Die „Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters“ in neuer Gestalt

Von
Roman Deutinger, Repertorium "Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters", Bayerische Akademie der Wissenschaften

Im Dezember 2019 wurde eine neu programmierte Fassung der Website "www.geschichtsquellen.de" freigeschaltet, die zahlreiche neue Inhalte und einige zusätzliche Funktionen bietet.

Die Website "www.geschichtsquellen.de", die bibliographische Informationen zu ca. 5000 Quellentexten zur deutschen Geschichte des Mittelalters mit vielfältigen Suchmöglichkeiten bietet, hat sich, seit sie 2012 online ging, einen festen Platz im Wissenschaftsbetrieb und in der universitären Lehre erobert: Durchschnittlich 10 000 Nutzer im Monat besuchen die Seite, davon mehr als ein Viertel aus dem nicht-deutschsprachigen Ausland.

Erstellt wurde das Angebot in einer Kooperation der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (für die inhaltliche Seite) und der Bayerischen Staatsbibliothek (für die technische Seite). Allerdings zeigte sich schon bald, dass die Online-Darstellung der fortlaufend ergänzten Daten einen hohen Programmieraufwand erforderte, der von der Staatsbibliothek aufgrund mangelnder Ressourcen dauerhaft nicht zu leisten war. Die zeitraubende Suche nach alternativen Darstellungsformen mündete schließlich in die Programmierung eines völlig neuen Datensystems. Nachdem im September 2019 der endgültige Transfer der vorhandenen Daten in das neue System durchgeführt werden konnte, wurde im Dezember 2019 die neue Online-Fassung freigeschaltet, die – neben einer veränderten Optik – einige wesentliche Verbesserungen gegenüber der Fassung von 2012 aufweist.

Neue Technik
Das bisherige System bestand im Wesentlichen aus einer einzigen umfassenden XML-Datei, die mit Codierungen nach TEI-Standard ausgezeichnet war. Hinzu kam eine Ausgabeschnittstelle in Apache Cocoon/Apache Solr. Das neue System besteht aus einer relationalen Datenbank (MariaDB) sowie der Ein-Ausgabe-Schnittstelle GeistUndGestalt, die in der Digitalisierungsabteilung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften entwickelt und bei einer Reihe von Forschungsvorhaben verwendet wird. Es ermöglicht nicht nur eine wesentlich effektivere Literaturverwaltung, sondern auch eine direkte Eingabe von Änderungen und Ergänzungen in das System, die dann auch unmittelbar in der Online-Ausgabe sichtbar gemacht werden können. Die Aktualität der Informationen wird dadurch wesentlich erhöht.

Neue Inhalte
Die Fassung von 2012 verzeichnete 4737 mittelalterliche Geschichtswerke. In den folgenden Jahren wurden nicht nur neu erschienene Literaturtitel zu diesen ergänzt sowie die Werkbeschreibungen konsequent verbessert, es wurden auch zahlreiche Artikel völlig neu erstellt. Systematisch aufgenommen wurden kirchliche und weltliche Rechtstexte, historische Ereignisdichtungen, Briefe und Briefsammlungen sowie Texte aus dem Umfeld der Konzilien von Konstanz und Basel. Darüber hinaus wurde eine Reihe von erzählenden Quellen nachgetragen, die in der ursprünglichen Fassung fehlten; außerdem wurde mit der Erschließung hagiographischer Texte begonnen. Auf diese Weise ist der Quellenbestand um 16% angewachsen, und die Neufassung der „Geschichtsquellen“ kann mit 5550 Einträgen an den Start gehen.

Neue Funktionen
Schon die Fassung von 2012 bot vielfältige Suchmöglichkeiten sowohl durch alphabetische Listen (Thesauri) als auch durch eine Suchmaske für komplexe Abfragen. In der neuen Fassung kann man nun auch gezielt nach Handschriftensignaturen (ca. 6600 aus über 700 Bibliotheken und Archiven) und Incipits (ca. 4700) suchen. Darüber hinaus wurden nicht nur möglichst viele Handschriften, sondern auch ca. 5000 Literaturtitel mit online zugänglichen Digitalisaten verlinkt, womit vor allem ältere Editionen jetzt bequem zugänglich werden. Für Zeitschriften wurde eine durchgängige Verknüpfung mit der Zeitschriftendatenbank der Deutschen Nationalbibliothek (ZDB) hergestellt, so dass auch die dort verzeichneten Digitalisate ohne große Umwege erreicht werden können. Von einem bloßen bibliographischen Hilfsmittel entwickeln sich die „Geschichtsquellen“ somit zu einem Portal der Quellenforschung, das in den Weiten des WWW verstreute Angebote für alle am Mittelalter interessierten Nutzer bündelt.

Ein kleiner Wermutstropfen: Nicht alle Funktionen sind unmittelbar nach der Freischaltung im Dezember 2019 verfügbar; die möglichst rasche Bereitstellung der aktualisierten Informationen hatte hier Priorität vor der technischen Raffinesse. Sie sollen aber so bald wie möglich im Lauf des Jahres 2020 hinzugefügt werden.

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Redaktion
Veröffentlicht am
13.01.2020