Cover
Titel
A Força das Armas. o Apoio da República Federal da Alemanha ao Estado Novo 1958-1968


Autor(en)
Fonseca, Ana Mónica
Reihe
Colecção Biblioteca Diplomática – Série D
Anzahl Seiten
241 S.
Preis
Rezensiert für 'Connections' und H-Soz-Kult von:
Bastian Hallbauer, Hamburg

Mit der vorliegenden Dissertation über die bilateralen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der zweiten portugiesischen Republik von 1958 bis 1968 schließt Ana Mónica Fonseca eine aus portugiesischer Sicht bislang entstandene Lücke, die auch für die deutsche Portugalforschung einen beträchtlichen Wert hat. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen die Waffenlieferungen der Bundesrepublik Deutschland an das Portugal Salazars. Darüber hinaus bringt sie auch Licht in die beiderseitigen diplomatischen Beziehungen und erwähnt die Bedeutung der Beziehungen vor dem Hintergrund der portugiesischen Kolonialpolitik in Afrika.

Die Geschichte über die Anfänge der bilateralen Beziehungen sind zwischen beiden Staaten ist bisher von der Forschung noch sehr stiefmütterlich behandelt worden. Im Interesse beider Seiten standen vor allem die Beziehungen während des Zweiten Weltkrieges und deren Folgen.[1] Lediglich die 1998 veröffentlichte Dissertation von Thomas Schroers bildet eine Ausnahme für den deutschsprachigen Raum.[2] Sie behandelte die beiderseitigen Beziehungen zwischen Portugal und der Bundesrepublik aus politikwissenschaftlicher Sicht im Zeitraum von 1949 bis 1976.

Die Zeit der Dekolonisation in Afrika und Asien ist ein für die portugiesische Gesellschaft nach wie vor schwieriger Abschnitt. Markiert doch das Ende der Kolonialherrschaft in Afrika nicht nur das Ende des Estado Novo und des Professorenstaates, sondern auch den Prestigeverlust eines in Europa durch seine Randlage relativ unbedeutenden Landes. Die Folgen sind bis heute in der portugiesischen Gesellschaft, wie in den Gesellschaften aller ehemaligen Kolonialmächte, in vielerlei Hinsicht erfahrbar. Da die Aufarbeitung dieser Zeit in Portugal bereits zu einem guten Teil gelungen ist, kann sich die Forschung nun auf neuer Grundlage den bilateralen Vernetzungen in dieser Zeit widmen.

Ana Mónica Fonseca gelingt es durch die Einsicht in die Aktenbestände [3] beider Länder, die Anregungen von Schroers aufzugreifen und weiter zu entwickeln. Sie greift in ihrem Werk, anders als Schroers neun Jahre zuvor, vor allem auf Aktenmaterial des portugiesischen Außenministeriums und des Politischen Archivs des Auswärtigen Amtes zurück, bezieht aber auch die Aktenbestände aus dem Arquivo Salazar des Nationalarchivs in Lissabon mit in ihre Betrachtung ein.

War die deutsche Forschung aufgrund der Dissertation von Schroers bisher noch von eher marginalisierten bilateralen Beziehungen zwischen beiden Staaten ausgegangen, so lässt sich mit Hilfe Fonsecas diese These grundlegend berichtigen, vor allem aus portugiesischer Sicht.[4] Die Autorin kommt zu dem Schluß, dass die Bundesrepublik Deutschland den Beziehungen zu Portugal in den 1960er Jahren weit mehr Bedeutung anmaß, als dies bislang vermutet wurde. Und die Bundesrepublik hatte umgekehrt einen viel größeren Einfluss auf die portugiesische Politik hatte, als dies angesichts des Einflusses des historischen Verbündeten Großbritanniens und der Supermacht USA möglich erschien.

Dabei ist ihre Beweisführung stichhaltig und wird in den verschiedenen Kapiteln stringent verteidigt. Allerdings gibt es einige Dinge, die auch sie nicht in ihre Arbeit aufgenommen hat, die aber von größerer Bedeutung sind, so vor allem die persönliche Note der Beziehungen zwischen Botschaftern und Ministern, die gänzlich unerwähnt bleibt. An der Grundthese gibt es nichts zu kritisieren, dennoch entziehen sich dem Verständnis des Lesers einige Zusammenhänge. So wird die Auseinandersetzung mit der außenpolitischen Haltung [5] der Bundesrepublik Deutschland gegenüber der portugiesischen Dekolonisation nur am Rande gestreift.[6] Anders dagegen in der Arbeit von Schroers, der die Linien der bilateralen Beziehungen, wenn auch aus streng politikwissenschaftlicher Sicht, vor dem Hintergrund der portugiesischen Kolonialpolitik nachzeichnet.[7]

Welche Auswirkungen dieses Bündnis auf die Weltpolitik hatte, wird allerdings von beiden Arbeiten nicht thematisiert. Eine Darstellung der Hintergründe über die Aufnahme der gegenseitigen Beziehungen in den frühen 1950er Jahren fehlt beiden Arbeiten und wirft dadurch vielfältige neue Fragen zur Entstehung der Beziehungen auf. Ungeachtet solcher kritischer Einwände, die eher auf die Anregung für weiterführende Forschung verweisen, ist Fonseca mit ihrer Arbeit ein breit quellengestützter Einblick in die Beziehungsgeschichte beider Staaten gelungen, der zweifellos neue Impulse für weitere Untersuchungen geben kann.

Anmerkungen:
[1] Als Beispiele seien hier angeführt die Werke von António Louça: Portugal visto pelos Nazis. Documentos 1933-1945, Lisboa 2005; sowie: Nazigold für Portugal. Hitler und Salazar, Wien 2002.
[2] Schroers, Thomas, Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland. Die Entwicklung der Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zur Portugiesischen Republik (1949-1976), Hamburg 1998.
[3] Sowohl die Bestände des Nationalarchivs und des Archivs des Außenministeriums beide in Lissabon, als auch die Bestände des Politischen Archivs des Auswärtigen Amtes in Berlin.
[4] Fonseca, Ana Mónica, A Força das Armas. O Apoio da República Federal da Alemanha ao Estado Novo 1958-1968, Lisboa 2007, S. 228ff.
[5] Erwähnt wird aber der Aufsatz von Zimmerer, Jürgen: “Der bestregierte Staat Europas”. Salazar und sein „Neues Portugal“ im konservativen Abendland-Diskurs der frühen Bundesrepublik Deutschland, in: Grossegesse, Orlando u.a. (Hgg.), Portugal- Alemanha – Brasil. Actas do VI Encontro Luso-Alemão (= 6. Deutsch-Portugiesisches Arbeitsgespräch), Universidade do Minho 2003, S. 81-102.
[6] Fonseca, Ana Mónica, A Força das Arma, Lisboa 2007, S. 142-154.
[7] Schroers, Thomas, Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland, Hamburg 1998, S. 53-73.

Redaktion
Veröffentlicht am
14.03.2008
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Diese Rezension entstand im Rahmen des Fachforums 'Connections'. http://www.connections.clio-online.net/
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