Fliegermorde. NS-Verbrechen an westalliierten Flugzeugbesatzungen im österreichischen Raum (1943-1945)

Ort
Graz
Veranstalter
Insitut für Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz
Datum
01.06.2010 - 30.05.2012
Von
Nicole-Melanie Goll; Georg Hoffmann

Das im Zeitraum von 1. Juni 2010 bis 30. Mai 2012 von Mag. Georg Hoffmann und Mag.a Nicole-Melanie Goll unter Leitung von Ass.-Prof. Dr. Eduard Staudinger am Institut für Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz durchzuführende, vom Zukunftsfonds der Republik Österreich und dem Land Steiermark finanzierte Projekt widmet sich dem Schicksal jener britischen und US-amerikanischen Flugzeugbesatzungen, die zwischen 1943 und 1945 über dem Gebiet des heutigen Österreich abgeschossen wurden. Das Projektteam möchte nachweisen, dass hinter den sogenannten „Lynchjustiz“-Verbrechen eine gezielte Systematik des NS-Apparates stand, in dem Opfer und Täter bewusst vordefiniert und instrumentalisiert wurden. So analysiert das Forschungsvorhaben die „Lynchjustiz“-Verbrechen erstmals unter den Aspekten der Interaktion von drei Gruppen (Flieger, Bevölkerung und NS-Staat), konzentriert sich sehr stark auf den Bereich der Täter- und Motivforschung und beachtet zusätzlich die spezifisch rechtlichen Hintergründe dieser Systematik. Die Beschäftigung mit westalliierten Fliegern innerhalb dieser Systematik erschließt damit eine bisher vergessene und gänzlich unaufgearbeitete Opfergruppe des NS-Systems. Für den österreichischen Raum ergaben sich in diesem Zusammenhang etliche Spezifika, die markant von jenen Entwicklungen im heutigen deutschen Raum abweichen, und zudem regional sehr unterschiedlich ausgeprägt waren. Von besonderer Bedeutung war dabei der Umstand, dass dieser Raum anders strukturiert war als das übrige Deutsche Reich. Die deutsche Luftwaffe konnte so beispielsweise aufgrund der auf österreichischem Boden nicht (durchgängig) vorhandenen luftspezifischen Kriegsgefangenenlager wesentlich weniger direkte Kontrolle über abgeschossene alliierte Flugzeugbesatzungen ausüben. So wurden diese zum Teil von anderen Strukturen aufgefangen, waren aber insgesamt vermutlich einer wesentlich stärkeren Willkür ausgeliefert. Das Forschungsteam möchte im Laufe des zweijährigen Projektes zum einen die Schicksale jener westalliierten Flieger aufarbeiten und zum anderen die Kräfte und Elemente, die sich auf den unterschiedlichen Handlungsebenen ergaben und die letztlich die Interaktion zwischen Bevölkerung, Fliegern und NS-Staat maßgeblich prägten, analysieren. In einem weiteren Schritt soll das bisher unerforschte Luft-Kriegsgefangenensystem im österreichischen Raum gerade zu Kriegsende nachgezeichnet werden. Desweiteren will das Forschungsteam den Versuch unternehmen, diese gezielt ausgewählte Opfergruppe des NS-Systems quantitativ sichtbar zu machen und diese in einem weiteren Schritt identifizieren. Mit dem Fokus auf die Endphase des NS-Systems im heutigen Österreich soll gleichzeitig auch die nationalsozialistische Durchdringung der Gesellschaft in dieser Endphase (mit Schwerpunkt der Täteranalyse) beleuchtet werden. In einem abschließenden Schritt wird auf die rechtliche Aufarbeitung im Zuge der Nachkriegsjustiz eingegangen werden.

Kontakt

Georg Hoffmann

Elisabethstr. 27/II

georg.hoffmann@uni-graz.at

Zitation
Fliegermorde. NS-Verbrechen an westalliierten Flugzeugbesatzungen im österreichischen Raum (1943-1945), 01.06.2010 – 30.05.2012 Graz, in: H-Soz-Kult, 06.07.2010, <www.hsozkult.de/project/id/projekte-365>.