WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung 8 (2011), 2

Titel
WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung 8 (2011), 2.
Weitere Titelangaben
Postsäkularismus?


Hrsg. v.
Institut für Sozialforschung, Frankfurt am Main
Heft(e)
02
Erschienen
Frankfurt am Main 2011: Stroemfeld Verlag
Umfang
146 S.
Preis
10 Euro, im Abonnement 8 Euro
Herausgeber d. Zeitschrift
Institut für Sozialforschung, Frankfurt am Main
Erscheinungsweise
2 Ausgaben pro Jahr
Kontakt
Dr. Sidonia Blättler Redaktion WestEnd Institut für Sozialforschung Senckenberganlage 26 60325 Frankfurt am Main Tel.: +4969 75 61 83 16 E-Mail: <blaettler@em.uni-frankfurt.de>

Das zweite Heft des achten Jahrganges eröffnet ein Beitrag von Juliane Rebentisch zur Demo-kratietheorie. Unter dem Titel Masse – Volk – Multitude rekonstruiert Rebentisch einflussreiche sowohl demokratieskeptische als auch demokratieoptimistische Konzeptionen der Volkssouveränität, um am Ende die Frage aufzuwerfen, wie das Problem der uniformen Masse in und durch die Herrschaft einer wahren Multitude überwunden werden könnte. Vinzenz Hedigers breitgefächerte Studie Kino nach dem Kino untersucht die gegenwärtige gesellschaftliche Lage des Films. Entlang der Stichworte einer Entgrenzung des Kinos und der Medienimmanenz analysiert Hediger ökonomische und technische, ästhetische und pragmatische Dimensionen heutiger Filmkunst und deren reflexive Verarbeitung im Film. Die dritte »Studie« entstammt der Feder von Wolfgang Streeck. Am Beispiel des Verhältnisses zwischen der Zunahme weiblicher Erwerbstätigkeit seit den 1970er Jahren und den damit verbundenen demografischen und sozialpolitischen Folgen diskutiert Streeck Fragen der, wie es im Untertitel heißt, Reproduktion im Dreieck von Markt, Sozialstruktur und Politik. Welche Schäden zeitigt die äußere und innere »Landnahme« des Marktes in der sozialen Lebenswelt und wie – und mit welchen (unbeabsichtigten) Folgen – reagieren unterschiedliche gesellschaftliche Modelle auf die Dysfunktionen des Marktes? Führt mehr Markt zu mehr Staat oder zu noch mehr Markt? Volksheim oder Shopping Mall?

Das »Stichwort« zum Schwerpunkt dieses Heftes gibt José Casanova mit seinen Thesen zur »postsäkularen Gesellschaft«. Während Thomas M. Schmidt für ein deliberatives Modell postsäkularer Öffentlichkeit argumentiert, welches das semantische Potential religiöser Überzeugungen im Interesse eines lebendigen gesellschaftlichen Pluralismus einbezieht und wertschätzt, und José Casanova die Religion gegen säkularistische Vorurteile als eine produktive Quelle der gesellschaftlichen Selbstverständigung verteidigt, verzeichnet Joachim Höhns Beitrag eine Dispersion religiöser Traditionen in Populärkultur und Werbung. Seine Beschreibung ebenso wie die von Oliver Sturm im religiösen Untergrund Berlins eingefangenen Stimmen dürften weit eher ein Indiz dafür sein, dass die Rede von einer postsäkularen Gesellschaft zumindest mit Blick auf Deutschland und Europa verfehlt ist. Sie gehe, wie Ferdinand Sutterlüty in seiner Einleitung bemerkt, an der Tatsache vorbei, dass Religion kaum noch imstande ist, eigenständige Wirklichkeitsdeutungen zu entfalten und der öffentlichen Debatte relevante Impulse zu geben. Angemessener wäre deshalb vielleicht die Bezeichnung »postsäkularistisch«.

In den »Eingriffen« erzählt Michael Greenberg von seinen Begegnungen mit Occupy-AktivistInnen im Zuccotti Park. Volker Heins liest in unveröffentlichten Vorträgen Adornos und wendet seine Lektüre gegen das verbreitete Klischee von Adorno als einem teilnahmslosen Beobachter. Alexander García Düttmann spürt der euphemistischen Redeweise nach und analysiert, weshalb die zunehmende Verallgemeinerung dieser Form des Sprechens uns zutiefst beunruhigen sollte.

INHALT

Studien

Juliane Rebentisch
Masse – Volk – Multitude. Zur Quelle demokratischer Legitimität
3

Vinzenz Hediger
Kino nach dem Kino. Zur gesellschaftlichen Lage des Films
19

Wolfgang Streeck
Volksheim oder Shopping Mall? Die Reproduktion der Gesellschaft im Dreieck von Markt, Sozialstruktur und Politik
43

Stichwort Postsäkularismus? (Ferdinand Sutterlüty)
65

José Casanova
Erkundungen des Postsäkularen. Rolle und Bedeutung der Religion in Europa
68

Joachim Höhn
Postsäkulare Moderne? Beobachtungen zur Dispersion religiöser Traditionen
80

Thomas M. Schmidt
Vernünftiger Pluralismus – irrationaler Glaube? Säkularisierung und die Zukunft der Religion
90

Olivier Sturm
Gnosis oder Die Moabiter – Ein Hörspiel
101

Eingriffe

Alexander García Düttmann
Der automatisierte Euphemismus
111

Volker Heins
»Nicht bange machen lassen!« – Adornos unveröffentlichte Reden
116

Michael Greenberg
Im Zuccotti Park
127

Mitteilungen

Frankfurter Adorno-Vorlesungen 2012
143
Neuerscheinung in der Schriftenreihe des IfS
144
Vorschau auf das nächste Heft
144
Zu den Autorinnen und Autoren
145

Zitation
WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung 8 (2011), 2. in: H-Soz-Kult, 20.07.2012, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-6985>.
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