Chilufim 17 (2014)

Titel
Chilufim 17 (2014).


Hrsg. v.
Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg
Erschienen
Wien 2014: Phoibos-Verlag
Umfang
209 S.
Preis
Abonnement für 2 Hefte im Jahr € 19,90 (zzgl. Versand); Einzelheft: € 11,00 (zzgl. Versand)
Herausgeber d. Zeitschrift
Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg
Erscheinungsweise
zweimal jährlich
Kontakt
Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg Residenzplatz 1/ Stiege 3 5010 Salzburg Österreich/Austria

INHALTSVERZEICHNIS

EDITORIAL (S. 1–3)

SHULAMIT VOLKOV Biographie und Dichtung: Der Fall Rathenau – Musil (S. 5–26)

CORINNA MUSCHEID Vom Zerreißen und Überbrücken. Zur Lyrik von Ruth Klüger (S. 27–62)

CHRISTA ZELLER THOMAS Coming Out Jewish? Aimée & Jaguar, Holocaust Memory, and the Politics of Queer Globalization (S. 63–94)

LILIAN HARLANDER „Um des Himmels willen“. Konversion als Utopie in Bernhard Schlinks Die Beschneidung (S. 95–127)

REGINA HOPFGARTNER Zwischen Heiligung und Humor. Die Figur des Rabbi im jiddischen Volkslied (S. 129–172)

Rezensionen (S. 173–199)

Sandner, Günther: Otto Neurath. Eine politische Biographie, Wien 2014 (HELGA EMBACHER) S. 173–176.

Steinert, Johannes-Dieter: Deportation und Zwangsarbeit. Polnische und sowjetische Kinder im nationalsozialistischen Deutschland und im besetzen Osteuropa 1939–1945, Essen 2013 (HELGA EMBACHER) S. 176–179.

Ranan, David: Die Schatten der Vergangenheit sind noch lang. Junge Juden über ihr Leben in Deutschland, Berlin 2014 (DANIEL GERSON) S. 179–182.

Frei, Norbert / Kansteiner, Wulf (Hg.): Den Holocaust erzählen. Historiographie zwischen wissenschaftlicher Empirie und narrativer Kreativität (Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts, Vorträge und Kolloquien, 11), Göttingen 2013, (SIEGFRIED GÖLLNER) S. 182–185.

Dallinger, Petra-Maria (Hg.): „Der Fall Franz Stelzhammer“ – Antisemitismus im 19. Jahrhundert (Schriften zur Literatur und Sprache in Oberösterreich, 18), Linz 2014 (FLORIAN SCHWANNINGER) S. 185–188.

Engelhardt, Arndt: Arsenale jüdischen Wissens. Zur Entstehungsgeschichte der „Encyclopaedia Judaica“, Göttingen 2013 (EVELYN ADUNKA) S. 188–190.

Dunkhase, Jan Eike: Spinoza der Hebräer. Zu einer israelischen Erinnerungsfigur, Göttingen 2013 (CLEMENS PECK) S. 191–193.

Assmann, Aleida: Das neue Unbehagen an der Erinnerungskultur. Eine Intervention, München 2013 (MARKUS WEIGLEIN) S. 194–196.

Corbea-Hoisie, Andrei: Politik, Presse und Literatur in Czernowitz 1890–1940. Kulturgeschichtliche und imagologische Studien (Stauffenburg Colloquium, 78), Tübingen 2013 (ANNA WIESHEU) S. 196–199.

Abstracts (S. 201–206)
Autorinnen und Autoren / Rezensentinnen und Rezensenten (S. 207–209)

ABSTRACTS

_Shulamit Volkov:
Biographie und Dichtung: Der Fall Rathenau-Musil_

Der berühmte deutsch-jüdische Politiker und Schriftsteller Walther Ra-thenau gilt als Vorbild der literarischen Figur Paul Arnheim aus Robert Musils Roman Der Mann ohne Eigenschaften. Der Artikel versucht durch eine kritische Lektüre von Musils Roman sowie von biographischen Zeugnissen zum Leben Rathenaus die realen und imaginären Persönlichkeiten zu einander in Beziehung zu setzen: Rathenau/Arnheim einerseits, Musil/Ulrich andererseits. Gerade am Fall Rathenau-Musil kann dabei eine Spannung zwischen Biographie und Dichtung, zwischen Geschichte und Fiktion festgemacht werden, die auch neue Fragen zur literarischen Darstellung jüdischer Figuren in der Moderne aufwirft.

In Robert Musil’s novel The Man Without Qualities the figure of Paul Arnheim is modeled on the famous german-Jewish politician and writer Walther Rathenau. The article focuses on Musil’s novel as well as on bio-graphical documents of Rathenau’s life by examining relations between the real historical and the imaginary persons: Rathenau/Arnheim on the one hand, Musil/Ulrich on the other. Thus, the case Rathenau-Musil shows tensions between biography and literature, between history and fiction, and offers new ways of unterstanding representations of Jewish figures in modern literature.

_Corinna Muscheid:
Vom Zerreißen und Überbrücken. Zur Lyrik von Ruth Klüger._

Die Lyrik von Ruth Klüger ist geprägt von der Erfahrung des Holocaust. Nicht nur als Opfer und Überlebende der Vernichtung, sondern auch als Verbannte im Exil reflektiert die Autorin in ihrer Dichtung das ambivalente Verhältnis zum privaten und öffentlichen Umgang mit Erinnerungen. Die vier ausgewählten, in dem Gedichtband „Zerreißproben“ erschienenen Gedichte „Deutsche Sprache“, „Heldenplatz“, „Mit einem Jahrzeitlicht für den Vater“ sowie „Esterhazypark“ thematisieren Zerrissenheitsgefühle, die durch die sich offenbarenden unüberwindbaren Diskrepanzen zwischen Zugehörigkeit und Ablehnung, Vertrautheit und Fremdheit, Heimat und Exil sowie Erinnerung und Verdrängung zum Ausdruck kommen.

The poetry of Ruth Klüger is characterised by the experiences of the Holo¬caust. Not only as a concentration camp survivor but also as an exile, the author reflects in her poetry on her ambivalent feelings towards memories and how to deal with them. The selected poems “Deutsche Sprache”, “Heldenplatz”, “Mit einem Jahrzeitlicht für den Vater” and “Esterhazypark”, which are published in the volume of poems “Zerreißproben”, deal with unresolved inner conflicts while expressing insurmountabel discrepances between social affiliation and isolation, familiarity and foreigness, homeland and exile, as well as memory and suppression.

_Christa Zeller Thomas:
“Coming Out Jewish?” Aimée & Jaguar, Holocaust Memory, and the Politics of Queer Globalization_

This article explores the enthusiastic reception by gay, lesbian, and main-stream audiences of a German Holocaust document, Erica Fischer’s Aimée & Jaguar: A Love Story, Berlin 1943 (1994), in the context of the emergence of increasingly global gay and lesbian movements in the 1990s. Aimée & Jaguar invited collective identification as victims by tapping into the contemporary gay/lesbian discourse that used the Holocaust as a metaphor for the plight of homosexuals, further resonating with a series of AIDS dramas from the era that did the same. The text’s reception and selective (dis)identification by Fischer and audiences alike raise questions about the ownership and appropriation of Holocaust memory as well as about the impact of globalizing social movements and mass media on post-Holocaust identity politics.

Dieser Artikel untersucht die begeisterte Aufnahme eines deutschen Holocaustdokuments, und zwar Erica Fischers Aimée & Jaguar: eine Liebesgeschichte, Berlin 1943 (1994) durch homosexuelle, lesbische und Durchschnitts-Zuseherkreise, im Kontext der Entstehung globaler Homosexuellen- und Lesben-Bewegungen in den 1990er Jahren. Aimée & Jaguar lud zu kollektiver Identifizierung als Opfer ein, indem es auf einen zeitgenössischen Diskurs zugriff, der den Holocaust als Metapher für das Leiden der Homosexuellen verwendete. Weitere textliche Resonanz bestand mit einer Reihe von Theaterstücken aus der AIDS-Ära, die das Gleiche taten. Die Aufnahme des Textes und die selektive (Dis-)Identifizierung von seiten Fischers und des Publikums werfen Fragen über den „Besitz“ und die Verwendung von Holocaust-Erinnerungen sowie über die Auswirkungen von sozialen Bewegungen und globalisierenden Massenmedien auf die Identitätspolitik nach dem Holocaust auf.

_Lilian Harlander:
„Um des Himmels willen“. Konversion als Utopie in Bernhard Schlinks Die Beschneidung._

Die Konversion – in diesem Beitrag die Konversion zum Judentum – beinhaltet ungleich mehr als nur den Wechsel von einer Religion zu einer anderen. Sie verbindet verschiedene Fragen nach Identität mit utopischen Aspekten, handelt es sich doch meist um den Wunsch, ein ideales und neues Leben zu erreichen: sei es durch einen Identitätswechsel ausschließlich „um des Himmels willen“, wie dies die Tradition vorsieht, sei es durch wesentlich pragmatischere Gründe, wie sie sich in religionssoziologischen und religionspsychologischen Überlegungen darstellen.
Bernhard Schlinks Erzählung Die Beschneidung thematisiert nun diese Suche nach einer neuen Identität. Anhand religionssoziologischer Theo-rien soll das Streben des Protagonisten nach einer idealen Lebensform aufgezeigt werden. Die Religionssoziologie verbindet sich mit der Litera-turanalyse und wird zu ihrem Werkzeug, um utopische Konzepte einer Konversion zu untersuchen.

Conversion – in this paper the conversion to Judaism – includes more than just a change from one religion to another. It combines questions of identity with utopian aspects, as it always is acting with desires achieving an ideal or new life: either by change of identity “for Heaven's sake”, as prescribed by tradition, either by pragmatic reasons, as they appear in some considerations of sociology and psychology of religion.
A few to Bernhard Schlink’s story Die Beschneidung picks out the pro-tagonist’s search for a new identity. The theories of sociology of religion will be linked with literary analyses and show some utopian tendencies.

_Regina Hopfgartner:
Zwischen Heiligung und Humor. Die Figur des Rabbi im jiddischen Volkslied_

Das jiddische Volkslied, die Liedfolklore der aschkenasischen Juden Osteuropas, birgt nicht nur im religiösen sondern vielmehr auch im säkularen Lied Aspekte der jüdischen Geschichte und Religion. Im vorliegenden Artikel zeigt die Autorin auf, dass speziell die Lieder um den Rabbi nur interdisziplinär zu verstehen sind. Demzufolge werden exemplarisch Themen und Lieder aus geschichtlicher, religiöser, sprachlicher, gesellschaftlicher und musikalischer Sicht beleuchtet und analysiert. Die zahlreichen Wirkungsbereiche eines Rabbi sind in den verschiedensten Genres des jiddischen Volksgesangs vertreten (z.B. Wiegen-, Kinder-, Tanz-, Liebes-, Scherzlieder, Schlager), wobei hierin die Figur des Rabbi im Sinne eines hohen Vertreters einer Glaubensgemeinschaft als ein einzigartiges Phänomen in den monotheistischen Kulturen auftritt.

Yiddish folk songs, the traditional songs of the Ashkenazic Jews in Eastern Europe, contain aspects of Jewish history and religion not only in their religious forms but to a greater extent in their secular songs. The following article shows, that especially the songs concerning the Rabbi are to be considered interdisciplinary. As a result the presented examples are elucidated and analysed according to their historical, religoius, linguistic, social and musical backgrounds. The numerous duties of the Rabbi are present in the various genres oft the Yiddish folk song (e.g. lullabies, children’s songs, dances, love songs, humoristic songs, popular songs). In all of these the figure of the Rabbi, a higher representative of a religious congregation, occurs as an unique phenomenon in monotheistic cultures.

Zitation
Chilufim 17 (2014). in: H-Soz-Kult, 26.02.2015, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-8806>.
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Redaktion
Veröffentlicht am
26.02.2015
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