1 Projektmitarb. "Konzeption zur Weiterentwicklung der Erinnerungskultur der Hansestadt Lübeck" (Univ. Lübeck)

Konzeption zur Weiterentwicklung der Erinnerungskultur der Hansestadt Lübeck

Arbeitgeber
Universität zu Lübeck
PLZ
23552
Ort
Lübeck
Land
Deutschland
Vom - Bis
01.05.2021 - 31.10.2021
Bewerbungsschluss
12.04.2021
Von
Brita Dufeu, Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck, Universität zu Lübeck

In der Hansestadt Lübeck wird vielfältig an Herrschaft und Verbrechen des Nationalsozialismus, den 2. Weltkrieg und die Nachkriegsgeschichte erinnert. Es mangelt allerdings an einer nachhaltigen Perspektive für die zeitgemäße Weiterentwicklung der Erinnerungskultur, die der historischen Bedeutung in der deutschen Erinnerungslandschaft gerecht wird. Die Entwicklungskonzeption soll Chancen und Herausforderungen eines erinnerungskulturellen Engagements in und durch die Stadt ergebnisoffen ausloten.

Konzeption zur Weiterentwicklung der Erinnerungskultur der Hansestadt Lübeck

In der Hansestadt Lübeck wird heute vielfältig an Herrschaft und Verbrechen des Nationalsozialismus, den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegsgeschichte (insbesondere deutsche Teilung) erinnert. Einen Höhepunkt stellt die alljährliche Veranstaltungsreihe "Zeit des Erinnerns – für die Zukunft" dar.

In Lübeck existierte im Nationalsozialismus eine regionale Zentrale des Terrors, auch stammten mehrere Haupttäter des Holocaust aus der Stadt. Bedeutenden Widerstand gegen das Regime gab es etwa aus der Arbeiterschaft und den Kirchen, vier Geistliche wurden wegen ihres Widerstands hingerichtet ("Lübecker Märtyrer"). Die Stadt war zudem ein bedeutender Rüstungsstandort und das erste Ziel des britischen Flächenbombardements im Zweiten Weltkrieg. Nach dem Krieg wurde die Hansestadt ein zentrales Auffangbecken für Flüchtlinge, Vertriebene und Displaced Persons. Dass die in der NS-Zeit nur im Inneren verwüstete, nicht niedergebrannte Lübecker Synagoge 1996 Ziel des ersten Brandanschlags auf ein jüdisches Gotteshaus in Deutschland nach 1945 wurde, zählt ebenso zum historischen Profil wie der Umstand, dass Lübeck die einzige Großstadt an der innerdeutschen Grenze und ein "Hotspot" im Kalten Krieg war.

Mit Blick auf diesen historischen Hintergrund verfügt die Stadt über ein breites Potenzial an Erinnerungs- und Bildungsorten. Es mangelt allerdings an einer nachhaltigen Perspektive für die zeitgemäße Weiterentwicklung der Erinnerungskultur, die der historischen Bedeutung und den Besonderheiten der Stadt in der deutschen Erinnerungslandschaft gerecht wird. In diesem Zusammenhang suchen wir für die Erstellung einer Entwicklungskonzeption ab 1. Mai 2021 eine/n Historiker:in/Politikwissenschaftler:in/Kulturwissenschaftler:in (w/m/d) (Honorar-/Werkvertrag).

Die Entwicklungskonzeption soll Chancen und Herausforderungen eines erinnerungskulturellen Engagements in und durch die Stadt ergebnisoffen ausloten. Ihre Aufgabe ist es, Politik und Öffentlichkeit eine seriöse Grundlage für die Diskussion sowie eine transparente und effiziente Orientierungshilfe im Vorfeld politischer Beschlüsse zu bieten.

Anforderungen:
- Abgeschlossenes Studium der Geschichts-, Politik- oder Kulturwissenschaft (oder vergleichbare universitäre Qualifikation)
- Historisches Grundlagenwissen zur Geschichte und Nachgeschichte des Nationalsozialismus, insbesondere ausgewiesene Kompetenz in erinnerungskulturellen Projekten
- Nachweisliche Erfahrung in ähnlichen Projekten und in der wissenschaftlichen Begleitung von Gremien und Projekten
- Erfahrung in der historisch-politischen Bildung
- Ausgeprägtes konzeptionelles Denken
- Organisationsgeschick, soziale Kompetenz, ausgeprägte Teamfähigkeit, hohe Belastbarkeit
- Zumindest Teilpräsenz in Lübeck

Aufgaben:
- Selbständige und eigenverantwortliche Erarbeitung einer Entwicklungskonzeption, u.a. mit diesen Teilaufgaben:
- Analyse und Aufbereitung des Status quo der Lübecker Erinnerungskultur, basierend auf der aktuellen Bestandsaufnahme von Erinnerungsorten durch das Stadtarchiv
- Sichtung und Erörterung der erinnerungskulturellen Praxis in vergleichbaren Städten unter Berücksichtigung aktueller Herausforderungen wie Generationenwechsel, Digitalisierung usw.
- Ausarbeitung einer Entwicklungsstrategie inklusive Finanzierungsmodellen für eine professionelle städtische Erinnerungskultur unter enger Mitwirkung der Zivilgesellschaft und der kirchlichen Träger von Erinnerungs- und Gedenkorten: Entwicklung alternativer Szenarien/Entwicklungspfade für die historisch-politische Bildungsarbeit von dezentralen Angeboten bis zur Prüfung eines zentralen Lernortes
- Entwicklung eines Handlungsmodells für die künftige Förderung und Vernetzung zivilgesellschaftlicher Akteur/innen
- Erarbeitung von Kriterien für eine zukunftsweisende Vermittlungsarbeit, welche die Potenziale der bestehenden Orte auslotet und konzeptionell zusammenführt
- Enge Zusammenarbeit mit dem projektbegleitenden Beirat
- Vorstellung der Studie in Gremien und Öffentlichkeit

Zur Vergütung der Erstellung der Entwicklungskonzeption stehen 41.000 EUR (inkl. Umsatzsteuer, Reisekosten usw.) zur Verfügung. Das Projekt wird finanziert vom Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck (ZFKL), der Hansestadt Lübeck, der Bluhme-Jebsen-Stiftung, der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten und der Dietrich-Szameit-Stiftung. Die Entwicklung der Studie ist institutionell am ZKFL angesiedelt und wird in enger Kooperation mit dem Forum Erinnerungskultur Lübeck von einem Beirat begleitet. Die Studie soll spätestens im Dezember 2021 vorliegen.

Dieser Call dient der Marktsondierung. Interessentinnen und Interessenten wenden sich für inhaltliche Details, weitere Informationen zum Verfahren und zur Angebotseinreichung möglichst bis 12. April 2021 an Frau Brita Dufeu, zkfl.sekretariat@uni-luebeck.de.

Kontakt

Brita Dufeu, zkfl.sekretariat@uni-luebeck.de

https://www.zkfl.de