Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften Wien

Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften Wien

Projektträger
Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften Wien
Ort des Projektträgers
Wien
Land
Austria
Vom - Bis
08.01.2002 -
Von
Cescutti, Eva

[Dieser Text ist eine Aktualisierung der Projektvorstellung von 1997, zu finden unter: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/beitrag/projekte/projekt4.htm K.B.]

IFK Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften Wien

Ziele

Das IFK Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften in Wien wurde 1993 gegründet. Es ist ein unabhängiges Wissenschaftskolleg mit dem Ziel, das intellektuelle Abenteuer fachübergreifender Formen von Kulturanalyse und Kulturstudien sichtbar und erfahrbar zu machen.

Bereitstellung von Forschungs-, Projekt- und Diskussionsangeboten für junge KulturwissenschafterInnen im Rahmen seines Junior Fellowships Internationalisierung der österreichischen Humanwissenschaften durch die Einladung von Visiting Fellows und Resarch Fellows, die avancierte Formen von Kulturwissenschaften betreiben Entwicklung von neuen Forschungsansätzen im Rahmen seiner Forschungsschwerpunkte Beförderung einer Wissenschaftskultur im Rahmen seiner Veranstaltungen, die problemorientiert, methodenbewußt, transdisziplinär, selbstreflexiv und diskursiv ist Herausgabe von Publikationen mit innovativen Forschungsergebnissen.

Vision

Für die Entwicklung der noch jungen Kulturwissenschaften ist es wichtig, die Sphäre der Kultur, d. h. Kunst, Literatur, Architektur, Wissenschaften, Medien, Lebensstile, Alltagskultur etc. in einem umfassenden Sinne zu thematisieren. Und Kultur kann dabei nicht rein historisch als das Gedächtnis einer Gesellschaft begriffen werden, in der sich Vergangenheit und widerstreitende Interpretationen dessen, was gewesen ist, einlagern. Ebenso wichtig ist es, Kultur als ein Medium der Auseinandersetzung über die Gestaltung der Zukunft einer Gesellschaft zu verstehen. Kultur kann als ein dynamischer Prozeß der Herstellung und Deutung von Sinn und lebensweltlichen Orientierungen verstanden werden. Der Prozeß bringt gleichermaßen politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Konflikte zum Ausdruck und ermöglicht damit deren Verhandlung. Den Kulturwissenschaften kommt dabei die Aufgabe zu, nicht nur das "Innere" ästhetischer, literarischer und populärer Praktiken und Produkte zu analysieren, sondern jeweils auch deren äußere Bedingungen mitzubedenken.

Kultur als die Summe der Lebensformen und Lebensstile von Menschen, die nach Ort, Gesellschaft, Ethnos und Geschichte unterschiedlich ausgeprägt ist, ist nicht selbstbezüglich. Vielmehr sind ihre Erscheinungsformen gleichermaßen Produkte wie Momentaufnahmen von sie umfassenden gesellschaftlichen Vorgängen. Kulturwissenschaften können somit auch als ein Projekt verstanden werden, Kulturen als Texturen des Sozialen bzw. als die andere Seite des Sozialen zu entziffern: Kultur ist in dieser Lesart weder ein Faktor (neben anderen) noch ein in sich geschlossener Bereich, sondern imprägniert gewissermaßen das gesellschaftliche Leben überhaupt. Das bedeutet für Forschung und Debatte im einzelnen:

* Kultur(en) und ihre Manifestationen nicht als etwas aufzufassen, das in einem gesellschaftlichen und ökonomischen Vakuum vor sich geht, sondern darin verankert ist und von dort seine Prägung erfährt;
* Kultur(en) und ihre materiellen und symbolischen Produkte an die "gelebte Erfahrung" ihrer SchöpferInnen rückzubinden, in der sich wirtschaftliche, soziale und politische Auseinandersetzungen mit Macht, Ungleichheit, ethnischer, geschlechtlicher oder religiöser Dominanz bzw. Marginalität, kulturelle Konjunkturphasen wie Krisen etc. abbilden;
* Kultur(en) und ihre Manifestationen im Hinblick auf ihre institutionellen Rahmenbedingungen zu analysieren, d. h. ihre ökonomischen Grundlagen zum Thema zu machen;
* Kultur(en) in ihrer longue durée von mentalitätsgeschichtlichen Entwicklungen zu begreifen, d. h. zu berücksichtigen, daß kulturelle Schöpfungen die generationenübergreifende Weitergabe von Kompetenzen, Fähigkeiten, Geschmacksnormen etc. voraussetzen;
* Kultur(en) im Kontext sogenannter "innovativer Milieus" zu sehen, d. h. zu untersuchen, inwiefern Innovation bzw. Stagnation in Alltag, in Künsten und Wissenschaften mit einer je spezifischen Mischung von Geographie, Kommunikationsstrukturen, Institutionen, wirtschaftlichen Konjunkturen bzw. Krisen, Bildungseinrichtungen, Machtverhältnissen zusammenhängen;
* und nicht zuletzt Kultur(en) auch als Kontingenzphänomene, d. h. als Zufallsprodukte und zufallsbedingte Prozesse aufzufassen.
* Aktuell versucht das IFK diesen Ansatz in seinem Forschungsschwerpunkt Metropolen im Wandel zu realisieren.

Von der gegebenen Vielfalt der Kulturen ausgehend können Kulturwissenschaften nur in der Mehrzahl umgesetzt werden. Ihr spezifisches Innovationsmoment kann nicht in der einseitigen Festlegung auf eine Methode und ein Paradigma bestehen; es liegt vielmehr im produktiven Austausch und in der kritischen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Theorie- und Methodenvorstellungen. Dies versucht das IFK in seinem Forschungsschwerpunkt zur Geschichte der Kulturwissenschaften zu befördern. Freilich ist der Austausch nicht ein Zweck in sich, sondern er soll zur Internationalisierung der Forschung sowie zum Kulturenvergleich einen Beitrag leisten, um gleichermaßen geographische wie geistige Begrenzungen lokaler Wissenskulturen überschreiten zu können.

IFK International Research Center for Cultural Studies, Vienna, Austria

Aims

The IFK Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften was founded in Vienna in 1993. It is an independent institute for advanced study that aims to support and develop the intellectual enterprise of transdisciplinary cultural analysis and the study of culture.

To achieve this objective the IFK focuses its work on the following areas:

* Offering young scholars possibilities to undertake research, do projects, and hold discussions through its Junior Fellowship
* Internationalizing the humanities in Austria by hosting renowned scholars as Visiting Fellows and Research Fellows
* Extending the reach and utility of the study of culture by developing and supporting new Research Foci
* Promoting a problem-oriented, method-conscious, transdisciplinary, self-reflexive, intellectual culture by its sponsorship of Lectures and Conferences
* Communicating the best and most innovative research results by publishing Papers

The IFK's International Advisory Board judges fellowship and project applications and advises the Director and the Board of Directors on the design and realization of its many outstanding academic program.

Vision

To further the development of the relatively new discipline of cultural studies, it is important to thematize the realm of culture (art, literature, architecture, sciences, media, life-styles, and the culture of everyday life) in a comprehensive manner. Culture cannot be grasped merely historically as the memory of a society in which the past and conflicting interpretations of it are deposited. It is equally important to understand culture as a realm of discourse regarding the future of a society. Culture may be understood as a dynamic process that produces and interprets meanings and pragmatic orientations. This process gives expression to political, social and economic conflicts and thereby permits their negociation. The task of cultural studies is not only to analyse the "interior" of given aesthetic, literary, and popular practices, but also to assay their external conditions.

Culture as the sum of life-forms and life-styles of human beings, differently determined according to place, society, ethnos and history, is not self-referential. Rather, its articulations are products as well as snap-shots of the societal processes enveloping them. Consequently, cultural studies can also be understood as a project of deciphering cultures as textures of the social; that is, as the other side of the social. In this reading culture is neither one factor (among others) nor a hermetic sphere, but rather it suffuses the whole texture of social life. For research and debate this implies:

* that culture(s) and its/their manifestations are not to be misconceived as something that occurs in a social and economic vacuum, but that is anchored in social life and receives
* that culture(s) and its/their material and symbolic products have to be referred back to the "lived experience" of their creators that mirrors economic, social and political conflicts concerning power; inequality; ethnic, gender, or religious dominance and marginality; cultural climates (such as crises), etc.
* that culture(s) and its/their manifestations have to be analyzed with respect to their institutional framework, i.e., their economic foundation must be thematized.
* that cultures have to be grasped in their longue durée of developments in the history of mentality. That is, it has to be taken into account that cultural creations presuppose the transmission of competences, skills, norms of taste, etc.
* that cultures have to be seen in the context of so-called "innovative milieus"; one has to examine to what extent innovation or stagnation in everyday life, in the arts and sciences, are connected with particular combinations of geography, structures of communication, institutions, economic trends and crises, educational institutions, and relations of power.
* that, last but not least, cultures have to be understood also as contingent phenomena, i.e., as chance products and chance processes.

The IFK is currently attempting to realize this approach in its research focus The Metropolis in Transition.

Taking as its point of departure the multiplicity of cultures, cultural studies can be conceived only as a plurality of disciplines. Its specific innovative moment cannot consist in a one-sided commitment to one method and one paradigm; rather, it consists in the productive exchange with and in the critical discussion of different concepts of theory and method. The IFK attempts to foster this approach through its research focus The History of Cultural Studies. To be sure, this exchange is not an end in itself, but is supposed to contribute to the internationalization of research and to the comparison of cultures so that geographical as well as intellectual limitations of local cultures of knowledge can be transcended.

Redaktion
Veröffentlicht am
08.01.2002
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