Titel der Ausgabe 
Özg 2/2001
Weiterer Titel 
Klima Geschichten

Erschienen
Erscheint 
vier Bände pro Jahr
Preis
ATS 520,- (privat), ATS 700,- (Institutionen)

 

Kontakt

Institution
Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften/Austrian Journal of Historical Studies (OeZG)
Land
Austria
c/o
Redaktionsanschrift: Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte Universität Wien Universitätsring 1 A-1010 Wien oezg.journal@univie.ac.at
Von
Eder, Franz X.

Liebe Kollegen und Kolleginnen,

die zwei neuen Heft der OEZG haben die Titel "URBAN CULTURES"
und "KLIMA GESCHICHTEN".

Inhaltsverzeichnis, Editorial und Abstracts finden Sie auf den Seiten

http://www.univie.ac.at/Wirtschaftsgeschichte/OeZG/OeZG011.html und

http://www.univie.ac.at/Wirtschaftsgeschichte/OeZG/OeZG012.html

Unsere Homepage hat die Adresse

http://www.univie.ac.at/Wirtschaftsgeschichte/OeZG/

Mit freundlichen Gruessen

Franz X. Eder
(fuer die Herausgeberschaft)

Inhaltsverzeichnis

KLIMA GESCHICHTEN

Christian Pfister
Klimawandel in der Geschichte Europas. Zur Entwicklung und zum Potenzial der Historischen Klimatologie, OeZG 12/2001/2, 11-33.

Rudolf Brazdil, Hubert Valasek, Juerg Luterbacher, Jarmila Macková
Die Hungerjahre 1770-1772 in den boehmischen Laendern. Verlauf, meteorologische Ursachen und Auswirkungen, OeZG 12/2001/2, 34-76.

Erich Landsteiner
Truebselige Zeit? Auf der Suche nach den wirtschaftlichen und sozialen Dimensionen des Klimawandels im spaeten 16. Jahrhundert, OeZG 12/2001/2, 77- 106.

Gespraech

Immanuel Wallerstein, Andrea Komlosy, Erich Landsteiner World - Systems Analysis, OeZG 12/2001/2, 34-76.

Forum

Urs Dietrich EuroClimHist als Werkzeug des Historikers, OeZG 12/2001/2, 34-76.

Gerhard Altmann Vier Weltgeschichten des 20. Jahrhunderts, OeZG 12/2001/2, 34-76.

Editorial, OeZG 12/2001/2

KLIMA GESCHICHTEN

Das Wetter ist in die Schlagzeilen geraten. Kaum ein Monat vergeht ohne Nachrichten ueber Witterungsereignisse mit tragischen Konsequenzen fuer die in den betroffenen Gegenden lebenden Menschen. Duerrekatastrophen und Ueberschwemmungen sind nicht mehr auf die sensiblen oekologischen Zonen der Erde beschraenkt. In Nordfrankreich stehen ganze Landstriche monatelang unter Wasser, waehrend in Mitteleuropa der Niederschlagsmangel die Getreideernten vernichtet. Stehen wir am Beginn einer Klimaaenderung? Hat sie schon begonnen? Ist sie anthropogen verursacht oder der gesellschaftlichen und politischen Einflussnahme gaenzlich entzogen? Der "Kampf um die Wahrheit' wird nicht nur auf den Seiten wissenschaftlicher Publikationsorgane, sondern vor allem auch im Rahmen von Weltklimakonferenzen und Intergovernmental Panels on Climatic Change ausgetragen. Er droht zu einem zentralen Thema der aussenpolitischen Auseinandersetzung zwischen Regierungen und Staatengemeinschaften zu werden.

Da die Frage des Wandels zwangslaeufig eine zeitliche Dimension in sich birgt und sich fuer die Identifikation moeglicher anthropogener Ursachen des Klimawandels der Vergleich mit Klimaveraenderungen in der Vergangenheit anbietet, nimmt auch das oeffentliche Interesse an der Klimageschichte zu. Diese hat, nicht zuletzt aufgrund der mit dem oeffentlichen Interesse einhergehenden Foerderung, in den letzten Jahren beeindruckende Fortschritte gemacht. Umfangreiche Datenbanken mit Informationen ueber vergangene Witterungsereignisse werden angelegt, mittlerweile stehen zahlreiche lange Datenreihen zu Temperaturverlauf und Niederschlagsgeschehen sowie Karten, die die Positionen von Hoch- und Tiefdruckgebieten in jahreszeitlicher Aufloesung waehrend des letzten halben Jahrtausends darstellen, zur Verfuegung.

Klimahistoriker bewegen sich im Grenzbereich zwischen Natur- und Sozialwissenschaften. Diese Transdisziplinaritaet ist eine ihrer Staerken, sie wirft aber aufgrund der unterschiedlichen Paradigmen auch vielfaeltige Probleme auf. Will die Klimageschichte nicht bloss Datenzutraeger der Klimatologie fuer die Periode vor dem Beginn instrumenteller Messungen sein, dann muss sie sich der Frage nach den sozialen Dimensionen von Klimaaenderungen stellen. Die naturwissenschaftliche Orientierung birgt die Gefahr deterministischer Argumentationsweisen bei der Behandlung der komplexen Beziehungen zwischen Gesellschaft und natuerlicher Umwelt in sich, daher scheuen viele Historiker und Anthropologen davor zurueck, diesen Beziehungen vermehrte Aufmerksamkeit zu widmen. Das hat zu der paradoxen Situation gefuehrt, dass, waehrend der fruehere klimageschichtliche Determinismus oft unhaltbare Schlussfolgerungen auf der Basis unzureichender empirischer Grundlagen zog, es heute an Forschungen mangelt, die die nunmehr wesentlich breitere Datenbasis fuer die Untersuchung moeglicher gesellschaftlicher Konsequenzen von Klimawandel nuetzen wuerden.

Christian Pfister, gegenwaertig der wichtigste Vertreter der klimahistorischen Forschung im deutschsprachigen Raum, eroeffnet diesen Band mit einem Beitrag zum state of the art. Er resuemiert den Stand der Forschungsdiskussion, erlaeutert die Daten und Methoden, mit denen die Klimageschichte arbeitet, und stellt Ansaetze und Ergebnisse der historischen Klimawirkungsforschung vor. Ein von Rudolf Brázdil angefuehrtes, interdisziplinaeres Forscher/innenteam untersucht den Verlauf der Hungerkrise in den boehmischen Laendern in den Jahren 1770-1772, rekonstruiert deren meteorologische Ursachen und fragt nach den sozialen Folgen dieser Katastrophe.

Erich Landsteiner wirft die Frage nach den notwendigen Bedingungen eines nicht-deterministischen Dialogs zwischen Historischer Klimatologie und Geschichtsschreibung auf und lotet dessen Moeglichkeiten anhand einer Analyse der wirtschaftlichen und sozialen Folgen einer erhoehten Frequenz von Getreidemissernten im mitteleuropaeischen Raum im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts aus.

Im Forum stellt Urs Dietrich die an der Universitaet Bern erstellte Datenbank EuroClimHist zur Speicherung von historischen Klimadaten vor.

Weiters enthaelt dieses Heft ein Gespraech mit Immanuel Wallerstein ueber die Entstehungszusammenhaenge der Weltsystemanalyse und deren Potenzial, Aussagen ueber den gegenwaertigen Zustand und die nahe Zukunft der Weltwirtschaft zu machen, sowie Besprechungen mehrerer rezenter Weltgeschichten des 20. Jahrhunderts.

Erich Landsteiner, Wien

Abstracts, OeZG 12/2001/2, 132-133.

Christian Pfister: Climatic change and European history. The development and the potential of Historical Climatology, pp. 7-43.

Historical Climatology draws from climatology and (environmental) history. It aims at reconstructing climate and natural disasters for the period preceding the creation of meteorological networks. Moreover it investigates the impact of climate extremes on societies and it points out to past debates on social representations of climate. Up to 1989 no coherent methodology was available. Since then cooperation emerged in the framework of EU research projects. As a result common approaches and standards were developed. The article discusses the evidence and explains how long time series of monthly and seasonal temperature and precipitation indices were obtained from the data. Validation has revealed that such series are good substitutes for instrumental measurements. Recently climatologists have included this data into statistical models to construct charts of monthly surface pressure, temperature and precipitation in Europe back to 1659. Less efforts were made to investigate the effects of climatic variations and extremes on societies. It is still not known how past societies perceived climatic extremes and natural disasters and how they adapted to them. Undoubtedly climate affected the use and availability of energy resources (food, fodder, fire-wood) and the outbreak of climate sensitive epidemics. Which climatic constellations mattered, needs to be assessed within the specific context. In any case the vulnerability of the society needs to be taken into account. The mental, legal and political setting affected the search for scapegoats in periods of crises. It is demonstrated that extended witch-hunts took place in the late sixteenth century because a part of society held the witches directly responsible for the high frequency of climatic anomalies during this period.

Rudolf Brázdil, Hubert Valásek, Juerg Luterbacher, Jarmila Macková: The hunger years 1770-1772 in the Czech lands: Course, meteorological causes and impacts, pp. 44-78.

On the basis of visual daily observations and written narrative sources the course of weather in the Czech Lands in the period 1769-1772 is described with particular consideration of disastrous poor harvests in the years 1770- 1771 as a result of prevailing outstanding rainy weather. Its synoptic- climatological causes are analysed according to the reconstructed sea level pressure field in the months of March-August. Poor harvests, together with other factors, caused high prices, hunger and diseases. Impacts of poor harvests on the dramatic increase in grain prices and population mortality are studied in the context of the rescue measures of the Vienna Imperial Court. Changes in the diet habits and the role of the hunger years as one of the impulses for the rise of the serf uprising in the year 1775 are referred to.

Erich Landsteiner: Wretched times? Searching for the social and economic dimensions of climatic change in the late sixteenth century, pp. 79-116. Given the manifold traps in the field, this article explores the necessary conditions for a renewed dialog between social history and the history of climatic change. It proposes to look at the last third of the sixteenth century as a period undergoing a climatic ,mode shift' and analyses the social and economic impacts of the rapid change in climatic conditions. Focusing on the early 1570s, when Central Europe underwent a series of severe cereal crop failures, the effects of dearth on prices, mortality, the grain trade, social relations of production in agriculture, and the overall economy are discussed.

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