Berliner Debatte Initial 16 (2005) 4

Titel
Berliner Debatte Initial 16 (2005) 4.
Weitere Titelangaben
Deutschlands Schule


Hrsg. v.
GSFP – Gesellschaft für sozialwissenschaftliche Forschung und Publizistik mbH. Im Auftrag des Vereins Berliner Debatte INITIAL e.V.
Heft(e)
4
Erschienen
Berlin 2005: Selbstverlag
Umfang
112 S.
Preis
10,00 €
Herausgeber d. Zeitschrift
Berliner Debatte Initial e.V.
Erscheinungsweise
4 Ausgaben jährlich
Kontakt
Berliner Debatte Initial, PF 580254, 10412 Berlin, Tel.: (+49-331) 977 4540, Fax: (+49-331) 977 4696, E-Mail: redaktion@berlinerdebatte.de; Redaktion: Ulrich Busch, Erhard Crome, Wolf-Dietrich Junghanns, Raj Kollmorgen, Thomas Möbius, Thomas Müller (verantwortlicher Redakteur), Gregor Ritschel, Robert Stock, Matthias Weinhold, Johanna Wischner. Redaktionelle Mitarbeit: Adrian Klein, Benjamin Sonntag.

Editorial

Wir alle sind, jeder einzelne also ist aufgefordert, von tradierten Vorstellungen und Denkgewohnheiten Abschied zu nehmen, wenn das Projekt einer erneuerten Schulpolitik und Bildungsstrategie gelingen soll. – In diesem Sinne jedenfalls interpretiert Bernd Zymek den aufrüttelnden Gestus der Programmschrift „Bildung neu denken“, die im Auftrage der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft verfaßt wurde. Diese Schrift, die eine volkspädagogische Offensive für das Idealbild des „unternehmerischen Menschen“ anstrebt, bestimmt Bildung als „wichtigsten Rohstoff der Wirtschaft“. Wiewohl Interventionen des Staates weitgehend begrenzt werden sollen, stehen am Ende des Forderungskatalogs mehr staatliche Eingriffe, als ehedem praktiziert wurden. – Zu erwarten ist, daß die Diskurslinie einer deutlichen Ökonomisierung der Bildung, gebunden an die ausgreifende Option, Sozialpolitik weitgehend durch Bildungspolitik zu ersetzen, künftig noch stärker von sich reden machen wird.

Der neue Mainstream instrumenteller Verengung des Bildungsbegriffs bei weitgehender Herabsetzung kultureller und emanzipatorischer Komponenten mag auch eine Erklärung bieten, weshalb das eigentlich relevante Skandalon im öffentlichen Diskurs nur marginal wahrgenommen wurde: Wie die PISA-Studien zeigen, ist in fast keinem anderen Land die Chancenungleichheit so stark ausgeprägt wie an deutschen Schulen mit ihrem „alten Zopf“, dem dreigliedrigen Schulsystem, das bislang von keiner Fraktion der politischen Klasse ernsthaft in Frage gestellt wurde. – Milieutheoretisch fundiert und in zeitgeschichtlicher Perspektive befaßt sich Michael Vester mit Paradoxien sozialer Bildungsbeteiligung in Deutschland und den distinkten Kämpfen sozialer Milieus um Deutungsmacht und Hegemonie.

Deutsche Schulen als „Brennpunkte“ sozialen Wandels haben in den vergangenen Jahren auch durch eine Reihe spektakulärer Gewaltakte öffentliches Aufsehen erregt. – Einen materialreichen, systematisierten Überblick über Forschungen zu Formen und sozialen Hintergründen der Gewalt an Schulen im vergangenen Jahrzehnt vermittelt der Beitrag von Ulrike Popp.

Vor besonderen Herausforderungen stehen Schulen in strukturschwachen Räumen und Regionen mit schrumpfender Bevölkerung und sinkenden Einnahmen der Kommunen. Möglichkeiten und „Grenzen“ regionaler Schulentwicklung diskutiert Jörg Nicht am Beispiel innovativer Schulprojekte in einer sächsischen Grenzregion. Als schulrechtliches und schulorganisatorisches Hindernis erweist sich dabei noch immer die nationale Grenze.

Mit dem Beitrag von Adalbert Evers schließt sich der Kreis: Im Rahmen eines zukunftsorientierten Schulkonzepts erfährt das unternehmerische Handlungsparadigma eine überraschende Wendung: Die Profilierung öffentlicher Schulen als „soziale Unternehmen“ bezieht sich auf die Vermittlung von Chancengleichheit und Vielfalt schulischer wie außerschulischer Lehr- und Lernangebote; auf mehr Selbständigkeit und Autonomie sowie die lebendige Öffnung von Schulen, insbesondere zu wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren des lokalen Umfeldes.

Rudolf Woderich

Deutschlands Schule

– Zusammengestellt von Rudolf Woderich und Thomas Müller –

Editorial 2

Bernd Zymek
Was bedeutet „Ökonomisierung
der Bildung“?
Analyse des Gutachtens der Vereinigung
der Bayerischen Wirtschaft „Bildung
neu denken! Das Zukunftsprojekt“ 3

Michael Vester
Die geteilte Bildungsexpansion.
Ständische Kanalisierung
der Bildungschancen in der BRD 14

Ulrike Popp
Wächst die Gewalt an Schulen?
Außerschulische und
innerschulische Risikofaktoren 29

Jörg Nicht
Schulentwicklung an der Grenze.
Regionale Anpassungsprobleme
im sächsischen Schulsystem 41

Adalbert Evers
Schule als soziales Unternehmen 53

Hartwig Schmidt
Der Nichtnazi.
Über Alain de Benoist
und das Manifest der Nouvelle Droite 66

Klaus Schlichte
Gibt es überhaupt „Staatszerfall“?
Anmerkungen zu einer
ausufernden Debatte 74

Roland Benedikter
Drache gegen Sonne.
China, Japan und der pazifische Raum 85

Nicole Dörr
Sprache ist nicht das Problem.
Die Sozialforen als Testfall für eine
zukünftige europäische Öffentlichkeit 93

Rezensionen und Besprechungen

Birgit Schwelling (Hg.):
Politikwissenschaft
als Kulturwissenschaft
Rezensiert von Thilo Raufer 106

Manfred Hettling,
Bernd Ulrich (Hg.):
Bürgertum nach 1945
Rezensiert von Peter Fischer 109

Zitation
Berliner Debatte Initial 16 (2005) 4. in: H-Soz-Kult, 01.02.2006, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-2560>.
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Redaktion
Veröffentlicht am
01.02.2006
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