Chilufim 15 (2013)

Titel
Chilufim 15 (2013).
Weitere Titelangaben
Übersetzung und Jüdische Kulturgeschichte


Hrsg. v.
Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg
Erschienen
Wien 2013: Phoibos-Verlag
Umfang
231 S.
Preis
Abonnement für 2 Hefte im Jahr € 19,90 (zzügl. Versand); Einzelheft: € 11,00 (zzügl. Versand)
Herausgeber d. Zeitschrift
Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg
Erscheinungsweise
zweimal jährlich
Kontakt
Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg Residenzplatz 1/ Stiege 3 5010 Salzburg Österreich/Austria

Übersetzung und Jüdische Kulturgeschichte

INHALTSVERZEICHNIS

EDITORIAL (S. 1–3)

TANJA KARLSBÖCK, ANNA WIESHEU, Alfred Kittner und Itzik Manger − eine literarische Freundschaft, (S. 5–35)

ARMIN EIDHERR, Einiges zur Übersetzung jiddischer literarischer Texte. Geschichte, Realität, Ideal − und das Beispiel Scholem Alejchem (S. 37–66)

TANJA KARLSBÖCK, Max und Moritz − drei jiddische Versionen und ihre Übersetzung (S. 67–98)

MARKO DINIĆ, bis, in baschaf, sich ajngelibt in dir. Zur Übersetzungsintention anhand ausgewählter Beispiele aus den Gesamtübersetzungen der Shakespeare-Sonette ins Jiddische (S. 99–120)

MARKUS WEIGLEIN, Was ein Wörterbuch leisten soll.¬ Überlegungen zu einem „maximalistischen Ansatz“ im jiddischen Zusammenhang (S. 121–152)

GERHARD LANGER, Kurze Anmerkungen zur Übersetzung von Midrasch (S.153–160)

IRENE FUßL, Paul Celans Sprach(en)pluralismus (S. 161–183)

Rezensionen (S.185–220)

Sheffi, Na´ama: Vom Deutschen ins Hebräische. Übersetzungen aus dem Deutschen im jüdischen Palästina 1882–1948, Göttingen 2011 (ANNE BETTEN) S.185–187

Soxberger, Thomas: Revolution am Donaukanal. Moderne jiddische Literatur und „Jiddischismus“ in Wien (1904 bis 1938), Wien 2013 (ELEONORE LAPPIN-EPPEL) S.188–190

Meyer, Thomas: Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse, Salis 2012 (DANIEL GERSON) S. 190–193

Wagener, Hans: Gabriele Tergit. Gestohlene Jahre, Göttingen 2013 (KARL MÜLLER) S. 193–196

Comans, Peter (Hg.): Splitter von Licht und Nacht. Jiddische Gedichte: Anna Margolin, Kadja Molodowsky, Malka Heifetz Tussman, Rochl Korn, Frankfurt 2013 (ARMIN EIDHERR)S. 196–199

Lengyel, Gabor: Moderne Rabbinerausbildung in Deutschland und Ungarn. Ungarische Hörer an Bildungsinstitutionen des deutschen Judentums (1854–1938), Münster 2012 (EVELYN ADUNKA)S. 200–201

Schindel, Robert: Man ist viel zu früh jung. Essays und Reden, Berlin 2011 (SEBASTIAN HARTMANN)S. 201–204; Wette, Wolfram: Feldwebel Anton Schmid. Ein Held der Humanität, Frankfurt 2013 (ALBERT LICHTBLAU) S. 204–206

Bodenheimer, Alfred: Ungebrochen gebrochen. Über jüdische Narrative und Traditionsbildung, Göttingen 2012,

Bodenheimer, Alfred: Haut ab! Die Juden in der Beschneidungs-Debatte, Göttingen 2012 (SUSANNE PLIETZSCH) S. 207–213

Koller, Sabine: Marc Chagall. Grenzgänge zwischen Literatur und Malerei, Wien 2012 (ARMIN EIDHERR) S. 213–217

Schwarz-Friesel, Monika / Reinharz, Jehuda: Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert, Berlin-Boston 2013 (ANNE BETTEN) S. 217–220

Abstracts (S. 221–227)

Autorinnen und Autoren / Rezensentinnen und Rezensenten (S. 229–231)

ABSTRACTS

Tanja Karlsböck / Anna Wiesheu: Alfred Kittner und Itzik Manger − eine literarische Freundschaft

Zehn Jahre nach Itzik Mangers Tod 1969 in Israel hat Alfred Kittner zehn Gedichte seines jiddischen Freundes ins Deutsche übersetzt und in Bukarest veröffentlicht.
In seinen Übersetzungen verdichten sich die biografischen und literari-schen Verbindungslinien und Resonanzräume der beiden Czernowitzer Lyriker. Der vorliegende Aufsatz versucht dieser „literarischen Freund-schaft“ nachzuspüren und den Kontext zu skizzieren, in dem Kittners Übersetzungen ihren (Eigen)Sinn erzeugen.

Ten years after Itzik Manger’s death in Israel 1969, Alfred Kittner translated ten poems of his Yiddish friend into the German language and published them in Bukarest. Those translations reflect the various connections and places of resonance, in the works and lives of these two Czernowitz born poets. This essay seeks to unfold and clarify the context of their “literary friendship” as the place and time of Kittner’s translating, and the moment that produces a kind of “sense” in its own value.

Armin Eidherr: Einiges zur Übersetzung jiddischer literarischer Texte − Geschichte, Realität, Ideal − und: das Beispiel Scholem Alejchem.

Scholem Alejchem hat den Ruf, einer jener Autoren zu sein, die schwer oder beinahe nicht übersetzbar sind. Nicht nur für eine nichtjüdische Leserschaft kommen die Schwierigkeiten unter anderem von der umfassenden und idiomatischen Beschreibung einer Welt mit ihren Menschen und Institutionen, die schon bald nach des Autors Tod der Vergessenheit anheimfiel.
Dennoch betrachte ich Scholem Alejchem als so übersetzbar wie Matsuo Bashō oder Dante. Die Tatsache, dass Scholem Alejchem neben Isaac Bashevis Singer oder Itzik Manger noch immer zu den am meisten ins Deutsche übersetzten jiddischen Autoren gehört, kommt weniger davon, dass er ein „Klassiker der modernen jiddischen Literatur ist, sondern weil er als typischer Vertreter einer jiddisch-humoristischen „Shtetl-Literatur“ betrachtet bzw. missverstanden wird. Und genauso „klingen“ die Übersetzungen dann bisweilen. Was ihnen fehlt, ist die sprachliche, intellektuelle und tragische Dimension des Originals.
Nach allgemeinen Überlegungen zum Thema ‚Übersetzen aus dem Jiddischen‘ und einem Blick auf bestehende Scholem Alejchem-Übersetzungen wird es möglich, die Bedingungen für eine adäquate Übersetzung von folgenden Fragen ausgehend zu reflektieren: Wie und für wen wird denn eigentlich übersetzt? Welche Charakteristika muss eine „ideale Übersetzung“ in philologischer und editorischer Hinsicht aufweisen?

Sholem Aleykhem is reputed widely to be an author who is hard or next to impossible to translate. Not only for the non-Jewish readership the difficulties are caused among other things by the comprehensive and idiomatic description of a world with its people and institutions, that sank gradually into oblivion soon after the author’s death.
I regard Sholem Aleykhem as translatable just as Matsuo Bashō or Dante. The fact that Sholem Aleykhem was and is, beside Bashevis, still among the most often translated Yiddish authors in the German-language countries does not come from his being a “classic” but because he’s regarded as the typical humoristic representative of Yiddish shtetl-literature … and of such a kind often “sound” the translations, thus shaping the canonical ideas of the shtetl with its Jews and their humorous simple life, lacking the linguistic, intellectual and tragic dimensions of the original.
The conditions for a more adequate approach can be reduced to the following formula:
Who translates how and for whom? For the professional free-lance translator the conditions generally are not ideal, because he is dependent on the market, on terms and on fee; and the question is: what would be required for the realization of ideal translations? − To that I want to formulate − after general reflections on the theme of translations and a short survey of the characteristics of existing translations − basic principles for the translation within the scope of Yiddish philology.

Tanja Karlsböck: Max und Moritz − drei jiddische Versionen und ihre Übersetzung

Wilhelm Buschs „Max und Moritz“ ist eines der berühmtesten und erfolgreichsten (Kinder-)Bücher der deutschen Literatur bis zum heutigen Tag. Unzählige Nachdichtungen, Adaptionen und Kuriosa bestätigen dies. Ebenso unübersichtlich wie die Anzahl der Auflagen des Buches ist die Vielzahl an Übersetzungen in alle denkbaren Sprachen. Darunter fallen auch drei jiddische Versionen: die erste stammt von Yoysef Tunkl aus Warschau (er wurde allerdings in Weißrussland geboren) aus dem Jahre 1928; bei der zweiten handelt es sich um eine südjiddische Übersetzung von Y. Krasnyanski von 1921; und schließlich gibt es eine sehr zeitgenössische Übersetzung aus dem Jahr 2000 von Shmoyl Naydorf und Leye Robinson, erschienen im Michaela Naumann Verlag, Nidderau.
Schließlich soll noch die sich aufdrängende Frage besprochen werden: Wozu bzw. für wen heute noch auf Jiddisch übersetzen?

Wilhelm Busch’s story “Max und Moritz” is one of the most distinguished and successful (childrens-)books of German Literature until today. There are quite a number of adaptions and curiosities confirming that. As countless the number of the editions is, as innumerable are the translations in all languages one can imagine. Beneath that, there are three Yiddish versions of “Max und Moritz”: the first one derives from Yoysef Tunkl from Warsaw (he actually was born in Belarus) from 1928 (second edition); the second version is a south-Yiddish Translation by Y. Krasnyanski from 1921; and as a third version there is a contemporary translation by Shmoyl Naydorf and Leye Robinson from 2000, published in Michaela Naumann Verlag, Nidderau. Last but not least I will examine the nearby question of “translating in Yiddish today, what for and for whom?”

Marko Dinić: bis, in baschaf, sich ajngelibt in dir. Zur Übersetzungsintention anhand ausgewählter Beispiele aus den Gesamtübersetzungen der Shakespeare-Sonette ins Jiddische.

William Shakespeares Sonette stellen eines der größten poetischen Un-terfangen der Weltliteratur dar. Die Faszination, die von diesen Gedichten ausging und immer noch ausgeht, diente ganzen Generationen als Inspirationsquelle und ganzen Generationen an ÜbersetzerInnen als Granitblock, an den man sich ordentlich die Zähne ausbeißen konnte. Zwischen 1944 und 1953 − also keine zehn Jahre − entstanden zwei Gesamtübersetzungen der Sonette in jiddischer Sprache. Dieser Aufsatz beschäftigt sich mit der Frage um die Aufgabe bzw. Intention eines Übersetzers und des Übersetzten, anhand der wunderbaren Auslegungen der Sonette von Abraham Asen und Ber Lapin.

William Shakespeare's sonnets represent one of the greatest poetic endeavors of world-literature. The fascination exerted by these poems still goes on and it served throughout the generations as a source of inspiration and also served whole generations of translators as a block of granite, which was hard to nut. Between 1944 and 1953 − not even ten years − two overall translations of the Sonnets in Yiddish were made. This paper deals with the question of task or intention of a translator and the compiled, based on the wonderful interpretations of Abraham Asen and Ber Lapin.

Markus Weiglein: Was ein Wörterbuch leisten soll. Überlegungen zu einem „maximalistischen Ansatz“ im jiddistischen Zusammenhang

Der Beitrag reflektiert die Möglichkeiten lexikographischer Methodik am Beispiel einer Heranführung an einen neuen Ansatz, der als „maximalistischer“ bezeichnet werden soll. Der Aufsatz versucht aufzuzeigen, inwiefern ein „idealtypisches“ Wörterbuch am Beispiel eines für die jiddische Sprache des historischen galizisch-bukowinischen Raumes aussehen könnte. Dabei wird eine kurze Einführung zur Wörterbucharbeit an sich wie auch zur jiddischen Lexikographie geboten. Wie auch die jiddische Kultur und Sprache sich durch Offenheit gegenüber anderen Einflüssen „von außen“ ausgezeichnet hat, muss auch ein Wörterbuch entsprechend dieses ‚Geistes‘ arbeiten: weniger normativ, vielmehr deskriptiv und „offen“ gegenüber jeglichen Einflüssen. Und dabei in Zeiten der zunehmenden Spezialisierung auch „das Ganze“ im Blickfeld haben.

This essay reflects about the possibilities of lexicographic methodology in the context of dealing with a new approach that shall be called ‘maximalistʼ. The article tries to show, how an ideal typical Yiddish dictionary of the Galician-Bukovinan-area may look like. Here, the author will talk about lexicography, about the compilations of dictionaries and about Yiddish lexicography in specific. Just as Yiddish culture and language is showing a great openness towards influences from the ‘outsideʼ, a dictionary of the Yiddish language must not lack that spirit: It has to be rather descriptive than normative and show no fear of any other impacts.

Irene Fußl: Paul Celans Sprach(en)pluralismus

Früh und endgültig hat sich der Lyriker Paul Celan, trotz denkbar schlech-ter Erfahrungen mit der deutschen Sprache als Sprache der Mörder seiner Eltern, für seine deutsche Muttersprache als einzig ‚wahrem‘ Ausdruck für seine Gedichte entschieden. Jedoch hat seine ausgezeichnete Kenntnis ungewöhnlich vieler Fremdsprachen ihm die nötige Außensicht auf die Muttersprache ermöglicht, die einen äußerst kritischen und behutsamen Umgang mit ihr zur Folge hatte. Celan übersetzte so nicht nur Werke von zweiundvierzig Dichtern aus sieben Sprachen, auch seine eigene Lyrik zeigt deutlich, wie stark das oft spielerische Überschreiten von Sprachgrenzen und die Verfolgung von historischen Wortschichten als auch von Wortassoziationen durch mehrere Kultur- und Sprachbereiche seine Dichtung geprägt hat.

Paul Celan early on came to a final decision to write his poems in German − despite the fact that it was the language of his parents’ murderers. In any other language than the mother tongue, he said, a poet would be “lying”. Because of his excellent knowledge of an extraordinary number of foreign languages, however, Celan was able to gain a necessary special perspective on his first language which as a result he handled very delicately and critically. Celan translated works of 42 poets from seven languages, and his own lyric poetry shows how much his poems are formed as a consequence of playfully crossing language barriers, both going into a word’s history and following its associations through different languages and cultures.

Zitation
Chilufim 15 (2013). in: H-Soz-Kult, 24.02.2015, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-8804>.
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24.02.2015
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