Rezensionsessay: Partikulare und universale Erinnerung. Natan Sznaiders unpolemischer Beitrag zur aktuellen Debatte um Holocaust und Kolonialismus

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Title
Fluchtpunkte der Erinnerung. Über die Gegenwart von Holocaust und Kolonialismus


Author(s)
Sznaider, Natan
Published
München 2022: Carl Hanser Verlag
Extent
256 S.
Price
€ 24,00
Reviewed for H-Soz-Kult by
Jonas Kreienbaum, Historisches Institut, Universität Rostock

Im Frühjahr 2020 kritisierte der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, die Einladung des prominenten postkolonialen Theoretikers Achille Mbembe als Eröffnungsredner der Ruhrtriennale in Bochum. Klein warf dem aus Kamerun stammenden, in Südafrika lehrenden Historiker und Politikwissenschaftler die Relativierung des Holocaust vor. Zudem stelle Mbembe das Existenzrecht Israels in Frage, daher solle die Einladung zurückgenommen werden. Ein „Feuilletonkrieg“ (S. 13) entbrannte, bei dem wechselseitig Vorwürfe des Antisemitismus und Rassismus formuliert wurden.[1] Ein Jahr später, mit der Veröffentlichung von Michael Rothbergs ursprünglich 2009 erschienenen Studie Multidirectional Memory in deutscher Übersetzung, ging der Streit in eine neue Runde.[2] In diesem Kontext verfasste der australische Historiker A. Dirk Moses im Mai 2021 eine Polemik mit dem Titel „Der Katechismus der Deutschen“, in der er argumentierte, dass der Glaube an die Singularität der Shoah eine wichtige Rolle spiele, „andere historische Verbrechen auszublenden“ – und dazu zählten gerade auch koloniale Gewalttaten.[3] Die Debatte um mögliche Zusammenhänge von Kolonialismus und Nationalsozialismus, um die Einzigartigkeit und Vergleichbarkeit des Holocaust sowie um seinen Platz in der Erinnerung der Deutschen dominierten in den Folgemonaten das deutschsprachige Feuilleton. In diesen „Historikerstreit 2.0“, wie er in Anspielung auf die Auseinandersetzung um das Verhältnis von nationalsozialistischen und stalinistischen Verbrechen aus dem Jahr 1986 häufig genannt wird, mischt sich der in Tel Aviv lehrende Soziologe Natan Sznaider mit seinem neuen Buch Fluchtpunkte der Erinnerung ein.

Sznaider geht es darum, die Debatte „in einem größeren historischen und soziologischen Rahmen [zu] verankern“ (S. 15f.). Denn ihre Argumente „fielen nicht vom Himmel und waren schon lange intellektuell vorbereitet“ (S. 16). Mit diesem Ziel begleitet Sznaider im ersten Hauptteil des Bandes verschiedene jüdische und postkoloniale Intellektuelle seit der Zwischenkriegszeit; er schildert ihr Denken über Emanzipation, Kolonialismus, Holocaust und Israel. Sein besonderes Augenmerk gilt dabei dem Verhältnis von partikularistischen und unversalistischen Deutungsversuchen. Er beginnt mit dem 1893 in Budapest geborenen und später nach Deutschland übergesiedelten jüdischen Soziologen Karl Mannheim, dessen Wissenssoziologie den „theoretischen Rahmen dieses Essays“ (S. 22) liefert. Mannheim bezweifelte, dass es eine objektive Beobachterposition gibt, aus der sich die Wahrheit erkennen ließe. Vielmehr sei die Perspektive auf die Welt, die aus den Erfahrungen der betrachtenden Person folgt, notwendig subjektiv und entscheidend für ihr Verständnis. Diese Standortgebundenheit der Denker:innen nimmt Sznaider mit Mannheim sehr ernst, wenn er anschließend unter anderem über Claude Lanzmann, Frantz Fanon, Albert Memmi, Edward Said schreibt – und immer wieder über Hannah Arendt.

Dabei entdeckt Sznaider durchaus Gemeinsamkeiten zwischen jüdischer und (post-)kolonialer Erfahrung. So habe sich das Versprechen der Aufklärung, das vor allem im französischen Kontext wichtig gewesen sei, für beide Gruppen als trügerisch erwiesen. Gerade der Antisemitismus im Zuge der Dreyfus-Affäre der 1890er-Jahre habe Assimilierungshoffnungen zerstört und gezeigt, dass Juden nicht voll anerkannter Teil der Mehrheitsgesellschaft geworden waren. Theodor Herzl zog daraus den Schluss, dass nationale Souveränität die einzig mögliche Lösung wäre. Sein Zionismus war eine Antwort auf den europäischen Antisemitismus. Ähnlich enttäuscht war Jahrzehnte später der auf Martinique geborene Frantz Fanon, der im Zweiten Weltkrieg für die Freien Französischen Streitkräfte gekämpft hatte, aber stets, wie Sznaider bemerkt, „den französischen weißen Blick auf seine[r] schwarzen Haut“ (S. 93) spürte. Er sah sich „vom französischen Universalismus verraten“ (S. 99) und schloss sich schließlich dem algerischen Befreiungskampf gegen die französische Kolonialmacht an.

Vor allem aber betont Sznaider die partikularen Perspektiven seiner Protagonist:innen, gerade wenn es um die Bewertung des Holocaust und des Staates Israel geht. Mit Blick auf Arendt kritisiert er, dass sie anhand einer selektiven Lektüre ihres Werkes „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“[4] zu häufig als „Vordenkerin einer kolonialen Wende in den Holocaust-Studien“ (S. 74) verstanden werde. Dabei gehe ihr spezifisch jüdischer Blick verloren, der die Einzigartigkeit der Judenvernichtung hervorhebe, etwa wenn sie 1946 schreibt: „Von allen Verfolgten wurden nur die Juden für den sicheren Tod ausersehen […] der wesentliche Punkt ist der, dass nur die Juden unausweichlich in die Gaskammern geschickt wurden[.]“ (S. 61) „Elemente und Ursprünge“ lasse sich, so Sznaider, zugleich als universales und partikulares Buch lesen, als Werk der Autobiografie und der politischen Theorie (S. 69). Noch deutlicher werden die Unterschiede, wenn Sznaider auf eine Auseinandersetzung zwischen Edward Said, dem in Palästina geborenen postkolonialen Theoretiker, und dem amerikanisch-jüdischen Philosophen Michael Walzer eingeht. Said griff Walzer an, nachdem dieser 1985 die biblische Geschichte von der Befreiung der Juden aus der ägyptischen Sklaverei als positiv besetzten „zionistische[n] Mythos der jüdischen Befreiung und Unabhängigkeit“ interpretiert hatte (so Sznaiders Formulierung, S. 148). Für Said handelte es sich beim Buch Exodus hingegen um eine Rechtfertigung des jüdischen Kolonialismus. Ihm ging es darum, die Geschichte aus der Perspektive der Kanaaniter:innen (bzw. Palästinenser:innen) zu schreiben. Letztlich, so urteilt Sznaider, sehen wir „in dieser Debatte zwei partikulare Erzählungen, die sich aber [beide] als universell verstehen“ (S. 150).

Das ist einer der zentralen Gedanken des Buches, der sich auch im zweiten, kürzeren Teil wiederfindet, der mit dem titelgebenden Terminus „Fluchtpunkte der Erinnerung“ überschrieben ist. Hier widmet sich Sznaider zunächst dem „Fluchtpunkt“ Israel, der je nach Perspektive als koloniales, antikoloniales oder postkoloniales Projekt apostrophiert wird. Sind Juden weiße Europäer, die in Palästina eine Siedlungskolonie errichtet haben und dabei sogar selbst zum Mittel des Völkermordes gegriffen haben? Oder sind sie ein nicht-weißes Kolonialvolk, das am meisten unter der rassistischen Politik der Europäer:innen gelitten hat – und ist Israel damit ein postkolonialer Staat? Es handelt sich für Sznaider um „sich gegenseitig ausschließende Blickwinkel“ mit fatalen politischen Folgen, die zu ständigen bewaffneten Auseinandersetzungen und Kriegen führen (S. 163f.). Gerade vor diesem Hintergrund grenzt sich der Autor von Rothbergs Ansatz der „multidirektionalen Erinnerung“ ab – Erinnerungen, die sich „gegenseitig verstärken und gemeinsam gelesen werden“ (S. 162). Stattdessen schlägt er eben den Begriff der „Fluchtpunkte der Erinnerung“ vor, bei dem sich die Erinnerungen an Holocaust und Kolonialismus auf parallelen Linien (auf verschiedene Fluchtpunkte zu) bewegen, ohne zwangsläufig in einem konstanten Austauschverhältnis zu stehen. Damit werde auch partikularen Erinnerungen Platz eingeräumt, ohne dass gemeinsame Beschreibungen von Holocaust und Kolonialismus ausgeschlossen würden.[5] Es ließe sich hier allerdings kritisch fragen, inwiefern Rothbergs Ansatz tatsächlich dazu tendiert, Erinnerungskonflikte in einer „Illusion der multidirektionalen Erinnerung“ aufzulösen, wie es Sznaider in einem Interview formuliert hat.[6] Schließlich räumt der amerikanische Literaturwissenschaftler durchaus ein, dass „Multidirektionalität der Erinnerung“ nicht zwangsläufig Solidarität bewirkt, „sondern den Interessen von Gewalt und Ausschluss“ dienen kann.[7]

Im anschließenden Abschnitt fokussiert Sznaider auf die Holocaust-Erinnerung in Deutschland. Er argumentiert, dass die zunehmende Globalisierung eine veränderte Erinnerungskultur befördert habe.[8] Der Holocaust werde auch als kolonialer Genozid gedacht, weil dies erlaube, „Deutschland als ‚normales‘ europäisches Land“ zu interpretieren (S. 193). Damit trügen die Deutschen nicht mehr als Deutsche eine spezifische Schuld an der Ermordung der europäischen Juden, sondern eine geteilte Schuld als europäische Kolonisatoren.[9] Die andere Seite, die den Holocaust hingegen als spezifisch antisemitisch motiviertes Verbrechen versteht, widerspricht dieser Lesart entschieden. Unerwähnt bleibt an dieser Stelle eine Position, die von Jürgen Zimmerer und anderen wiederholt vertreten worden ist: Sie argumentieren, dass es die These von der Singularität des Holocaust erlaubt habe, andere deutsche Gewaltverbrechen – zuvorderst den Genozid in Deutsch-Südwestafrika – zu marginalisieren und so die deutsche Geschichte mit Ausnahme der Jahre 1933 bis 1945 als relativ unbelastet erscheinen zu lassen.[10] Auffällig ist hier und im gesamten Buch außerdem, dass der Bezugspunkt der Holocaust ist, in Verbindung mit Fragen rund um Antisemitismus und Israel. Der andere Teil der geschichtswissenschaftlichen Kontinuitätsdebatte, also die Frage, inwiefern sich Krieg und Siedlungspläne der Nationalsozialisten in Osteuropa als kolonial verstehen lassen, bleibt dabei fast gänzlich ausgespart. Es ist aber gerade diese Relation, die in der Forschung zuletzt für besonders plausibel erachtet worden ist (und beide Komplexe hängen miteinander zusammen).[11]

Sznaider beschließt sein Buch mit dem Blick auf „Rassismus und Antisemitismus“ und einem Plädoyer für ein Sowohl-als-auch des Erinnerns. Er schreibt: „Unser Denken ist in der Vielzahl von Bedeutungen eingeschlossen: weder westlich noch nichtwestlich, sondern beides. Nicht Kolonialismus oder Holocaust, sondern beides.“ (S. 214) Letztlich gehe es darum, Universalismus und Partikularismus zusammenzudenken und zu reflektieren. Die aktuelle Debatte kranke vor allem daran, dass die Beteiligten ihre partikularen Standpunkte als universale Wahrheiten deklarierten (S. 211). Gleichzeitig verwahrt sich der Verfasser aber auch dagegen, partikulare Positionen per se als illegitim zu betrachten.

Natan Sznaiders Buch ist ein willkommener Beitrag zu einer zentralen zeitgenössischen Debatte, die uns gewiss noch eine Weile begleiten wird. Positiv ist dabei vor allem hervorzuheben, dass sich der Soziologe bemüht, den Positionen beider Seiten ohne Polemik gerecht zu werden: „Ich plädiere für mehr Gelassenheit in der Diskussion, obwohl ich weiß, dass es nicht geht.“[12] In den Feuilletons war zuletzt ein gewisses Maß an Aneinander-Vorbeireden auffällig. So haben etwa Zimmerer und Rothberg in einem Artikel für die „ZEIT“ „Enttabuisiert den Vergleich!“ gefordert und dadurch suggeriert, dass die Gegenseite eine komparative Auseinandersetzung mit der Shoah grundsätzlich ablehne.[13] Doch verweisen die meisten Autor:innen, die sich kritisch zu postkolonialen Holocaust-Deutungen äußern, ganz selbstverständlich darauf, dass nur der Vergleich der Shoah Aussagen über ihre Einzigartigkeit erlaubt.[14] Umgekehrt hat Götz Aly in einem Interview konstatiert, „[e]s gibt nichts, das deckungsgleich mit dem Holocaust wäre“, und damit nahegelegt, dass die anderen genau das behaupteten.[15] Doch auch Zimmerer, Rothberg und Moses – mit ihren je eigenen Positionen – wollen „keineswegs die singulären Elemente des Holocaust“ verneinen.[16] Sznaiders genaue Rekonstruktion der Argumente verschiedener Denker:innen im ersten Hauptteil des Buches, die in die heutige Debatte einfließen, besticht vor diesem Hintergrund durch ein wohltuendes Maß an Ausgeglichenheit und Differenzierung.

Im zweiten Teil scheint dann Sznaiders eigene Standortgebundenheit stärker durch. Hier wird greifbar, dass er jüdischen Ansätzen letztlich nähersteht als postkolonialen, was – mit Mannheims Wissenssoziologie gedacht – ja auch nur naheliegend ist. Es deutet sich an, dass er die in der Einleitung formulierte Frage, ob „beide Seiten von ihrem Standpunkt aus recht haben“ könnten (S. 21), doch nicht mit einem klaren Ja beantworten würde.[17] Er schreibt: „Der Postkolonialismus denkt oft in Dichotomien: in Kolonisierende und Kolonisierte, in Weiße und Nichtweiße, […] in Täter und Opfer […]. Dagegen erzählen jüdische Erfahrungen eine andere Geschichte, nämlich die Geschichte des ‚Sowohl-als-auch‘, eine Geschichte, die diese Dichotomien aufbricht […].“ (S. 176) Angesichts der Heterogenität und oft auch Widersprüchlichkeit postkolonialer Ansätze erscheint eine solche Kategorisierung zu holzschnittartig.[18] So ließe sich anführen, dass der Fokus auf die Agency von Kolonisierten in vielen postkolonial informierten Studien gerade die starre Dichotomisierung in Täter und Opfer unterläuft – eine Dichotomisierung, die im Übrigen bei etlichen Interpretationen des Holocaust sehr viel zentraler ist.[19] Erinnerung, die weniger auf Exklusivität als auf Sowohl-als-auch ausgerichtet ist, kann sich mithin nicht allein auf jüdische, sondern auch auf postkoloniale Traditionen beziehen. Und dass diese Kategorien selbst nicht immer eindeutig sind, zeigt Sznaider mit Blick auf Albert Memmi (1920–2020). In Tunis geboren, war er sowohl Jude als auch Araber, sowohl Franzose als auch Kolonisierter. Seine Biografie und sein Denken stehen letztlich quer zu einer einfachen Lagerbildung in „Debatten über Postkolonialismus und Judentum“ (S. 122).

Anmerkung der Redaktion:
Bei diesem Text handelt es sich um einen Rezensionsessay, eine von H-Soz-Kult 2022 eingeführte Rubrik, in der wichtige Publikationen in einem längeren und etwas freieren Format besprochen werden können.

Anmerkungen:
[1] Zur Mbembe-Debatte siehe u.a. Andreas Eckert, Postkoloniale Zeitgeschichte?, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History 17 (2020), S. 530–543, https://zeithistorische-forschungen.de/3-2020/5881 (02.06.2022); Randi Becker, Gleichheit und Differenz. Achille Mbembe, der Holocaust und das Judentum, in: Jan Gerber (Hrsg.), Die Untiefen des Postkolonialismus, Berlin 2021, S. 104–119.
[2] Michael Rothberg, Multidirektionale Erinnerung. Holocaustgedenken im Zeitalter der Dekolonisierung, Berlin 2021; rezensiert von Katharina Stengel, in: H-Soz-Kult, 11.05.2021, https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-95854 (02.06.2022). Siehe auch Jürgen Zimmerer / Michael Rothberg, Enttabuisiert den Vergleich!, in: ZEIT, 31.03.2021, S. 59, https://www.zeit.de/2021/14/erinnerungskultur-gedenken-pluralisieren-holocaust-vergleich-globalisierung-geschichte (02.06.2022).
[3] A. Dirk Moses, Der Katechismus der Deutschen, in: Geschichte der Gegenwart, 23.05.2021, https://geschichtedergegenwart.ch/der-katechismus-der-deutschen/ (02.06.2022).
[4] Das Buch erschien zunächst 1951 auf Englisch (Hannah Arendt, The Origins of Totalitarianism, New York 1951) und erst vier Jahre später in überarbeiteter Form auf Deutsch (Hannah Arendt, Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, Frankfurt am Main 1955).
[5] Ausführlicher zur Unterscheidung der beiden Konzepte äußert sich Sznaider auch in René Aguigah, Langes Gespräch mit Natan Sznaider: Kolonialismus und Holocaust, in: Deutschlandfunk Kultur, 15.05.2022, https://www.deutschlandfunkkultur.de/langes-gespraech-mit-natan-sznaider-kolonialismus-und-holocaust-dlf-kultur-7dc791cd-100.html (02.06.2022).
[6] Ebd.
[7] Rothberg, Multidirektionale Erinnerung, S. 37.
[8] Siehe dazu vor gut zwei Jahrzehnten – mit etwas anderen Perspektiven – bereits Daniel Levy / Natan Sznaider, Erinnerung im globalen Zeitalter. Der Holocaust, Frankfurt am Main 2001.
[9] Zur Europäisierung des Erinnerns an den Holocaust siehe u.a. Arnd Bauerkämper, Das umstrittene Gedächtnis. Die Erinnerung an Nationalsozialismus, Faschismus und Krieg in Europa seit 1945, Paderborn 2012, und Claus Leggewie / Anne Lang, Der Kampf um die europäische Erinnerung. Ein Schlachtfeld wird besichtigt, München 2011.
[10] Jürgen Zimmerer, Nationalsozialismus postkolonial. Plädoyer zur Globalisierung der deutschen Gewaltgeschichte, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 57 (2009), S. 529–548, hier besonders S. 544, https://zeithistorische-forschungen.de/sites/default/files/medien/material/2008-3/Zimmerer_Nationalsozialismus.pdf (02.06.2022). Siehe beispielsweise auch Christoph Marx, Entsorgen und Entseuchen. Zur Diskussionskultur in der derzeitigen namibischen Historiographie – eine Polemik, in: Henning Melber (Hrsg.), Genozid und Gedenken. Namibisch-deutsche Geschichte und Gegenwart, Frankfurt am Main 2005, S. 141–161, hier S. 153.
[11] Vgl. Frank Bajohr / Rachel O’Sullivan, Holocaust, Kolonialismus und NS-Imperialismus. Forschung im Schatten einer polemischen Debatte, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 70 (2022), S. 191–202.
[12] „Die Gegensätze aufrechterhalten“, in: taz, 01.02.2022 (Interview von Till Schmidt mit Natan Sznaider), https://taz.de/Natan-Sznaider-ueber-Postkolonialismus/!5828885/ (02.06.2022).
[13] Zimmerer / Rothberg, Enttabuisiert den Vergleich!
[14] Etwa Sybille Steinbacher, Über Holocaustvergleiche und Kontinuitäten kolonialer Gewalt, in: Saul Friedländer u.a., Ein Verbrechen ohne Namen. Anmerkungen zum neuen Streit über den Holocaust, München 2021, S. 53–68; siehe auch Jürgen Habermas, Statt eines Vorworts, in: ebd., S. 7–13. Vgl. dazu die Rezension von Michael Wildt, in: H-Soz-Kult, 13.05.2022, https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-114581 (02.06.2022).
[15] Götz Aly, „Es gibt nichts, das deckungsgleich mit dem Holocaust wäre“, in: Deutschlandfunk Kultur, 13.07.2021, https://www.deutschlandfunkkultur.de/goetz-aly-es-gibt-nichts-das-deckungsgleich-mit-dem-100.html (02.06.2022). In eine ähnliche Richtung geht Jürgen Kaube, Die Gleichmacher, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.06.2021, S. 43f.
[16] Zimmerer / Rothberg, Enttabuisiert den Vergleich! Vgl. auch Moses, der geraderückt: „Der Holocaust ist natürlich ein antisemitischer Akt.“ A. Dirk Moses, Neuer Historikerstreit? Neuer Autoritarismus!, in: Berliner Zeitung, 07.08.2021, S. 12 (dortige Hervorhebung).
[17] In einem Interview erklärt Sznaider dazu passend, dass er selbst den Holocaust primär als antisemitisches Verbrechen verstehe, nicht als rassistisches oder als Verbrechen gegen die Menschheit an sich. Siehe Aguigah, Langes Gespräch mit Natan Sznaider.
[18] Vgl. etwa einführend Robert J.C. Young, Postcolonialism. A Very Short Introduction, Oxford 2003, S. 6f.; Ulrike Lindner, Neuere Kolonialgeschichte und Postcolonial Studies, Version 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 15.04.2011, https://docupedia.de/zg/lindner_neuere_kolonialgeschichte_v1_de_2011 (02.06.2022).
[19] Sznaider selbst weist auf die elementare Unterscheidung zwischen Opfern und Tätern im Denken etwa von Claude Lanzmann und Jean Améry hin. Vgl. auch A. Dirk Moses, The Problems of Genocide. Permanent Security and the Language of Transgression, Cambridge 2021; rezensiert von Norbert Finzsch, in: H-Soz-Kult, 13.05.2022, https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-95724 (02.06.2022).