden Prognosen auch nicht mehr von einer Zwei-Drittel-Gesellschaft gesprochen, vielmehr erscheint eine "Zwanzig-zu-achtzig-Gesellschaft" in der Perspektive des Moeglichen. Offensichtlich erweist sich die historische Moeglichkeit der Vollbeschaeftigung als in der Geschichte des Kapitalismus empirisch nachweisbarer kurzer Moment einer ansonsten (vorher und nachher) ganz anders aussehenden gesellschaftlichen Realitaet. Schon heute koennen sich Arbeitssuchende nicht mehr auf Haftanstalten als Inseln 'sicherer' Vollbeschaeftigung in einer 'Zivilisation der Arbeitslosigkeit' verlassen. So beklagte der Leiter einer bayerischen Haftanstalt, dass bereits 50 Prozent der Haeftlinge ohne Beschaeftigung seien. Diese Situation, so faehrt er fort, sei Anlass zur Beunruhigung, denn schliesslich sei gewiss: "Ohne Arbeit treiben die nur Unsinn." (5) Dieser 'Unsinn' hat jedoch auch bei den ausserhalb der Gefaengnismauern freigesetzten Arbeitsuchenden Konsequenzen: Fragen der Machtverteilung und demokratischen Stabilitaet stellen sich anders als in den Vollbeschaeftigungsgesellschaften. Wer sich bislang von der Marktwirtschaft ausgeschlossen fuehlte, sah im Staat eine um Ausgleich bemuehte Kraft, die den Anstieg von Disparitaeten mit auf wirtschaftliche Ausgewogenheit hin angelegten Programmen zu begegnen versuchte. Dem Staat fiel damit die Aufgabe zu, in den Markt zugunsten jener einzugreifen, die mit der Marktwirtschaft nicht mithielten. Auch nach der Vollbeschaeftigung erweist sich ein wohlfahrtsstaatlich initiierter Ausgleich als unabdingbar, um die durch den Markt hervorgebrachten oekonomischen Ungleichheiten gesellschaftlich tragfaehig zu gestalten und sozial integrative Bindungen zu erzeugen. Wo dies nicht geschieht, laesst sich ueber die Zukunft der Verbindung von Kapitalismus und Demokratie keine Gewissheit verbreiten. Allerdings wirkt der Integrator Staat als Beschaffer von Arbeit gegenueber der Struktur gewordenen Arbeitslosigkeit ueberfordert, zumal der voranschreitende volkswirtschaftliche Souveraenitaetsverlust des Staates dafuer wenig Moeglichkeiten bietet (6). Andere Techniken einer politischen Integration erweisen sich als notwendig, um die vom Verlust ihrer Sozialitaet bedrohten Gruppen der zerfallenden Arbeitsgesellschaften davon abzuhalten 'Unsinn' zu treiben: hierin liegt eine durch den Markt nicht substituierbare Aufgabe. Der Heftschwerpunkt Gesellschaft nach der Vollbeschaeftigung fragt nach den Konsequenzen der sich wandelnden Bedeutung von Arbeit als strukturierendem Prinzip fuer die Organisation der Gesellschaft. Die Beitraege in diesem Heft stellen sich aus verschiedenen Blickwinkeln dieser Frage. So greift Stephan Lessenichs Beitrag - am Beispiel der Rolle von Arbeit in autoritaeren und totalitaeren Regimen - ein fuer die Analyse moderner Gesellschaften zentrales Thema auf, indem er die unterschiedlichen institutionellen Gestalten von Arbeit funktional vergleichend betrachtet. Abhaengige Erwerbsarbeit als zentrale gesellschaftliche Normalitaet sozialistischer Zentralverwaltungswirtschaften und kapitalistischer Marktwirtschaften kennzeichnete den historisch vergangenen Augenblick der Vollbeschaeftigungsgesellschaft, die, so stellt Georg Vobruba heraus, sich von den Anfaengen der Industrialisierung bis in die Mitte des 20. Jhds. als Geldgesellschaft durchsetzte. Die Historisierung lohnarbeitszentrierter Einkommensquellen ermoeglicht ihm eine Problematisierung der Zukunft von Existenzsicherung als Frage nach der Entwicklung von income mixes. Dabei eroeffnen sich paradoxerweise "Modernitaets"-Ressourcen osteuropaeischer Transformationsgesellschaften, in denen erhebliche kulturelle Erfahrungen mit der Existenzsicherung aus unterschiedlichen Quellen vorhanden sind. Hajo Rieses Aufsatz greift ein Thema auf, dem als Schwachstelle sozialdemokratischer Politik bislang erstaunlich wenig Aufmerksamkeit entgegengebracht wird. Riese zeigt, dass Effizienz, Flexibilitaet, Produktivitaet und Wettbewerbsfaehigkeit als Paradigma "moderner Wirtschaftspolitik" (Gerhard Schroeder) nicht ohne neue Formen des sozialen Ausschlusses zu haben sind, die wiederum dem sozialdemokratischen Politikmodell selbst das Wasser abgraben. In dem Masse, wie sich eine Revitalisierung alter Konfliktlinien oder eine Neuordnung des gesellschaftlichen Umgangs mit dem Verschwinden der Massenerwerbsarbeit als alternative Entwicklungspfade herausstellen, erweist sich die Loesung der sozialen Sicherungssysteme von ihrer engen Bindung an die Lohnarbeit als zentrales Problem. Roswitha Pioch untersucht die Durchsetzungschancen fuer eine vom Arbeitsmarkt unabhaengige, staatlich garantierte Grundsicherung als Voraussetzung gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse anhand aktueller Kontroversen um die Zukunft der Sozialpolitik in Europa. Der Abschied von der Vollbeschaeftigung bringt fuer die Erwerbssituation von Frauen zweifellos neue Spannungen und Segmentierungsprozesse mit sich. Ob sich Freiheitsgewinne angesichts rigider Umverteilungsprozesse und Verteilungskaempfe verteidigen und ausbauen lassen, ist Gegenstand des Artikels von Sabine Lang. Welche Perspektiven fuer einen Abbau von Geschlechterordnungen durch eine feministische Arbeitspolitik bestehen, in welchem Masse sich also der Ausgang aus dem alten System demokratisch gestalten laesst, scheint gegenwaertig unsicherer als je zuvor. Die Sicherung der Lebensverhaeltnisse durch Erwerbsarbeit mit geregeltem Einkommen geraet ins Wanken, so lautet das Fazit einer in westlichen Industriegesellschaften gefuehrten und unterschiedlich intonierten Diskussion. Segmentierungsprozesse fuehren einerseits zur Entstehung einer weltweit vernetzten "World Class" und zu desozialisierender Marginalisierung andererseits. Rosabeth Moss Kanther von der Harvard Business School beobachtet in ihrem juengsten Buch (7) den Verfall amerikanischer Staedte und fragt sich angesichts der im chromverglasten Jakarta aus dem Boden spriessenden Golfclubs, wo denn die Dritte Welt geblieben sei. Und tatsaechlich kommt diese in der vornehmlich amerikanischen und westeuropaeischen Rede ueber die juengste Krise "unserer" Zivilisation kaum vor. Die Gruende dafuer liegen wohl darin, dass "bei uns" etwas ins Wanken geraet, was in der Dritten Welt gar nicht ins Wanken kommen kann. Wohlfahrtsstaaten westlich-demokratischer Provenienz mit ausgepraegten sozialen Sicherungssystemen und hinreichend komfortablen Lebensverhaeltnissen fuer die Mehrheit der Bevoelkerung haben dort noch nie bestanden. Robert Kappel macht dabei auf den bislang vernachlaessigten Aspekt der Existenzsicherung aus verschiedenen und nicht geregelten informellen Einkommen als (afrikanische) Normalitaet aufmerksam. Der fliessende UEbergang von Informalitaet und Normalitaet beim UEberleben in afrikanischen Staaten kann als Ausblick auf die andere Seite der "World Class" gesehen werden. "World Underclass" eben; die Wirtschaft kann ohne ihren Beitrag wachsen und ist deshalb bislang kein Thema an den diversen Business Schools. Den Bogen zurueck zu den bereits thematisierten Modernisierungschancen gegenwaertiger Umbrueche schlaegt Kerstin Tews' Studie, die die Chancen einer oekologischen Modernisierung am Beispiel der polnischen Umweltpolitik untersucht. Empiriegesaettigt kommen dabei innerpolnische Interessenkonflikte in den Blick, wobei es letztendlich doch von der "eigennuetzigen Hilfe" (Georg Vobruba) der EU abhaengen wird, die oekologische Konditionierung der Beitrittsoption zu operationalisieren, was ohne staerkeres Eingehen auf innerpolnische Ressourcen, Potentiale und Akteure schwerlich gelingen kann. Freilich waere eine solche eigennuetzige Hilfe zugleich ein Beispiel einer zwingend notwendigen "neuen Solidaritaet", die auch in den noch immer reichen Laendern des Westens beim bevorstehenden Ausstieg aus den auf die Moeglichkeit der Vollbeschaeftigung hin angelegten Institutionensystemen Schule machen koennte.

Frank Geissler

Anmerkungen:

(1) Sueddeutsche Zeitung, 7. Oktober 1994.

(2) C. Koch, Die Gier des Marktes. Die Ohnmacht des Staates im Kampf der Weltwirtschaft, Muenchen 1995.

(3) J. Rifkin, Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft, Frankfurt a. M. 1995.

(4) M. Albert, Kapitalismus contra Kapitalismus, Frankfurt a. M. 1992.

(5) Leipziger Volkszeitung, 23./24. November 1996.

(6) R. Rosecrance, The Virtual State, in: Foreign Affairs 75, 1996. Nr. 4, S. 45-61.

(7) R. M. Kanther, World Class. Thriving Locally in the Global Economy, New York 1995.

Zitation
Comparativ, Heft 4/1996. in: H-Soz-Kult, 07.02.2003, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-137>.
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07.02.2003
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