Jahrbuch für europäische Überseegeschichte

Zeitschriftentitel
Jahrbuch für europäische Überseegeschichte
Herausgeber d. Zeitschrift
Im Auftrag der Forschungsstiftung für vergleichende europäische Überseegeschichte herausgegeben von: Markus A. Denzel, Gita Dharampal-Frick, Horst Gründer, Hermann Hiery, Klaus Koschorke, Johannes Meier, Horst Pietschmann, Claudia Schnurmann und Michael Zeuske.
Erscheinungsweise
jährlich
Kontakt
Geschäftsführender Herausgeber: Prof. Dr. Markus A. Denzel Universität Leipzig Historisches Seminar Lehrstuhl für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Postfach 100 920 D - 04009 Leipzig

Das Jahrbuch beschäftigt sich mit der Geschichte der Beziehungen Europas zu nichteuropäischen Kulturen, mit im Gang befindlichen Forschungen, Debatten, Kontroversen, auch mit Möglichkeiten und Grenzen von Politikberatung. Hauptgegenstand sind die Wechselbeziehungen Europas zu Übersee seit der Antike, die Vernetzung der Welt durch Handel und Kommunikation im Ersten und Zweiten Kolonialzeitalter, alle Arten der Interaktion mit überseeischen Kulturen, das Brüchigwerden der Kolonialherrschaften des 20. Jahrhunderts sowie die sich daraus ergebenden Beziehungen Europas zu Übersee in unserer unmittelbaren Gegenwart.

Dabei ist es Europa, das sich im Zuge seiner Expansion und infolge der Wechsel- und Rückwirkungen dieser Expansion auf fast allen Gebieten des Lebens immer stärker und mit zunehmender Progression zu verändern begann und aufs Ganze gesehen tiefgreifender wandelte als die meisten anderen Kulturen der Welt, sich dabei den fordernden Bedürfnissen seiner Beziehungen zu Übersee anpaßte, seine Identität über Jahrhunderte hin allmählich veränderte: Dies ist eines der wichtigsten, noch nicht hinreichend erforschten Kapitel der europäischen Geschichte.

"Übersee" ist hierbei eine Metapher für Begegnung mit dem Fremden und Veränderung dadurch, nicht vorrangig geographische Gegebenheit: Deshalb wendet sich das Jahrbuch auch Themen zu, die mit nach Europa zugewanderten andersfarbigen Menschen, mit Ethnozentrismus oder mit Multikulturalität zu tun haben.

Eigen ist Europäischer Überseegeschichte der europäische Blickwinkel, das Interesse an der europäischen Kultur, sowohl in ihrer Ausstrahlung und wie in ihrem Betroffenwerden im Zuge der Auseinandersetzungen mit nichteuropäischen Kulturen. An kaum einem anderen Gegenstand zeigt sich gleichzeitig stärker, daß Geschichte nicht geradlinig verläuft, nie folgenlos, nie einfach von Ursache zu Wirkung wie bei einem chemischen Experiment, nie exakt vorhersehbar, aber andererseits bereits seit Jahrhunderten in Wellen und Einzelschüben weit über die eigene Kultur hinaus wirkend, oft in regelrechter Verkoppelung, in einzelnen Ereignissen und Prozessen alle Teile der Welt berührend, verändernd, rückverändernd. Dabei lassen sich im Rückblick Trends erkennen, die über vorsichtige Extrapolationen auch Entwicklungstrends in der Zukunft anzudeuten erlauben, bei aller gebotenen Vorsicht. Europäische Überseegeschichte ist deshalb nie nur Beschäftigung mit der Vergangenheit. Sie erstreckt sich bis zur Gegenwart, die uns prägt, und in die gestaltbaren Teile der Zukunft hinein.

Die rapide zunehmende Vernetztheit der Welt bedeutet im übrigen nicht zwingend zunehmende Vertrautheit ihrer Teile miteinander. Es ist eine offene Frage, ob sich die Kulturen der Welt durch die von den Europäern und ihren Kulturverwandten in Amerika in Gang gesetzte Intensivierung von Handel und Kommunikation innerlich näher gekommen sind. Menschen und Menschengruppen werden sich auch in Zukunft durch Vergleich - der durch die Globalisierung der Kommunikation gefördert wird - nicht nur ihrer Gemeinsamkeiten, sondern auch ihrer Besonderheiten bewußt bleiben. Überall stehen rassistische, religiöse, kulturelle und ideologische Abgrenzungs- und Ausgrenzungskonzepte gegen eine geargwöhnte Vereinheitlichung der Welt bereit, werden neu ins Bewußtsein gerufen und verstärkt. Mit herauszufinden, was eigenständigen Kulturen an Neuem, Fremdem zugemutet werden kann, ohne daß sie einerseits zerbrechen und andererseits sich innerlich abriegeln, ist letztlich eines der Anliegen des Jahrbuchs: Auswertbares Erfahrungsmaterial aus vielen Jahrhunderten liegt dafür bereit.

Das Jahrbuch für Europäische Überseegeschichte wird von der Forschungsstiftung für vergleichende europäische Überseegeschichte und ihrem Förderverein finanziert. Vorsitzender der Stiftung ist derzeit Prof. Eberhard Schmitt (Univ. Bamberg), Vorsitzende des Fördervereins waren seit Gründung (1989) Prof. Eberhard Schmitt, Prof. Horst Pietschmann (Univ. Hamburg) und Prof. Horst Gründer (Univ. Münster). Das Jahrbuch erscheint im Verlag Harrassowitz (Wiesbaden) seit 2001 im Umfang von jeweils 256 S.

Eberhard Schmitt, Bamberg

Jahrbuch für europäische Überseegeschichte, Band 2 (2002)

Jahrbuch für europäische Überseegeschichte, Band 1 (2001)

Zitation
Jahrbuch für europäische Überseegeschichte, in: H-Soz-Kult, 21.03.2003, <www.hsozkult.de/journals/id/zeitschriften-249>.
Redaktion
Veröffentlicht am
21.03.2003
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