Cover
Titel
Making Russians. Meaning and Practice of Russification in Lithuania and Belarus After 1863


Autor(en)
Staliū nas, Darius
Reihe
Baltic 11
Erschienen
Amsterdam 2007: Rodopi
Anzahl Seiten
465 S.
Preis
€ 101,76
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Verena Dohrn, Osteuropa-Institut, Freie Universität Berlin

An einem markanten historischen Beispiel analysierte und spezifizierte Darius Staliūnas den so vagen wie politisch belasteten Begriff der „Russifizierung“. Er befasste sich mit der Integrationspolitik des Russischen Reiches im nordwestlichen Grenzgebiet nach dem Januaraufstand der Polen 1863, betrachtete sie im Fokus der Nationsbildung und widerlegte die Auffassung, Russifizierung sei als eine einheitliche und gleichförmige Politik gegenüber sämtlichen ethno-konfessionellen Gruppen abzuhandeln. Daraus ergibt sich ein differenziertes Bild. Im Zentrum steht die Geschichte der Litauer aus einer neuen Perspektive betrachtet, denn bisher hat sich die litauische Forschung mehr mit den einzelnen Maßnahmen der Integrationspolitik befasst und ist dabei stark vom polnisch-russischen Antagonismus geprägt, während der hegemoniale russische Diskurs seit jeher ein beliebtes Thema russischer und westlicher Historiker ist. Erst nach 1989 wandten sich letztere der Geschichte der nicht-dominanten Gruppen zu.

Staliūnas geht davon aus, dass es im Russischen Reich weder vor noch nach 1863 einheitliche Zielvorstellungen von der Integrationspolitik im nordwestlichen Grenzgebiet gab und dass erst nach dem Januaraufstand nationale Bewegungen (Phase B der Nationsbildung nach Miroslaw Hroch) unter den ethno-konfessionellen Gruppen der Region entstanden. Zunächst waren die litauischen und belorussischen Bauern durch eine regionale Identität verbunden. Was die Strategien der Integrationspolitik betrifft, so unterscheidet Staliūnas zwischen lokalen und zentralen Autoritäten. Erstere konnten über Fragen, die nur für das nordwestliche Grenzgebiet galten, entscheiden und gingen dabei oftmals radikaler vor als die Zentralregierung. Bereits vor 1863 wurden die Bauern der Region als Russen bezeichnet und deshalb privilegiert, Frondienste aufgehoben, Preisnachlässe für Land gewährt. Obgleich das Prinzip des Habsburgerreiches „Teile und herrsche“ für das russische Imperium in der Regel nicht galt, folgte Generalgouverneur Nasimow dem Konzept für eine bestimmte Zeit, indem er vorschlug, Schulen mit Litauisch und Russisch als Unterrichtssprache, dazu Schulbücher und eine Übersetzung des Neuen Testaments in den Regionalsprachen einzuführen. Auch seine Politik gegenüber den Juden, die Zusammenarbeit mit den jüdischen Aufklärern in der Bildungsreform, folgte dieser Maxime. Dabei agierte er nicht allein, sondern – wie die Diskussion seines Memorandums von 1862 zeigt – in einem Netzwerk von Regierungsreformern. Zur gleichen Zeit entstand das slawophile Konzept der westlichen Rus, das von einer ursprünglichen ethnischen und konfessionellen Einheit der Region mit Russland ausging, die es wiederherzustellen galt. Seit den frühen 1860er-Jahren nahmen russisch-nationale Prinzipien und Forderungen in der Verwaltung des nordwestlichen Grenzgebiets zu. Ein einheitliches Konzept wurde jedoch nicht erarbeitet.

Untersucht wurden offizielle und gesellschaftliche Diskurse. Für Letztere steht die slawophile Presse und Öffentlichkeit. Nach dem Aufstand von 1863 erhielt der Begriff „obrussenie“ [Russifizieren] eine zentrale politische, normative Bedeutung, aber er bezog sich nicht auf alle ethno-konfessionellen Gruppen gleichermaßen. Russifizieren hieß in erster Linie Depolonisieren, wobei verschiedene Auffassungen vom Attribut „Russisch“ kursierten. Für die Slawophilen, als deren Protagonist Isaak Aksakow gelten kann, bestimmte die Religion, wer Russe war, für andere wie den Publizisten Katkow war es die Sprache. Jedenfalls wurde, so Staliūnas, die Integrationspolitik zunehmend durch ethno-politische Motive determiniert. Je größer die ethno-konfessionelle Nähe zu den Russen war, desto weniger kulturelle Autonomie wurde einer Gruppe zugebilligt. Die Politik der Russifizierung forderte für die Belorussen, die offiziell als Teil Russlands betrachtet wurden, Assimilation, für die Juden Akkulturation. Die Polen sollten politisch integriert und langfristig assimiliert werden. Die Litauer wurden kaum erwähnt.

Wie die nationalen Kategorien in der politischen Praxis funktionierten, macht Staliūnas an den verschiedenen, gegen Polen gerichteten Maßnahmen deutlich: dem Verbot für den Adel, Landbesitz zu erwerben, der Zehnprozentsteuer für Grundbesitzer, der Versetzung von Verwaltungsbeamten und Lehrern, der Einführung des Numerus clausus. Für alle Bereiche weist er mithilfe zahlreicher Fallbeispiele Unklarheiten und Uneinigkeit über die ethno-politischen Identifizierungen nach. In vielen Fällen wurde die Konfession als Unterscheidungsmerkmal benutzt, in anderen Fällen waren Sprache oder sozialer Stand ausschlaggebend. Polnischer Herkunft galten in der Regel Adel und Stadtbewohner. Die Schwierigkeiten der Zuordnung spiegelten sich auch in der Statistik, die ebenfalls als politisches Instrument eingesetzt wurde und nach 1863 dazu diente, die Zahl der Polen möglichst klein zu halten. Ein besonderes Problem bestand in der Identifizierung der Juden, die durch Konfession, Sprachen, sozialen Stand und rechtliche Bestimmungen zwar deutlich von den beiden anderen Gruppen unterschieden waren, sich aber aus Furcht vor Repressionen (doppelter Steuer, Militärrekrutierungen) Volkszählungen entzogen. Seit Alexander II. und vor allem nach 1863 war die Regierung für die Frage der ethnischen Zugehörigkeit sensibilisiert und um die Integration der bäuerlichen Unterschichten sowie der Gebildeten aus den nicht-dominanten Gruppen bemüht.

Die beiden Schwerpunkte der Integration bildeten die Religions- und die Sprachpolitik. Einige Generalgouverneure (Murawjow, Kaufmann, Baranow) betrieben direkte Konversionen und Schließungen von katholischen Kirchen. Bekanntes Beispiel ist die Massenkonversion katholischer belorussischer Bauern, die offiziell als Rückkehr zur russisch-orthodoxen Kirche dargestellt wurde. Die Kirche blieb indes passiv. Es ging dabei weniger um Religiosität als um politische Loyalität, nationale Zugehörigkeit und materielle Interessen. Nach 1868 begann man, die russische Sprache im katholischen Gottesdienst einzuführen. Schließlich wurde von katholischer Seite das Projekt der Kirchenunion entworfen, aber nicht ausgeführt. Weder der polnisch sprechende Adel noch die Stadtbevölkerung waren Zielgruppen für die Konversionspolitik. Konvertierter Adel wurde sogar mit Misstrauen betrachtet. Grund für die Änderung der Religionspolitik war die Furcht, die Konversion werde die religiöse Indifferenz der Bevölkerung, damit deren Anfälligkeit für neue Soziallehren und das Widerstandspotential gegen die Regierung stärken. Man fürchtete die Opposition der Bauern und der katholischen Kirche. Konversionen waren außerdem kostspielig. Dazu kam die Konkurrenz der Integrationskonzepte.

Effektiver erwies sich die Sprachenpolitik, aber auch sie war nicht einheitlich. Es ging um die Aufwertung des Russischen als Hegemonial- und Nationalsprache. Die ethno-konfessionellen Gruppen boten dafür unterschiedliche Ausgangssituationen. Polnisch hatte die stärkste, Belorussisch die schwächste Position. Um den Gebrauch des Polnischen einzuschränken, begann man die Schulen zu depolonisieren, aber es bedurfte auch hier anderer konstruktiver Maßnahmen, um erfolgreich zu sein. Man veränderte die Schrift, ersetzte die lateinische durch die kyrillische, und führte die Bevölkerung so an die russische Sprache heran. Dabei konzentrierte man sich auf die russische Bildung der Bauern und der Juden.

Was die Akkulturation der Juden betrifft, so brachte sie diesen keine Nachteile. Sie wurde nicht nur von der Regierung, sondern maßgeblich von aufgeklärten Juden selbst betrieben. Außerdem folgte sie besonderen Kriterien. Im Unterschied zu den Litauern hatten die Juden als erfahrene Diaspora und städtische Bevölkerung in der Regel Kenntnisse der Staats- und Verwaltungssprache. Es gab zwar Versuche, ihre Sprachen Jiddisch und Hebräisch zurückzudrängen, aber die Einflussnahme auf das religiöse Leben war geringer als bei den christlichen Gruppen. Seit Mitte der 1860er-Jahre wurde die Akkulturationspolitik gegenüber den Juden zugunsten der Bildung der Russen unter dem Vorzeichen der Stärkung der Hegemonialnation allmählich zurückgenommen.

Die Einführung der kyrillischen Schrift ins Litauische hatte je nach Region unterschiedliche Funktionen. Im Königreich Polen wurde die Bauernsprache durch den Schriftwechsel gefördert. Im nordwestlichen Grenzgebiet führte man die Litauer damit offensiv an das Russische heran. Bereits in der Grundschule mussten die Kinder Russisch lernen. Das Litauische wurde aus der Öffentlichkeit verdrängt und damit die Basis für die Assimilation der Litauer gelegt. In dieser Frage gab es relativ große Einhelligkeit in der Regierung.

Anfang der 1860er-Jahre war das Belorussische, um das Polnische zu schwächen, noch gefördert worden, doch nach 1863 änderte sich die Einstellung zur zweiten Bauernsprache im nordwestlichen Grenzgebiet. Sie wurde nur noch als regionaler Dialekt akzeptiert, das Beharren auf ihrer Eigenart als Sabotage des dreiteiligen Russlands geahndet.

Im Ansatz innovativ, bleibt die Untersuchung durch die perspektivische Beschränkung auf die Regierungspolitik doch einseitig. Dazu erscheint die Fixierung auf den nationalen Diskurs als Engführung, denn sie lässt andere Deutungshorizonte, wie den der Modernisierung, weitgehend außer Acht. Auch hat der Vergleich der drei ethno-konfessionellen Gruppen nur begrenzte Aussagekraft, denn die Juden waren eine Sondergruppe und ihre Integration verlief nach eigenen Kriterien. Im nordwestlichen Grenzgebiet ging es nach 1863 in erster Linie um den Gewinn loyaler Untertanen und um Modernisierung. Darüber entschieden nicht allein ethno-konfessionelle Zugehörigkeit, sondern auch soziale und wirtschaftliche Aspekte.

Kommentare

Re: D. Staliunas: Making Russians

Von Staliunas, Darius18.06.2008

Sending History Back to the Ghetto? A Response to Verena Dohrn’s Review

The review consists to a large extent of simple annotations, which would hardly deserve consideration here, were it not for the conspicuously erroneous interpretations and basic mistakes it contains. To begin with, the Reviewer fails to distinguish between Russia and the Russians. In my book, I sought to explain the imperial Russian policy towards the Belarusians, and in particular the attempts of the Russian authorities to assimilate them on the basis of the concept of tripartite Russian nation.[1] In other words, Belarusians were regarded as members of the tripartite Russian nation. Thus both the Russian nationalists and the authorities refused to grant them enough space for developing their own ethno-cultural identity, which was especially noticeable after the suppression of the 1863-64 Uprising. The Reviewer claims however, that attempts had been made to assimilate the Belarusians because they were regarded “a composite part of Russia”. If no difference between “Russia” and “the Russians” is recognized, there is no point to further distinguish between the concepts of Russia as an empire on the one hand, and the part of that empire, in which Russian nationalists sought to implement their nationality policies[2], on the other hand. Nor would it make sense – following this logic – to tell such nationality policies as assimilation, acculturation or integration apart. This inaccuracy is not the only one to be found in the review.[3]

At the end of the analysis the whole study is labelled as one-sided on the basis of the fact that the author was interested solely in nationality issues and did not pay sufficient attention to modernisation in the North Western Province. We should note that in this case we were dealing with only one region, not the empire as a whole.[4] Indeed, it is often claimed in historical literature that the policy in the western borderlands of the empire referred to as Russification, was conditioned to a considerable degree by attempts to modernise the Empire in the administrative, legal and social sense.[5] Such claims appear, for example, in the discussion about imperial policies in the Baltic Gubernias.[6] I believe that in the case of the Baltic Gubernias there is, indeed, evidence to support these claims. However, it is hard to detect any specific modernisation discourse related to the authorities’ policy in the North Western Province after the Uprising of 1863-64 which at the same time would help us to understand the aims of nationality policy regarding a particular national group. This was the subject of my book, rather than all possible aspects of policy in the North Western Province. To be sure, I would never deny the importance of certain social and economic measures. Indeed, it is possible to find cases where officials discussed the possibility of improving Jewish economic conditions, however a considerable part of the measures aiming to reduce discrimination against the Jews was necessary in order to carry out the Russification policy in the province. The more Jews left the NWP, the more opportunities Russians would have to take root in the region.[7] In the period in question we can find other examples of economic and social conditions of the NWP being instrumentalized to accomplish the goals of the nationality policy, as I elaboratedin my book (for instance, p. 47). Furthermore, A. Miller and M. Dolbilov identified an endeavor on the part of local officials to establish communal ownership of land in this province. This shows, according to the authors, that “the more or less homogenous, patriarchal peasant mass appeared at that time to prove a more viable support for the authorities than agricultural economic success”. Judging by the material at my disposal, I arrived at the conclusion that not only was social and economic modernisation of the province a marginal issue for the imperial authorities
in the aftermath of the 1863-64 Uprising but their policies often ran counter to this aim, as long as they were conducive to the so-called Russification.

Perhaps the most surprising conclusion is that the comparison between Russian imperial policy towards the Jews and the measures taken with regard to other non-dominant ethnic groups is not very fruitful because Jewish integration was allegedly different. It should be noted that the Reviewer’s criticism does not pertain to the way nationality policy towards different groups is depicted in my book, it rather denies the very possibility of including the Jewish Question into the context of imperial nationality policy. Countering this opinion, I would like first and foremost to pose an even more rhetorical question: how do we know that the process of integration of one particular group was unique, unless we compare it with that of other groups? A comparative approach usually disproves theories about uniqueness.[8] There are further arguments, which compel us to include the Jewish Question when researching nationality policy in the western borderlands of the empire. Let us begin with the fact that various nationality questions were interrelated. For example, in the early 1860s certain local officials considered the possibility of reducing anti-Jewish discrimination in order to make them loyal to the empire and thereby weaken the position of the Poles. Secondly, from the 1860s onwards officials came to regard the Jewish and Polish Questions as closely interconnected. J. Klier even goes so far as to claim that many of the imperial measures taken against the Jews were conditioned not so much by anti-Semitism as by the opposition to the Poles.[9] Thirdly, at first sight,it may seem that imperial officials implemented the same policy towards various national groups within the Western Province. For example, they attempted (with more or less success) to introduce the Russian language into religious services of non-Orthodox communities. However, a closer examination of specific cases shows that this nationality policy had other goals. The use of Russian in Catholic services was supposed to advance the conversion of Catholic Belarusians to Orthodoxy[10], whereas the translation of Jewish religious texts into Russian or the preaching in this language didn’t have this aim. Fourthly, it is only after examining policies towards all major national groups that we can understand the “ethnic hierarchy” existing in the minds of officials, which provided a very important tool for interpreting specific aspects of the nationality policy.[11] Fifthly, the comparison of Russian policies towards Jews, Poles, Lithuanians and Belarusians permits us to detect the differences inherent in those policies and thereby reassess the alleged aspiration of the authorities to assimilate all non-Russians or, conversely, the absence of any policy of assimilation., which have dominated scholarship for many a year. Finally, the proposal exclude the Jewish Question from our analysis of the nationality problems in the region ignores recent historical discussions, on possible approaches to the analysis of nationality problems[12], and in effect it suggests we bring our research back to historiographical ghettoes.

Notes:
[1] For more on this issue, see A. Miller, “Ukrainskii vopros” v politike vlastei i russkom obshchestvennom mnenii (vtoraia polovina XIX vieka). St Petersburg, 2000, p. 31-41; A. Miller, Shaping Russian and Ukrainian Identities in the Russian Empire During the Nineteenth Century: Some Methodological Remarks, in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas, 2001, vol. 2, p. 257; A. Miller, Between Local and Inter-Imperial. Russian Imperial History in Search of Scope and Paradigm, in: Kritika, Explorations in Russian and Eurasian History (2004), vol. 1, p. 23; L. Gorizontov, Bol‘shaia russkaia natsia“ v imperskoi i regional‘noi strategii samoderzhaviia, Prostranstvo vlasti: istoricheskii opyt Rossii i vyzovy sovremennosti, Moskva, 2001, p. 129-150; R. Vulpius, Nationalisierung der Religion. Russifizierungspolitik und ukrainische Nationsbildung 1860-1920, Wiesbaden, 2005, p. 32-33; D. Staliunas, Granitsy v pogranich’e: belorusy i etnolingvisticheskaia politika Rossiiskoi imperii na Zapadnykh okrainakh v period Velikikh Reform, in: Ab Imperio (2003), vol. 1, p. 261–292; D. Staliunas, Mozhet li katolik byt’ russkim? O vvedenii russkogo iazyka v katolicheskoe bogosluzhenie v 60-kh godakh XIX v., in: A. Kabytov, A. Miller, P. Werth (eds.), Rossiiskaia imperiia v zarubezhnoi istoriografii. Raboty poslednikh let: Antologiia. Moscow: Novoe izdatel’stvo, 2005, p. 570–588.
[2] A. Miller, Shaping Russian and Ukrainian Identities in the Russian Empire During the Nineteenth Century: Some Methodological Remarks, Jahrbücher für Geschichte Osteuropas, 49 (2001) 2, p. 258; A. Miller, Imperiia i natsiia v voobrazhenii russkogo natsionalizma. Zametki na poliakh odnoi stat’i A. N. Pypina,” in: M. Batalina and A. Miller (eds.), Rossiiskaia imperiia v sravnitel’noi perspektive. Moscow: Novoe izdatel’stvo, 2004, p. 263–285; A. Miller, Between Local and Inter-Imperial. Russian Imperial History in Search of Scope and Paradigm, Kritika, Explorations in Russian and Eurasian History (2004) 1, p. 23.
[3] I mentioned a lot more in the first version of my reply, but the Editors of H-Soz-u-Kult required to shorten my text.
[4] What is meant by modernisation could form a huge, separate discussion.
[5] A. Kappeler, Russland als Vielvölkereich. Entstehung, Geschichte,Zerfall, München, 2003, p. 203.
[6] Michael Haltzel, Der Abbau der deutschen ständischen Selbstverwaltung in den Ostseeprovinzen Rußlands. Ein Beitrag zur Geschichte der russischen Unifizierungspolitik 1855-1905, J. G. Herder-Institut, 1977, p. IX, 2.
[7] Lithuanian State Historical Archive, f. 378, BS, 1869, d. 40.
[8] As was demonstrated most effectively in Zita Medišauskiene’s review of Dmitrii El’iashevich’s book on Russian censorship: many of the alleged unique features of the censorship of Jewish books applied to other literature to. Z. Medišauskiene, Rec.: D. El’iashevich, Pravitel’stvennaia politika i evreiskaia pechat’ v Rossii 1797–1917. Ocherki istorii tsenzury. St Petersburg and Jerusalem, 1999, p. 792, in: Žydu klausimas Lietuvoje XIX a. viduryje, sud. V. Sirutavicius, D. Staliunas, Vilnius: Lietuvos istorijos instituto leidykla, 2004, p. 173.
[9] John D. Klier, Why Were Russian Jews Not Kaisertreu?, in: Ab Imperio (2004), vol. 4, p. 41–58.
[10] M. Dolbilov, Russification and the Bureaucratic Mind in the Russian Empire’s Northwestern Region in the 1860s, in: Kritika: Explorations in Russian and Eurasian History (2004), vol. 5/2, p. 249–258; D. Staliunas, Making Russians, p. 159-180. Another view to this problem: Th. R. Weeks, Religion and Russification: Russian language in the Catholic Churches of the Northwest Provinces after 1863, in: Kritika: Explorations in Russian and Eurasian History (2004), vol. 2/1, p. 87–110.
[11] A. Kappeler, Mazepintsy, malorossy, khokhly: ukraintsy v etnicheskoi ierarkhii Rossiiskoi imperii,” in: A. Miller, V. Reprintsev and B. Floria (eds.), Rossiia-Ukraina: istoriia vzaimootnoshenii. Moscow, 1997, p. 125–144.
[12] Here we have in mind the discussion over whether the regional or situational approach is the more suitable: A. Kappeler, ‘Rossiia – mnogonatsional’naia imperiia’: nekotorye razmyshleniia vosem’ let spustia posle publikatsii knigi, in: Ab Imperio (2000), vol. 1, p. 9–22; Aleksei Miller, Between Local and Inter-Imperial. Russian Imperial History in Search of Scope and Paradigm, in: Kritika, Explorations in Russian and Eurasian History, (2004) 1, p. 5-26; A. Miller, Imperiia Romanovykh i natsionalizm. Esse po metodologii istoricheskogo issledovaniia. Moscow, 2006, p. 28–32.


Re: D. Staliunas: Making Russians

Von Dohrn, Verena18.06.2008

Lieber Darius Staliunas, ich bedauere die Missverständnisse zwischen uns, aber ich sehe die von Ihnen in Ihrer Replik auf meine Rezension Ihres Buches angeführten großen Differenzen nicht. Selbstverständlich lese ich aus verschiedenen Gründen (wegen differenter kultureller und sprachlicher Voraussetzungen, Interessendivergenzen) Ihre Monographie unter anderen Aspekten, als Sie, der Autor, es intendieren. Doch in einem der angeführten Fälle benutzen wir lediglich unterschiedliche Begriffe für dieselbe Sache. Bei mir stehen „Russe“ und „Russland“ in diesem Zusammenhang gleichermaßen für den Ethnos und für den nationalen Diskurs im Unterschied zum Terminus „Russisches Reich“.

Was die Geschichte der Juden im Russischen Reich und die vergleichende Geschichtsforschung betrifft, so haben Sie mich gründlich missverstanden. Die vergleichende Geschichtsforschung, gerade auch im Bereich der reichsrussischen Integrationspolitik, ist unabdingbar. Ich folgte lediglich Ihrer Argumentation, als ich schrieb, die Akkulturation der Juden sei nach besonderen Kriterien vonstatten gegangen. Die These, dass der Vergleich der Regierungspolitik der 1860er-Jahre gegenüber den ethnokonfessionellen Gruppen der Litauer, der Belorussen und der Juden „nur begrenzte Aussagekraft“ habe, „da die Juden […] eine Sondergruppe (waren) und Ihre Integration […] nach eigenen Kriterien (verlief)“, ist lediglich eine kritische Schlussfolgerung, die auf Ihren eigenen Erkenntnissen basiert und die auch meinen eigenen Einsichten entspricht.

Mit kollegialem Gruß
Verena Dohrn, Hannover


Redaktion
Veröffentlicht am
05.05.2008
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