Religion und Gesellschaft in Ost und West (2015), 1

Titel
Religion und Gesellschaft in Ost und West (2015), 1.
Weitere Titelangaben
Religion und Politik im Baltikum


Hrsg. v.
Institut G2W. Ökumenisches Forum für Glauben, Religion und Gesellschaft in Ost und West
Heft(e)
01
Erschienen
Zürich 2015: Selbstverlag
Umfang
32 S.
Preis
Einzelheft zu CHF 10.- / € 8.- (zzgl. Versandkosten)
Herausgeber d. Zeitschrift
Institut G2W. Ökumenisches Forum für Glauben, Religion und Gesellschaft in Ost und West
Erscheinungsweise
monatlich
Kontakt
Institut G2W Birmensdorferstr. 52 Postfach 9329 CH-8036 Zürich

Die Januar-Ausgabe der Zeitschrift „Religion & Gesellschaft in Ost und West“ ist erschienen. Die Ausgabe widmet sich schwerpunktmäßig den baltischen Ländern. Sigita Urdze nimmt deren politische und wirtschaftliche Entwicklung seit 1991 in den Blick. Heiko Pääbo analysiert die Auswirkungen der Ukraine-Krise auf die Außen- und Innenpolitik Estlands und Lettlands. Toomas Schvak stellt die orthodoxen Kirchen im Baltikum vor. Alar Kilp thematisiert die Reaktionen der Kirchen auf das 2014 verabschiedete geschlechtsneutrale Lebensgemeinschaftsgesetz in Estland. Weitere Beiträge beschäftigen sich mit den evangelisch-lutherischen Kirchen und dem Islam im Baltikum.

IM FOKUS: RICHTUNGSWAHL IN DER REPUBLIK MOLDAU
von Andrei Avram

Sigita Urdze: Die baltischen Staaten – drei Länder, drei Wege?

Die drei baltischen Staaten werden häufig als Einheit wahrgenommen, dabei gibt es durchaus gravierende Unterschiede zwischen Estland, Lettland und Litauen. Die gilt insbesondere mit Blick auf die ältere Geschichte, aber auch auf die politische Entwicklung seit 1991. Innen- und wirtschaftspolitisch haben die drei Länder nach Wiedererlangen der Unabhängigkeit unterschiedliche Wege eingeschlagen. Außenpolitisch ist aber allen drei gemeinsam, dass sie durch eine enge Westbindung ihre Unabhängigkeit gegenüber Russland bewahren wollen.

Heiko Pääbo: Politik an der Grenze der neuen West-Ost-Konfrontation

Der Konflikt in der Ukraine hat in Estland und L ettland zu drei sichtbaren Veränderungen geführt: Erstens verstärken die Regierungen ihre Bemühungen um eine Integration der russischsprachigen Bevölkerung. Zweitens wurde die Parteilandschaft im Wahljahr deutlich von den Ereignissen beeinflusst. Drittens sind Themen der „harten“ Sicherheitspolitik in den Vordergrund gerückt.

Toomas Schvak: Orthodoxe Kirchen im Baltikum

In allen drei baltischen Ländern gibt es große orthodoxe Bevölkerungsgruppen, in Estland stellen die Orthodoxen mittlerweile sogar die größte Religionsgemeinschaft dar. Die orthodoxen Kirchen im Baltikum bieten vor allem den russischsprachigen Bewohnern eine geistliche Heimat. Besonders kompliziert ist die Situation in Estland, wo die Orthodoxie in zwei konkurrierende autonome Kirchen gespalten ist.

Priit Rohtmets: Die lutherischen Kirchen vor den Herausforderungen der Moderne

In Estland und Lettland waren die evangelisch-lutherischen Kirchen lange Zeit die prägenden Mehrheitskirchen, erst im Verlauf der sowjetischen Zeit haben sie ihre dominierende Stellung verloren. Im Vergleich zu den lutherischen Kirchen in Skandinavien und Deutschland sind die Kirchen im Baltikum konservativer ausgerichtet, was sich an den gesellschaftlich umstrittenen Themen Frauenordination und Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ablesen lässt. Die Kirchen in Lettland und Litauen haben sich daher auch der Lutheran Church – Missouri Synod angenähert.

Alar Kilp: Kirchliche Reaktionen auf das neue Lebensgemeinschaftsgesetz in Estland

Im Herbst 2014 hat das estnische Parlament ein geschlechtsneutrales Lebensgemeinschaftsgesetz verabschiedet. Sämtliche Kirchen in Estland haben sich vehement gegen das Gesetzesvorhaben ausgesprochen, da sie unter anderem eine Auflösung des traditionellen Familienbildes befürchten. Während die gesellschaftliche Akzeptanz nicht ehelicher heterosexueller Paare hoch ist, findet die rechtliche Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften keine eindeutige Mehrheit.

Egdūnas Račius: Islam in den baltischen Staaten

Muslime stellen in den baltischen Staaten eine kleine Minderheit dar. Während die litauischen Tataren heute ein gut integrierter Teil der Gesellschaft sind, tun sich die Muslime in Estland und in Lettland aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen schwer mit einheitlichen Organisationsstrukturen. Konvertiten stellen ein Novum dar, das angesichts der geringen Sichtbarkeit des Islam im Baltikum von der Gesellschaft noch kaum wahrgenommen wird.

Buchbesprechungen:

Matthew Lee Miller, The American YMCA and Russian Culture

Thomas Bremer, Burkhard Haneke (Hg.): Zeugen für Gott

Maria Hämmerli, Jean-François Mayer (ed.): Orthodox Identities in Western Europe

Reinhard Thöle, Martin Illert (Hg.): Wörterbuch zu den bilateralen theologischen Dialogen zwischen der EKD und orthodoxen Kirchen

Zitation
Religion und Gesellschaft in Ost und West (2015), 1. in: H-Soz-Kult, 22.01.2015, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-8734>.
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