Religion und Gesellschaft in Ost und West (2013), 11–12

Titel
Religion und Gesellschaft in Ost und West (2013), 11–12.
Weitere Titelangaben
Griechisch-Katholische Kirchen in Mittel- und Osteuropa


Hrsg. v.
Institut G2W. Ökumenisches Forum für Glauben, Religion und Gesellschaft in Ost und West
Heft(e)
11–12
Erschienen
Zürich 2013: Medienpark
Preis
Jahresabonnement CHF 85,00 / EUR 69,00; Abo für Studierende CHF 43,00 / EUR 35,00; Einzelheft CHF 10,00 / EUR 8,00
Herausgeber d. Zeitschrift
Institut G2W. Ökumenisches Forum für Glauben, Religion und Gesellschaft in Ost und West
Erscheinungsweise
monatlich
Kontakt
Institut G2W Birmensdorferstr. 52 Postfach 9329 CH-8036 Zürich

Im Mittelpunkt der aktuellen Ausgabe von RGOW stehen die unierten Kirchen byzantinischer Tradition in Ostmittel- und Südosteuropa – in jenem „Grenzraum des Abendlandes“ (Oskar Halecki), in dem sich östliches und westliches Christentum seit Jahrhunderten überlappen. Neben Beiträgen zu den zahlenmäßig größten Ostkirchen – der Ukrainischen Griechisch- Katholischen Kirche und der Rumänischen Griechisch-Katholischen Kirche – werden auch die kleineren unierten Kirchen in der Slowakei, in Ungarn, Serbien und Kroatien vorgestellt, zumeist von Autoren aus den jeweiligen Ländern.

INHALT

Alfons Brüning: Nur „Uniatismus“? Zur historischen Entwicklung der unierten Kirchen

Die Entstehung von mit Rom unierten Kirchen im östlichen Europa weist eine längere Vorgeschichte auf, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Auf den Konzilien von Lyon und Ferrara-Florenz wurde erstmals der Versuch einer Union zwischen West- und Ostkirche unternommen. Dauerhafte Kirchenunionen entstanden allerdings erst später im ostmitteleuropäischen Grenzraum zwischen lateinischem und orthodoxem Christentum. Bei den jeweiligen Unionen gingen jedoch die lokalen orthodoxen Hierarchen und Rom von ganz unterschiedlichen Unionsvorstellungen aus.

Andriy Mykhaleyko: Geschichte und Gegenwart der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche

Die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche (UGKK) führt ihre Tradition auf die Kiewer Metropolie im 10. Jahrhundert zurück. Während der polnisch-litauischen Herrschaft ging ein Teil der orthodoxen Bischöfe im 16. Jahrhundert eine Union mit Rom ein, was zur Entstehung einer eigenständigen unierten Kirche führte. In den folgenden Jahrhunderten erlebte die UGKK eine wechselvolle Geschichte, zu sowjetischen Zeiten konnte sie nur im Untergrund in der Ukraine existieren. Nach 1989 erlangte die Kirche ihre Freiheit wieder und ist gegenwärtig mit dem Ausbau ihrer Strukturen beschäftigt.

Ciprian Ghisa: Historische Entwicklung der Rumänischen Griechisch-Katholischen Kirche

Die Rumänische Griechisch-Katholische Kirche ist Ende des 17. Jahrhunderts nach der Eingliederung des Fürstentums Siebenbürgen in das Habsburgerreich entstanden. Durch auferlegte Reformen seitens des Wiener Hofs und Roms erfuhr die Kirche in darauffolgenden Jahrhunderten eine gewisse Latinisierung. 1948 wurde die unierte Kirche von den neuen kommunistischen Machthabern aufgelöst, seit ihrer Wiederzulassung 1989 sucht die Kirche ihren Platz in der rumänischen Gesellschaft.

Ján Adam: Die Griechisch-Katholische Kirche in der Slowakei

Die Griechisch-Katholische Kirche in der Slowakei führt ihre Ursprünge auf die Mission der Slawenapostel Kyrill und Method im Großmährischen Reich zurück. Die Geschichte dieser unierten Kirche ist eng mit Ruthenischen Griechischen-Katholischen Kirche und der Eparchie von Mukačevo verknüpft, zu der die unierten Gemeinden in der heutigen Slowakei anfänglich gehörten. Zur Zeit des kommunistischen Regimes wurde die Griechisch-Katholische Kirche unterdrückt, heute kann sie sich wieder frei entfalten.

Bertalan Pusztai: Am Scheideweg der Anpassung: die ungarischen Unierten

Im Gegensatz zu den Nachbarländern war die Griechisch-Katholische Kirche in Ungarn auch zu kommunistischer Zeit geduldet. Seit der Wende ist es der Kirche gelungen, stabile Institutionen zu etablieren und als eigenständige Religionsgemeinschaft wahrgenommen zu werden. Eine große Rolle spielt dabei das Priesterseminar in Nyíregyháza, das heute als theologische Fakultät auch Laien ausbildet und akademische Präsenz in der Öffentlichkeit zeigt.

Janko Ramač: Die Russinen in der Eparchie von Križevci

Zur 1777 gegründeten Eparchie von Križevci gehörten im 20. Jahrhundert alle Griechisch-Katholischen auf dem Gebiet des früheren Jugoslawiens. Zu diesen zählten auch die Russinen in der Vojvodina und in Slawonien, an deren Geschichte der Autor die enge Verbindung zwischen konfessioneller und nationaler Identität aufzeigt. 2003 wurde für die Unierten in Serbien und Montenegro ein eigenes Exarchat gegründet.

Andriy Mykhaleyko: Die katholischen Ostkirchen im ökumenischen Dialog

Die unierten Kirchen gelten häufig als „Stolperstein“ in den ökumenischen Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen. Mit der Wiederzulassung der unierten Kirchen in Mittel- und Osteuropa nach der politischen Wende kam es zu zahlreichen Konflikten, die sich auch auf den ökumenischen Dialog auswirkten. Um sie als Dialogpartner besser einzubinden, schlägt der Autor vor, dass die katholischen Ostkirchen eine eigenständige ökumenische Theologie entwickeln und sich als Brücke zwischen Ost und West begreifen.

Zitation
Religion und Gesellschaft in Ost und West (2013), 11–12. in: H-Soz-Kult, 13.11.2013, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-7902>.
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