Religion und Gesellschaft in Ost und West (2016), 5

Titel
Religion und Gesellschaft in Ost und West (2016), 5.
Weitere Titelangaben
Ein bestürzendes Urteil: Heike Karge zur Freisprechung des serbischen Ultranationalisten Vojislav Šešelj durch den Internationalen Strafgerichtshof


Hrsg. v.
Institut G2W. Ökumenisches Forum für Glauben, Religion und Gesellschaft in Ost und West
Heft(e)
5
Erschienen
Zürich 2016: Selbstverlag
Umfang
32 S.
Preis
EUR 8.- / CHF 10.- zzgl. Versandkosten
Herausgeber d. Zeitschrift
Institut G2W. Ökumenisches Forum für Glauben, Religion und Gesellschaft in Ost und West
Erscheinungsweise
monatlich
Kontakt
Institut G2W Birmensdorferstr. 52 Postfach 9329 CH-8036 Zürich

Im Spannungsfeld der Erinnerungspolitik treffen diverse Interessen und Akteure aufeinander. Seit dem Ende der kommunistischen Regime stellt sich vor allem die Frage, wie heute die Zeit vor der Wende erinnert wird. Wie und in welchem Umfang betreiben die gegenwärtigen politischen Regime in Osteuropa Geschichts- und Erinnerungspolitik?

In diesem Heft richten wir den Fokus auf den Kaukasus: Unsere Autoren setzen sich mit neuen Formen offizieller Erinnerung in Georgien, Armenien und Aserbaidschan auseinander, die auffallend wenig demokratische Elemente aufweisen. Die Beiträge über Budapest und Jalta zeigen, wie Erinnerungsorte auch an Bedeutung verlieren können oder nur selektiv als solche wahrgenommen werden.

INHALT

Im Fokus: Ein bestürzendes Urteil. Heike Karge zur Freisprechung des serbischen Ultranationalisten Vojislav Šešelj durch den Internationalen Strafgerichtshof

ERINNERUNGSKULTUREN

Stefan Troebst: Jalta als europäischer Erinnerungsort?
Trotz seiner unbestreitbaren Bedeutung für die europäische Nachkriegsordnung ist „Jalta“ kein europäischer Erinnerungsort. In Polen hingegen ist der Konferenzort auf der Krim ein Erinnerungsort ersten Ranges, der mit dem „Verrat“ der westlichen Alliierten an ihren polnischen Verbündeten verbunden ist. „Jalta“ besiegelte das Schicksal Polens, das fortan in der Einflusssphäre der Sowjetunion bleiben sollte, bis es sich 1989 aus dem „System von Jalta“ befreite.

Melinda Harlov: Vom Paradeplatz zum Parkplatz: Erinnerungsorte in Budapest
Der Umgang mit der bewegten Vergangenheit Ungarns spiegelt sich in der Gestaltung öffentlicher Plätze wider. Am Beispiel des 1956er-Platzes und des Freiheitsplatzes lässt sich in der Stadtplanung Budapests eine Marginalisierung einstiger Repräsentationsstätten der Macht nachzeichnen. So wird der 1956er-Platz – einst Paradeplatz mit einem Stalin- und später einem Lenin-Denkmal – heute vor allem als Parkplatz genutzt, während der Freiheitsplatz als Freizeitzone und Erinnerungsort mit neuen Kunstwerken dient.

Nutsa Batiashvili: Das Museum der sowjetischen Okkupation in Georgien
Das nach dem russisch-georgischen Krieg von 2008 eröffnete Okkupationsmuseum in Georgien reiht sich in eine Reihe gleichartiger Museen in anderen osteuropäischen Ländern ein. Sie alle vermitteln ein homogenes Geschichtsbild, wonach die Verbrechen ausschließlich von den russischen Sowjets begangen wurden, während die jeweils einheimische Bevölkerung Opfer des Kommunismus war.

Mikayel Zolyan: Unabhängigkeit und Konflikt in armenischen Schulbüchern
Bei der Darstellung der Ereignisse der späten 1980er und frühen 1990er Jahre legen die meisten armenischen Schulbücher den Fokus auf den Unabhängigkeitskampf und den Konflikt um Bergkarabach. Der Kampf gegen das totalitäre Sowjetsystem und die demokratische Transition spielen bei diesem Narrativ lediglich eine untergeordnete Rolle. Die Darstellung des Bergkarabach-Konflikts suggeriert Analogien zum Völkermord an den Armeniern von 1915.

Sergey Rumyantsev: Die Gegenwart des Sowjetischen in Aserbaidschan
Wie in anderen ehemaligen Sowjetrepubliken lässt sich in Aserbaidschan eine Kontinuität zwischen sowjetischer und postsowjetischer Gedächtnispolitik beobachten. Die politischen und kulturellen Eliten sind nahezu identisch geblieben, ihren Aufstieg verdanken sie der sowjetischen Nationalitätenpolitik, deren Institutionen die Kulturpolitik noch heute prägen. Seit dem Tod von Präsident Heydar Aliyev 2003 wurden landesweit zahlreiche Aliyev-Denkmäler errichtet, die an den sowjetischen Personenkult erinnern.

Buchbesprechungen:

Maria Todorova, Augusta Dimou, Stefan Troebst (Hgs.): Remembering Communism. Private and Public Recollections of Lived Experience in Souteast Europe. Budapest, New York 2014

Swetlana Alexijewitsch: Secondhand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus. Berlin 2015

Timothy K. Blauvelt, Jeremy Smith (eds.): Georgia after Stalin. Nationalism and Soviet Power. London 2016

Heinrich Michael Knechten: Starzinnen, Fürstinnen und Törinnen. Karnen 2012

Zitation
Religion und Gesellschaft in Ost und West (2016), 5. in: H-Soz-Kult, 20.05.2016, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-9647>.
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