Südosteuropa. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft 58 (2010), 1

Titel
Südosteuropa. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft 58 (2010), 1.
Weitere Titelangaben
Democratic Values and Ethnic Polarization in the Western Balkans


Hrsg. v.
Marie-Janine Calic in Verbindung mit Xavier Bougarel (Paris), Ulf Brunnbauer (Regensburg), András Inotai (Budapest), Denisa Kostovicova (London), Ivan Krastev (Sofia), Joseph Marko (Graz, Bozen), Alina Mungiu-Pippidi (Bukarest/Berlin), Sabrina P. Ramet (Trondheim), im Auftrag des Südost-Instituts
Heft(e)
1
Erschienen
München 2010: Oldenbourg Verlag
Umfang
143 S.
Preis
€ 19,80
Herausgeber d. Zeitschrift
*Editors:* SABINE RUTAR (Regensburg), Editor-in-Chief GER DUIJZINGS (Regensburg) WIM VAN MEURS (Nijmegen) *Editorial Board:* Heinz-Jürgen Axt (Duisburg-Essen) Florian Bieber (Graz) Dimitar Bechev (Sofia/Oxford) Johanna Bockman (Washington, DC) Xavier Bougarel (Paris) Ulf Brunnbauer (Regensburg) Marie-Janine Calic (München) Nina Caspersen (York) Andras Inotai (Budapest) Deema Kaneff (Birmingham) Stef Jansen (Manchester) Jürgen Jerger (Regensburg) Denisa Kostovicova (London) Ivan Krastev (Sofia) Mladen Lazić (Belgrade) Joseph Marko (Graz/Bozen) Alina Mungiu-Pippidi (Bukarest/Berlin) Vjeran Pavlaković (Rijeka) Nadège Ragaru (Paris) Sabrina P. Ramet (Trondheim) Solveig Richter (Erfurt) Stephanie Schwandner-Sievers (Bournemouth) Milica Uvalic (Perugia) *Editorial Office:* Sabine Rutar, Olga Popova, Kathrin Jurkat (Assistenz)
Erscheinungsweise
viermal jährlich
Kontakt
Dr. Sabine Rutar Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung Landshuter Straße 4 93047 Regensburg

Sabrina P. Ramet präsentiert als Gastherausgeberin dieser Ausgabe von Südosteuropa Ergebnisse des Southeast European Social Survey Project, in dessen Rahmen 2003-2005 unter der Leitung von Albert Simkus vom Institut für Soziologie und Staatswissenschaften an der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie in Trondheim über 23.000 Personen hinsichtlich ihrer nationalen Identität, ihrer Einstellungen zu anderen ethnischen Gruppen, Familien- und Geschlechter-beziehungen, Religiosität, politischer Partizipation und Wahlverhalten sowie ihrer Kriegserfahrungen und -traumata befragt wurden. Finanziert wurde das Projekt vom norwegischen „Kooperationsprogramm mit Südosteuropa“. Präsentiert werden hier Auswertungen zu Makedonien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Albanien, flankiert von zwei weiteren, auf anderen Materialien beruhenden Studien zu Serbien und Kosovo.

Wie die Gastherausgeberin in ihrer Einleitung betont, erschwert die Kombination aus nach wie vor vorhandenen ethnischen Polarisierungen und Wirkungen von postsozialistischer Transformation und, in den postjugoslawischen Gesellschaften, Kriegen die Konsolidierung demokratischer Werte. Die Stabilität der Region bleibt, so Ramet, eine fragile. Für Serbien konstatiert sie ein „nationalistisches Syndrom“ und tiefgehende, weit in die Vergangenheit zurückreichende gesellschaftliche Krisensymptome, die auch den proeuropäischen Kurs immer wieder in Frage stellten. Hilde Haug versucht eine Bestandsaufnahme der politischen Landschaft Kosovos seit der Unabhängigkeit. Albert Simkus, Kristen Ringdal und Ola Listhaug zeigen auf, dass, gemessen an ihren Erhebungen zu Einstellungen nationaler Toleranz unter Albanern und Makedoniern in Makedonien, das Ohrid-Abkommen eine Erfolgsgeschichte gezeitigt habe. Das Sicherheitsgefühl und die Bereitschaft zu interethnischer Kooperation sei insbesondere in der albanischen Bevölkerung gestiegen. Zan Strabac und Marko Valenta konstatieren anhand ihrer Umfragewerte für Kroatien im selben Erhebungszeitraum eine Diskrepanz zwischen der gemäßigten Politik der Regierungspartei Hrvatska Demokratska Zajednica und den nach wie vor stark nationalistischen Einstellungen ihrer Wählerschaft. Fast optimistisch erscheinen im Vergleich die Resultate der Studie zu Bosnien-Herzegowina von Maria Elena Sandovici und Ola Listhaug: Wählerpräferenzen und politische Partizipation spiegelten vor einem knappen halben Jahrzehnt in keiner Weise die vorwiegend entlang ethnischer Linien verlaufenden gesellschaftlichen Konflikte. In Albanien schließlich, so Kristen Ringdal und Teuta Starova, entsprechen die Wählerpräferenzen der traditionellen Spaltung des Landes in den entwickelteren Süden und den rückständigeren Norden. Darüber hinaus wählten mehr Angehörige höherer sozialer Schichten die links orientierten Parteien, was der Tendenz in anderen postsozialistischen Gesellschaften gleiche, aber von westlichen Mustern abweiche.

INHALTSVERZEICHNIS

Schwerpunkt: Democratic Values and ethnic Polarization in the Western Balkans

Sabrina P. Ramet: Democratic Values and Ethnic Polarization in the Western Balkans: An Introduction. 2-14

Sabrina P. Ramet: Serbia since July 2008: at the Doorstep of the EU. 15-40

Hilde Katrine Haug: The Political Landscape in Kosovo since the Declaration of Independence. 41-66

Albert Simkus, Kristen Ringdal, Ola Listhaug: Was There a Decline in Ethnic Polarization in Macedonia Between 2003 and 2005? Results from a National Panel Analysis. 67-82

Zan Strabac, Marko Valenta: Ethnic Intolerance, Voting Preferences, and Political Change in Croatia. 83-97

Maria Elena Sandovici, Ola Listhaug: Democratic Values, Ethnic Competition, and Electoral Participation in Bosnia. 98-108

Kristen Ringdal, Teuta Starova: Social Dimensions of Party Choice in Albania. 109-127

Tagungsbericht
Nach den Kriegen: Narrationen, Erinnerungen und Aufarbeitung der Kriege in Ex-Jugoslawien (Regensburg, 10.-13.12.2009) (Heike Karge, Manuela Brenner). 128-134

Buchbesprechungen

Jochen Walter, Die Türkei – „Das Ding auf der Schwelle“. (De)Konstruktionen der Grenzen Europas (Stefan Ihrig). 135-137

Bekim Baliqi, State-Building durch die Vereinten Nationen. Am Fallbeispiel des Kosovo (Andreas Peilert). 137-139

Tom Gallagher, Romania and the European Union. How the Weak Vanquished the Strong (Peter Kreuter). 139-141

John Ashbrook, Buying and Selling the Istrian Goat. Istrian Regionalism, Croatian Nationalism, and EU Enlargement (Sabine Rutar). 141-143

Zitation
Südosteuropa. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft 58 (2010), 1. in: H-Soz-Kult, 24.06.2010, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-5626>.
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