WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung 8 (2011), 1

Titel
WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung 8 (2011), 1.
Weitere Titelangaben
Normative Paradoxien der Gegenwart


Hrsg. v.
Institut für Sozialforschung, Frankfurt am Main
Heft(e)
01
Erschienen
Frankfurt am Main 2011: Stroemfeld Verlag
Umfang
178 S.
Preis
10 Euro
Herausgeber d. Zeitschrift
Institut für Sozialforschung, Frankfurt am Main
Erscheinungsweise
2 Ausgaben pro Jahr
Kontakt
Dr. Sidonia Blättler Redaktion WestEnd Institut für Sozialforschung Senckenberganlage 26 60325 Frankfurt am Main Tel.: +4969 75 61 83 16 E-Mail: <blaettler@em.uni-frankfurt.de>

Im „Studien“-Teil beschreibt Karl Schlögel gegen die These vom Ende der europäischen Stadt das Wiederaufleben von Urbanität im östlichen Teil Europas nach 1989. Die Soziologen William G. Roy und Timothy J. Dowd fragen nach der soziologischen Bedeutung von Musik. Und gegen die verbreitete Rede, es seien doch immer die gleichen Bilder von Gewalt, analysiert die Mediensoziologin Angela Keppler zentrale Unterschiede zwischen fiktionaler und dokumentarischer Gewaltdarstellung in Film und Fernsehen.

Das „Stichwort“ stellt mit dem Konzept der „normativen Paradoxien“ die gesellschaftstheoretische Perspektive der Forschungsarbeit am Institut für Sozialforschung vor. Der einleitende Beitrag von Axel Honneth und Ferdinand Sutterlüty entfaltet den theoretischen Grundgedanken, die gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungen nach dem Muster eines paradoxalen Prozesses zu beschreiben: Einerseits haben die sozialstrukturellen Wandlungen zu einer Vielzahl von unleugbaren normativen Fortschritten geführt. Andererseits werden die damit verbundenen Erweiterungen der individuellen Freiheits- und Autonomiespielräume im Zuge ihrer gesellschaftlichen Implementierung für große Teile der Bevölkerung zu einer schwindenden Option, tendenziell zunichte gemacht oder gänzlich in ihr Gegenteil verkehrt. In drei weiteren Beiträgen werden Ergebnisse von Forschungsprojekten des Instituts präsentiert, die in der einen oder anderen Weise bereits Gebrauch vom Paradoxienkonzept gemacht haben.

Kai-Olaf Maiwald geht dem paradoxen Befund auf den Grund, dass die Hausarbeit zwischen Männern und Frauen gerade auch dann meist sehr ungleich verteilt bleibt, wenn sich die Beteiligten an egalitäre Normen der zwischengeschlechtlichen Arbeitsteilung gebunden fühlen. Stephan Voswinkel analysiert paradoxale Folgen von Ansprüchen auf Autonomie und Selbstverwirklichung in der Arbeitswelt. Ferdinand Sutterlüty schließlich sucht eine Erklärung für das Paradox, dem zufolge gerade die Verinnerlichung von Normen ethnischer Gleichheit dazu führen kann, dass die Einheimischen jene Migrantinnen und Migranten stigmatisieren, die positiv von diesen Normen betroffen und sozial aufgestiegen sind.

Unter dem Titel „Eingriffe“ schließlich finden sich Aufsätze von Sighard Neckel, Klaus Bendel, Martin Jay sowie Sonja Buckel und Jens Wissel, die einem aktuellen Phänomen nachgehen beziehungsweise auf einen interessanten theoretischen Ansatz oder eine verblüffende Geschichte aufmerksam machen.

INHALT

Studien

Karl Schlögel
Die europäische Stadt als Lebensform – nicht nur eine Geschichte
3

William G. Roy und Timothy J. Dowd
Musik soziologisch
21

Angela Keppler
Das Gleiche ist nicht immer gleich. Gewaltdarstellungen in Film und Fernsehen
50

Stichwort: Normative Paradoxien der Gegenwart

Axel Honneth und Ferdinand Sutterlüty
Normative Paradoxien der Gegenwart – eine Forschungsperspektive
67

Kai-Olaf Maiwald
Modern und doch traditional? Paradoxien heutiger Paarbeziehungen
86

Stephan Voswinkel
Paradoxien entgrenzter Arbeit
93

Ferdinand Sutterlüty
Paradoxale Folgen ethnischer Gleichheit
103

Eingriffe

Sighard Neckel
Refeudalisierung der Ökonomie. Zum Strukturwandel kapitalistischer Wirtschaft
117

Klaus Bendel
Fähigkeiten oder Fairness? Behinderung in der Gerechtigkeitstheorie
129

Martin Jay
Dialektik der Gegenaufklärung. Die Frankfurter Schule im Verschwörungsnarrativ extremistischer Randgruppen
147

Sonja Buckel und Jens Wissel
Tatort Frontex
158

Mitteilungen

Rolf Wiggershaus
Rede zur Wiedereröffnung des Instituts für Sozialforschung am 1. April 2011
169

Neuerscheinung in der Schriftenreihe des IfS
175

Veranstaltungsankündigungen

ZeitBrüche – Diagnosen zur Gegenwart: Politik an Europas Grenzen
176

Vorschau auf das nächste Heft
176

Zu den Autorinnen und Autoren 177

Zitation
WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung 8 (2011), 1. in: H-Soz-Kult, 05.01.2012, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-6526>.
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