Die Entwicklung fachlicher Differenzierung am Beispiel der pharmazeutisch-chemischen Hochschulausbildung, Deutsches Reich und Bundesrepublik Deutschland 1890 – 2000 (DIFA)

Von
Dr. Tobias Sander

Das von der DFG geförderte Projekt DIFA ('Differenzierung fachlich') untersucht im zeitlichen Längsschnitt (1890-2000) den Zusammenhang von fachlichen Differenzierungsprozessen in der (akademischen) beruflichen Ausbildung mit solchen in der beruflichen Praxis. Exemplarisch in den Blick genommen wird dabei das fachliche Einzugsgebiet von Chemie und Pharmazie sowie Medizin und Biologie. Als Differenzierungsprozess höherer Qualität ist aus diesem Einzugsbereich in den 1960er Jahren beispielsweise der Studiengang der Biochemie hervorgegangen. Doch wurde diese Differenzierung im Bereich der Ausbildung auch vom Arbeitsmarkt ‚angenommen’, d.h. entsprechend spezifisch nachgefragt, oder galt weiterhin das in höheren technischen Berufen oftmals anzutreffende Generalistenprinzip? Darüber hinaus wird die Frage nach den Ursprüngen und Ursachen solcher Ausdifferenzierungen der akademischen Ausbildung gestellt. Sind sie eher auf administrative, übergreifende Kulturen der Standardisierung von ‚Wissen’ zurückzuführen? Oder entstand zunächst ein entsprechend spezialisierter Erwerbsbereich? Dabei ist insbesondere auch die Rolle der Professionals selbst zu beachten, die sich – durch technologische Innovation und neuartige Geschäftsmodelle – weitergehende Erwerbschancen erschlossen und so womöglich auf konjunkturelle Arbeitsmarktfriktionen reagierten. Auf Basis von (Längsschnitt-)Massendaten zählt die Untersuchung der Entwicklung der entsprechenden Arbeitsmärkte daher ebenfalls zu den empirischen Zielen des Projektes.