Deutschland Archiv Online (2012), 8+9

Titel
Deutschland Archiv Online (2012), 8+9.
Zeitschriftentitel
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Deutsch-deutscher Literaturaustausch


Hrsg. v.
W. Bertelsmann Verlag Bielefeld im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn
Heft(e)
08+09
Erschienen
Bielefeld 2012: W. Bertelsmann Verlag
Herausgeber d. Zeitschrift
W. Bertelsmann Verlag Bielefeld im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn
Erscheinungsweise
Monatlich
Kontakt
]init[ Redaktion Köpenicker Straße 9 10997 Berlin

1986 erklärte der russische Schriftsteller Andrej Wosnessenski, „die Schriftsteller seien das Gewissen der Nation“. Unabhängig davon, ob deutsche Schriftsteller in Ost und West diesem Anspruch tatsächlich Genüge taten (oder ihn überhaupt an sich stellten), ist nicht zu übersehen, dass der Austausch zwischen Schriftstellern aus der Bundesrepublik und aus der DDR aufmerksam in Ost und West verfolgt wurde, dass der Austausch von Literatur über die innerdeutsche Grenze hinweg – so beschränkt er stattfinden konnte – tatsächlich dazu beizutragen vermochte, das „Bewusstsein für die Einheit der Nation“ (Helmut Kohl) wachzuhalten. Insofern schuf der Literaturbetrieb hie und da durchaus ein „Loch in der Mauer“. 
Unter diesem Titel hat im vergangenen Jahr, anlässlich des 50. Jahrestages des Mauerbaus, eine Tagung in Leipzig stattgefunden, die anhand des Literaturaustausches zwischen den beiden deutschen Staaten zeigen konnte, „dass es mehr ‚Löcher in der Mauer‘ gab, als angenommen“ – so Michael Westdickenberg in seinem Konferenzbericht <http://www.bpb.de/61500>. Beiträge der Leipziger Tagung bilden den Schwerpunkt dieser Ausgabe.

DA AKTUELL

Karl Wilhelm Fricke, Verfolgt unter Hitler und Stalin. Erwin Jöris – ein Jahrhundertzeuge zweier Diktaturen,
<http://www.bpb.de/144506>
In der Biografie Erwin Jöris‘ (der am 5. Oktober 100 Jahre alt wird) spiegelt sich das Kollektivschicksal tausender deutscher Kommunisten, die sich aktiv in die politischen Kämpfe und sozialen Auseinandersetzungen ihrer Zeit einbrachten. Die Konsequenz hieß für sie allzu häufig Verfolgung, nach 1933 in Deutschland sowieso, aber auch in der Sowjetunion.

DA-ONLINE 8+9/2012: DEUTSCH-DEUTSCHER LITERATURAUSTAUSCH
<http://www.bpb.de/135602>

Siegfried Lokatis, Eine gesamtdeutsche Reihe? Der Nummern-Krieg und die Jubiläen der Insel-Bücherei 1962 und 1987,
<http://www.bpb.de/136244>
Die Insel-Bücherei ist das attraktivste Objekt für Büchersammler. Eine besondere Quelle für Überraschungen macht das Phänomen der Doppel- und Mehrfachbelegung zahlreicher Titel und Nummern aus, die zum Teil eine Folge der deutschen Teilung sind.

Julia Frohn, Versuche deutsch-deutscher Literaturzeitschriften 1945–1961,
<http://www.bpb.de/139824>
In den Jahren 1945–1961 existierten – trotz „Zeitschriftenbooms“ und genuiner deutsch-deutschen Ambitionen – kaum Magazine in gesamtdeutscher Ausrichtung. Anhand der Beispielpublikationen „Ost und West“ und „Das Buch von Drüben“ wird dieser Zeitschriftentypus illustriert und im politisch-kulturellen Kontext analysiert.

Carmen Laux, Geschiedene Gemüter, zerschnitte Beziehungen. Reclams Kampf um seine Westautoren,
<http://www.bpb.de/139629>
Im geteilten Deutschland der Nachkriegszeit war die Aufrechterhaltung der Beziehungen zu seinen Westautoren eine der schwierigsten Aufgaben für den Verleger Ernst Reclam. Die zum Teil sehr emotionalen Schriftwechsel zeugen von der schweren Zwangslage des Verlags, von unüberbrückbaren Gegensätzen und nicht wiedergutzumachenden Zerwürfnissen.

Anke Schüler, Ein Name, zwei Wege: Reclam Leipzig und Reclam Stuttgart,
<http://www.bpb.de/139840>
„Reclams Universalbibliothek“. Hinter dieser bekannten Marke standen jahrelang zwei Verlagshäuser, die zwar den gleichen Namen trugen, aber weder miteinander gearbeitet noch miteinander kommuniziert haben: der Reclam Verlag in Leipzig und der Reclam Verlag in Stuttgart.

Berthold Petzinna, Die Beobachtung des westdeutschen Verlagswesens durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR. Das Beispiel des Suhrkamp-Verlags,
<http://www.bpb.de/139910>
Die Arbeit des MfS galt auch der Abwehr der „Politisch-Ideologischen Diversion“. Westverlage mit eher linkem Profil wie Suhrkamp gerieten ins Visier des MfS, das eine gesteuerte Kampagne argwöhnte. Politische und ökonomische Motive lagen auf diesem Feld in Konflikt.

Hannah Schepers: „… da wird provoziert mit parolen und ermuntert mit hohn.“ Volker Brauns Reflexionen über die Teilung Deutschlands nach dem Bau der Mauer,
<http://www.bpb.de/135604>
Volker Brauns Gedicht „Die Mauer“ löst in den 1960er-Jahren heftige Reaktionen aus. Der Text schwankt zwischen Rechtfertigung des Mauerbaus und Protest gegen die Teilung Deutschlands. Er wirft Schlaglichter auf die zwiespältige Haltung von Autoren, die zwischen Loyalität und Kritik ihre Position suchen.

Patricia F. Zeckert, Die Leipziger Buchmesse, die Börsenvereine und der Mauerbau,
<http://www.bpb.de/139889>
Die Zeit vor und nach dem Mauerbau zeigte, wie sehr die Messe der DDR vom Gang der Deutschlandpolitik abhing. In welchem Maße diese Politik sich auf eine Branche und deren Wirtschaftsverbände übertrug und welche Spielräume Unternehmen dennoch nutzten, illustriert das Beispiel der Leipziger Buchmesse.

Konstantin Ulmer, Ein Loch im literarischen Schutzwall. Die Publikationskontroverse um die Luchterhand-Ausgabe von Anna Seghers’ „Das siebte Kreuz“,
<http://www.bpb.de/139900>
Als ein Buch von Anna Seghers 1962 erstmals im Luchterhand Verlag publiziert wurde, kam es zu einer Kontroverse in den Feuilletons: Publizisten, Schriftsteller und der Verleger stritten darüber, ob es politisch opportun sei, Schriftsteller aus der DDR in der Bundesrepublik zu verlegen.

Uwe Sonnenberg, Marginalien? Drei Blicke auf den westdeutschen linken Buchhandel (VLB) und die DDR in den 1970er-Jahren,
<http://www.bpb.de/135661>
Sind die Beziehungen des linken Buchhandels in der Bundesrepublik zur DDR als Marginalie zu werten? Diese Frage wird beantwortet mit Blicken auf Umsatzzahlen und literarische Programme sowie abschließend anhand eines Perspektivenwechsels auf die linke Opposition in der DDR.

Jan König, Zwischen Ost und West. Die Publikationsgeschichte von Stefan Heyms „Erzählungen“,
<http://www.bpb.de/140018>
Ab Mitte der 1960er-Jahre galt Stefan Heym in der DDR als Dissident. Mit dem Machtwechsel von Ulbricht zu Honecker schien sich das Verhältnis zwischen dem Literaten und der Staatsmacht zu entspannen. Die Publikationsgeschichte seiner „Erzählungen“ zeigt aber, dass Stefan Heym immer eine Sonderrolle inne hatte.

Franziska Galek, Das große Volkstanzbuch von Herbert Oetke. Eine deutsch-deutsche Editionsgeschichte in fünf Akten,
<http://www.bpb.de/140029>
Als sich der DDR-Verlag Henschel dazu entschloss, ein von vielen Verlagen bereits abgelehntes Manuskript eines westdeutschen Autors zu publizieren, ahnte er nicht, welche Subventionen, Korrekturen und Bearbeitungen bis zur Drucklegung notwendig würden. Es dauerte zehn Jahre, bis das Werk 1982 schließlich erschien.

Antonia Ritter, Eine deutsch-deutsche Koproduktion: die „Orientalische Bibliothek“,
<http://www.bpb.de/141633>
Die „OB“ ist ein Mosaikstein im innerdeutschen Literaturtransfer. Das konkrete Beispiel zeigt, wie durch die wirtschaftlichen Vorteile deutsch-deutscher Koproduktionen ein geistiger Austausch auf Verlags- und letztlich auch auf gesellschaftlicher Ebene ermöglicht werden konnte, der die physische innerdeutsche Grenze wenigstens teilweise unterminieren konnte.

DOKUMENTATION

Dokumentation: Hans Mayer, „Kleine Festrede“,
<http://www.bpb.de/140039>
„Ein exemplarisches Leben – eine exemplarische Kunst“, so lautete das Fazit der „Kleinen Festrede“, die der bekannte Leipziger Literaturwissenschaftler Hans Mayer im Januar 1962 auf Anna Seghers hielt. Anlass war die Veröffentlichung der Erzählung „Ausflug der toten Mädchen“ der nicht unumstrittenen Schriftstellerin als Nummer 9.000 (der Leipziger Ausgabe) von „Reclams Universalbibliothek“.

Ingrid Sonntag, Langsamer Abschied von der DDR. Kommentar zu einer Festrede von Hans Mayer auf Anna Seghers am 26. Januar 1962,
<http://www.bpb.de/140042>
Aus Anlass des Erscheinens der Nr. 9.000 von „Reclams Universalbibliothek“ hielt Hans Mayer im Januar 1962 eine „Kleine Festrede“ auf Anna Seghers. Mayers unveröffentlichte Laudatio lässt einen Wendepunkt in seinem Verhältnis zum Führungszirkel der SED erkennen, mit weitreichenden Folgen für den deutsch-deutschen Literaturaustausch.

LITERATURJOURNAL

Frank Hoffmann, Sprache – Dichtung – Leben,
<http://www.bpb.de/144078>
Sammelrezension zu:
Martin Hermann, Henning Pietzsch (Hg.): DDR-Literatur zwischen Anpassung und Widerspruch. Tagungsband zum Jürgen Fuchs-Literaturseminar am 26. und 27. November 2010 in Jena, Jena: IKS Garamond 2011, 148 S., € 17,90, ISBN: 9783941854536.
Ulrich Weißgerber: Giftige Worte der SED-Diktatur. Sprache als Instrument von Machtausübung und Ausgrenzung in der SBZ und der DDR (Diktatur und Widerstand; 15), Berlin: LIT 2010, 406 S., € 29,90, ISBN: 9783643104298.
Utz Maas: Was ist deutsch? Die Entwicklung der sprachlichen Verhältnisse in Deutschland, München: Fink 2012, 532 S., € 39,90, ISBN: 9783770552726.
Annette Leo: Erwin Strittmatter. Die Biographie, Berlin: Aufbau 2012, 447 S., € 24,99, IBSN: 9783351033958.
Erwin Strittmatter. Nachrichten aus meinem Leben. Aus den Tagebüchern 1954–1973, Hg. Almut Giesecke, Berlin: Aufbau 2012, 601 S., € 24,99, ISBN: 9783351033927.
Carsten Gansel, Matthias Braun (Hg.): Es geht um Erwin Strittmatter oder Vom Streit um die Erinnerung (Deutschsprachige Gegenwartsliteratur und Medien; 11), Göttingen: V&R unipress 2012, 408 S., € 39,90, ISBN: 9783899719970..

Silke Flegel, „Das Gegenteil einer Nische“. Ent-Deckungen im Theaterbetrieb der DDR,
<http://www.bpb.de/geschichte/141062>
Sammelrezension zu:
Christiane Baumann: Hinter den Kulissen. Inoffizielle Theatergeschichten 1968 bis 1989, Schwerin: Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR 2011, 201 S., € 6,–, ISBN: 9783933255372.
Ralf Stabel: IM „Tänzer“. Der Tanz und die Staatssicherheit, Mainz: Schott 2008, 231 S., € 25,99, ISBN: 9783795701659.
Laura Bradley: Cooperation and Conflict. GDR Theatre Censorship, 1961–1989, New York: Oxford University Press 2010, 312 S., € 80,99, ISBN: 9780199589630.

Rainer Eckert, Gewalt und Internationalität. Neue Texte zum ostmitteleuropäischen Revolutionzyklus von 1989/90,
<http://www.bpb.de/141585>
Sammelrezension zu:
Martin Sabrow (Hg.): 1989 und die Rolle der Gewalt, Göttingen: Wallstein 2012, 428 S., € 34,90, ISBN: 9783835310599.
Bernd Florath (Hg.): Das Revolutionsjahr 1989. Die demokratische Revolution in Osteuropa als transnationale Zäsur (BStU: Analysen und Dokumente; 34), Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2011, 250 S., € 16,95, ISBN: 9783525350454.
Clemens Vollnhals (Hg.): Jahre des Umbruchs. Friedliche Revolution in der DDR und Transition in Ostmitteleuropa (Schriften des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung; 43), Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2011, 406 S., € 59,95, IBSN: 9783525369197.
Tobias Hollitzer, Sven Sachenbacher (Hg.): Die Friedliche Revolution in Leipzig. Bilder, Dokumente und Objekte, 2 Bde., Leipzig 2012, 816 S., € 39,90, ISBN: 9783865836472.
Armin Mitter: „Die Tragödie ist vorbei“. Die Alliierten in Berlin 1989/90 (LStU Berlin: Schriftenreihe; 32), Berlin 2011, 125 S., € 1,40 (in Briefmarken an: LStU, Scharrenstr. 17, 10178 Berlin), ISBN: 9783934085374.
Francesca Weil: Verhandelte Demokratisierung. Die Runden Tische der Bezirke 1989/90 in der DDR, (HAIT: Berichte und Studien; 60), Göttingen: V&R unipress 2011, 248 S., € 20,90, ISBN: 9783899718812.
Stephan Bickhardt (Hg.): In der Wahrheit leben: Texte von und über Ludwig Mehlhorn (Schriftenreihe des Sächsischen Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen; 13), Leipzig: Ev. Verlagsanstalt, 2012, 297 S., € 13,80, IBSN: 9783374030118.
Nicole Glocke: Spontaneität war das Gebot der Stunde. Drei Abgeordnete der ersten und einzigen frei gewählten DDR-Volkskammer berichten, Halle/S.: Mitteldeutscher Verlag 2012, 239 S., € 14,95, ISBN: 9783988128988.

Zitation
Deutschland Archiv Online (2012), 8+9. in: H-Soz-Kult, 26.09.2012, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-7131>.
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