Chilufim 14 (2013)

Titel
Chilufim 14 (2013).


Hrsg. v.
Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg
Erschienen
Wien 2013: Phoibos-Verlag
Umfang
165 S.
Preis
Abonnement für 2 Hefte im Jahr € 19,90 (zzgl. Versand); Einzelheft: € 11,00 (zzgl. Versand)
Herausgeber d. Zeitschrift
Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg
Erscheinungsweise
zweimal jährlich
Kontakt
Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg Residenzplatz 1/ Stiege 3 5010 Salzburg Österreich/Austria

INHALTSVERZEICHNIS

EDITORIAL (S. 1–3)

SABINE ASCHAUER-SMOLIK, Jüdische Massenflucht aus Europa 1946–1948: Die Rolle von Salzburg, Saalfelden und Marko M. Feingold (S. 5–25)

ROLAND CERNY-WERNER, Mindestens dreimal Vergangenheit – Zum Umgang der DDR mit Gedenkstätten am Beispiel Buchenwald (S. 27–42)

LILIAN HARLANDER, Ruth Klügers Autobiografien unter dem literaturwissenschaftlichen Mikroskop – Literarische Erinnerungen und jüdische Identitätsfindung (S. 43–68)

ANDREAS SCHMOLLER / UTE PALMETSHOFER, Wenn Bücher zum Erinnerungsort werden. Reflexion und Beispiele der Provenienzforschung an der Universitätsbibliothek Salzburg (S. 69–95)

ALEXANDRA PREITSCHOPF, Identitätssuche zwischen Orthodoxie und Emanzipation. Der Spielfilm La Petite Jérusalem (2005) als Spiegel „neuer jüdischer Identität“ im zeitgenössischen Frankreich (S. 97–128)

REZENSIONEN (S. 129–156)

ABSTRACTS (S. 157–162)

AUTORINNEN UND AUTOREN / REZENSENTINNEN UND REZENSENTEN (S. 163–165)

ABSTRACTS

SABINE ASCHAUER-SMOLIK: Jüdische Massenflucht aus Europa 1946–1948: Die Rolle von Salzburg, Saalfelden und Marko M. Feingold
Abstract deutsch
Im Sommer 1946 setzte die Massenflucht der jüdischen Überlebenden aus Europa in Richtung Palästina ein. Österreich wurde in den Jahren 1946 bis 1948 rasch zu einer Drehscheibe dieser Fluchtbewegung. Ausgehend vom gemeinsamen Schicksal beleuchtet der Aufsatz zum einen die Geschichte Marko M. Feingolds in diesen Jahren, zum anderen jene der jüdischen Flüchtlinge. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen die Erinnerungen in Bezug auf das Lagerleben und den Lageralltag am Beispiel des DP-Camp „Givat Avoda“ in Saalfelden und die fehlende Erinnerung auf Seiten der SaalfeldnerInnen. Den Fluchtwegen nach Italien, vor allem jenem über die Krimmler Tauern im Jahr 1947, widmet sich ein weiterer Teil des Aufsatzes. Der Abschluss ist der Erinnerungskultur nach 50 und 60 Jahren sowie den Wiedersehen zwischen Marko M. Feingold und den höchsten Funktionären der Fluchtorganisation „Bricha“ im Jahr 2007 gewidmet.
Abstract English
The Mass exodus of Jewish survivors to Palestine started in the summer of 1946. Quickly Austria became the local point of this hub between 1946 and 1948. The similar fate of Marko F. Feingold and his history and that of Jewish refugees will here be examined. The focus will be on the memories of camp life and the everyday life in the DP Camp “Givat Avoda” – Saalfelden as an example in comparison to the missing memories from the Saalfelden population. The description of the escape route to Italy with emphasis on the one over the Krimmler Tauern in 1947 will be another main focus of this essay; culminating in the memorial culture 50 and 60 years later and the reunion of Marko M. Feingold and the leading officials of the refugee organization “Bricha” in 2007.

ROLAND CERNY-WERNER: Mindestens dreimal Vergangenheit – Zum Umgang der DDR mit Gedenkstätten am Beispiel Buchenwald
Abstract deutsch
Buchenwald, ein Ort mit mindestens drei Vergangenheiten: Das nationalsozialistische Konzentrationslager, das sowjetische Speziallager und die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald (DDR). Jede für sich ist ein Kapitel von Missbrauchsgeschichte. In dem Ort Buchenwald zeigt sich aus heutiger Sicht deutlich das Überdauern eines jeden Kapitels, mit all den Überlagerungen, Abtragungen von Relikten, deren Deutung und Erinnerung. Der vorliegende Aufsatz will schwerpunktmäßig eine Einführung zur eindeutig teleologisch-propagandistischen Aufbereitung des Ortes in der Zeit zwischen 1949/53 und 1989 geben. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Versuch die Begründungsfiguren hinter dem konzeptionellen Missbrauch des Ortes Buchenwald, der beteiligten Personen und der historischen Erzählstränge zu eruieren und zudem die sich daraus ergebenden Herausforderungen an die heutige Gedenkstätte Buchenwald zu erörtern.
Abstract English
Buchenwald is an historical place with – at least – three past levels: the Nazi concentration camp, the soviet Speziallager and the Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald during communist power in the GDR – everyone a history of abuse. At the place Buchenwald is crystallizing the memory and interpretation of the outlast of every chapter of this histories – with every overlapping, chancing and damages. This article will lay the main aspect of an introduction in the clear teleological and propagandistically presentation of the place Buchenwald during the GDR. The focus lays also on the attempt to find the motivations for the conceptual mistreating of the historical place, the protagonists and the different historical narratives. At the same time also to argue the challenges of all this developments at the present-day memorial.

LILIAN HARLANDER: Ruth Klügers Autobiografien unter dem literaturwissenschaftlichen Mikroskop – Literarische Erinnerungen und jüdische Identitätsfindung
Abstract deutsch
Ruth Klügers autobiografische Texte weiter leben und unterwegs verloren sind mehr als die Erinnerungen einer jüdischen Frau, die einen Teil ihrer Kindheit in Konzentrationslagern verbracht hat und als junge Frau nach Amerika ausgewandert ist. Sie sind literarische Werke, die mit literaturwissenschaftlicher Methodik relevante Diskurse erarbeiten und dem Publikum näher bringen. Der vorliegende Aufsatz untersucht einige dieser Methoden und beschäftigt sich exemplarisch mit den (un-)bewussten Schreibprozessen der Autorin – jüdische Identitätssuche ist hierbei ebenso Thema wie Brüche in der chronologischen Struktur oder der besondere Wahrheitsanspruch von Autobiografien.
Abstract English
Ruth Klügers autobiographical texts weiter leben and unterwegs verloren are more than the memories of a Jewish woman who has spent part of her childhood in Concentration Camps and emigrated to America as a young woman. They are literary works, which will deal with scientific methods and bring closer relevant discourses to the audience. This essay examines some of these methods and examples dealing with the (un-) consciously writing processes of the author – Jewish identity search are just as important as breakthroughs in the chronological structure or the specific truth claim of autobiographies.

ANDREAS SCHMOLLER / UTE PALMETSHOFER: Wenn Bücher zum Erinnerungsort werden. Reflexion und Beispiele der Provenienzforschung an der Universitätsbibliothek Salzburg
Abstract deutsch
Der Beitrag reflektiert die Suche nach NS-Raubgut in Bibliotheken als Schaffen von „Erinnerungsorten“. Mit der Entzifferung von Besitzspuren an Büchern, die auf Buchraub während des Nationalsozialismus hinweisen, entstehen bruchstückhafte Erzählungen über persönliche Verfolgungsschicksale in der NS-Zeit. Der Autor/die Autorin greifen dabei auf aktuelle Forschungsergebnisse der NS-Provenienzforschung an der Universitätsbibliothek Salzburg zurück. Zu den geschilderten Beispielen zählen Eugen Herz, Valentin Gelber, Fritz Bab sowie Max Reinhardt und Helene Thimig.
Abstract English
The article reflects the search for Nazi looted books in Libraries as a process that contributes to the creation of lieux de mémoire. Decoding the traces left by former owners of the investigated books leads to fragmented narratives and biographies of Holocaust victims and/or survivors. Based on current results of the research project at the University Library of Salzburg the authors present the following examples: Eugen Herz, Valentin Gelber, Fritz Bab, Max Reinhardt and Helene Thimig.

ALEXANDRA PREITSCHOPF: Identitätssuche zwischen Orthodoxie und Emanzipation. Der Spielfilm La Petite Jérusalem (2005) als Spiegel „neuer jüdischer Identität“ im zeitgenössischen Frankreich
Abstract deutsch
Das Drama La Petite Jérusalem von Karin Albou aus dem Jahr 2005 widmet sich der im französischen Film bisher kaum behandelten Thematik der jüdischen Orthodoxie. Die filmische Erzählung schildert den Alltag der jungen Philosophiestudentin Laura, die mit ihrer Familie im Umfeld des Pariser Vororts Sarcelles, umgangssprachlich auch „kleines Jerusalem“ genannt, streng nach der Halacha, dem jüdischen Religionsgesetz lebt. Für Laura allerdings, hin- und her gerissen zwischen ihrer religiösen Erziehung einerseits, ihrer Liebe zur Philosophie andererseits, wird dies zunehmend problematisch, was zu einigen Spannungen innerhalb der Familie führt. Der Aufsatz versucht aufzuzeigen, wie der Film über diese familiäre und persönliche Konfliktsituation die schwierige Suche nach Identität zwischen einem Rückzug in die Religion und einem säkularen, „französischen“ Lebensmodell versinnbildlicht: Indem Laura sich der „neuen Orthodoxie“, den Tendenzen hin zu einer gewissen „Autoghettoisierung“, welche sie um sich herum erlebt, nach und nach entzieht, wird sie letztlich zur Symbolfigur einer Art „neuen Emanzipation“. Einordnen lässt sich all dies wiederum in im heutigen Frankreich generell bestehende gesellschaftliche Divergenzen, auf welche im Artikel näher eingegangen werden soll.
Abstract English
Alexandra Preitschopf: The search for identity between orthodoxy and emancipation. The film La Petite Jérusalem (2005) as a mirror of “new Jewish identity” in contemporary France
Karin Albou's drama La Petite Jérusalem from 2005 deals with Orthodox Judaism, a topic which has hardly been treated in French films so far. The film highlights the everyday life of Laura, a young student of philosophy, who lives with her family rigorously observing the Halakha (religious Jewish law) in the Parisian suburb Sarcelles, also called “Little Jerusalem”. Laura, however, finds herself more and more torn between her religious education on the one hand, her passion for philosophy on the other hand, which leads to some tensions within her family. The article tries to point out how the film symbolizes – by means of these personal and familial conflict situations – the complex search for identity between religion and a secular, “French” way of life: Eluding more and more the “new orthodoxy”, the tendency to “auto-ghettoisation” around her, Laura finally becomes a kind of “filmic icon” of “new emancipation”. All this also reflects general social divergences in contemporary France, elaborated in more detail in the article.

Zitation
Chilufim 14 (2013). in: H-Soz-Kult, 16.07.2013, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-7694>.
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Redaktion
Veröffentlicht am
16.07.2013