Politische Instrumentalisierung der Musik der Vergangenheit im Deutschland des 20. Jahrhunderts am Beispiel G. F. Händels

Politische Instrumentalisierung der Musik der Vergangenheit im Deutschland des 20. Jahrhunderts am Beispiel G. F. Händels

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Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Musik, Abt. Musikwissenschaft
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Halle (Saale)
Land
Deutschland
Vom - Bis
01.09.2014 - 30.08.2017
Von
Juliane Riepe

Das dreijährige, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Forschungsprojekt, das an der Abteilung Musikwissenschaft des Instituts für Musik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg angesiedelt ist und in Kooperation steht mit der Stiftung Händel-Haus Halle, hat im September 2014 seine Arbeit aufgenommen. Unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Hirschmann führen Dr. Lars Klingberg, PD Dr. Juliane Riepe und Katrin Gerlach M.A. das Vorhaben an der Arbeitsstelle des Händel-Hauses durch, die ein in den vergangenen drei Jahren angelegtes umfangreiches Archiv zur Geschichte der Händel-Rezeption im 20. Jahrhundert beherbergt.

Als Forschungsprojekt, das sich der Frage nach den Mechanismen der politischen Instrumentalisierung von Musik der Vergangenheit im Deutschland des 20. Jahrhunderts widmet, gehört die geplante Untersuchung in den größeren Themenkomplex des Verhältnisses von Musik und Politik. Konkretisiert wird die Fragestellung am politischen Umgang mit Person und Werk Georg Friedrich Händels als einer zentralen Figur des musikalischen Erbes und zugleich eines Komponisten, der schon zu Lebzeiten als politischer Komponist begriffen und seitdem entsprechend instrumentalisiert wurde, besonders massiv und augenfällig in den beiden deutschen Diktaturen des 20. Jahrhunderts. Der bewusst weit gefasste Zeitraum – das gesamte 20. Jahrhundert – soll es erlauben, nicht nur extreme Ausprägungen, sondern auch eine möglichst große Spannweite an Erscheinungsformen ‚politisierter‘ Musik aus mehreren und ganz unterschiedlichen Staats- und Gesellschaftsformen zu beschreiben, zu analysieren und (vor allem auch) zu vergleichen. In Hinblick auf die politisch geprägte Händel-Rezeption im 20. Jahrhundert werden unterschiedliche Bereiche in den Blick genommen:

- Theorien der politischen Instrumentalisierung von Musik
- Händel-Bilder bzw. politisierte Händel-Deutungen
- Politisierung von Institutionen der Händel-Pflege
- Händel-Feste und -Jubiläen als Kristallisationspunkte von Musik und Politik, Händels Werke innerhalb der Feiergestaltung
- politisch instrumentalisierte Bearbeitungs- und Aufführungspraxis von Werken Händels.

Die methodische Basis des Forschungsprojekts bildet ein doppelter komparatistischer Ansatz: Verglichen werden sollen zum einen Dimensionen, Techniken und Funktionen der politischen Instrumentalisierung von Musik in den beiden deutschen Diktaturen des 20. Jahrhunderts, zum anderen die Praxis der beiden Diktaturen mit dem, was sich in den nichtdiktatorischen Staatsformen hinsichtlich der politischen Instrumentalisierung von Musik beobachten lässt. Zugleich ist das Projekt interdisziplinär angelegt und bezieht verschiedene Forschungsmethoden mit ein: Zurückgegriffen wird sowohl auf Erkenntnisse der kunstwissenschaftlichen und historischen Nachbardisziplinen als auch auf Ideen-, Diskurs- und Mentalitätsgeschichte. Ein Hauptaugenmerk gilt der Quellenkritik und der Rezeptionsforschung. Dabei kann das Projekt auf umfangreiche Vorarbeiten im Bereich der Quellenerschließung und -archivierung zurückgreifen. Die Forschungsergebnisse sollen auf einer interdisziplinären Tagung mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern diskutiert und abschließend in einem Projektband publiziert werden.

Kontakt

Katrin Gerlach M.A.
Institut für Musik, Abt. Musikwissenschaft
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Kleine Marktstr. 7
06108 Halle (Saale)

Email: katrin.gerlach@haendelhaus.de