Stimmen ehemaliger Zwangsarbeiter - Voices of Forced Labor

Stimmen ehemaliger Zwangsarbeiter - Voices of Forced Labor

Projektträger
Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft"
Ort des Projektträgers
Berlin
Land
Deutschland
Vom - Bis
10.10.2007 - 10.10.2012
Von
Verena-Lucia Nägel

In Berlin entsteht in den kommenden Jahren ein neues digitales Archiv mit dem Titel „Stimmen ehemaliger Zwangsarbeiter – Voices of Forced Labor“. In dem Kooperationsprojekt der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ mit der Freien Universität Berlin und dem Deutschen Historischen Museum werden rund 2000 Video- und Audiobänder mit Zeitzeugen-Interviews digital aufbereitet. Für Bildungs- und Wissenschaftszwecke werden die Lebensgeschichten ehemaliger Zwangsarbeiter dann über eine webbasierte Plattform zugänglich gemacht.

Die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ hat in den Jahren 2005 und 2006 die Dokumentation von ca. 600 Lebensgeschichten ehemaliger ZwangsarbeiterInnen gefördert. In dem von der Stiftung initiierten und von dem Institut für Geschichte und Biographie der Fernuniversität Hagen koordinierten Projekt, führten 34 Teams in 27 Ländern Interviews mit ehemaligen Opfern der NS Zwangsarbeit durch. Die Audio- und Video-Aufnahmen entstanden großteils in Mittel- und Osteuropa, aber auch in Italien, Holland, Frankreich, Israel, Südafrika und in den USA. Das einzigartige Projekt dokumentiert das gesamte Spektrum der Zwangsarbeit im Nationalsozialismus – vom Einsatz in der Landwirtschaft bis zur Vernichtung durch Arbeit in Konzentrationslagern - und bewahrt so die Erinnerung an die etwa zwölf Millionen Menschen, die damals Zwangs- und Sklavenarbeit leisten mussten.

Ungefähr ein Drittel der Interviews wurde mit ehemaligen Häftlingen von Konzentrationslagern bzw. vergleichbaren Lagern geführt. Ungefähr ein Drittel der Befragten gehört zur Gruppe der jüdischen Überlebenden, ca. fünf Prozent sind Sinti und Roma. Die lebensgeschichtlichen Interviews thematisieren nicht nur die Deportation und die Zwangsarbeit, sondern auch den Einfluss dieser Erfahrungen auf das weitere Leben der Zeitzeugen.

Im Rahmen des neuen Kooperationsprojekts der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ mit der Freien Universität Berlin und dem Deutschen Historischen Museum werden die Interviewsammlung und die dazugehörigen Begleitmaterialien nun aufbereitet und inhaltlich erschlossen. Ziel des Archivprojektes ist es, die Zeitzeugenberichte sinnvoll für die historische und politische Bildung, für die Projektarbeit an Schulen, für Ausstellungen und für die wissenschaftliche Forschung nutzbar zu machen.

Die Freie Universität Berlin ist für die Bereitstellung und Aufbereitung der Sammlung verantwortlich. Die wissenschaftliche Erschließung wird hierbei von der Professur für die Geschichte Ostmitteleuropas unter der Leitung von Prof. Gertrud Pickhan vorgenommen. Das Center für Digitale Systeme (CeDiS) der Freien Universität ist für die Projektorganisation, die technische Aufbereitung und die Entwicklung der webbasierten Plattform verantwortlich. Außerdem erstellt CeDiS in Zusammenarbeit mit dem Bereich der Didaktik der Geschichte unter der Leitung von Jun.-Prof. Michele Barricelli digitales Lehr- und Lernmaterial. Das Deutsche Historische Museum übernimmt die Archivierung und Inventarisierung des Materials und dessen museumsdidaktische Aufbereitung im Rahmen seiner Dauerausstellung. Für Forschungszwecke sollen erste Materialien bereits Ende 2008 zur Verfügung stehen. Die Fertigstellung des gesamten Archivs ist für 2012 geplant.

Redaktion
Veröffentlicht am
06.11.2007