Deutschland Archiv 41 (2008), 2

Titel
Deutschland Archiv 41 (2008), 2.
Weitere Titelangaben
40 Jahre "Deutschland Archiv"


Hrsg. v.
W. Bertelsmann Verlag im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn
Heft(e)
2
Erschienen
Bielefeld 2008: W. Bertelsmann Verlag
Umfang
192 S.
Preis
8,00 EUR
Herausgeber d. Zeitschrift
Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, Dr. Hans-Georg Golz (verantwortlich)
Erscheinungsweise
4x im Jahr
Kontakt
]init[ Redaktion Köpenicker Straße 9 10997 Berlin

Zwei Fragen stellte der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, Herbert Wehner, in der ersten Ausgabe der Zeitschrift Deutschland Archiv, im April 1968: »1. Keine Aussicht auf Einheit? 2. Gibt es einen Weg zur Wiedervereinigung Deutschlands?« Auf die erste antwortete er: »Zur Zeit gibt es keine Aussicht«, die zweite bejahte Wehner: »Ja, es gibt einen Weg.« Mit beidem hatte er zweifellos Recht.
40 Jahre später sind die beiden deutschen Staaten wieder vereinigt, und folglich ist das Aufgabenprofil des Deutschland Archivs in den letzten 18 Jahren ein anderes geworden – wenn auch nicht ein gänzlich anderes. So hatte die Redaktion der Vorläufer-Zeitschrift SBZ-Archiv in den Ankündigungen für das neue Blatt, das Deutschland Archiv, Anfang 1968 erklärt, mit diesem neuen Periodikum »den vielfach an uns herangetragenen Wünschen nach umfangreicher und systematischer Information über die DDR gerecht werden und zugleich einen fundierten Beitrag zur Meinungsbildung in der Deutschlandpolitik leisten« zu wollen. (Diesen Vorhaben – das darf man hier bei aller Bescheidenheit sicher sagen – ist die Redak-tion um Ilse Spittmann und Gisela Helwig voll und ganz gerecht geworden.) Die Aufgabe, über die DDR zu informieren, hat an Aktualität nicht eingebüßt, wie beispielsweise Umfragen zum Wissensstand unter Schülerinnen und Schülern zeigen. Und sofern man Deutschlandpolitik heute als das politische Bemühen um die innere Einheit Deutschlands versteht, ist auch diese Aufgabe geblieben.
Gleichwohl sind neue Themen hinzu gekommen, sodass es eines erweiterten Horizonts bedarf, um Fragen der deutschen Entwicklung in Zeitgeschichte und Gegenwart zu betrachten. Diese Aufgaben hat Ilse Spittmann im Heft 1/1991 – dem ersten mit dem neuen Untertitel »Zeitschrift für das vereinigte Deutschland« – benannt, als sie erklärte, der »Prozeß des Zusammenwachsens« halte »eine Fülle neuer Themen bereit, die mit Sachverstand analysiert und diskutiert werden müssen, von dem großen, keineswegs nur die DDR betreffenden Komplex Vergangenheitsbewältigung über die Unzahl praktischer Probleme der Gesellschaftsgestaltung bis zu Fragen der Einordnung in den größeren europäischen Rahmen«.
Natürlich ist das Deutschland Archiv, dessen Gründung in das derzeit viel erinnerte, beschworene und vereinzelt verdammte Epochenjahr 1968 fiel, auch jeweils ein Kind seiner Zeit (gewesen). Konstant geblieben ist neben der Vielzahl von Themen, die nach wie vor der Bearbeitung bedürfen, vor allem die Meinungsvielfalt. Nach dem Fall der Mauer wurde dieses Spektrum noch größer, wirken doch seither endlich auch Forscherinnen und Forscher, Publizistinnen und Publizisten aus der früheren DDR am DA mit. Insofern ist tatsächlich das »Miteinander der Menschen aus Ost und West«, wie Rita Süssmuth vor zehn Jahren im Deutschland Archiv erklärte, »in der Zeitschrift selbst … bereits Wirklichkeit«.
Auf die Geschichte des Deutschland Archivs blicken im vorliegenden Heft Karl Wilhelm Fricke und Erich Loest zurück. Und eine besondere Perspektive auf das DA bietet eine Diplomarbeit aus der Kriminalistik der Ost-Berliner Humboldt-Universität über »Die DDR-Literatur im Zerrspiegel der BRD-Zeitschrift ›Deutschland-Archiv‹«.
Als Forum für Fragen der deutsch-deutschen Zeitgeschichte hat das Deutschland Archiv sich immer wieder mit Problemen der Vergangenheitsaufarbeitung und der Erinnerungskultur befasst. Dieser Themenkomplex bildet auch in der vorliegenden Ausgabe einen Schwerpunkt. Und mit der Suche nach Perspektiven von Aufarbeitungsinstitutionen und Geschichtspolitik in Deutschland wird eine der beiden Fragen Herbert Wehners berührt, die nach dem Weg zur Einheit Deutschlands – das heißt nun: nach dem Weg zur inneren Einheit.

Kommentare
Florian Hartleb: Neue Unübersichtlichkeit. Zu den Wahlen in Hessen, Niedersachsen und Hamburg S. 197-200
Ergebnisse der Wahlen in Hessen, Niedersachsen und Hamburg S. 200-201
Manfred Jäger: Nur der »Roman einer Jugend«. Zum Tode von Dieter Noll (1927 – 2008) S. 202-203
Zeitgeschehen
Anja Pannewitz: Die wieder aufgebaute Dresdner Frauenkirche und die Erinnerung an NS und Zweiten Weltkrieg. Eine semantische Analyse S. 204-214
Günter Feist: Kirchensterben – Kirchenauferstehung. Ravensbrück und Dannenwalde. Zwei Kirchenschicksale an der B 96 S. 215-216
Zeitgeschichte
Karl Wilhelm Fricke: 40 Jahre »Deutschland Archiv«. Eine Zeitschrift im Dienst von DDR-Forschung und Wiedervereinigung S. 217-225
Malte Thießen: Gemeinsame Erinnerungen im geteilten Deutschland. Der Luftkrieg im »kommunalen Gedächtnis« der Bundesrepublik und der DDR S. 226-232
Theo Mechtenberg: Versöhnung gegen Widerstände. Das Polen-Engagement Günter Särchens S. 233-241
Meik Woyke: Von der Blockpolitik zur inszenierten Massenbewegung. Die Zwangsvereinigung von KPD und SPD in Mecklenburg-Vorpommern S. 242-252
Dokumentation
»Die DDR-Literatur im Zerrspiegel der BRD-Zeitschrift ›Deutschland Archiv‹«. Eine kriminalistische Diplomarbeit aus der DDR S. 253-270
Forum
Erich Loest: »Hier Ilse!« S. 271-272
Michael Braun: Wem gehört die Geschichte? Literatur als Erinnerungskultur S. 273-277
Michael Beleites: Zweigleisig erinnern? Zu Rainer Eckerts Thesen zu »Schuld und Zeitgeschichte« S. 277-283
Jörn Mothes: Zur Zukunft der Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen S. 283-294
Reiner Merker: Spannungsfeld zwischen »Aufarbeitungsinitiative« und »klassischem Archiv«. Arbeitsbedingungen und Bedeutung der DDR-Oppositionsarchive S. 295-300
Claudia Lenssen: Geschlechterverhältnisse in Filmen über die DDR-Vergangenheit S. 301-310
Eckhard Matthes: »Geh doch nach drüben …«. Zum sprachlichen Umgang mit der DDR S. 310-312
Markus Porsche-Ludwig: Debatten um gelingende Anerkennung. Überlegungen zu Rechten nationaler Minderheiten vor dem Hintergrund der Anerkennung der Sorben in der DDR S. 313-320
Tagungen/Veranstaltungen
Elke Kimmel: »1968« in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Tagung in Bremen S. 321-324
Sven Rosig: Der versäumte Paradigmenwechsel. Die DDR im Jahr 1978. Kolloquium in Potsdam S. 325-328
Anne Kober: »Lebenswelt DDR«. Filmische Perspektiven der DEFA. Symposium in Oldenburg S. 328-330
Marc-Dietrich Ohse: Konsolidierte Demokratien? Internationales Symposium in Weimar S. 331-333
Rezensionen
Hartmut Zwahr: Die erfrorenen Flügel der Schwalbe (Rainer Eckert) S. 334-335
Mike Schmeitzner, Andreas Wagner (Hg.): Von Macht und Ohnmacht (Helge Heidemeyer)S. 335-337
Britta Heymann: Ernst Melsheimer (1897 – 1960) (Hermann Wentker) S. 337-338
Detlef Joseph: Hammer, Zirkel, Hakenkreuz (Clemens Vollnhals) S. 339-340
Frank Hirschinger: Fälschung und Instrumentalisierung antifaschistischer Biographien (Andreas Schmidt) S. 340-341
Bert Pampel: Mit eigenen Augen sehen, wozu der Mensch fähig ist (Bettina Greiner) S. 341-342
Volker Koop: Besetzt. Britische Besatzungspolitik in Deutschland; Ulrich Schnakenberg: Democracy-building (Wolfgang Buschfort) S. 342-344
Detlev Brunner: Der Schein der Souveränität (Georg Diederich) S. 344-345
Christel Panzig (Hg.): Wegzeichen – Zeitzeichen (Peter Erler) S. 345-347
Jan Philipp Spannuth: Rückerstattung Ost (Ansbert Baumann) S. 347
Julius H. Schoeps u. a. (Hg.): Rechtsextremismus in Brandenburg (Armin Pfahl-Traughber) S. 348
Stefan Glaser, Thomas Pfeiffer (Hg.): Erlebniswelt Rechtsextremismus; Stephan Braun, Ute Vogt (Hg.): Die Wochenzeitung »Junge Freiheit« (Wolfgang Buschfort) S. 349-351
Uwe Backes, Henrik Steglich (Hg.): Die NPD; Harald Bergsdorf: Die neue NPD (Jürgen P. Lang) S. 351-352
Dan Hough et al.: The Left Party in Contemporary German Politics (Heinrich Bortfeldt) S. 353-354
Mario Niemann: Die Sekretäre der SED-Bezirksleitungen 1952 – 1989 (Heinz Mestrup) S. 354-356
Ulrich Wiegmann: Pädagogik und Staatssicherheit (Gert Geißler) S. 356-357
Axel Reitel: Schön Jugend (Udo Scheer) S. 357-358
Edmund Käbisch: Das Fanal von Falkenstein (Udo Grashoff) S. 358-359
Udo Scheer: Jürgen Fuchs (Doris Liebermann) S. 359-361
Irmtraud Gutschke: Hermann Kant (Christina Onnasch) S. 361-362
Erik Gieseking: Der Fall Otto John (Helmut Müller-Enbergs) S. 362-363
Andrea Rinke: Images of Woman in East German Cinema (1972 – 1982) (Gisa Bauer) S. 364-365
Jahrbuch für Kulturpolitik, Hg. Institut für Kulturpolitik, 1 – 7 (2000 – 2007) (Werner Rossade) S. 365-367
Annotationen S. 367-370
Andreas Hilger u. a. (Hg.): Sowjetisierung oder Neutralität (Gerhard Wettig); Jürgen Wilke: Presseanweisungen im zwanzigsten Jahrhundert (Gunter Holzweißig); Steffen Raßloff (Hg.): »Willy Brandt ans Fenster!« (Kai Agthe); Werner Mittenzwei: Die Brockenlegende (Eberhard Görner); Bernd Jentzsch (Hg.): Peter Huchel (Volker Strebel); Einar Schleef: Tagebuch 1977 – 1980 (Kai Agthe); Nina Sauermann: Gesellschaft ohne schwarz-rot-gold (Eckhard Jesse)
Aktuelles aus der DDR-Forschung
Newsletter 1/2008 S. 371-382
Die Autorinnen und Autoren dieses Heftes S. 383-384
Impressum S. 384

Zitation
Deutschland Archiv 41 (2008), 2. in: H-Soz-Kult, 04.04.2008, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-4038>.
Weitere Hefte ⇓