Religion und Gesellschaft in Ost und West (2015), 6–7

Titel
Religion und Gesellschaft in Ost und West (2015), 6–7.
Weitere Titelangaben
Kaukasus


Hrsg. v.
Institut G2W. Ökumenisches Forum für Glauben, Religion und Gesellschaft in Ost und West
Heft(e)
6–7
Erschienen
Zürich 2015: Selbstverlag
Umfang
32 S.
Preis
Einzelheft zu CHF 10.- / € 8.- (zzgl. Versandkosten)
Herausgeber d. Zeitschrift
Institut G2W. Ökumenisches Forum für Glauben, Religion und Gesellschaft in Ost und West
Erscheinungsweise
monatlich
Kontakt
Institut G2W Birmensdorferstr. 52 Postfach 9329 CH-8036 Zürich

In diesem Heft richten wir unseren Blick auf die Kaukasusregion. Es enthält einen Überblick über die geopolitische Lage Armeniens und sein vielschichtiges Verhältnis zu Russland sowie einen Hintergrundbericht zu den armenischen Gedenkfeiern zum 100. Jahrestag des Genozids. Von weiteren menschlichen Tragödien im Kaukasus handelt ein Beitrag zur Geschichte Tschetscheniens im 20. Jahrhundert. Außerdem erwarten Sie ein aktueller Lagebericht aus Südossetien sowie ein Beitrag über die Schwierigkeiten der Georgischen Orthodoxen Kirchemit den Anforderungen einer pluralistischen Gesellschaft.

KAUKASUS

INHALT

Sergey Minasyan: Armeniens Verhältnis zu Russland angesichts der Ukraine-Krise

Auf russischen Druck hat Armenien im Herbst 2013 die Unterzeichnung eines Assoziierungsabkommens mit der EU sistiert und ist stattdessen im Januar 2015 der Eurasischen Zollunion beigetreten. Armenien ist für die Sicherheitspolitik Russlands im Südkaukasus von zentraler Bedeutung, umgekehrt ist das Land auf die Unterstützung Russlands im Karabach-Konflikt angewiesen. Seitens der EU hofft die armenische Regierung auf entsprechende Flexibilität.

Thomas Schmutz: Armenien und das Gedenken an den Völkermord von 1915

Vor 100 Jahren begannen im Frühjahr 1915 die Vertreibung und die Vernichtung der Armenier im Osmanischen Reich. Etwa 1,5 Millionen Armenier fielen dem Völkermord zum Opfer. In Armenien und weltweit wurde am 24. April an die Opfer des Genozids erinnert. Während die Ereignisse vor 100 Jahren international als Völkermord anerkannt werden, verfolgt die offizielle Türkei bis heute eine Leugnungspolitik. Als Reaktion auf die internationalen Gedenkfeierlichkeiten in Jerewan gedachte die Türkei des Sieges der osmanischen Truppen über die Entente-Mächte in der Schlacht von Gallipoli im Ersten Weltkrieg.

Jeronim Perović: Vertreibung, Trauma und Krieg: Die tschetschenische Tragödie

Nach den beiden blutigen Tschetschenienkriegen regiert Ramzan Kadyrov die nordkaukasische Republik mit eiserner Hand. Die Kriege der 1990er und 2000er Jahre lassen sich zwar einerseits in eine längere Konfliktgeschichte von bewaffnetem Widerstand und Vertreibung einordnen, übertrieben wäre es jedoch, diese als russisch-tschetschenischen Dauerkonflikt seit 400 Jahren zu mythologisieren. Statt einer politischen motivierten Auslegung der Geschichte ist vielmehr eine Aufarbeitung der konfliktträchtigen Vergangenheit vonnöten.

Sophie Zviadadze: Die Georgische Orthodoxe Kirche und die Herausforderungen der Moderne

Die Georgische Orthodoxe Kirche genießt ein hohes öffentliches Ansehen im Land, und zur Stärkung der eigenen Legitimität bemühen sich die politischen Eliten um eine enge Zusammenarbeit mit der Kirche. Mit Hilfe des Staates versucht die Kirche ihrerseits, ihre Wertvorstellungen in der Gesellschaft umzusetzen. Trotz des engen Staat-Kirche-Verhältnisses hat es in den letzten Jahren jedoch auch eine Reihe von Konflikten zwischen den beiden Institutionen gegeben, so hat der Staat gegen den Willen der Kirche ein Antidiskriminierungsgesetz verabschiedet.

Cécile Druey: Südossetien: Konfliktherd oder Bindeglied?

Der seit 1991/92 schwelende Konflikt um Südossetien wurde im „Fünftagekrieg“ zwischen Georgien und Russland 2008 neu entfacht. Südossetien wird seither von Russland als unabhängiger Staat anerkannt, international ist es dagegen isoliert. In dieser Situation greifen Korruption und Perspektivlosigkeit um sich. Teile der Eliten und der Zivilgesellschaft bemühen sich um Auswege aus der Abhängigkeit von Russland wie auch aus der internationalen Isolation.

ORTHODOXE DIASPORA

Olga Stieger: Das Pariser Erzbistum in der Krise

Das „Erzbistum russisch-orthodoxer Kirchen in Westeuropa – Exarchat des Patriarchats Konstantinopel“ wird von internen Auseinandersetzungen erschüttert. Auslöser für die Konflikte waren umstrittene Personalentscheide von Erzbischof Job (Getcha). Kritiker werfen ihm vor, mit seinen Entscheidungen das Statut des Exarchats verletzt zu haben. Der Erzbischof wiederum wirft seinen Kritikern „sektiererische Methoden“ vor.

ORIENTALISCHE KIRCHE

Wolfgang Schwaigert: Die Syro-Malankarische Katholische Kirche

Die Syro-Malankarische Katholische Kirche ist eine mit Rom unierte Ostkirche. Historisch ist sie in der Tradition der indischen Thomaschristen verwurzelt. Die Kirche ist eine wachsende Kirche, so gibt es mittlerweile auch Gemeinden im Mittleren Osten, in Europa und Nordamerika. Die Nähe zum indischen Erbe zeigt sich vor allem bei der Askese und dem Ordensleben. Den Gottesdienst feiert die Kirche in der westsyrischen Jakobusliturgie in der Volksprache Malayalam.

BUCHBESPRECHUNGEN

Rolf Hosfeld: Tod in der Wüste. Der Völkermord an den Armeniern. München: C. H. Beck 2015

100 Jahre Deutsch-Armenische Gesellschaft, 1914–2014 erinnern – gedenken – gestalten. Hannover: Deutsch-Armenische Gesellschaft
2014

Jeronim Perović: Der Nordkaukasus unter russischer Herrschaft. Geschichte einer Vielvölkerregion zwischenvRebellion und Anpassung
(= Beiträge zur Geschichte Osteuropas 49). Köln – Weimar – Wien: Böhlau Verlag 2015

Alexander Agadjanian, Ansgar Jödicke, Evert van der Zweerde (eds.): Religion, Nation and Democracy in the South Caucasus (= Routledge Contemporary Russia and Eastern Europe Series 59). New York: Routledge 2015

Zitation
Religion und Gesellschaft in Ost und West (2015), 6–7. in: H-Soz-Kult, 02.07.2015, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-9028>.
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