Datenhandbuch akademische Karrieren 1850-1945 ("AKKA")

Datenhandbuch akademische Karrieren 1850-1945 ("AKKA")

Projektträger
Universität Göttingen, Methodenzentrum Sozialwissenschaften (MZS)
Ort des Projektträgers
Göttingen
Land
Deutschland
Vom - Bis
01.08.2002 -
Von
Tobias Sander

Das von der DFG seit August 2002 finanzierte Projekt untersucht die sechs akademischen Karrieren der Ärzte, Juristen, Pfarrer, Lehrer, Chemiker und Ingenieure. Ziel ist die Herausgabe eines Datenhandbuchs akademische Karrieren in der Reihe der "Datenhandbücher zur deutschen Bildungsgeschichte". Die dementsprechende Hauptaufgabe besteht in der Recherche und Bearbeitung von makrohistorischen Quellen in Form von Zeitreihen, die zentrale Merkmale der Karrieren wie Ausbildungsdauer, Studienabschluß, Überfüllung und Mangel auf dem Arbeitsmarkt usw. im historischen Längsschnitt beleuchten.

Ein wichtiger analytischer Orientierungspunkt besteht damit in der u.U. unterschiedlich weitgehenden Professionalisierung dieser Karrieren, der mit der Untersuchung der Normierung von Ausbildung, Berufszugang und Arbeitsmarktsituation durch den Akteur Staat und der Rolle der Berufsverbände noch vertieft werden soll. Angesichts der Tatsache, daß Ingenieure und Chemiker zumindest im 19. Jahrhundert kein Monopol auf eine bestimmtes Segment des Arbeitsmarktes besaßen - sie konkurrierten mit Autodidakten bzw. Meistern - kann man wohl kaum von einer vollständigen Professionalisierung dieser Berufe sprechen. Zu fragen ist, ob sich diese Situation in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ändert.

Das Erkenntnisinteresse liegt ferner in der Überprüfung von Forschungsergebnissen, die im Rahmen der Projekte Qualifikationskrisen ("QUAKRI") und Ausbildungsleistungen ("AULEI") gewonnen wurden und aus denen der erste Band der Datenhandbücher zur deutschen Bildungsgeschichte (Teile I und II) hervorging. Damit gemeint ist vor allem das zyklische Pulsieren der Studentenströme. So führte seit der Standardisierung der Studiengänge und der akademischen Karrieren gegen Mitte des 19. Jahrhunderts eine Phase des Mangels von ausgebildeten Akademikern auf dem Arbeitsmarkt stets zur stärkeren Studienbeteiligung, was eine Überfüllung zur Folge hatte. Vor dem Hintergrund zahlenmäßig teilweise enorm expandierender Karrieren sanken daraufhin die Studentenzahlen, was wiederum einen Mangel hervorbrachte usw. Auf der Basis dieser bis heute zu beobachtenden "Fehleinschätzungen" der zukünftigen Nachfrage durch die Studenten, den Staat als Steuerer des Bildungssystems und teilweise auch durch die Berufsverbände will das Projekt auf der Grundlage möglichst lückenloser Zeitreihen auch den Austauschprozessen zwischen den Karrieren nachspüren. Führte eine sich andeutende Überfüllung einer Karriere zu einem Ausweichprozess auf andere?

Redaktion
Veröffentlicht am
27.10.2002
Beiträger