Chilufim 18 (2015)

Titel
Chilufim 18 (2015).
Weitere Titelangaben
Der Gaza-Krieg 2014 und sein Widerhall in Europa. Pro-Palästina-Demonstrationen und Antisemitismus-Debatten


Hrsg. v.
Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg
Heft(e)
1
Erschienen
Wien 2015: Phoibos-Verlag
Umfang
270 S.
Preis
Abonnement für 2 Hefte im Jahr € 19,90 (zzgl. Versand); Einzelheft: € 11,00 (zzgl. Versand)
Herausgeber d. Zeitschrift
Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg
Erscheinungsweise
zweimal jährlich
Kontakt
Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg Residenzplatz 1/ Stiege 3 5010 Salzburg Österreich/Austria

INHALTSVERZEICHNIS

EDITORIAL (S. 1–2)

HELGA EMBACHER, Der Gaza-Krieg 2014 und sein Widerhall in Europa: Vorgeschichte und Antisemitismus-Debatten (S. 3–38)

ALEXANDRA PREITSCHOPF, „Nous sommes tous des Palestiniens“ – Palästina-Solidarität, Antizionismus und Antisemitismus im Zuge der Pro-Gaza-Proteste 2014 in Frankreich (S. 39–103)

HELGA EMBACHER , „Free, Free Palestine“ – „Boycott Apartheid Israel. Stop the Massacre“ Pro-Gaza-Demonstrationen und Boykottforderungen in Großbritannien im Kontext des Gaza-Krieges vom Sommer 2014 (S. 105–149)

JAN RYBAK, „Unheilige Allianzen“, Antisemitismus und Projektionsbedürfnisse im Kontext der Gaza-Protestbewegung in Deutschland (S. 151–200)

BERNADETTE EDTMAIER / BERNHARD TRAUTWEIN, Pro-Gaza Kundgebungen in Österreich 2010/2014. Zwischen Antisemitismus(verdacht) und Islamfeindlichkeit (S. 201–251)

Rezensionen (S. 253–262)

Schwarz, Egon: Wien und die Juden. Essays zum Fin de siècle, München: C.H. Beck 2014. (ARMIN EIDHERR) (S. 253–256)

Shtakser, Inna: The Making of Jewish Revolutionaries in the Pale of Settlement. Community and Identity during the Russian Revolution and its Immediate Aftermath, 1905-07. Basingstoke: Palgrave Macmillan 2014. (JAN RYBAK) (S. 256–259)

Killet, Julia / Schwarz, Helga W. (Hg.): Maria Leitner oder: Im Sturm der Zeit, Berlin: Dietz Verlag 2013. (FLORIAN SCHWANNINGER) (S. 259–262)

Abstracts (S. 263–267)

Autorinnen und Autoren / Rezensentinnen und Rezensenten (S. 269–270)

ABSTRACTS:

_Alexandra Preitschopf:
„Nous sommes tous des Palestiniens“ – Palästina-Solidarität, Antizionismus und Antisemitismus im Zuge der Pro-Gaza-Proteste 2014 in Frankreich_

Wie anhand der pro-palästinensischen Demonstrationen im Sommer 2014 erneut deutlich wurde, werden die Auswirkungen des andauernden Nahostkonflikts auch in Europa mehr und mehr spürbar. In Frankreich kam es bereits mit der Zweiten Intifada im Jahr 2000 zu einem merklichen Anstieg von antisemitischen Vorfällen. Der vorliegende Beitrag zeigt, dass während der Pro-Gaza-Demonstrationen vom Sommer 2014 erneut das Mobilisierungspotential für die „palästinensische Sache“ als auch die Beständigkeit und „Propagierbarkeit“ antizionistischer und antisemitischer Vorurteile und Stereotyp deutlich wurde. Zu betrachten sind die Proteste hierbei vor dem Hintergrund einer gewissen pro-palästinensischen „Tradition“ in Frankreich, die im Antizionismus der extremen Linken der 1960er und 1970er Jahre wurzelt und heute wiederum von verschiedensten Akteuren und politischen Gruppierungen vorangetrieben und mitunter instrumentalisiert wird.

As the example of the pro-Palestine demonstrations in summer 2014 shows, the ongoing Israeli-Palestinian conflict has had more and more impact on European civil society. In France, there has been a significant increase of anti-Israeli attitudes and violent anti-Semitic assaults especially since the outbreak of the Second Intifada in 2000. The pro-Gaza protests in 2014 not only made clear the mobilization potential for the “Palestinian cause” but also the persistence and spread of anti-Zionist and anti-Semitic prejudices and stereotypes. Thus, this article aims to examine these protests in their wider socio-political context and against the backdrop of a pro-Palestinian “tradition” in France which is rooted in the vehement anti-Zionism of the Radical Left in the 1960s and 1970s and is nowadays promoted by very different protagonists and political groups.

_Helga Embacher
„Free, Free Palestine“ – „Boykott Apartheid Israel. Stop the Massacre“. Pro-Gaza-Demonstrationen und Boykottforderungen in Großbritannien im Kontext des Gaza-Krieges vom Sommer 2014_

Im Zentrum des Beitrags stehen die Pro-Gaza Bewegung und Boykottbewegung gegen Israel, die in Großbritannien im Vergleich zu anderen europäischen Ländern besonders stark ausgeprägt sind. Über mehrere Wochen hinweg gelang es der Stop the War Coalition, die bereits im Kontext des Irak-Krieges 2001 gegründet wurde und sich aus radikalen linken und islamistischen Organisationen zusammensetzt, teilweise mehr als hunderttausend Menschen zu mobilisieren. Im Zentrum steht die Frage, was den britischen Antisemitismus und Antizionismus auszeichnet und ob sich eine genuin britische Debatte um diesen Antisemitismus feststellen lässt. Der Beitrag untersucht zudem die unterschiedlichen jüdischen Reaktionen auf den Gaza-Krieg, wobei vor allem innerjüdische Debatten über die Haltung zu Israel von Interesse sind. Zudem werden Umfragen und unterschiedliche Einschätzungen von jüdische Organisationen und Repräsentanten zum Antisemitismus im Kontext des Gaza-Krieges analysiert.

The article focuses on the pro-Gaza movement and the boycott movement against Israel, both of which are strongly pronounced in Great Britain as compared to other European countries. The Stop the War Coalition, which had been founded in the context of the Iraq War in 2001 by radical leftist and Islamic organizations, was able to mobilize up to a hundred thousand people. The central question is whether there is something special about British antisemitism and anti-Zionism, and if the British debate about antisemitism has a specific character. The article further analyzes various Jewish reactions to the war in Gaza and thus discusses the complicated relationship between British Jews and Israel. Of further interest are polls and reactions of Jewish representatives and organizations to antisemitism in the context of the Gaza war.

_Jan Rybak:
“Unheilige Allianzen”, Antisemitismus und Projektionsbedürfnisse im Kontext der Gaza-Protestbewegung in Deutschland_

Der Beitrag analysiert die Protestbewegung gegen den Gaza-Krieg in Deutschland im Sommer 2014. Auf der Grundlage von Medienberichten, Stellungnahmen von politischen Parteien sowie zivilgesellschaftlichen Akteuren wird Manifestation von Antisemitismus im Kontext der Proteste sowie dessen Interpretationen nachgegangen. Der Diskurs über Israel/Palästina/(Anti)Zionismus/ Antisemitismus wird dabei als Teil deutscher Erinnerungs- und Identitätskonstruktionen analysiert. Es zeigt sich, dass von den meisten Akteuren der Proteste und Gegenkundgebungen der Konflikt in höchstem Maße projektiv aufgeladen war und damit jeweils sehr einseitige Bilder von Israel/Palästina vertreten werden. Zudem wurde deutlich, dass sich der öffentliche Diskurs auf die Manifestation von Antisemitismus konzentrierte, was auch einer moralischen Läuterung deutscher Nationalidentität und der Projektion bzw. Verlagerung des Antisemitismus auf muslimische Migrant/innen diente.

This article analyses the protest movement against the Gaza war that unfolded in Germany in the summer of 2014. Based on the assessments of media reportage and the statements of political and civil organizations, it evaluates articulations of antisemitism and interpretations of it in the context of the protests. Dealing with Germany and its special historical experience, the discourse on Israel/Palestine/(anti-)Zionism/antisemitism is analyzed as part of the construction of national memory and identity. It can be observed that most actors in the protests and counter-protests perceived the conflict in a highly projective manner, supporting imagined homogenous communities on one side while condemning the other. The public discourse, however, concentrated largely on articulations of antisemitism, with its attendant condemnation of and outsourcing onto Muslim immigrants, which was intended to purify and rehabilitate German national identity.

_Bernadette Edtmaier/Bernhard Trautwein
Pro-Gaza-Kundgebungen in Österreich 2010/2014. Zwischen Antisemitismus(verdacht) und Islamfeindlichkeit_

In Österreich stehen nach wie vor zumeist rechte bzw. rechtsextreme Gruppierungen hinter antisemitischen Handlungen. In Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt treten aber zusehends auch linke pro-palästinensische Organisationen und muslimisch-türkische Organisation als Träger antizionistischer und antisemitischer Einstellungen in Erscheinung. Im vorliegenden Beitrag werden die wichtigsten Gruppierungen, die sich 2010 und 2014 an pro-palästinensischen Kundgebungen beteiligten, vorgestellt und deren pro-palästinensischer Grundkonsens nachgezeichnet. Es folgt eine genaue Analyse immer wiederkehrender Aussagen, die in einer „Grauzone“ zwischen Antizionismus und Antisemitismus zu verorten sind. Das pro-palästinensische Engagement österreichischer Muslime wird schließlich in Zusammenhang mit der zunehmenden Islamfeindlichkeit gestellt, als deren zentraler Träger sich in den letzten Jahren die FPÖ positioniert hat.

Most acts of antisemitism in Austria are committed by right-wingers or right-wing extremists. Furthermore, some pro-Palestinian left-wingers and Muslim-Turkish organisations also display anti-Zionist and antisemitic attitudes that are usually linked to the Middle East Conflict. This paper presents the most important groups that participated in the pro-Palestinian demonstrations in 2010 and 2014, and analyses their pro-Palestinian consensus. During those demonstrations, here were frequent anti-Israel statements. Since some of those statements are neither clearly anti-Zionist nor clearly antisemitic, this “grey area” will be analyzed accurately. Finally, we will link the declared solidarity with Palestine that many Muslims display to Islamophobia, a phenomenon that is closely connected to the Austrian Freedom Party (FPÖ).

Zitation
Chilufim 18 (2015). in: H-Soz-Kult, 24.08.2015, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-9142>.
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24.08.2015
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