Polonia restituta? Aktuelle polnische Migration in Norddeutschland: soziale Netzwerke, Gruppenidentität und Traditionsbildung

Polonia restituta? Aktuelle polnische Migration in Norddeutschland: soziale Netzwerke, Gruppenidentität und Traditionsbildung

Laufzeit Beginn
01.04.2011
Laufzeit Ende
01.04.2013
Projektträger
Technische Universität Chemnitz
Ort des Projektträgers
Chemnitz
Land
Deutschland
Kontakt Projekt
Prof. Dr. Stefan Garsztecki Thüringer Weg 9, 09107 Chemnitz Philosiphische Fakultät, Institut für Europäische Studien 0049/(0)371/531-38534 049/(0)371/531-800169 stefan.garsztecki@phil.tu-chemnitz.de
Von
Dr. Joanna Rzepa

Das Forschungsprojekt möchte die aktuelle polnische Migration in Norddeutschland (Bremen, Hannover, Hamburg) einschließlich ihrer Traditionslinien untersuchen. Mit Hilfe von Interviews, exemplarisch dargestellten Lebensläufen, teilnehmender Beobachtung, Archivstudien und der Aufzeichnung der Organisationsstruktur in den genannten Städten sollen die sozialen Netzwerke von Menschen mit kulturell polnischen Hintergrund, ihre Identität auch in der Tradition der alten Polonia und ihre Formen der Vergesellschaftung herausgearbeitet werden. Angesichts von etwa 1,5 Millionen Menschen mit einem polnischen Hintergrund in Deutschland (IFA 2009) soll so ein wichtiges Forschungsdesiderat behoben werden, dass die bisherige, auf historische Aspekte oder Fragen der Arbeitsmigration konzentrierte Forschung nicht behandelt hat.

Das Projekt lässt sich dabei von drei Arbeitshypothesen leiten. Erstens erfolgt nach 1989 eine Individualisierung der Migrationsmuster, die nicht mehr einer traditionellen Organisation in Polonia-Organisationen folgt, wie auch in der jüngeren Forschung herausgearbeitet wird (Jahrbuch Polen 2010: Migration). Zweitens bestehen gleichwohl ethnisch begründete soziale Netzwerke, die für eine gewisse Integration der Gruppe nach innen sorgen, rund um Religion, Sprache und Kultur. Ihre Stabilität ist jedoch offen. Drittens ist die Anwendung nationaler Kategorien auf die Polonia nicht angemessen. Weder droht die Gefahr von Parallelgesellschaften noch stellt die Gruppe eine nationale Minderheit im klassischen Sinne dar, wie zuletzt auch der binational besetzte Kopernikuskreis festhielt (Arbeitspapier 18. Kopernikus-Kreis 2010).

Das Projekt greift ein Thema auf, welches in den deutsch-polnischen Beziehungen seit jeher große Bedeutung hatte und auch nach Abschluss des Nachbarschaftsvertrages von 1991 immer wieder auf die Tagesordnung zurückkehrt: die Frage einer polnischen Minderheit in Deutschland. Von polnischer Seite wird dabei in unterschiedlicher Intensität die Etablierung einer polnischen Minderheit in Deutschland und deren rechtliche Gleichstellung zur deutschen Minderheit in Polen postuliert. Von deutscher Seite wird regelmäßig darauf aufmerksam gemacht, dass es sich dabei nicht um eine autochthone Minderheit handele. Angesichts der politischen Brisanz, die durch den nur mangelhaft ausgebauten Polnischunterricht in Deutschland verstärkt wird, möchte das Forschungsprojekt an die erste Polenforschertagung des Deutschen Polen-Instituts zum Thema Migration im Jahr 2009 anknüpfen und Identität, Zusammenhalt, soziale Netzwerke und Traditionslinien der Menschen mit einem polnischen kulturellen Hintergrund im norddeutschen Raum beispielhaft untersuchen.

Projektpartner: Universität Stettin, Ośrodek Studiów i Badań Polonijnych/Zentrum der Studien und Forschung zur Polonia

Projektförderung: Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung Frankfurt (Oder)

Kontakt

Prof. Dr. Stefan Garsztecki

Thüringer Weg 9, 09107 Chemnitz
Philosiphische Fakultät, Institut für Europäische Studien
0049/(0)371/531-38534
049/(0)371/531-800169

stefan.garsztecki@phil.tu-chemnitz.de

Redaktion
Veröffentlicht am
13.04.2011
Beiträger