Kurorte Samlands/des Kaliningrader Gebiets: Identitätswandel im 19. und 20. Jahrhundert

Kurorte Samlands/des Kaliningrader Gebiets: Identitätswandel im 19. und 20. Jahrhundert

Projektträger
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Ort des Projektträgers
Frankfurt (Oder)
Land
Deutschland
Vom - Bis
01.01.2012 - 31.12.2013
Von
Olga Kurilo

Im Rahmen des universitären Förderprogrammes „Erinnerung und Identität. Die Deutschen und ihre Nachbarn in Mittel- und Osteuropa“ fördert der Bundesbeauftragte für Kultur und Medien das Projekt „Kurorte Samlands/des Kaliningrader Gebiets: Identitätswandel im 19. und 20. Jahrhundert“, das in den Jahren 2012 bis 2013 an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) durchgeführt wird.

Das Ziel des geplanten Projektes ist es, das Samland und seine Kurorte mit ihren vielfältigen kulturellen Traditionen aus der Perspektive des spatial turn, also aus einer räumlichen Perspektive zu erforschen.

Mit der Erweiterung der EU und Öffnung der Grenzen, die die touristische Mobilität der Westeuropäer in Richtung Osten fördert, gewinnt auch die wissenschaftliche Erforschung der Kurorte mit deutscher Tradition in Osteuropa an internationaler Bedeutung. Die deutsche Vergangenheit dieser Orte war besonders im Kaliningrader Gebiet, das für die westeuropäischen Touristen lange Zeit nicht zugänglich war, nach dem Zweiten Weltkrieg ein Tabuthema. Die während des 19. Jahrhunderts im nördlichen Ostpreußen entstandenen Seebäder wurden der sowjetischen Bevölkerung unter anderen Namen bekannt: Cranz/Zelenogradsk, Rauschen/Svetlogorsk, Georgenswalde/Otradnoe, Neukuhren/Pionerskij, Neuhäuser/Mečnikovo, Palmnicken/Jantarnyj. Im Rahmen des Projektes werden „deutsche“, „russische“ bzw. „sowjetische“ Identitäten der Kurorte Samlands/des Kaliningrader Gebiets im 19. und 20. Jahrhundert in den Blick genommen, wobei die zentrale Frage der Untersuchung lautet: Wie wurden bzw. werden die Identitäten dieser Orte konstruiert, was charakterisierte bzw. charakterisiert diese Orte als „deutsch“ und was macht diese heute mit der Entdeckung ihrer deutschen Vergangenheit zu Orten mit einer hybriden, russisch-deutschen Identität.

Ein besonderes Augenmerk verdient in diesem Zusammenhang die Transnationalität der Kurorte Samlands, in denen sich vor dem Zweiten Weltkrieg Gäste verschiedener europäischer Herkunft einfanden. In diesem Kontext wären auch die Räume der jüdischen Badegäste im Samland zu untersuchen, die dort ihre Synagogen sowie eigene Infrastruktur mit Synagogen (z.B. in Cranz), Pensionen und Versorgungseinrichtungen unterhielten. Eine der zu untersuchenden Fragen ist, welche Erinnerungen an die jüdische Geschichte heute in der Region präsent sind.

Für die Erforschung der Erinnerungs- und Kulturlandschaften werden Orts- und Einrichtungsnamen, Symbole und Werbemarken, Denkmäler und Museen, Festtage und örtliche Traditionen, Medien und persönliche Erinnerungen vor und nach dem Zweiten Weltkrieg analysiert. Die Forschung hat die Zielsetzung, überregionale (am Beispiel Samland/des Kaliningrader Gebiets) sowie lokale Tendenzen des Identitätswandels einzelner Kurorte exemplarisch nachzuzeichnen. Dabei werden für die detaillierte Untersuchung vor allem sechs Kurorte bzw. Badeorte an der Samlandküste in den Blick genommen, die schon vor dem Ersten Weltkrieg populäre Erholungsorte Ostpreußens waren: Cranz/Zelenogradsk, Rauschen/Svetlogorsk, Georgenswalde/Otradnoe, Neukuhren/Pionerskij, Neuhäuser/Mečnikovo, Palmnicken/Jantarnyj. Durch die wissenschaftliche Aufarbeitung ihrer deutschen Vergangenheit soll ihr gemeinsames europäisches Kulturerbe sichtbar werden.

Die geplante Untersuchung verfolgt mit ihren historischen Schwerpunkten das Ziel, durch eine Einbettung in den Wissenschaftsdiskurs des spatial turn, die Verwendung der aktuellen wissenschaftlichen Erinnerungstheorien und -begriffe (Erinnerungskultur, Erinnerungsorte, kulturelles Gedächtnis) zu diskutieren sowie neue Fragestellungen, z.B. zu Themen deutsch-jüdischer Geschichte an der Küste Samlands zu entwickeln und so insgesamt einen neuen Blick auf die Geschichte der Samlandküste zu richten.

Im Rahmen des Projektes ist eine engere Kooperation mit der Föderalen Kant-Universität Kaliningrad und mit dem GZWO Leipzig vorgesehen. Die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse und ihre öffentliche Präsentation in Deutschland und in Russland (Kaliningrader Gebiet) sind geplant.

Redaktion
Veröffentlicht am
27.06.2012
Beiträger