Heimerziehung in Spezialheimen der DDR – Eine pädagogisch-rekonstruktive Studie zum DDR-Erziehungssystem und dessen Bewältigung

Heimerziehung in Spezialheimen der DDR – Eine pädagogisch-rekonstruktive Studie zum DDR-Erziehungssystem und dessen Bewältigung

Veranstalter
Technische Universität Dresden / Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau
Gefördert durch
Gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
PLZ
04860
Ort
Torgau
Land
Deutschland
Vom - Bis
01.01.2020 - 31.12.2022
Von
Christian Gaubert, Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau

Der Forschungsverbund der Technischen Universität Dresden und der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau ist einer von 14 bundesweit geförderten Forschungsverbünden der „Richtlinie zur Förderung von Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der DDR-Forschung im Rahmenprogramm Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zur nachhaltigen Verankerung von Wissensbeständen zum Thema DDR und SED-Unrecht.

Von 1949 bis 1990 durchliefen 495.000 Minderjährige das Heimsystem der DDR, 135.000 davon ein Spezialheim und ca. 3.500 das Kombinat der Sonderheime. Insgesamt existierten 662 Heime, davon 456 Normalheime mit 21.259 Plätzen, 168 Spezialheime mit 9.364 und 38 Jugendwerkhöfe mit 3.031 Plätzen. Sowohl den Strukturen der DDR-Heimerziehung als auch den persönlichen Erlebnissen der in ihren Einrichtungen untergebrachten Kinder und Jugendlichen wurde nach der Wiedervereinigung lange Zeit kaum Beachtung geschenkt. Erst in jüngerer Zeit führte der öffentliche Diskurs um erlittenes Unrecht in DDR-Spezialheimen sowie zu Rehabilitierung bzw. Entschädigungs- und Ausgleichsleistungen für ehemalige Insass:innen zu einer erhöhten Aufmerksamkeit, auch seitens der Wissenschaft.

Unter Einbezug von Zeitzeug:innen will der Forschungsverbund zu einer tiefergehenden Erforschung und zu einem besseren Verständnis dieser Geschichte beitragen. Ziel ist es, ein breiteres gesellschaftliches Bewusstsein für die Notwendigkeit einer weitergehenden systematischen Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung zu schaffen. Zentrales Anliegen des Projektes ist es, das gewonnene Wissen zur DDR-Heimerziehung öffentlich zugänglich zu machen, nachhaltig zu vermitteln und in akademischer Forschung und Lehre zu verankern: Neben der Einrichtung einer lebensgeschichtlichen Datenbank ist die Entwicklung von Lehrmaterialien geplant, die sowohl in schulischen Kontexten und er historisch-politischen Bildungsarbeit in Gedenkstätten und Museen, als vor allem auch in der universitären und beruflichen Ausbildung zukünftiger Pädagog:innen Verwendung finden sollen. Langfristig wird ein Kooperationsverbund zwischen Hochschulbildung und historisch-politischer Bildungsarbeit angestrebt. Die Ergebnisse des Forschungsverbunds sollen 2021 und 2022 im Rahmen zweier Fachtagungen vorgestellt werden.

Das Team des Forschungsverbundes setzt sich aus Erziehungswissenschaftler:innen und Historiker:innen beider Verbundpartner zusammen, die über mehrjährige Forschungserfahrungen und Expertisen in den Bereichen der DDR-Aufarbeitung und auch Betroffenenberatung verfügen.

Verbundpartner:

Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau

Gabriele Beyler (Vorstandsvorsitzende)

Dr. Angelika Censebrunn
E-Mail: a.censebrunn@jugendwerkhof-torgau.de

Dr. Christian Gaubert
E-Mail: c.gaubert@jugendwerkhof-torgau.de

Technische Universität Dresden, Fakultät für Erziehungswissenschaften
Institut für Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Wohlfahrtswissenschaften

Prof.‘in Dr. Cornelia Wustmann (Verbundleitung)

Prof.‘in Dr. Karin Bock

Florian Key, M.A.

Stephanie Meiland, M.A.

E-Mail: verbundprojekt.spezialheime@mailbox.tu-dresden.de


Zeitzeug:innen gesucht!

Im Forschungsverbund werden Jugendhilfe- und Heimakten, pädagogische Schriften, Forschungsliteratur und biographische Selbstzeugnisse ausgewertet. Zentrale Grundlage dafür bilden Interviews mit Zeitzeug:innen, da persönliche Erfahrungen und Erlebnisse als zentral für das Verständnis des Systems der DDR-Heimerziehung, dessen Wirkung, Folgen und Bewältigung zu verstehen sind. Dieses Wissen soll für Schul- und Lehrmaterialien sowie für eine lebensgeschichtliche Datenbank aufbereitet und nutzbar gemacht werden. Darum bitten wir Sie um Ihre Mithilfe:

Wir suchen Zeitzeug:innen für Interviews mit den Mitarbeiter:innen des Forschungsverbundes.

Sie waren selbst in einem DDR- Jugendwerkhof, Spezialkinderheim, dem GJWH Torgau oder einem Durchgangsheim untergebracht und wären bereit, Ihre Lebensgeschichte zu erzählen oder Sie besitzen persönliche Dokumente aus der Zeit im Heim? Die Mitarbeiter:innen des Forschungsverbundes „Spezialheime DDR“ bitten Sie um Ihre Mithilfe zur Erforschung des DDR-Heimsystems. Alle Interviews mit den Verbundmitarbeiter:innen, deren Auswertung und Ergebnispräsentation erfolgen selbstverständlich anonymisiert. Ihr Einverständnis vorausgesetzt, kann Ihre Geschichte auch auf Wunsch in die lebensgeschichtliche Datenbank der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau übernommen werden und dort helfen, die DDR-Heimvergangenheit zu dokumentieren.

Sie haben Spezialheime zu DDR-Zeiten als Elternteil eines Heimkindes, als Beschäfigte:r im pädagogischen Umfeld, als Mitarbeiter:in im Umfeld der Schule oder Jugendhilfe, als Anwohner*in der Nachbarschaft einer solchen Einrichtung miterlebt? Oder Sie besitzen Materialien und/oder Akten aus Spezialheimen?
Die Mitarbeiter:innen des Forschungsverbundes bitten Sie um Mithilfe für die Erforschung des DDR-Spezialheimsystems. Alle Interviews, deren Auswertung und Ergebnispräsentation erfolgen selbstverständlich anonymisiert.

Kontakt: verbundprojekt.spezialheime@mailbox.tu-dresden.de

Redaktion
Veröffentlicht am
19.04.2021
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